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Die Erfindung betrifft ein in Kettrichtung elastisches Gewebe, insbesondere für elastische Binden oder dgl., mit elastomeren Kettfäden und im wesentlichen undehnbaren Schußfäden, wobei Kett- und Schußfäden durch undehnbare Bindekettfäden und Dreherfäden miteinander verwebt sind.
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Elastische Binden nach dem Stand der Technik werden aus Wollgarnen, die mit Fäden aus Kautschuk oder einem elastomeren Material vermischt sind, hergestellt, damit solchen Erfordernissen, wie der Elastizität und der Dimensionsstabilität genügt und damit ein perfektes Anhaften an den Körper gewährleistet wird. Solche elastischen Binden können auch aus anderen Garntypen, die den Zweck der Wolle erfüllen, und aus Kautschukbindungsgarnen hergestellt werden. Bei einem Gewebe, aus dem diese bekannten elastischen Binden bestehen, haben die beiden Seiten derselben im wesentlichen die gleiche Zusammensetzung.
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So ist aus der US-PS 39 20 054 ein in Kettrichtung elastisches Gewebe der eingangs genannten Art bekannt, das beispielsweise für elastische Binden für sportliche oder medizinische Zwecke verwendet wird. Derartige Binden werden unmittelbar auf der Haut getragen, so daß es erwünscht ist, daß ihre Oberfläche hautverträglich ist und gut auf der Haut haftet, damit die Binde nicht verrutscht. Da bei verschiedenen Anwendungn an die Oberflächenbeschaffenheit der Binde auch unterschiedliche Anforderungen gestellt werden, ist es nach dem Stand der Technik erforderlich, für jeden Anwendungsfall eine spezielle Binde mit besonderen Oberflächeneigenschaften bereitzustellen.
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Weiter ist aus der AT-PS 1 54 588 ein elastisches Gewebe, insbesondere für medizinische Binden, bekannt, bei welchem zwischen Kettfäden aus Kautschuk mehrere Kettfäden aus Faserstoff, beispielsweise Baumwolle, liegen, wobei außer den Kettfäden aus Kautschuk auch die zwischen ihnen liegenden Kettfäden aus Faserstoff, beispielsweise Baumwolle, als Steherfäden durch Dreherfäden mit den sie begrenzenden Schußfäden gebunden sind, so daß trotz hoher Porösität des Gewebes die Kettfäden nicht nur in ihrer Richtung, sondern auch in ihrer gegenseitigen Entfernung gesichert sind und nicht verschoben werden können.
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Jedoch müssen die beiden Oberflächen der in der US-PS 39 20 054 und in der AT-PS 1 54 588 beschriebenen Gewebe grundsätzlich die gleiche Zusammensetzung und Beschaffenheit haben, da alle Schußfäden alternierend über bzw. unter den Kettfäden verlaufen.
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Schließlich ist aus der DE-PS 4 90 705 ein gummielastisches Gewebe, insbesondere für Leibbinden, mit in Dreherbindung eingewebten Gummikettfäden bekannt, bei dem die die Gummikettfäden abbindenden Dreherkettfäden aus stark überdrehten Garnen bestehen. Dieses Gewebe weist eine ausschließlich von den Schußfäden gebildete Oberfläche und eine durch die elastomeren Kettfäden gebildete Oberfläche auf. Diese Oberflächen unterscheiden sich somit zwar, doch ist in sehr unerwünschter Weise die eine Oberfläche aus dem freiliegenden Gummifäden gebildet. Überdies sind die Kettfäden aneinander und mit allen Schußfäden durch die Bindefäden sehr fest gebunden, welche die elastomeren Kettfäden eng umschließen, da sie in kurzen "Wellen" verlaufen, so daß die Dehnfähigkeit der elastomeren Kettfäden stark beeinträchtigt wird.
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Aufgabe der Erfindung ist es, ein in Kettrichtung elastisches Gewebe der eingangs genannten Art so auszubilden, daß es bei guter Verträglichkeit für die menschliche Haut, hoher Lebensdauer, angenehmer Weichheit und guter Dimensionsstabilität zwei in ihren Eigenschaften voneinander unterschiedliche Oberflächen aufweist.
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Diese Aufgabe wird durch die im Anspruch 1 angegebene Erfindung gelöst.
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Wenn man dabei berücksichtigt, daß die Bindefäden sehr dünn sind, während die Schußfäden und manchmal auch die elastomeren Kettfäden einen ziemlich großen Querschnitt aufweisen, und daß in dem Gewebe die oberen Schußfäden und auch die unteren Schußfäden jeweils eng aneinander liegen, wird klar, daß in dem erfindungsgemäßen Gewebe die elastomeren Kettfäden völlig im Gewebe eingeschlossen sind. Dabei wird die untere Oberfläche des Gewebes ausschließlich von den unteren Schußfäden gebildet, während die obere Oberfläche ausschließlich von den oberen Schußfäden gebildet wird, und zwischen diesen beiden Schichten sind die elastomeren Kettfäden eingeschlossen. Diese elastomeren Kettfäden, die beispielweise aus Gummi bestehen, treten also an der Oberfläche des Gewebes nicht in Erscheinung und können daher auch nicht in ohnedies unerwünschter Weise auf der Haut des Benutzers aufliegen. Es ergeben sich zwei verschiedene Oberflächen am Gewebe, da für die unteren und oberen Schußfäden unterschiedliche Materialien verwendet werden. Auf diese Weise kann der Benutzer auswählen, welches der beiden unterschiedlichen Materialien für den vorgesehenen Anwendungsfall besser ist und seiner Haut verträglicher. Wenn beispielsweise für die unteren Schußfäden Wolle oder Baumwolle (wenn der Benutzer auf seiner Haut keine Wolle verträgt) verwendet wird, kann für die oberen Schußfäden beispielsweise ein synthetisches Material verwendet werden. Dieses synthetische Material eignet sich dann besonders gut für die auf die Haut aufzulegende Oberfläche, falls vorher auf der Haut eine Salbe aufzutragen ist.
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Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus der besonderen Art der Bindung der Kett- und Schußfäden mittels der Bindefäden und der Dreherfäden. Es werden nämlich die elastomeren Kettfäden an den Schußfäden an zwei aufeinanderfolgenden Punkten gebunden, zwischen denen sich drei weitere Schußfäden befinden, die nicht an den gleichen elastomeren Kettfaden gebunden sind. Auf diese Weise können die elastomeren Kettfäden sehr leicht und ohne Behinderung gedehnt werden, so daß sich das Gewebe in besonderem Maße für die Anfertigung von elastischen Binden und Leibgürteln eignet.
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Im übrigen sind in dem Gewebe nach der Erfindung die elastomeren Kettfäden fest an die anderen Fäden gebunden, so daß sie aus dem Gewebe schwer herausgezogen werden können.
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Weiterbildungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen angegeben.
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Zum besseren Verständnis der Struktur und der Merkmale des erfindungsgemäßen Gewebes wird die Erfindung nachstehend anhand der Zeichnung näher erläutert. Es zeigt
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Fig. 1 einen schematischen Grundriß einer Ausführungsform eines Gewebes nach der Erfindung in sehr großem Maßstab, bei dem die Maschen des Gewebes übertrieben dünn dargestellt sind;
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Fig. 2 die Bindungspatrone des Gewebes und
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Fig. 3 die Bindungspatrone eines elastischen Bandes, das aus dem Gewebe gemäß den Fig. 1 und 2 besteht.
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Zunächst wird auf Fig. 1 Bezug genommen, in der ein Teil des vorgeschlagenen Gewebes in stark vergrößertem Maßstab gezeigt ist, wobei die Maschen übertrieben dünn dargestellt sind, damit der Weg der verschiedenen Fäden leicht verfolgt werden kann. Das in den Figuren gezeigte Gewebe enthält eine Kette und einen Schuß; die Kette enthält Kettfäden 6, 7, 8 und 9 aus Kautschuk oder einem anderen elastomeren Material, Bindefäden, von denen drei mit den Bezugszeichen 10, 12 und 14 versehen sind und die im wesentlichen zu den elastomeren Kettfäden parallel sind, und Dreherfäden, von denen drei mit den Bezugszeichen 11, 13 und 15 versehen sind. Der Schuß enthält aus Wolle bestehende Schußfäden 1, 3 und 5 eines ersten Typs, die parallel zueinander sowie oberhalb der Kettfäden 6, 7, 8 und 9 angeordnet sind, sowie Schußfäden 2 und 4 eines zweiten Typs, z. B. Chlorofasern und dergleichen, die gleichfalls parallel zueinander angeordnet sind. Aus Fig. 1 ist ersichtlich, daß alle Schußfäden 2 und 4 aus Chlorofasern unterhalb der elastomeren Kettfäden angeordnet sind und daß die aus Wolle bestehenden Schußfäden 1, 3 und 5 abwechselnd mit den aus Chlorofasern bestehenden Schußfäden 2 und 4 angeordnet sind.
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In dem Gewebe läuft der Bindefaden 10 über die Schußfäden 1 und 2, wobei er, auf die Zeichnung bezogen, auf der oberen Seite des Gewebes bleibt. Sodann geht er durch das Gewebe hindurch, um unterhalb der Schußfäden 3 und 4 zu verlaufen. Hierauf geht er erneut durch das Gewebe hindurch, um oberhalb des Schußfadens 5 und des nächsten Schußfadens zu verlaufen, und er verläuft so unter Wiederholung der gleichen Bindung weiter.
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Der Dreherfaden 11 läuft oberhalb des Schußfadens 1 bzw. überquert diesen, bleibt jedoch auf der anderen Seite des Kettfadens 6 relativ zu der Seite, auf welcher der Bindefaden 10 angeordnet ist, kehrt dann auf die gleiche Seite wie der Bindefaden 10 zurück, indem er unterhalb des Kettfadens 6 und des Bindefadens 10 verläuft, läuft dann über den Schußfaden 2 bzw. überquert diesen, läuft hierauf unter dem Schußfaden 3 und über den Schußfaden 4. Sodann wird er nach rechts abgelenkt und läuft über den Bindefaden 10 bzw. überquert diesen und läuft unter dem Kettfaden 6, um erneut über den anschließenden aus Wolle bestehenden Schußfaden 5 auf der anderen Seite des Kettfadens 6 wie der Bindefaden 10 zu verlaufen. Danach wiederholt sich der Verlauf.
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Die obige Beschreibung in Verbindung mit dem Kettfaden 6, dem Bindefaden 10 und dem Dreherfaden 11 ist auch auf den nachfolgenden und analogen Satz von Fäden 7, 12 und 13 sowie den Satz von Fäden 8, 14 und 15 und auf alle nachfolgenden Sätze von Fäden anzuwenden. Die Bindung des Bindefadens 10 und des Dreherfadens 11 mit den Schußfäden 2 und 4 sowie 1, 3 und 5, die jeweils unterhalb und oberhalb der Kettfäden 6, 7, 8 und 9 angeordnet sind, ist die gleiche wie die Bindung, die von dem Bindefaden 12 und dem Dreherfaden 13 mit diesen Schußfäden gebildet wird, jedoch ist die Bindung in Kettrichtung um zwei Schußfäden verschoben.
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Somit wird die Gewebebindung mit der Patrone wiederholt, die als Rechteck M durch die gestrichelte Linie in Fig. 1 dargestellt ist.
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Bei dem oben beschriebenen Gewebe sind die Schußfäden 1, 2, 3, 4 und 5 erheblich größer als die Bindefäden 10, 12 und 14 und die Dreherfäden 11, 13 und 15. Es ist ersichtlich, daß alle elastomeren Kettfäden 6, 7, 8 und 9 immer zwischen den aus Wolle bestehenden Schußfäden 1, 3 und 5 und den aus Chlorofasern bestehenden Schußfäden 2 und 4 eingeschlossen sind, so daß die Bindefäden und die Dreherfäden nur an Stellen über die Wollfäden laufen, die etwas voneinander im Abstand angeordnet sind, und zwar abhängig von der Dichte des betreffenden Gewebes. Der Bindefaden 10 und der Dreherfaden 11 laufen daher über jeden zweiten Wollfaden 1, 5 jeweils auf entgegengesetzten Seiten des elastomeren Kettfadens 6.
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Unterhalb der Schußfäden 2 und 4 laufen die Bindefäden nur an Stellen, die voneinander in einem relativ großen Abstand angeordnet sind.
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Auf der oberen Seite des Gewebes liegt daher eine stark vorherrschende Menge von Wollfäden vor, im Vergleich zu der Menge der Bindefäden und der Dreherfäden, die, wie vorstehend angegeben, auf nur sehr kleine Bereiche begrenzt sind, wo solche Fäden über den Wollfaden laufen, zumal diese Binde- und Dreherfäden einen erheblich kleineren Querschnitt haben als die Wollfäden. Betrachtet man in Fig. 1 die Bindestelle, wo ein Wollfaden 3 von Bindefäden 12 und Dreherfäden 13 umschlossen ist, so erkennt man, daß die an die Bindestelle angrenzenden Bereiche dieses Wollfadens 3 und die der Bindestelle gegenüberliegenden Abschnitte benachbarter Wollfäden 1 und 5 an der Oberseite längere Brücken bilden. Diese von den Wollfäden gebildeten Brücken erstrecken sich jeweils zwischen den Bindestellen.
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Die vorstehend beschriebene Bindungsanordnung für die obere Seite des Gewebes, wo die Wollfäden angeordnet sind, ist auch auf die Unterseite, wo die Chlorofaser-Fäden angeordnet sind, anwendbar.
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Das oben beschriebene Gewebe weist vollkommen verschiedene Seiten auf, wobei die obere Seite vollständig aus Wolle und die untere Seite vollständig aus Chlorofasern besteht.
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Die Struktur des oben beschriebenen Gewebes ist weiterhin dadurch charakterisiert, daß die elastomeren Kettfäden aus Kautschuk oder einem elastomeren Material fest eingebunden sind und daher nicht ausbrechen können, was dem Gewebe eine lange Lebensdauer verleiht.
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Zur Herstellung von elastischen Bändern bzw. Binden kann das Gewebe aus gezwirnten Wollfäden mit einem Titer von Nm 2/32, d. h. zwei gezwirnten Fäden mit einem Titer von 313 dtex, wobei Nm "metrische Zahl" bedeutet, aus Chlorofaser-Fäden Nm 1/12, d. h. mit einem Titer von 833 dtex, und Binde- und Dreherfäden aus texturiertem zweifädrigem Polyester und Kautschukfäden mit je einem Titer von 167 dtex bestehen.
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Die Kautschukfäden können auch mit einem Viskosefaden oder mit anderen Garnen bedeckt sein, um die Dehnung zu beschränken, die Färbung zu fördern, die Festigkeit oder die Beständigkeit zu erhöhen und das Gleiten nach Herstellung des Gewebes zu verhindern. Anstelle der Kautschukfäden können auch Fäden aus einem anderen elastomeren Material verwendet werden. Die Schußfäden 2 und 4 können aus Baumwolle, Nylon oder einem anderen Material anstelle von Chlorofasern bestehen.
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Fig. 2 zeigt die Bindungspatrone des Gewebes gemäß Fig. 1. Fig. 3 zeigt die Bindungspatrone, die für Webmaschinen mit wechselndem Schuß vorgesehen ist. Die Patronen der Fig. 2 und 3 zeigen ein Gewebe, dessen Kette 96 Kautschukfäden (durch das Zeichen + dargestellt), 88 Bindefäden aus Polyester (durch das Zeichen // dargestellt), 88 Dreherfäden aus Polyester (Zeichen =) und 8 Randfäden aus Polyester (Zeichen II) aufweist. Andererseits zwei obere Füllschüsse aus Wolle Nm 2/32 und zwei untere Füllschüsse aus Chlorofasern Nm 1/12, die gleichzeitig eingetragen sind. In einem fertigen Gewebe können 36 Schußeinträge pro cm mit 281 Kettfäden vorliegen.