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Die Erfindung betrifft die Verwendung spezieller Werkstoffe als Schutzschicht
für Oberflächen, die mit geschmolzenem Metall in Berührung kommen, insbesondere
für Innenflächen von Behältern, die die geschmolzenen Metalle aufnehmen.
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Kokillen, die als Formen zur Herstellung von Knüppeln oder Blöcken
aus geschmolzenem Metall verwendet werden, haben den Nachteil, daß ihre Innenflächen
dem Abrieb oder einer Abtragung durch das geschmolzene Metall unterliegen, wodurch
die Oberflächen angefressen werden und Krater entstehen. Unter Umständen kann man
die Knüppel oder Blöcke nicht oder nur mit Schwierigkeiten aus den Kokillen herausbekommen,
da das geschmolzene Metall in die Krater fließt und darin erstarrt. Häufig müssen
Kokillen zerbrochen werden, um die Blöcke zu entnehmen, wodurch die Kosten des Gießens
erheblich gesteigert werden.
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Um diese Schwierigkeiten auszuschalten, wurden bereits verschiedenartige
Schlichten verwendet, die aus Eisenoxyd (deutsche Patentschrift 53433), aus Eisenoxyd
- Äluminiumoxyd - Gemischen oder aus Oxyden des Zirkoniums, Siliciums, Magnesiums
oder Aluminiums bestanden, wie in der deutschen Patentschrift 1 198 474 erwähnt
ist, die sich mit wäßrigen, organische Bindemittel enthaltende Dispersionen hitzebeständiger
Stoffe beschäftigt.
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Der vorliegenden Erfindung lag die Aufgabe zugrunde, eine Schlichte
aufzufinden, die sowohl bei metallischen als auch nichtmetallischen Oberflächen,
die mit geschmolzenem Metall in Berührung kommen, als Schutzschicht verwendet werden
kann, leicht aufzubringen und nach dem Trocknen ohne weitere Behandlung ausreichend
widerstandsfähig ist.
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Außerdem sollte die Schutzschicht nach Möglichkeitohne völlige Erneuerung
leicht ausgebessert werden können.
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Überraschenderweise wurde gefunden, daß hierfür ein Abfallprodukt
besonders geeignet ist, das bisher nicht verwertet werden konnte und dessen Beseitigung
stets mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden war, nämlich der bei der Vorbehandlung
von Bauxit zur Aluminiumherstellung anfallende Vorbehandlungsrückstand. Seine Verwendung
als Schutzschicht für mit geschmolzenem Metall in Berührung kommende Oberflächen
stellt die Lösung der Aufgabe der Erfindung dar.
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Bei der Herstellung von Aluminium aus Bauxit wird eine Vorbehandlung
des Bauxits, der im allgemeinen eisenschüssigen Laterit enthält, vorgenommen. Bei
dieser Vorbehandlung werden Verunreinigungen entfernt, die nachstehend als »Vorbehandlungsrückstand«
bezeichnet werden. Der Vorbehandlungsrückstand kann die Form eines sogenannten »Rotschlammes«
oder auch die Form - eines- rotbraunen Tons haben, der durch-Dekantieren und Filtration
des Rotschlammes entsteht. Für diesen Vorbehandlungsrückstand wurde bisher keine
technische Verwendung gefunden, so daß er gewöhnlich als Abfall beseitigt werden
mußte.
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Obwohl bereits Kokillenauskleidungen aus Eisenoxyd, gegebenenfalls
in Mischung mit Aluminiumoxyd und auch Titanoxyd bekannt waren, lag es nicht nahe,
nun gerade diesen speziellen Vorbehandlungsrückstand der Aluminiumherstellung aus
Bauxit als Schutzschicht zu verwenden; denn es war nicht vorauszusehen, daß es möglich
sein könnte, diesen bei der Bauxitvorbehandlung anfallenden Rot-
schlamm oder den
aus diesem Rotschlamm gewonnenen und mit Wasser oder einer anderen Flüssigkeit angeteigten
Ton ohne weitere Behandlung auf die dann später mit geschmolzenem Metall in Berührung
kommenden, metallischen oder nichtmetallischen Oberflächen aufzubringen und nur
zu trocknen und dabei eine Auskleidung zu erhalten, die einen mehrstündigen ununterbrochenen
Gebrauch gewährleistet, im Bedarfsfalle leicht ausgebessert werden kann, ohne daß
die gesamte Auskleidung erneuert werden muß, und durch einfaches Spülen der beschichteten
Flächen mit Wasser leicht wieder zu entfernen ist.
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Bei der Verwendung als Schutzschicht kann der Vorbehandlungsrückstand
mit einer Flüssigkeit unter Bildung einer Überzugsmasse gemischt und die Überzugsmasse
auf die Wandoberfläche zur Bildung der Auskleidung aufgetragen werden. Außerdem
ist es möglich, den Vorbehandlungsrückstand zu Ziegeln, Platten oder ähnlichen Bausteinen
zu formen und zu brennen und die Behälter mit diesen Bausteinen auszumauern. In
diesem Fall kann die Schutzschicht natürlich nicht mehr mit Wasser wieder abgespült
werden.
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Beispiel 1 Eine Kokillenschlichte oder Beschichtungsmasse in Form
eines Breies wird hergestellt durch Mischen von 40 Gewichtsteilen Wasser und 100
Gewichtsteilen eines Vorbehandlungsrückstandes in Form eines rotbraunen Tons, der
bei der Vorbehandlung eines ghanaischen Bauxits bei der Herstellung von Aluminium
aus Bauxit anfällt. Das Mischen kann in beliebigen üblichen Mischern vorgenommen
werden und wird fortgesetzt, bis ein praktisch gleichmäßiger Brei gebildet worden
ist.
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Für den bei diesem Versuch-verwendeten Ton wurde die folgende Zusammensetzung
ermittelt: Gewichtsprozent aufTrockenbasis Al203 . ........ ........ 16 Fe2O3 .....
..... . 53 TiO2 ............. ................ 8 SiO2 ...... ........................
6 CaO ... ......................... 3 Na2O ... . ................ 5 Glühverlust
... ................. 9 Dieser Brei wird auf die Innenflächen eines Behälters für
geschmolzenes Metall aufgetragen und vorzugsweise getrocknet, bevor der Behälter
mit geschmolzenem Metall gefüllt wird.
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Bei~s-piele-2bis 15 Vorbehandlungsrückstände wurden auf die im Beispiel
1 beschriebene Weise zum Auskleiden der Innenflächen von Kokillen, Pfannen, Öfen
und anderen Oberflächen, die mit geschmolzenem Metall in Berührung kommen, verwendet.
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Als Flüssigkeit zum Anrühren des Vorbehandlungsrückstandes wurde
in jedem Fall Wasser verwendet, wobei die Wassermenge in der Auskleidungsmasse in
jedem Fall auf etwa 40 Gewichts prozent eingestellt wurde, um eine Auskleidungsmasse
zu
bilden, deren Viskosität den einwandfreien Auftrag der Masse auf die Oberflächen
mit Hilfe eines Pinsels ermöglicht.
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Die Analysenwerte (Trockenbasis) für die Vorbehandlungsrückstände
sind in der folgenden Tabelle in Gewichtsprozent angegeben.
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Zusammensetzung des Vorbehandlungsräckstandes
Beispiel SiO2 Al2O3 Fe2O3 Ti2 CaO Na2O Glühverlust |
2 5,49 15,60 54,18 7,08 2,25 4,80 9,90 |
3 5,49 15,96 52,31 7,51 2,35 5,00 - 10,96 |
4 5,43 18,52 50,13 6,81 2,35 5,00 11,69- |
5 5,57 15,57 55,12 7,31 1,57 4,40 10,15 |
6 5,38 15,79 53,55 6,86 2,35 4,70 @ 10,99 |
7 5,65 16,18 52,93 7,01 2,35 4,50 10,94 |
8 5,28 15,77 53,08 7,17 3,47 4,80 10,50 |
9 5,32 19,01 50,44 6,85 2,40 5,10 10,84 |
10 5,54 15,85 53,35 7,40 2,44 4,80 10,55 |
11 5,26 17,43 52,89 7,18 2,46 4,20 10,55 |
12 5,28 18,95 49,46 6,77 3,48 4,00 11,71 |
13 5,30 16,01 53,82 7,21 3,14 4,30 10,31 |
14 5,12 13,30 58,17 7,45 3,14 3,70 9,73 |
1-5 4,75 13,43 55,07 8,50 3,56 3,50 11,09 |
Die in der vorstehenden Tabelle aufgeführten Vorbehandlungsrückstände fielen bei
der Verarbeitung von ghanaischem Bauxit an.
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Beispiel 16 Die Vorbehandlungsrückstände aus einem französischen
Bauxit können ebenfalls auf die im Beispiel 1 beschriebene Weise verarbeitet werden.
Für einen Vorbehandlungsrückstand aus französischem Bauxit sind die folgenden Analysenwerte
typisch (in Gewichtsprozent auf Trockenbasis): SiO ... ... 8,28 Al2O3 . ..................
. 15,52 Fe2O3 .. . ..................... 54,99 TiO . . 8,12 MnO . . .....................
0,11 CaO .. ......... 1,04 Na2O ..................... 6,04 Glühverlust ..................
. 6,01 Die Tatsache, daß die Analysenzahlen bei der Addition nicht genau 100 0/o
ergeben, ist kleinen Ungenauigkeiten zuzuschreiben, die sich bei der Analyse ergeben.
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Es zeigt sich, daß durch das Auskleiden der Innenflächen von gußeisernen
Kokillen, in denen Stahl, Aluminium und andere geschmolzene Metalle vergossen werden,
die Entnahme des festen Knüppels oder Blocks aus der Kokille erleichtert wird. Die
Innenflächen werden zuerst gereinigt, um sie von Rost u. dgl. zu befreien, worauf
eine Schicht des Breies auf die gereinigten Oberflächen mit einem Pinsel aufgetragen
und die Kokille anschließend zur Trocknung des Überzuges erwärmt wird. Dann wird
mit dem Gießen begonnen, wobei eine leichte Entnahme der Knüppel oder Blöcke für
eine Zahl von Abgüssen bis zu acht gewährleistet ist, ohne daß eine erneute Auskleidung
notwendig ist.
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Die Innenfläche einer Handpfanne, wie sie bei-
spielsweise beim Dauerformguß
und Kokillenguß verwendet wird, wird gereinigt, indem ein etwaiger Anstrich, Teer
oder Schutzmittel, abgebrannt wird, worauf eine Schicht des Breies mit einem gewöhnlichen
Pinsel auf die gereinigte Oberfläche aufgetragen wird. Die Pfanne wird dann zur
Trocknung des Überzuges erwärmt. Ein Überzug schützt die Oberfläche während eines
achtstündigen ununterbrochenen Gebrauchs der Pfanne. Hierbei wird festgestellt,
daß die Lebensdauer der Pfanne von wenigen Wochen auf 6 bis 8 Monate verlängert
wird.
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Die Ziegelausmauerung oder Zustellung von Öfen, Pfannen usw. wird
geschützt, indem ein Überzug des Breies aufgebracht wird, der nach dem~ Trocknen
die Ausmauerung und Zustellung schützt und Anhängen und »sculls« u. dgl. weitgehend
ausschaltet. Die Auskleidung der Gießrinne, die vom Ofen zur Pfanne führt, kann
in der gleichen Weise mit den gleichen vorteilhaften Ergebnissen ausgekleidet werden.
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Schadhafte Stellen, die sich in der Auskleidung bilden; können durch
Auftragen des Breies auf die betreffenden Stellen ausgebessert werden. Beispielsweise
können Krater ausgefüllt werden, ohne daß es notwendig ist, die Auskleidung, in
der sie sich gebildet haben, vollständig zu erneuern.
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Aus dem Schlamm gebildete Überzüge lassen sich durch Spülen der beschichteten
Flächen mit Wasser leicht entfernen. Die Oberflächen können wiederholt auf diese
Weise behandelt werden.
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Zur Bildung des Schlamms können außer Wasser auch andere Flüssigkeiten
verwendet werden.
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Der bei der Bauxitverarbeitung anfallende Rotschlamm kann unmittelbar
als Überzugsmasse verwendet werden. Es ist auch möglich, den - Flüssigkeitsgehalt
des Rotschlammes nach Belieben zu verändern und die erhaltene Masse zu verwenden.
Diese Veränderung des Flüssigkeitsgehalts bedingt eine Modifikation der Dekantier-
und Filtrationsverfahren in der Bauxit-Vorbehandlungsanlage.
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Beispiel 17 Ein Vorbehandlungsrückstand in Form von rotbraunem Ton
wird zu Ziegeln, Platten und ähnlichen Bausteinen nach üblichen Verfahren verarbeitet.
Die Ziegel, Platten usw. werden zur Ausmauerung der mit geschmolzenem Metall in
Berührung kommenden Wände von Öfen u. dgl. verwendet.
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Die Erfindung ermöglicht somit die technische Verwendung eines Abfallprodukts,
das bisher nicht verwertet wurde und dessen Beseitigung ein schwieriges Problem
darstellt.
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Durch die Erfindung kann die Lebensdauer von Gießformen, Kokillen,
Pfannen, Ofenzustellungen,
Gießrinnen, Öfen u. dgl. sehr stark verlängert werden,
wodurch sich große Kosteneinsparungen ergeben.
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Patentansprüche: 1. Verwendung des bei der Vorbehandlung von Bauxit
zur Aluminiumherstellung anfallenden Vorbehandlungsrückstandes als Schutzschicht
für mit geschmolzenem Metall in Berührung kommende Oberflächen.