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Künstliche Gebisse Es ist bekannt, künstliche Gebisse, z.B. künstliche
Zähne, Gaumenplatten und Kieferersatz, und auch Teile von diesen aus organischen,
plastischen Massen, insbsesond,ere Polyvinylverbindungen, herzustellen.
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Es wurde gefunden, daß man künstliche Gebisse und Gebißteile mit
noch erheblich besseren Eigenschaften erhält, wen man Superpolyamide, d. h. hochmolekulare,
polypeptidartige Produkte, wie sie beispielsweise durch Erhitzen von #, '-Di,carbonsäuren
mit w, '-Diaminen oder Salzen dieser oder durch Erhitzen von #-Aminocarbonsäuren
oder deren Lactamen erhalten werden, dazu verwandet.
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Geeignete Superpolyamide sind insblesondere Kondensationsprodukte
aus Adipinsäure Sebacinsäure oder Homologen dieser mit Penta- oder Hexamethylendiamin
oder Homologen dieser oder aus #-Aminocapronsäure oder deren Lactam. Es eignen sich
aber auch Superpolyamide aus Dicarbonsäuren und Diaminen oder Aminocarbonsäuren,
deren Kohlenstoffkette durch Heteroatome, beispiels weise Sauerstoff, Stickstoff
oder Schwefel, unterbrochen ist.
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Die, Superpolyamide zeichnen sich durch eine ausgezeichnete Verarbeitbarkeit
aus, die bei der Herstellung von künstlichen Gebissen von ausschlaggebender Bedeutung
ist. Sie lassen sich gut durch Gießen, gegebenenfalls durch Schleuderguß, durch
Pressen in geschlossenen Formen oder durch Spritzgießen verarbeiten. Die dabei erhaltenen
künstlichen Gebisse oder Gebißteile lassen sich mit spanabhebenden Werkzeugen nacharbeiten,
so daß man alle gewünschten Feinheiten erzeugen kann. Besonders fest lassen sich
Metallteile, z.B. Stifte, ;einpassen. Diese können einige. preßt, eingegossen, beim
Spritzgießen eingeschlossen oder auch nachträglich eingeschmolzen werden. Man kann
Teile der künstlichen Gebisse leicht verschweißen oder verlöten, indem man beispielsweise
die zu verbindenden Stellen mit leinem heißen, beispielsweise elel"-trisch geheizten
Metallstab oder Draht bestreicht oder indem man die Oberflächen mit einem Lösungsmittel
für die Superpolyamide beispielsweise Ameisensäure, anquillt und dann aneinanderpreßt.
Man kann ferner Vorformlinge aus den Superpolyamiden. die beispielsweise
im
Spritzguß hergestellt sind, vorsichtig anwärmen und in die gewünschte Form bringen.
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Die künstlichen Zähne und Gebisse aus den Superpolyamiden übertreffen
die bisher bekannten, aus organischen thermoplastischen -Massen vor allem durch
ihre außerordentlich große Zähigkeit und Festigkeit und praktisch vollkommene Widerstandsfähigkeit
gegen alle Stoffe, mit denen Gebisse in Berührung kommen. Die Superpolyamide sind
auch, mit mineralischen Füllstoffen versetzt. gut verarbeitbar und besitzen dann
eine ganz außerordentliche Härte und Widerstandsfähigkeit gegen Abnutzung durch
Kauen.
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Durch Zugabe von Pigmenten oder gefärbten Füllstoffen kann man jeden
gewünschten Farbton erzeugen, auch kann man die fertigen Gebisse noch oberflächlich
anfärben. Durch Polieren der Oberflächen erzielt man einen hohen und dauerhaften
Glanz.
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Die Superpolyamide sind an sich bekannte Stoffe. Sie lassen sich
zu Fäden verspinnen. die nach einer Streckung in der Kälte gute Festigkeit und Biegsamkeit
besitzen. Ungestreckte Fäden sind dagegen verhältnismäßig spröde und nicht sehr
fest. Diese Eigenschaften geben aber noch keinen Hinweis darauf, daß die Superpolyamide
sich für künstliche Gebisse oder Gebißteile eignen könnten.
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An Materialien, die für diese Zwecke verwendet werden sollen, werden
bekanntlich eine Reihe besonderer Anforderungen gestellt. die sonst hei plastischen
Massen nicht üblich sind.
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Daraus erklärt sich auch, daß unter den zahlreichen plastischen Massen
sich in der Tat nur ganz wenige für die Herstellung von künstlichen Gebissen und
Gebißteilen eignen. Meist sind die Materialien zu schwer verarbeitbar oder nicht
hart, fest und elastisch genug, so daß sie aus diesem Grunde ausscheiden. Die Superpolyamide
besitzen aber eine ausgezeichnete Härte bei gleichzeitiger hoher Elastizität, wie
sie bei den bisher bekannten plastischen Massen in diesem Maße nicht vorhanden ist.
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Ferner lassen sie sich leicht verarbeiten. z. durch Spritzguß verformen,
was gerade für die Zahntechnik von Bedeutung ist. Man kann so in wesentlich einfacherer
Weise als durch das für andere organische Stoffe übliche Verpressen in der Wärme
künstliche Gebisse und G ebißteile herstellen. Für Zahnersatzzwecke kommt an Stoffen,
die nach dem Spritzgußverfahren verarbeitbar sind, nur Polystyrol in Frage. Die
Superpolyamide besitzen aber gegenüber dem Polystyrol eine ganz erheblich bessere
Schlagbiegefestigkeit. die ein Maß für die Biege- und Stoßelastizität ist. So beträgt
die Schlagbiegefestigkeit für nach dem Spritzgußverfahren verarbeitetes Polystyrol
etwa 20 bis 25 cmkg!cm>, während die Schlagbiegefestigkeit von in gleicher Weise
verarbeitetem Superpolyamid mehr als 150 cmkg 'cmo beträgt. Das bedeutet praktisch,
daß die Zahnersatzteile aus Superpolyamiden eine ganz unvergleichlich viel höhere
Belastung durch Stöße und Erschütterungen aushalten können. wie sie beim Kauen entstehen.
Die Härte der Superpolyamide und des Polystyrols ist praktisch etwa gleich, dagegen
ist die Festigkeit der Superpolyamide höher als die von Polystyrol. Es läßt sich
also auch hier eine beträchtliche Überlegenheit der Superpolyamide feststellen.