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Verfahren und Vorrichtung zur Herstellung von Stangenwürsten mit künstlicher Hülle
Die Herstellung von Stangenwürsten mit künstlicher Hülle erfolgte bisher in analoger Weise wie die von Würsten mit natürlicher Haut, indem die Wurstmasse in einen durch Klebung, Naht od. dgl. geschlossenen Schlauch aus Pergamentpapier, Metallfolie od. dgl. eingefüllt wird und nach dem Abbinden, Abnähen oder auf andere Art bewirkten Abschluss der Schlauchenden dem Behandlungsprozess zur Geniessbarmachung der Wurstfülle unterworfen wird.
Diese Art der Herstellung von Würsten hat verschiedene Nachteile ; sie ist vor allem umständlich, da vorerst der Schlauch hergestellt werden muss ; sie ist auch wenig betriebssicher, da sowohl beim Füllen als auch beim Kochen oder Selchen der Würste ein Platzen der Hülle eintreten kann, und sie ist schliesslich auch unwirtschaftlich, da sie Zipfelabfälle ergibt.
Es sind ferner künstliche Wursthüllen bekannt, bei welchen aie Wurstmasse unmittelbar von Metallhülsen aufgenommen wird. Die Metallhülle besteht hiebei aus einem Mantel, einer von diesem aufgenommenen, teilweise offenen Mulde und mit dieser verbundenen Verschlusskappe und schliesslich aus einer weiteren Verschlusskappe, um das andere Ende der Metallhülle abzuschliessen. Durch Herausziehen der Mulde ist das im Inneren derselben befindliche Wurstgut dem Behälter und durch die obere und untere Öffnung der Mulde dieser selbst entnehmbar. Praktisch handelt es sich hier also um einen mehrteiligen
Behälter zu dem Zwecke, die Wurstmasse vor
Staub oder andern Einflüssen zu schützen.
Will man einen darüber hinausgehenden Schutz der Wurstmasse erhalten, so muss diese noch durch luftdicht abgeschlossene Überzüge aus Papier,
Baumwachs, Gelatine od. dgl. umhüllt werden.
Ein besonderer Nachteil dieser künstlichen Wurst- hülle ist neben ihrer verwickelten Bauart auch der, dass die in der Verschlusskappe liegende
Wurstmasse nicht aufgeschnitten werden kann, so dass sich diese Wursthülle für Stangenwürste nicht eignet.
Vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Stangenwürsten mit kunst- licher Hülle, das die aufgezeichneten Nachteile vermeidet. Erfindungsgemäss wird dies dadurch erreicht, dass die Wurstmasse in eine durch
Zuschnitte aus Papier ausgekleidete, mit Durch- brechungen versehene und beiderends abschliess- bare Hülse aus körperfestem Baustoff eingebracht, in dieser Hülse dem zur Geniessbarmachung notwendigen Behandlungsprozess, z. B. Kochund Selchprozess, unterworfen und hernach samt der Hülle aus Papier od. dgl., die sich bei diesem Behandlungsprozess geschlossen hat, aus der Hülse genommen wird. Zweckmässig werden zur Auslegung des Hülseninnenraumes eine gerollte Papierlage oder Papierscheibe verwendet.
Die aus einem rechteckigen Zuschnitt gerollte Papierlage wird in die Hülse eingesteckt und legt sich zufolge ihrer eigenen Federung an die Innenfläche der Hülse an. Mittels der Papierscheiben werden die beiden Stirnseiten der gerollten Papierlage abgedeckt, u. zw. die eine Stirnseite vor der Füllung mit der Wurstmasse und die andere Stirnseite nach der Füllung. Beim Kochen und Selchen werden die den gesamten Innenraum der Hohlform zur Gänze auskleidenden Papierzuschnitte nass und erweicht. Die sich überlappenden Längsräder der Papierrolle werden durch den radial nach aussen wirkenden Ausdehnungsdruck der Wurstmasse an die Hülse angepresst und gegeneinander gedrückt, so dass eine Verbindung dieser Ränder durch Klebung und Verfilzung entsteht und ein Schliessen der Hülle im Umfangssinne bewirkt wird.
Eine gleiche Verbindung tritt zwischen den Stirnrändern der gerollten Papierlage und den Abdeckscheiben ein, so dass die Wurstmasse nach dem
Kochen und Selchen vollständig eingeschlossen ist.
Die Zuschnitte zum Auskleiden der Hohlform können aus gewöhnlichem Papier oder Pergamentpapier bestehen.
Ein besonderer Vorzug des erfindungsgemässen Verfahrens liegt darin, dass die zu seiner Durchführung notwendige Vorrichtung überaus einfacher Art sein kann und immer wieder verwendbar ist. Die Vorrichtung. besteht im Wesen aus einer rohrfönnigen Hohlform, deren Wandungen durch- brochen sind und die geöffnet werden kann.
Die Wandungen der Hohlform können aus ge- lochtem Blech, Drahtgitter od. dgl. bestehen.
Die Öffnung des Doseninnenraumes kann durch abnehmbare Deckel und durch eine längsgeteilte
Mantelwand bewirkt werden.
Die Zeichnung zeigt die Vorrichtung zur
Durchführung des Verfahrens in einem Aus- führungsbeispiel. Diese Vorrichtung ist in Fig. l im längsgeschnittenen Aufriss und in Fig. 2 im
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Kreuzriss dargestellt. In Fig. 3 ist ein Querschnitt nach Linie III-III der Fig. l bei geschlossener Mantelwand und in Fig. 4 der gleiche.. Querschnitt bei geoffneter Mantelwand dargestellt.
Die Vorrichtung besteht im Wesen aus einer
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liegen und daselbst durch je eine Verriegelungsstange 4 bzw. 5 befestigt werden können, die in Haken 6 bzw. 7 einhängbar sind. Die Deckel 2,3 weisen gleichfalls Durchbrechungen, z. B. Löcher, auf. Zwischen jeder Verriegelungsstange und den zugehörigen Deckeln ist je eine Feder 8 bzw. 9 vorgesehen ; diese Federn drücken die Deckel bei verriegelter Stange federnd an die Hülsenränder an. Der untere Deckel 2 trägt Füsse 10 zum Aufstellen der Vorrichtung.
Die Hülse 1 ist längsgeschlitzt und weist gegenseitig sich überlappende Ränder 1', 1" auf. An den Hülsenrändern sind wechselseitig Bänder 11, 12, 13 befestigt, die einem aus Rundeisen bestehenden Exzenterhebel 14 als Lager dienen. 15 ist ein aus dem Material des Exzenterhebels gebildeter Handgriff. In der in den Fig. 2 und 3 dargestellten Lage des Exzenterhebels ist die Hülse 1 geschlossen ; in der Exzenterhebel- lage gemäss der Fig. 4 ist die Hülse geöffnet.
Es ist also zum Schliessen und Öffnen der Mantelwand der Hohlform nur eine Verschwenkung des Exzenterhebels in den einen oder anderen Drehsinn erforderlich.
Bei Gebrauch der Vorrichtung wird in die in der Schliessstellung befindliche Hülse (Fig. 1-3) cil* gerollte Papierlage 20 von rechteckigem Zuschnitt eingelegt, derart, dass sich die
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unteren Deckels 2 wird auf das untere Ende der Papierrolle 20 eine Papierscheibe 21 aufgelegt und sodann der untere Deckel aufgesetzt und verriegelt. Nunmehr wird die Wurstmasse am oberen offenen Ende eingefüllt, bis sie den durch die Papierzuschnitte 20, 21 ausgekleideten Innenraum der Vorrichtung zur Gänze erfüllt. Nach dem Abstreichen des Wurststranges wird auf diesen eine zweite Papierscheibe 22 aufgelegt, der obere Deckel 3 aufgesetzt und dann verriegelt. Nach dem Verschliessen der Hohlform wird der Inhalt geselcht und gekocht oder umgekehrt.
Bei dieser Behandlung der Wurst- masse erfolgt ein Schliessen der Papierhülle an
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Papierscheiben 21 und 22 ; denn die Papierzuschnitte werden bei dem erwähnten Behandlungsprozess nass und aufgeweicht und verbinden sich an den Rändern teils durch Klebung, teils durch Verfilzung, zumal sie nicht nach aussen ausweichen können und durch den Ausdehnungsdruck der Wurstmasse gegeneinander gedrückt werden. Nach der erfolgten Behandlung und Auskühlenlassen der Wurst wird die Hohlform durch Abnehmen der Deckel und durch Verschwenken des Exzenterhebels 14, 15 geöffnet, so dass die vollständig von der Hülle umschlossene, also fix und fertige Wurststange aus der Vorrichtung leicht entfernt werden kann.
Beim erfindungsgemässen Verfahren bildet sich somit die geschlossene Wursthülle selbsttätig beim Kochen und Selchen der Wurst aus Papierzuschnitten, die sich wegen ihrer einfachen geometrischen Formen leicht herstellen lassen. Es sind weder vorbereitete Schläuche noch Bindfäden od. dgl. erforderlich. Zudem sind die Hüllenteile sowohl während des Füllens als auch während der weiteren Behandlung der Wurstmasse von der festen Form umschlossen und in dieser sicher gehalten, so dass das gefürchtete Reissen oder Platzen der Hülle beim Füllen oder Kochen vollständig vermieden erscheint.
PATENTANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Herstellung von Stangenwürsten mit künstlicher Hülle, dadurch gekennzeichnet, dass die Wurstmasse in eine durch Zuschnitte aus Papier ausgekleidete, mit Durchbrechungen versehene und beiderends abschliessbare Hülse aus körperfestem Baustoff eingebracht, in dieser dem zur Geniessbarmachung der Wurstfülle notwendigen Behandlungsprozess unter- worfen und hernach samt der Hülle, die sich bei diesem Behandlungsprozess geschlossen hat, aus der Hülse genommen wird.