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Wasser- und wetterfeste Schichten bildendes Anstrichmittel Die Verwendung
von Portlandzement in Anstrichmitteln hat trotz der hohen Wasser- und Wetterfestigkeit
zementlialtiger Schichten keine große praktische Bedeutung erlangt, weil die Verarbeitung
der wäßrigen Zementschlämmen aus zwei Gründen Schwierigkeiten bereitet. Einmal kann
wegen der kurzen Abbindezeit jeweils nicht mehr Zement mit Wasser angerührt werden,
als sich in den nächsten 2 bis 3 Stunden verarbeiten läßt. Es ist
also nicht möglich, einen größeren Vorrat an gebrauchsfertiger Zementschlämme bereitzuhalten
oder nicht verarbeitete Reste vom Vortage zu verwerten. Noch störender macht sich
der schlechte Verlauf zernenthaltiger Anstrichmittel bemerkbar, selbst auf gut vorgenäßtem
Untergrund oder wenn die Massen stark mit Wasser verdünnt werden und bereits vom
Pinsel ablaufen. Es entstehen nur unschöne Flächen, auf denen die Pinselstriche
und -ansätze sichtbar bleiben.
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Es wurde nun gefunden, daß diese Mängel nicht auftreten, wenn die
zernenthaltigen überzugsinaterialien wasserlösliche Salze carboxylgruppenhalt i
g' er Polymerisate in Mengen zwischen o,1 und io Gewichtsprozent, berechnet
auf die anwesende Zeinentnienge, enthalten. Während bei der Herstel-Iting von Schlämmanstrichen
oder Schlämmputzen aus Portlandzement bisher nur soviel Zementmilch angerührt werden
durfte, wie sich innerhalb 2 bis 3 Stunden verarbeiten läßt, bleibt sie schon
bei ganz geringen Gehalten eines carboxylgruppenhaltigen Polymerisats in Form eines
wasserlöslichen Salzes, z. B. o,5 bis i II/o der anwesenden Zementmenge, über
längere
Zeit völlig stabil. je nach dem Polymerisationsgrad des anwesenden polymeren Salzes
ergibt bereits ein Zusatz von o,i bis 2% auf porösem Untergrund einen völlig strichfreien,
lackartigen Verlauf der aufgetragenen Schichten selbst dann, wenn der Untergrund
vor dem Auftragen der Masse nicht angefeuchtet wurde. Infolge der hohen Konsistenz
des Bindemittels kann das Wasser nicht in den saugfähig-en Untergrund wegschlagen,
so daß der Zement vollständig und haftfest abbinden kann.
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Es ist überraschend, daß auch verhältnismäßig große Zusätze der wasserlöslichen
polymeren Salze die Wetterfestigkeit der Schlämmanstriche nicht wesentlich beeinträchtigen.
Erst bei Gehalten über i0%macht sich dieWasserlöslichkeit der polymeren Salze in
den Zementschichten störend bemerkbar. Außerdem können die Salze von Polycarbonsäuren,
die spröde und brüchige Filme liefern, wie Polymethacrylsäure oderMischpolymerisate
ausMethacrylsäure und niederen Estern der Methacrylsäure bzw. Methacrylsäureamid,
Rißbildung oder ein Ab-
platzen der Zementschichten von der Unterlage verursachen,
wenn sie in übermäßig großen Mengen anwesend sind.
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Wasserlösliche Salze carboxylgruppenhaltiger Polymerisate, welche
sich im Sinne der Erfindung als brauchbar erwiesen haben, sind in erster Linie die
Alkalisalze der Polyacrylsäure und Polymethacrylsätire sowie die diese Säuren enthaltend-en
Mischpolymerisate aus anderen polymerisierbaren Äthylenverbindungen mit dtr Gruppe
CH2 = C<,
wie beispielsweise Vinylester, Vinyläther, Vinylketone, Styrol,
Acrylsäurederivate und ihre Homologen, insbesondere deren Ester. Auch Mischpolymerisate
aus Vinylacetat und Crotonsäure sowie Äthylendi- und - -polycarbonsäuren
enthaltende Mischpolymerisate können gleichfalls in Form ihrer Alkalisalze Verwendung
finden. Wasserlösliche Erdalkalisalze bildende, Mischpolymerisate, wie solche aus
Acrylsäure mit etwa 35 bis 8o Gewichtsprozent niederen Estern der Acrylsäure
oder aus Methacrylsäure mit etwa 2o bis 6o Gewichtsprozent niederen Estern der Metbacrylsäure,
können dem Portlandzetnent direkt zugegeben werden, weil sie sich in den Aufschlämmungen
zu wasserlöslichen Calciumsalzen umsetzen.
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Es ist nicht notwendig, die carboxylgruppenha1,-tigen Polymerisate,
welche wasserunlösliche Calciumsalze bilden, in Form ihrer wasserlöslichen Salze
zu verwenden; vielmehr können sie auch zusammen mit Alkalihydroxyden oder Alkalisalzen
in wasserunlöslichen, Calciumsalze überführbaren Säuren, wie die Natrium- oder Kaliumsalze
der Schwefelsäure, Phosphorsäure und Oxalsäure, zur Anwendung gelangen. In diesem
Falle erfolgt der Übergang in wasserlösliche Salze erst beim Einrühren der pulverförmigen
Gemische aus Zement, Polymerisat und Alkaliverbindung in Wasser oder bei Zugabe
der Polymerisatpulver und Alkaliverbindungen zur Zementschlämme. Die Alkaliverbindungen
können sowohl in solchen Mengen anwesend sein, die zur vollständigen Überführung
der Polymerisate in ihre Alkalisalze ausreichen, als auch in überschüssigen Mengen
zur Anwendung gelangen. Die Zusätze müssen jedoch wenigstens in solchen Anteilen
vorhanden sein, daß sich wasserlösliche Doppelsalze der Polymerisate bilden können.
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Die erfindungsgemäßen Überzugsmaterialien können auf verschiedene
Weise hergestellt werden. Am zweckmäßigsten werden sie in Form pulverförmiger Gemische
aus Portlandzement und Polymerisat, die gegebenenfalls noch die erforderliche Menge
einer Alkaliverbindung enthalten, in den Handel gebracht und an Ort und Stelle in
etwa gleiche bis i1/2fache Raumteile Wasser eingerührt. Man kann aber auch in die
7ernentschlämme entweder geeignete Mengen eines wasserlösliche Erdalkalisalze bildenden
Polymerisats oder eines Polymerisats, das bereits in Form eines wasserlöslichen
Salzes bzw. in Mischung mit einer zur Bildung Beines wasserlöslichen Salzes ausreichenden
Menge von Alkaliverbindungen'vorliegt, in Pulverform oder als wäßrige Lösung einrühren.
Sobald das Polymerisat in Lösung gegangen bzw. die Polymerisatlösung gleichmäßig
verteilt ist, d. h. die Viskosität der Masse sich nicht mehr verändert, ist
das Anstrichmittel gebrauchsfertig.
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Die beschriebenen Überzugsmassen können die üblichen Zusatzstoffe,
wie Farbkörper, faserige Materialien u. dgl. sowie Mörteldichtungs- und -härtungsmittel
enthalten. Fern-er können neben den carboxylgruppenhaltigen Polymerisaten noch andere
Leimstoffe, beispielsweise Methylcellulost, Polyvinylalkohol sowie pflanzliche und
tierische Leime, zur Erzielung besonderer Effekte in solchen Mengen anwesend sein,
daß die Schichten rißfrei auftrocknen und ihre Wasser- und Wetterfestigkeit nicht
einbüßen.
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Die auf diese Weise erhaltenen Überzugsmassen lassen sich auf beliebige
Untergründe, wie Holz, Metall und insbesondere Mauerwerk, auftragen. Die Verarbeitung
kann je nach Konsistenz der Überzugsmassen mit Hilfe aller gebräuchlichen
Arbeitsgeräte, wie Pinseln, Spachteln, Kellen, Kartätschen, Aufiiehbrettern, Reibebrettern
u. dgl., erfolgen. Bei Anwendung von carboxylgruppenhaltigen Polymerisaten mit niedrigen
Polymerisationsgraden können die wäßrigen überzugsmassen auch bei gewöhnlicher Temperatur
oder im vorgewärmten Zustand nach den bekannten Verfahren auf die Unterlage gespritzt
werden, wobei ebenfalls ausgezeichnet verlaufende Zementschichten erhalten werden.
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Außer den bereits erwähnten Vorzügen der verbesserten Lagerbeständigkeit
und des fehlerfreien Verlaufs weisen die erfindungsgemäßen Überzugsmaterialien noch
den großen Vorteil auf, daß die daraus erhaltenen Überzüge sich im Vergleich -zu
vielen anderen unlöslichen Anstrichschichten später mit anderen Anstrichstoffen
überstreichen lassen, ohne daß es zu dem häufig beobachteten Abplatzen des Anstrichsysterns
vom Untergrund kommt. B e i s p i e 1 e i. Ein Gemisch aus
3 Gewichtsteilen eines pulverförmigen Mischpolymerisats aus 75 Gewichtsprozent
Vinylacetat und 25 Gewichtsprozent. Crotonsäure,
16 Gewichtsteilen
Umbraun grünlich, i Ge-#,vichtsteil Heliogengrün B und 8o Gewichtsteilen grauem
Portlandzement ergibt '/2 bis i Stunde nach dem Einrühren in ' 8o bis go
Gewichtsteile Wasser eine gut verlaufende Tarnfarbe, die etwa eine Woche lagerfähig
bleibt und deren Anstriche auch von ausgetrockneten Betonflächen nicht abpulvern.
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An Stelle des Vinylacetat-Crotonsäure-Polyrrierisats können auch in
feinverteilter Form befindliche Mischpolymerisate aus 6o bis 70 Gewichtsprozent
Metliacrylsäure und 4o bis 3o Gewichtsprozent Methacryls,quremetliylester Verwendung
finden.
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2. Ein pulverförmiges Anstrichrnittel aus 2 Gewichtsteilen des Natriumsalzes
vom Mischpolymerisat aus 5o Gewichtsprozent Acrylsäure und 5o Gewichtsprozent Styrol,
3 Gewichtsteilen Natriumcelluloseglykolat, 15 Gewichtsteilen Lithopone mit
4o11/o Zinksulfidgehalt und 8o Gewichtsteilen weißem Portlandzement wird in 6o Gewichtsteile
Wasser eingerührt. Nach etwa i bis 2 Stunden ist das Polymerisat in Lösung gegangen.
Die anfangs dünnflüssige Masse hat dann eine sahnige, zähe Konsistenz angenommen.
Sie eignet sich in dieser Form als Spachtelkitt, Dichtungsmasse sowie zur Herstellung
von plastischen Wandanstrichen.
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3. In eine Aufschlämmung von 75 Raumteilen weißem Portlandzement
und 25 Raumteilen gelöschten Weißkalkpulver in 85 Raumteilen Wasser
werden 2o Raumteile Zinkweiß sowie 8 Gewichtsteile eines zu gleichen Gewichtsteilen
aus wasserfreiem Natriumsulfat und einem Mischpolymerisat aus 3 Mol Methacrylsäure
und i Mol MethacrylsäurebutylesterbestehendenFarbbinders eingerührt. Nach i bis
2 Stunden hat die anfangs dünnflüssige Masse eine lackfarbenartige Konsistenz angenommen
und kann als Straßenmarkierungsfarbe sowie zum Anstrich von Außenflächen aus Holz,
Metall oder Putz dienen.
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4. 5 Raumteile weißer Portlandzement, i Raumteil gelöschter
Kalk und 3 Raumteile feiner Flußsand werden mit 6 bis 7 Raumteilen
Wasser, das i5% eines der bekannten Mörteldichtungsmittel enthält, zu einer dicken
Brühe angemacht und mit 2 Raumteilen einer i5%igen Paste von zu 50/0 verseiftern
Polymethacrylsäureamid in i%iger Kalilauge versetzt.
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Die gut verstreichbare Mischung kann zur Herstellung eines Schlämmputzes
auf Mauerwerk dienen und einen regelrechten Außenputz ersetzen.
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Die carboxylgruppenhaltigen Polymerisate können auch in Mischung mit
dem Mörteldichtungsmittel dem Wasser zugesetzt werden, bevor der Zement und die
übrigen Bestandteile eingerührt werden. An Stelle des Alkalis kann auch ein basisch
reagierendes Dichtungsmittel zur Überführung des Polymerisats in eine wasserlösliche
Form dienen.