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Österreichische PATENTSCHRIFT Nos 17040. HERMANN HAUCKE IN WEVELINGHOVEN (RHEINPR. ).
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Bekanntlich besteht der Tintenkopierprozess zur Erzeugung positiver Kopien (schwarze Linien auf weissem Grund) der Hauptsache nach darin, dass eine lichtempfindliche Mischung von Eisenoxydsalzen, Weinsäure und Gelatine auf Papier aufgetragen und dieses alsdann unter der Zeichnung belichtet wird. An denjenigen Stellen, welche die Lichtstrahlen durch das Zeichenpapier hindurch wirksam treffen können, reduziert sich das Eisenoxydsalz zu Eisenoxydul und gleichzeitig wird die Gelatine, die durch die Gegenwart des Eisenchlorids unlöslich gemacht worden war, wieder löslich.
Hat daher die Belichtung eine genügende Zeit lang stattgefunden, so ist unterhalb der durchscheinenden Stellen der Zeichenpapier- nähe ailes auf der Kopie befindliche Eisens-salz in Oxydul verwandelt worden, so dass, wenn die Papierfläche in ein Bad von Gallussäure gebracht wird, an den nicht belichteten Stellen das Eisenoxydsalz mit der Gallussäure Tinte bildet, während die durch das Belichten löslich gewordene Gelatine und mit dieser die zu Oxydulsalz reduzierte Eisenverbindung sich auflöst.
Es liegt nun auf der Hand. dass, wenn der Grund der Papierfläche der Kopie seine ursprüngliche Weisse beibehalten soll, nichts von der lichtempfindlichen
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lichtemfindlichen Mischung zuviel in die l'npierfascr ein, so wird bei der Belichtung das eingedrungene Oxydasalz zwar ebenfalls reduzirt, jedoch sind diese eingedrungene Salze nur schwer und erst durch langes, anhaltendes Wässern aus der Papierfaser fortzuschaffen, Notwendigkeit, die das ganze Verfahren viel zu umständlich machen würde.
Verbleibt aber ein zu grosser Teil der lichtemtindlichen Mischung in der Papierfaser, so werden die an den belichteten Stellen reduzierton Salze durch das Liegen an der Luft allmählich wieder oxydiert und es gehen die so gebildeten Eisenoxydasalze mit den ebenfalls ver-
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Papierfläche nachdunkelt und sich nach einiger Zeit ein mehr oder minder violett gefärbter Grund zeigt.
Da sich die in gewöhnlicher Weise hergestellten Schreib- oder Zeichenpapiere aus dem oben angegebenen Grunde nicht für den Tintenkopierprozess eignen, so wurden bisher eigens zu diesem Zwecke auf der Papiermaschine hergestellte, vorzüglich gearbeitete Papiere hiefUr verwandt, für die, weil sie eine ganz besondere Behandlung erforderten, ein sehr hoher Preis bzahlt werden musste, so dass auch der Verkaufspreis des Endproduktes, des Positivlichtpauspapieres wesentlich höher war als wie der der Negativlichtpauspapiere. Diesen Übelstand hat man zu umgehen versucht, dass man vorschlug, die Papierfläche durch Auftragen einer Zwischenschichte gegen ein Eindringen der Eisenoxydsalze zu schützen. So ist z.
B. bei photographischen Papieren längst bekannt, durch Auftragen von Zwischenschichten auf die Papieroberfläche eine Art Verleimung derselben, eine Ausfüllung der Poren des Papieres entweder mit den verschiedenartigsten, in Wasser löslichen oder auch unlöslichen Substanzen vorzunehmen, um eine Schutzdecke gegen das Eindringen gewisser Stoffe in die Papierfasern zu schaffen. Aber der Grund des Misserfolges bei der Anwendung dieser Vorschläge für Lichtpal1'spapiere lag ftarin, dass man die Wirkungen dieser Zwischen- schichten nicht richtig erkannte. Trägt man nämlich Schutzschichten der in den Werken handbuch der Photographie", Halle a. S. 1900, S. 98,111, 112, und Lehrbuch der Photographie"von Eder, Halle a.
S. 1892, S. 433-434, sowie Eders "Photographisches
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Kopierverfabrel1 mit Silbersahcen", Halle a. S. 1887 t S. 196, erwähnten Art auf die Papierfläche auf und behandelt dieselbe nach dem Trocknen alsdann mit der lichtempfindlichen
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Schichte bezw. in die in derselben befindlichen kleinen Poren eindringt, so dass sie jedenfalls in gewissem Masse von der Schichte festgehalten wird. War die Zwischenschichte eine in Wasser unlösliche, so wird es nur sehr schwer oder erst mittels lange anhaltenden Wassers möglich sein, die eingedrungenen, wenn auch durch die Belichtung reduzierten Eisenoxydsalze bezw. die lösbar gewordene Gelatine zu entfernen ; denn dieselbe haftet fest auf der unlösbaren Schichte bezw. in den Poren derselben.
Wesentlich leichter wird das Ablösen geschehen können, wenn man als Zwischenschichte ein im Wasser lösbares Material verwendet haben würde ; hier ist jedoch zu berücksichtigen, dass beim Auftragen der lichtempfindlichen Mischung die ganze lösbare Schichte von dieser durchsetzt und momentan aufgelöst, allerdings später wieder getrocknet wird. Beim Aufweichen der Schichte dringt die lichtemfindliche Mischung aber auch in die Papierfaser ein und ein Entfernen aus dieser würde dann sehr grosse Schwierigkeiten verursachen.
Der vorliegenden Erfindung liegt nun der Gedanke zugrunde, diese Schwierigkeiten dadurch zu beseitigen, dass man eine unlösbare und eine lösbare Schichte gemeinsam anzuwenden habe, t : m ein gutes Resultat zu erzielen ; denn wenn man nach dem Auftragen dieser beiden Schichten die Papierfläche mit der lichtemfindlichen Mischung behandelt, durchdringt die letztere zwar sehr leicht die oberste lösbare Schichte, findet aber an der unlösbaren unteren einen energischen Widerstand, so dass sie-namentlich weil sie bei ihrem Vordringen durch die lösliche Schichte in dieser fast gänzlich aufgenommen worden ist-nur noch ganz oberflächlich und in sehr geringem Masse in die Poren der unlöslichen Schichte vorzudringen vermag und nach der Belichtung mit Leichtigkeit von der Papierfläche abgespült werden kann,
ohne dass es eines übermässig dauernden Wässern bedarf.
Eine Ablösung aber der Kopie an den unbelichteten Stellen der Papierssäche ist deshalb ausgeschlossen, weil an diesen Stellen die Eisenoxydsalze ja noch nicht reduziert worden sind, also die Gelatine, welche beim Auftragen sich mit der löslichen Schichte ganz durchsetzt hatte, immer noch unaitfgelöst zurückbleibt. Sollte aber selbst durch das
Wässern ein geringes Auflösen und Fortspülen der unter der lichtempfindlichen Mischung liegenden löslichen Schichtteilchen stattfinden, so würde dieses Verhalten weiter keinen schädlichen Einfluss ausüben, weil die darüber befindliche unlösbare Deckschichte zusammen- hängend mit der untersten unlösbaren, nicht fortgespült wird, sondern haften bleibt.
Es hat eben beim Auftragen der lichtempfindlichen Mischung ein Auflösen der löslichen Zwischenschicbte stattgefunden, die Eisensalze sind bis zur untersten unlöslichen Schichte vorgedrungen und haben mit dieser eine Art mechanische Vereinigung vorgenommen, welche zwar nicht stark, aber doch immer noch von solcher Intensität ist, dass ein kurzes
Wässern sie nicht zerstören kann. Dieselben Verhältnisse traten auch auf, wenn die un- lösliche und lösliche Zwiscbenschichte nicht getrennt, sondern gleichzeitig auf den Papier- grund aufgetragen werden. Die lichtempfindliche Mischung durchsetzt dann meist nur die- jenigen Teilchen der Schichte, welche löslich sind, findet aber an den dazwischen und den darunter liegenden unlöslichen immerhin so viel Widerstand, dass sie nicht bis in die
Papierfaser selbst durchdringen kann.
Heim späteren Wässern werden die löslichen Teile dann eb9nsoleicht entfernt, wie bei der vorerwähnten Methode. Ein Ablösen der licht- empfindlichen Mischung an den unbelichteten Stellen ist, da diese mit den unlöslichen
Teilen der Zwischenschichte in direkter Berührung stehen, ausgeschlossen. Als Substanzen, welche im Wasser unlöslich sind und für den vorliegenden Zweck verwendet werden können, sind zu nennen ; Lacke, wie Schellack, oder andere Auflösungen von Harzen in
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artige Körper wie Kasein, Nuklein etc., unlöslich gemacht durch die bekannten Mittel : Metallsalze, schwefelsaure Tonerden u. dgl., drittens gegerbte Gelatine, und andere kolloidale Substanzen, viertens Lösungen von Wasserglas, essigsaurer Tonerde etc.
Als im Wasser lösliche Überzüge können verwendet werden : Appreturmittel wie Stärke, Kartoffelmehl, Gummi, Dextrin oder dgl. Ein Überzug der erstgenannten, im Wasser unlöslichen Substanzen verhütet, wie bereits erwähnt, dass die Eisensalze, nachdem sie die lösliche Schichte durchdrungen haben, so dass sie fast ganz aufgesogen sind, noch durch die unlösliche Schichte hindurch oder gar zur Papierfaser dringen können ; er hält gewissermassen die löslich gewordene Gelatine oberflächlich fest ; ein Auftrag der zweiten, im Wasser aufweichbaren Materialien ermöglicht dagegen das leichte Eindringen, also auch ein leichtes Ablösen der lichtempfindlichen Mischung an den belichteten Stellen.
An den unbelichteten Stellen dagegen, an denen die unlösliche Eisenoxydsalzmischnng wiederum oberflächlich mit der unlöslichen untersten Schichte in Berührung steht, ist ein Ablösen der Kopie ausgeschlossen,
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Mischung auf einer Streichmaschine, wie sie in der Buntpapierfabrilcation allgemein üblich ist, auf das Papier aufgetragen bezw. dieses getrocknet. Nach dem Trocknen wird in gleicher Weise eine Lösung von 500 9 Dextrin in 2 l Wasser aufgetragen und auch dieser Überzug trocknen gelassen. Nunmehr ist nach dem Auftragen der 1ichtempfind- lichen Gelatineschichte das Papier zur Sensibilisierung geeignet.
Als entsprechendes Beispiel für das gleichzeitige Auftragen der unlöslichen und löslichen Schichte diene die Vorschrift, dass 30 9 LeÍIr'in 500 9 Wasser und 1 9 Chromalaun in 10 9 Wasser aufgelöst und beide Lösungen alsdann mit 500 9 Aluminiumacetatlösung vermischt werden. Schliesslich werden beide Mischungen mit einer Lösung von 700 9 Dextrin in 2000 q Wasser vermischt und diese letztere Mischung zum Auftragen auf das Papier verwendet.
Es empfiehlt sich gegebenenfalls den genannten Mischungen Farbstoffe oder Farbkörper wie Anilinfarbe, Barytweiss, Kreide oder dgl. zuzusetzen, um dem Papier eine Färbung zu erteilen.