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Geburtshilfliche Zange Die Erfindung betrifft ein zangenartiges Instrument
zur Beendigung einer Geburt, die ohne äußere Hilfe infolge von Wehenschwächen oder
Ermüdung der Mutter nicht beendet werden kann oder wegen Gefahr für das Kind beschleunigt
beendet werden muß.
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Die hierfür bisher allgemein benutzten Zangen bestehen aus zwei durch
ein Schloß zangenartig miteinander zu verbindenden, löffelartigen, aus Stahl hergestellten
Blättern, die bei einer Zangenoperation zunächst einzeln in den Geburtskanal der
Kreißenden eingeführt, außen zusammengelegt und hiernach durch Druck auf die nach
außen vorragenden Handgriffe der Zange fest gegen den Kopf des Kindes angepreßt
werden.
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Bei der Durchführung von Geburten mit den bisher üblichen Zangen entstehen
nun häufig mehr oder weniger schwere Verletzungen des Kopfes des Kindes. Diese sind
hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß entweder der Kopf nicht fest genug von
den Zangenlöffeln erfaßt wird und infolgedessen die Zange bei der Extraktion von
dem Kopf unter schweren Verletzungen der Weichteile abrutscht oder daß die Zangenlöffel
während der Extraktion des Kindes zu fest gegen dessen Kopf angepreßt werden, wodurch
schwere Deformierungen des Schädels und unter Umständen tödliche Verletzungen des
Gehirns, wie beispielsweise intrakranielle Blutergüsse, hervorgerufen werden.
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Die Ursache dieser falschen Handhabung der üblichen Geburtszangen
liegt nun, wie beobachtet wurde, im wesentlichen darin, daß dem Geburtshelfer während
der Extraktion des Kindes der zum Festhalten des Kopfes gerade noch erforderliche
und zugleich unschädliche Druck der Zangenlöffel auf den Kopf des Kindes nicht fühlbar
gemacht wird. Daneben wirkt sich auch das verhältnismäßig hohe Gewicht der bisher
üblichen Zangen und die geringe Größe der an den Kopf des Kindes angelegten Metallflächen
der Zange sowie deren Unnachgiebigkeit nachteilig aus.
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Zur Vermeidung der oben gekennzeichneten Nachteile der üblichen geburtshilflich,en
Zange hat man vorgeschlagen, an dem einen Handgriff der Zange einen gegebenenfalls
mit einer Skala versehenen, verstellbaren Anschlag anzubringen, durch den die Schließbewegung
der Zange beim Erreichen einer bestimmten Öffnungsweite gehemmt wird. Diese Zangen
haben jedoch in die geburtshilfliche Praxis keinen Eingang finden können. Es hat
sich bei ihrer Verwendung nämlich herausgestellt, daß fast regelmäßig der beim Anlegen
der Zange zunächst angewandte Druck nicht ganz ausreicht, um die Extraktion des
Kindes durchzuführen, und daß fast immer der Anschlag während der Extraktion nachgestellt
werden muß, um entsprechend der Nachgiebigkeit des Kopfes des Kindes ein Nachfassen
der Zange bzw. eine Engerstellung der Zangenlöffel zu ermöglichen. Dieses Nachstellen
des Anschlages während der Extraktion ist aber lästig und in manchen Fällen sogar
gefährlich. Sie setzt außerdem die Anwesenheit einer dritten Person voraus, da der
Geburtshelfer bei der Extraktion bekanntlich die Griffe der Zange nicht loslassen
kann.
Zur Beseitigung dieser Mängel der bisher bekannten Zangen
mit einstellbarem Anschlag zum Hemmen der Schließbewegung wird nun gemäß der Erfindung
zwischen dem an dem einen Zangengriff verstellbaren Anschlag und dem anderen Zangengriff
eine Feder derart vorgesehen, daß die Zange nach der zu Anfang der Extraktion erfolgten
ersten Ermittlung des zulässigen Zangendruckes vorgenommenen Einstellung des Anschlages
durch Anwendung eines erhöhten Druckes auf die Zangengriffe noch um ein weiteres
Maß geschlossen werden kann, wobei aber dem Geburtshelfer durch den zu überwindenden
verhältnismäßig hohen Druck der Feder angezeigt wird, daß er bei der weiteren Schließbewegung
voraussichtlich in den Bereich des für den Kopf des Kindes. gefährlichen Zangendrucks
kommt.
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Als Anschlag wird gemäß der Erfindung vorzugsweise eine an dem einen
Zangengriff angebrachte Stellschraube benutzt, deren Kopf sich gegen eine an dem
anderen Zangengriff vorgesehene, relativ zum Zangengriff gegen den Druck einer Feder
verschiebbare Druckplatte anlegt. Die Druckplatte wird dabei vorteilhaft mit einem
Führungsschaft versehen, der die Wand der die Druckplatte aufnehmenden Griffhöhlung
durchsetzt und eine Skala trägt, an der dem Geburtshelfer die jeweilige Stellung
der Druckplatte und damit das Maß, um welches er bei der Extraktion gegebenenfalls
die Zange über die zuerst ermittelte Stellung weiter geschlossen hat, ablesbar angezeigt
wird.
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Schließlich werden gemäß der Erfindung, um eine weitgehende Schonung
auch der äußeren Weichteile des Kopfes des Kindes zu erzielen, die Zangenlöffel
mit einem elastischen Gummiüberzug versehen, durch den die üblichen Fenster des
Metallkörpers der Zangenlöffel elastisch verschlossen werden. Dadurch erreicht man
eine erhebliche Vergrößerung der an den Kopf des Kindes angreifenden Oberfläche
der Zangenlöffel, und dadurch ist man in der Lage, den zur Extraktion erforderlichen
Druck auf den Kopf des Kindes von Anfang an wesentlich gegenüber dem bei der bisher
üblichen Zange herabzusetzen.
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Auf der Zeichnung ist in Abb. i eine gemäß der Erfindung ausgebildete
geburtshilfliche Zange in Ansicht und teilweisem Längsschnitt dargestellt.
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Abb.2 gibt schematisch die Anwendung der erfindungsgemäßen Geburtszange
wieder. Bei der auf der Zeichnung wiedergegebenen Ausführungsform des Erfindungsgegenstandes
besteht, wie-üblich, die Zange aus zwei Blättern, die sich in einem Schloß i zusammenfügen
lassen. Der auf der Zeichnung unterhalb des Schlosses gelegene Teil der Blätter
ist der Zangengriff 2 bzw. 3. Den oberen Teil der Blätter bilden die Löffel ,4,
wie üblich, mit fensterförmigen Durchbrechungen für den Durchtritt der Ohren des
Kindes versehen sind. An dem Ende des einen Zangengriffes 3 ist eine mit vorteilhaft
sehr steilem Gewinde versehene Stellschraube 5 angebracht, deren Griffknopf 6 außen
so weit vorragt, daß der Geburtshelfer während der Operation leicht die Stellschraube
bewegen kann. Das dem anderen Zangengriff 2 zugewendete Ende 7 der Stellschraube
ist zweckmäßig halbkugelig ausgebildet. Es legt sich beim Schließen der Zange gegen
eine in ,dem anderen Griffende 2 quer zur Längsrichtung .des Griffes verschiebbar
angeordnete, durch .eine Feder 15 belastete Druckplatte 8, die an der Rückseite
einen Schaft 9 trägt, dessen Ende io mit einer Skala versehen ist.
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Die zur Aufnahme der Druckplatte 8 und der Feder 15 dienende
Höhlung des einen Griffes 2 ist an der inneren Seite des Griffes offen, so daß der
Kopf 7 der Stellschraube durch die Durchbrechung 12- des Griffkörpers hindurchtreten
kann. An der äußeren Seite des Griffes ist die Höhlung i i durch eine aufschraubbare
Kappe 13 verschlossen, die eine Durchbrechung für das Ende io des Druckplattenschaftes
9 hat.
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Bei der Verwendung der erfindungsgemäßen Zange werden zunächst, wie
üblich, die Zangenlöffel einzeln in den Geburtskanal eingeführt und danach außen
in dem Schloß i zusammengelegt. Hierauf wird die Zange bei ganz herausgedrehter
Stellschraube soweit geschlossen, wie es dem Geburtshelfer zum sicheren Festhalten
des Kopfes des Kindes gerade noch erforderlich erscheint. Nunmehr wird die Stellschraube
so weit bewegt, bis der Kopf 7 bei angelegten Zangenlöffeln eben gegen .die Druckplatte
8 anliegt. Die Extraktion kann jetzt beginnen. Merkt der Operateur, daß der Zangendruck
für den erforderlichen Zug nicht ausreicht, so wird während der Extraktion die Zange
noch etwas weiter geschlossen, wobei an der Skala des Schaftemdes io die weitere
Schließbewegung der Zange dem Geburtshelfer ablesbar angezeigt wird.
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Die auf der Zeichnung wiedergegebene Ausführungsform der Zange besteht
aus-einer Leichtmetallegierung von hoher Festigkeit, beispielsweise der unter dem
Namen Dur -alumin bekannten Legierung, wodurch eine erhebliche Verringerung des
Eisengewichtes der Zange gegenüber den bisher üblichen, aus Stahl oder Schmiedeeisen
hergestellten Geburtszangen erreicht wird.
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Ferner sind bei der wiedergegebenen Ausführungsform
des
Erfindungsgegenstandes die Löffel 4 der Zangenblätter mit einem aus Gummi bestehenden
handschuhartigen Überzug 14 versehen, der auf der Innenseite der Löffel dicker als
auf der Außenseite ausgebildet ist. Der L'berzug 4 ist -dabei ferner so ausgebildet,
daß durch ihn die üblichen Fenster der Zangenlöffel elastisch geschlossen «-erden.
Dadurch wird erreicht, daß die an dein Kopf des Kindes angreifende Fläche der "Zange
erheblich vergrößert wird, ohne daß es, wie bei den bekannten Geburtszangen ohne
Löffelfenster, zu Verletzungen der äußeren Ohrteile des Kindes kommt. Die Vergrößerung
der Löffelfläche hat eine bemerkenswerte Verringerung des spezifischen Flächendruckes
bei der Extraktion zur Folge, woraus sich eine weitere "vesentliche Schonung des
Kopfes des Kindes ergibt.