-
Vorrichtung zum Konstanthalten der Spannung zulaufender Werkstoffbahnen
in Beutelherstellungsmaschinen Die Erfindung bezieht sich auf eine Vorrichtung zum
Konstanthalten der Spannung zulaufender Werkstoffbahnen und ist auf die Verwendung
in Beutelherstellungsmaschinen beschränkt, in denen namentlich bei der Verarbeitung
dünner Folien oder Papier hohe Anforderungen an eine feine Regelung der Bahnspannung
gestellt werden.
-
Man kennt Vorrichtungen zum Konstanthalten der Spannung zulaufender
Werkstoffbahnen, bei denen der Bremsdruck auf die Trommel der Abwickelvorrichtung
von Hand eingestellt wird. Auf einem anderen Fachgebiet hat man eine Vorrichtung
vorgeschlagen, bei der die Veränderungen der Bahnspannung über eine die Bahnspannung
abtastende Fühlerwalze einen Elektromotor steuern, der durch Bremsscheiben auf die
Bremstrommel der Abwickelvorrichtung für die Werkstoffbahn einwirkt. Bei diesen
bekannten Bauarten wird die Reibscheibe nur von einer Seite belastet. Demgegenüber
erfolgt gemäß der Erfindung die Verbindung der Handregelung mit der selbsttätigen
Regelung in der Form, daß auf die Bremstrommel von jeder Stirnseite je eine gesondert
verstellbare Bremsscheibe einwirkt, wobei der Elektromotor über ein auf der mit
Gewinde versehenen verlängerten Nabe der rückwärtigen Bremsscheibe aufgeschraubtes
und sich am Maschinengestell über ein Drucklager abstützendes Zahnrad auf die Bremsscheibe
einwirkt, während auf die vordere Bremsscheibe die Handverstelleinrichtung in an
sich bekannter Weise über eine Feder einwirkt. Nach der Erfindung werden somit beide
auf die Bremstrommel einwirkenden Bremsscheiben verstellt, und zwar die eine Bremsscheibe
von der einen Seite durch eine selbsttätig wirkende Verstelleinrichtung und die
andere Bremsscheibe von der anderen Seite durch eine Handverstelleinrichtung. Die
selbsttätige Verstelleinrichtung ist somit stets wirksam und kann hinsichtlich der
Bremsleistung der ganzen Einrichtung bei Bedarf von der Wirkung einer Handeinstelleinrichtung
überlagert werden. Dadurch wird eine wesentlich feinere Regelung ermöglicht, die
den Anforderungen der Beutelherstellungsmaschinen bei der Verarbeitung empfindlicher
Bahnen Rechnung trägt.
-
Die weiteren Einzelheiten der Erfindung sollen an Hand der Zeichnung
beschrieben werden, in der ein Ausführungsbeispiel der Abwickelvorrichtung dargestellt
ist. In der Zeichnung zeigt Fig. 1 schematisch in Seitenansicht eine für Rollenwechsel
während des Betriebes eingerichtete Abwickelstation einer weiter nicht dargestellten
Beutelherstellungsmaschine zusammen mit der auf sie einwirkenden Taststation, Fig.
2 die Vorrichtung für die regelbare Stromzufuhr zu den Bremsen an den Abwickelstellen,
die von der Taststation gesteuert wird, Fig. 3 einen Schnitt nach der Linie A-B
in F i g. 2, F i g. 4 eine einfache Abwickelstelle mit mechanischem Friktionsgetriebe
mit Handbedienung, das mittels einer zusätzlichen motorischen Verstellung von der
Taststation gesteuert wird.
-
Auf die von einer an sich bekannten Abwickelvorrichtung in Pfeilrichtung
(Fig. 1) in die Beutelherstellungsmaschine einlaufende Werkstoffbahn ist eine Fühlerwalze
4 aufgelegt, die unter Einwirkung eines Waagensystems steht. Diese Fühlerwalze 4
kann an jeder beliebigen Stelle der Bahn liegen, wenn sie sich nur zwischen der
Abwickelvorrichtung und dem ersten Vorzug befindet, so daß sich Bahnspannungsänderungen,
die von der Abwicklung ausgehen, unmittelbar an der Fühlerwalze bemerkbar machen.
-
Zweckmäßig erhält der Bahnweg an dieser Stelle einen senkrechten Verlauf,
z.B. durch die Leitwalzen 2 und 3, damit die Fühlerwalze 4 unterhalb des Drehpunktes
des Waagensystems angeordnet werden kann und dann kein Ausgleichgewicht erforderlich
macht, das die schwingende Masse des Waagensystems vergrößern würde. Die Fühlerwalze
4 wird ferner vorteilhaft in der Nähe einer dieser Leitwalzen gegen die Bahn gelegt,
weil dort die Bahn nur sehr geringen Schwankungen durch Flattern, Lufteinwirkung
u. dgl. ausgesetzt ist, so daß die Fühlerwalze 4 möglichst ruhig läuft. Der Beruhigung
der Bahn dient auch eine an sich bekannte Pendelwalze 70, die zwischen der Abwickelrolle
und der Fühlerwalze angeordnet ist und periodische Stöße, die z. B. von unrunden
Abwickelrollen ausgehen, auffängt.
-
Die Fühlerwalze 4 verläuft quer über die Bahn 1 und ist in zwei Hebeln
9 gelagert, die zu einer Welle 8 führen, die in den beiden nicht dargestellten Seitenrahmen
des Maschinengestells mittels Kugellagern gelagert ist. Auf dieser Welle ist auch
der Waagebalken 7 des Waagensystems fest angeordnet, der vorzugsweise an der Vorderseite
der Beutelherstellungsmaschine liegt. Auf dem Waagebalken 7 ist das Gewicht 5 verschiebbar
und mittels einer Schraube 6 feststellbar vorgesehen, das über die Hebel9 die Bahn
1 etwas auslenkt, wie in Fig. 1 ersichtlich ist. Der Waagebalken 7 trägt eine Skala
10, die beispielsweise nach Kilogramm geeicht sein kann und angibt, wieviel Kilogramm
Zug insgesamt bei der betre-ffenden Stellung des Gewichtes 5 in der Bahn herrschen,
wenn der Waagebalken horizontal liegt und infolgedessen die Bahn 1 durch die Fühlerwalze
4 eine ganz bestimmte Auslenkung erfährt.
-
Diese Gesamtbelastung der Bahn ist von ihrer Breite unabhängig. Man
muß sie durch die Breite der jeweils verarbeiteten Bahn in Zentimeter dividieren,
wenn die mit Bahnen anderer Breite vergleichbare Zugspannung je Zentimeter Bahnbreite
bestimmt werden soll. Bahnspannung und Gewicht 5 befinden sich bei der jeweiligen
entsprechenden Auslenkung der Bahn durch die Fühlerwalze 4 in einem stabilen Gleichgewichtszustand.
Sinkt die Bahnspannung, so nimmt die Auslenkung durch die Fühlerwalze einen größeren
Wert an; steigt die Bahnspannung, so nimmt die Auslenkung einen kleineren Wert an.
Die entsprechenden Ausschläge des Waagebalkens 7 wirken z.B. durch eine Verlängerung
11 des Waagebalkens über den Drehpunkt 8 hinaus auf elektrische Kontakte, die z.
B. ober- und unterhalb der Waagebalkenverlängerung 11 in geringem Abstand als Springschalter
12 und 13 angeordnet sind. Zur Begrenzung der Ausschläge des Waagebalkens auf das
zur Betätigung der Springschalter ausreichende Maß sind ober- und unterhalb der
Waagebalkenverlängerung 11 Stellschrauben 14 und 15 als einstellbare Anschläge vorgesehen.
-
Da die Lagerreibung und die Trägheit der in Bewegung zu setzenden
Massen Widerstände sind, welche die Empfindlichkeit der Waage beeinträchtigen, wird
das Waagensystem so leichtgängig wie möglich gelagert und enthält so wenig Masse
wie möglich, um die Empfindlichkeit der Vorrichtung möglichst groß zu machen. Der
Drehpunkt 8 liegt zweckmäßig in der Höhe des Schwerpunktes des beweglichen Systems,
damit der wirksame Hebelarm des Schwerpunktes sich bei Bewegungen des Systems möglichst
wenig ändert.
-
Um die Anlage gegen vorübergehende, kurze Schwankungen der Bahnspannung,
die zu Fehlsteuerungen führen können, unempfindlich zu machen, kann gegebenenfalls
ein Dämpfer 16 vorgesehen sein, der beispielsweise aus einem ölgefüllten Zylinder
besteht, in dem sich ein an der Waagebalkenverlängerung 11 angelenkter Kolben 17
befindet, wobei das Öl bei Bewegungen des Kolbens durch einen Kanall8 umlaufen kann,
dessen Querschnitt beispielsweise durch eine Schraube 19 so weit verengt wird, bis
eine wünschenswerte Dämpfung der Kolbenbewegungen und damit des Fühlersystems 4
bis 11 gegen kurzzeitige Schwankungen eingetreten ist, wohingegen anhaltendere Bahnspannungsänderungen,
z. B. infolge Durchmesserveränderungen der Abwickelrolle, auch bei kleinsten sande
rungswerten
schon zu einer Verstellung des Fühlersystems und zu einem Schaltvorgang an einem
der Springschalter 12 oder 13 führen.
-
Beim Schließen eines der Springschalter 12 oder 13 wird ein in seiner
Drehrichtung umkehrbarer Motor, beispielsweise ein Wechselstrommotor 20 (F i g.
2), in der einen oder der anderen Drehrichtung in Bewegung gesetzt und verstellt
einen Stromabnehmer 28 auf einem ringförmig ausgebildeten Spartransformator und
damit die Spannung des zu den Kupplungen der Abwickelvorrichtung geführten Stromes.
-
An Stelle eines Spartransformators kann auch ein Drehwiderstand verwendet
werden. In diesem Ausführungsbeispiel wurde jedoch ein regelbarer Transformator
vorgezogen, da ein Widerstand belastungsabhängig ist, ein Transformator aber nicht.
-
In dem dargestellten Ausführungsbeispiel ist die Verstellungsvorrichtung
so ausgestattet, daß bei Rollenwechsel automatisch die Anfangsbremswirkung eingestellt
wird. Hierzu wirkt der Motor 20 über eine Schnecke 21 auf ein Schneckenrad 22, das
mit der einen Seite 23 einer elektromagnetischen Kupplung 23, 24 fest verbunden
ist. Beide Teile 22, 23 sind lose auf einer Welle 25 gelagert, auf der die andere
Kupplungshälfte 24 unverdrehbar befestigt ist.
-
Solange die elektromagnetische Kupplung 23, 24 über die Leitungen
26 und 27 erregt ist, wird die Welle 25 entsprechend der Dauer eines durch die Kontakte
12 oder 13 gegebenen Steuerimpulses von dem Motor 20 um einen entsprechenden Winkel
gedreht und durch Selbsthemmung der Schnecke in der neuen Lage gehalten. Mit der
Welle 25 wird der auf ihr befestigte Stromabnehmer 28 (F i g. 2 und 3) des ringförmig
ausgebildeten Spartransformators auf der Wicklung 29 um den gleichen Winkel gedreht.
Zwischen dem Lager 30 der Welle 25 und der Kupplungshälfte 24 der elektromagnetischen
Kupplung23, 24 ist eine Torsionsfeder 31 angeordnet, die bei Drehung der Welle 25
und somit auch des Stromabnehmers 28 in Richtung des Pfeiles 32 (F i g. 3) gespannt
wird. Ist der Stromabnehmer 28, z. B. im Verlauf des Abwickelvorganges der Vorratsrolle,
immer mehr in Pfeilrichtung verschwenkt, so ist die Feder 31 entsprechend gespannt.
Sobald aber die Erregung der elektromagnetischen Kupplung23, 24 unterbrochen wird,
schwenkt die Feder den Stromabnehmer 28 wieder zurück, da der Antrieb und die selbsthemmende
Wirkung der Schneckenübertragung 21, 22 sodann unterbrochen sind. Dieser Rücklauf
des Stromabnehmers, auf dessen Aufgabe später eingegangen wird, ist durch einen
Anschlag 34 begrenzt, der mit einer das Aufschlagen dämpfenden Feder 33 versehen
ist (F i g. 3).
-
Die Wicklung 29 des Spartransformators ist ihrerseits mittels des
Halters 35 auf einer zweiten Welle 36 befestigt, auf deren anderem Ende ein Zahnrad
37 lose drehbar gelagert ist. Das Zahnrad 37 liegt zwischen einer Druckfeder 38,
die durch einen auf der Welle befestigten Stellring 39 gespannt ist, und einer auf
der Welle befestigten Scheibe 40 mit zwischengelegter Reibscheibe 41, so daß die
Welle 36 durch Reibungsschluß nachgiebig von dem Zahnrad 37 mitgenommen wird, wenn
dasselbe über ein Ritzel 42 von einem zweiten umkehrbaren Motor, beispielsweise
einem Wechselstrommotor 43, angetrieben wird. Der Motor 43 wird über zwei Druckknopfschalter
44, 45 in der einen oder der anderen Drehrichtung
erregt und verstellt
dabei die Wicklung 29 des Spartransformators, wobei der Anschlag 34 bzw. der auf
ihm ruhende Kopf des Stromabnehmers 28 die Endstellungen bestimmen, in denen die
Rutschkupplung 38 bis 41 zu rutschen beginnt, wenn der Kopf des Halters 35 diese
berührt.
-
Bei der Verstellung des Wicklungsträgers 29 durch den Motor 43, deren
Zweck weiter unten im Zusammenhang erläutert ist, sind zwei hinter verschiedenfarbigen
Gläsern angeordnete Glühlampen 46 und 47 zu beachten. Sie zeigen die Lage des Waagebalkens
7, 11 an, indem jede nur so lange leuchtet, wie der betreffende Springschalter geöffnet
ist; sobald ein Springschalter betätigt wird, erlischt die betreffende Glühlampe.
Das Aufleuchten der einen oder der anderen oder beider Glühlampen zeigt den betriebsbereiten
Zustand der Anlage an.
-
Von den Stromzuführungsleitungen 48, 49 fließt Wechselstrom zu dem
Spartransformator 28, 29. Aus diesem werden über die Leitungen 50 und 51, einen
Transformator 52, einen Gleichrichter 53 und die Leitungen 54 und 55 zwei elektromagnetische
Bremsen 56 und 57 (F i g. 1) über Schleifkontakte 58 mit Strom versorgt, die auf
den Schleifringen 59 aufliegen. Die Bremsen 56, 57 sind den beiden Abwickelwellen
63, 64 zugeordnet, die in zwei zu beiden Seiten der Maschine angeordneten, über
einen Schnecken- und Schneckenradtrieb 60, 61 schwenkbaren Hebeln 62 gelagert sind.
Diese an sich bekannte Anordnung für den Rollenwechsel während des Betriebes ist
durch eine Andrückrolle 65 und ein Abtrennmesser 66 vervollständigt. Dem Abtrennmesser
ist erfindungsgemäß ein Schalter 67 zugeordnet, der in der einen Zuleitung27 zu
der elektromagnetischen Kupplung 23, 24 (F i g. 2) liegt und die Stromzufuhr bei
Betätigung des Abtrennmessers unterbricht. Dies hat, wie bereits erläutert wurde,
zur Folge, daß der Stromabnehmer 28 entgegen der Richtung des Pfeiles 32 zurückgeschwenkt
wird (strichpunktiert eingezeichnete Stellung 28'). Diese Stellung 28' ist die Ausgangsstellung
des Stromabnehmers 28 bei Beginn des Abwickelns einer vollen Rolle und wird, wie
gesagt, durch die Betätigung des Abtrennmessers 66 beim Abtrennen der von der beinahe
erschöpften Vorratsrolle 68 ablaufenden Bahn 1' herbeigeführt, während gleichzeitig
die weitere Abwicklung der Werkstoffbahn 1 von der vollen zuvor beschleunigten Vorratsrolle
69 erfolgt, deren Anfang an die alte Bahn 1' mittels der Andrückrolle65 angeklebt
wurde.
-
In der Ausgangsstellung 28 des Stromabnehmers 28 soll der Spartransformator
28, 29 die elektromagnetischen Bremsen 56, 57 so erregen, daß die gewünschte Spannung
der Werkstoffbahn vorhanden ist.
-
Diese Erregung stellt man durch Verschwenken des Wicklungsträgers
29 gegenüber dem Stromabnehmer 28 ein, indem man den Druckknopf 44 oder 45 betätigt
und dadurch den Elektromotor 43 in dem einen oder dem anderen Drehsinn umlaufen
läßt. Ist die gewünschte Spannung in der Bahn vorhanden, so liegt der Waagebalken
7 in der Horizontalen, so daß die Kontakte 12 und 13 unterbrochen sind und beide
Glühlampen 46, 47 aufleuchten. Bei falscher Bremsung, d. h. bei zu großer oder zu
geringer Bahnspannung, ist eine Glühlampe erloschen; die andere, brennende gibt
durch die Farbe ihres Lichtes den mit gleicher Farbe gekennzeichneten, entsprechend
zu betätigenden Druckknopf 44 oder 45 an. Dieser Druck-
knopf wird dann so lange
betätigt, bis auch die erloschene Glühlampe wieder aufleuchtet, was besagt, daß
der Waagebalken die Mittelstellung erreicht hat.
-
Diese Einstellung der Ausgangsbremsung, die für alle weiteren gleichen
Vorratsrollen unverändert verwendet werden kann und eine sofortige richtige Bremserregung
nach jedem weiteren Rollenwechsel zur Folge hat, ist bei laufender Werkstoffbahn
durchzuführen, weil nur dann richtige Bahnspannungsverhältnisse an der Abtaststation
vorliegen. Aus dem gleichen Grund ist die Stromversorgung des Elektromotors 20 über
die Springschalter 12, 13 und die der Glühlampen 46, 47 so eingerichtet, daß sie
erst mit der des Hauptantriebsmotors der Druckmaschine zusammen eingeschaltet wird,
da bei stillstehender Maschine Fehlverstellungen des Stromabnehmers 28 erfolgen
würden.
-
Der Elektromotor 43 zur Verstellung des Wicklungsträgers 29 wird
dagegen schon bei stillstehender Druckmaschine mit Strom versorgt, da man schon
bei stillstehender Maschine durch Drehen an der Abwickelrolle feststellen kann,
ob die Bremsen angenähert richtig erregt sind, und dann Korrekturen durch Betätigen
der Druckknopfschalter44 und 45 schon vornehmen kann.
-
Die gewünschte Bahnspannung wird dann durch Verschieben des Gewichtes
5 auf dem Waagebalken 7 entweder vor Inbetriebnahme auf Grund von Rechnungs- und
Erfahrungswerten an Hand der Skala 10 oder während des Betriebes nach dem unmittelbar
beobachteten Spannungszustand der Bahn eingestellt.
-
Während des Betriebes ändert sich die Bahnspannung in Abhängigkeit
von dem abnehmenden Vorratsrollendurchmesser, aber auch aus anderen Gründen. Diese
Änderungen führen zu Bewegungen der Fühlerwalze 4 und verstellen über die Springschalter
12, 13 und den Elektromotor 20 den Stromabnehmer 28 im wesentlichen in Richtung
des Pfeiles 32, nach Verlassen des Anschlages 34 gegebenenfalls aber auch im entgegengesetzten
Sinn. Dadurch wird die Erregung der Abwickelbremsen 56, 57 so geregelt, daß der
Ausgangszustand am Waagebalken und damit die eingestellte Bahnspannung wiederhergestellt
bzw. aufrechterhalten wird. Jeder Regelvorgang dauert so lange, bis dies erreicht
ist.
-
Während des Betriebes muß die Bremswirkung entsprechend der Durchmesserverkleinerung
der Vorratsrolle kleiner werden. Dementsprechend wandert der Stromabnehmer 28 in
Richtung des Pfeiles 32 in Fig.3 in eine vom Anschlag 34 entfernte Stellung und
wird in der oben angegebenen Weise durch Betätigen des Abtrennmessers 66 beim Rollenwechsel
durch die zuvor gespannte Torsionsfeder 31 schlagartig wieder in die Ausgangsstellung
zurückgedreht, so daß sofort die für den Beginn einer neuen Rolle richtige Bremserregung
wieder eingestellt ist. Dies ist der Sinn der durch den Anschlag 33, 34 festgelegten
Ausgangsstellung. Soll auch zu Beginn einer neuen Rolle ein Einregeln des Stromabnehmers
28 nach beiden Richtungen möglich sein, so ist die Ausgangsstellung so zu verändern,
daß sie einer etwas größeren Anfangserregung der Bremsen entspricht. Über die Fühlerwalze
4 wird dann jeweils der augenblicklich genau zutreffende Wert eingeregelt.
-
Es ist aber nicht zweckmäßig, den ganzen Regelvorgang von der einen
Endstellung in die andere bei Erschöpfung der Vorratsrolle durch die fühlergesteuerte
Einregelung vorzunehmen, weil die Umstellung
bei Beginn einer neuen
Rolle zu lange dauern und Ausschuß bedingen würde. Denn die Bewegungen des Stromabnehmers
28 müssen langsam erfolgen, um Überregelungen zu vermeiden. Die Einstellungen des
Wicklungsträgers 29 können dagegen über den Motor 43 schnell erfolgen, so daß hier
nicht wie beim Motor 20 eine Schnecken- und Schneckenradübertragung, sondern eine
Zahnradübertragung 42, 37 benutzt werden kann.
-
Bei Venvendung der Anlage an einer Aufwickelstation ändert sich lediglich
die Anklemmung der Leitung 50, indem sie mit dem entgegengesetzten Ende der Spartransformatorwicklung
- also mit der Leitung 49 statt 48 - in Verbindung gebracht werden muß, damit bei
Bewegungen des Stromabnehmers 28 in Richtung des Pfeiles 32 die Erregung der hier
statt der Bremsen benutzten Friktionskupplungen, die hier auf die Aufwickelrolle
wirken, zunimmt, statt, wie bei Abwickelbremsen, abnimmt. Die anderen Ausführungen
gelten unter sinngemäß er Umkehrung auch für Aufwickelvorrichtungen.
-
An Stelle der vorstehend beschriebenen elektromagnetischen Bremsen
oder Kupplungen an den Ab-bzw. Aufwickelvorrichtungen können auch erfindungsgemäß
elektromotorisch regelbare, mechanische Friktionsgetriebe gemäß Fig.4 verwendet
werden, wobei die Elektromotoren, wie z. B. der Elektromotor 71, in Abhängigkeit
von den Springschaltern 12, 13 im Rechts- oder Linksdrehsinn erregt werden. Beim
Rollenwechsel nach Beendigung der Ab- oder Aufwicklung einer Werkstoffrolle werden
die Elektromotoren durch eine Umschaltung in dem Sinne in Bewegung versetzt, daß
sie das Friktionsgetriebe bis auf eine z. B. durch Endschalter 72 bzw. 73 bestimmte
Ausgangsstellung zurückstellen, wozu bei (entsprechend F i g. 4) nur einer Ab- oder
Aufwickelstelle, d. h. beim Rollenwechsel bei stillstehender Maschine, genügend
Zeit gegeben ist, während bei (entsprechend F i g. 1) zwei koordinierten derartigen
Ab- oder Aufwickelstellen für den Rollenwechsel während des Betriebes sogar die
Zeit von einem Rollenwechsel bis zum nächsten zur Verfügung steht.
-
Die Reibung in der Ausgangsstellung wird dabei z.B. durch eine an
sich bekannte, auf die vordere Reibscheibe 74 über eine verstellbare Druckfeder
75 einwirkende Handeinstellung 76 eingestellt. Die selbsttätige Verstellung der
Bremse erfolgt von dem als Getriebemotor ausgebildeten Elektromotor 71 über ein
Ritzel 77 und ein Zahnrad 78 auf die hintere Reibscheibe 79. Die Reibscheibe 79
ist zu diesem Zweck mit Gewinde 80 auf ihrer verlängerten Nabe 81 versehen, auf
der das Zahnrad 78 mit Innengewinde aufgeschraubt ist. Da die hintere Reibscheibe
79 ebenso wie die vordere Reibscheibe 74 durch Einlegefedern 82 und 83 an der Drehung
verhindert ist, wird die Reibscheibe 79 bei Drehung des Zahnrades 78 axial verschoben
und die Feder 75 weiter gespannt oder gelöst. Beim Spannen stützt sich das Zahnrad
78 mittels eines Drucklagers 84 an der Gestellwand ab. Das von der Abwickelrolle
85 über die Abwickelachse 86 und das auf ihr befestigte Zahn-
rad 87 angetriebene
zwischen den Friktionsscheiben 88 und 89 eingeklemmte Zahnrad 90 wird daher stärker
oder schwächer gebremst.
-
Es liegt auch im Rahmen der Erfindung, wenn man eine Abtaststation
gemäß der Erfindung nicht nur auf die hier beschriebenen Ab- bzw. Aufwickelvorrichtungen
zur Änderung der Bahnspannung einwirken läßt. Eine Abtaststation gemäß der Erfindung
kann nämlich auch in Verbindung mit anderen Mitteln zur Veränderung der Bahnspannung,
vorzugsweise mit Vorzugseinrichtungen, benutzt werden, wobei z. B. die Vorzugseinrichtungen
über Differentialgetriebe in Abhängigkeit von den Springschaltern 12, 13 beschleunigt
und verzögert werden. Es ist dabei darauf zu achten, daß die Abtaststation in dem
unmittelbaren Bereich der Station für die Veränderung der Bahnspannung angeordnet
ist, damit sich Veränderungen der Bahnspannung sofort an der Abtaststation einstellen,
da sonst Überregelungen eintreten.