Bisher wurde zur Lagerung eines Spinnrotors hauptsächlich die bekannte und bewährte Twin Disk Lagerung (Rollenlagerung) eingesetzt. Hierbei befindet sich der Spinnrotor am Ende einer
Welle, die zwischen dem Antriebsriemen und zwei Rollen läuft, welche beide den mindestens
10fachen Durchmesser der Welle haben und mit Gummi beschichtet sind. Durch dieses Übersetzungsverhältnis
von 1 : 10 konnte die Lebensdauer der Kugellager erheblich verlängert werden;
gegenüber einer direkten Kugellagerung der Spinnwelle, wobei eine 10fach höhere Drehzahl
der Kugellager notwendig ist. Dennoch müssen in etwa alle 20 000 Stunden die Rollen und
die Kugellager wegen Verschleiß erneuert werden. Die Twin Disk Lagerung bietet jedoch eindeutige
Vorteile, denn sie hält relativ hohen Belastungen stand und durch die Gummibeschichtung
auf den Rollen und dem Antrieb über einen Riemen läuft die Welle mit dem Spinnrotor im
überkritischen Schwingungsbereich, so daß die Unwuchtskräfte auf die Lagerung wesentlich
geringer sind.
Diese Lagerung ist z. B. in der Auslegeschrift DE 25 25 435 B1 ausführlich beschrieben.
Hier ist auch ein Stützlager (siehe Spalte 4, oberster Absatz) vorhanden, jedoch in
einem völlig anderen Zusammenhang als das in den Patentansprüchen angegebene Lager 4.
Bei diesem Anwendungsfall wurde schon oft der Einsatz von aerostatischen Lagern angestrebt,
da hier kein Verschleiß der Lagerung stattfindet. Wie z. B. durch die Auslegeschrift DE-AS 23 49 072
bekannt, ist hier der Rotor starr mit der aerostatisch gelagerten Welle verbunden, somit
kann dieses Lager der hohen Belastung durch Unwuchtkräfte bei Fadenriß im Spinnrotor nicht
standhalten.
Aufgabe war es nun, eine aerostatische Lagerung des Spinnrotors zu erreichen, die im überkritischen
Schwingungsbereich läuft. Nach zahlreichen Versuchen wurde festgestellt, daß hierzu
große Lagerspalte (im 1/10-mm-Bereich) notwendig sind, dies hat aber einen extrem hohen
Luftverbrauch zur Folge, so daß die Energiekosten untragbar sind. Es wurde nun nach einer
Möglichkeit gesucht, trotz engem Lagerspalt (8-12 µm) eine überkritische Lagerung des Spinnrotors
zu gewährleisten. Durch elastisches Aufhängen der Lagerringe (bzw. Lagerschalen) in O-Ringen
konnte zwar der überkritische Lauf erreicht werden, da aber der Luftlagerspalt innerhalb
des Schwingungsbereiches liegt und somit die Massenausgleichskräfte übertragen muß,
konnten auch hierbei nicht die notwendigen Unwuchtmassen aufgenommen werden.
Eine überkritische Aufhängung des Spinnrotors selbst in der aerostatisch gelagerten Welle wurde
nun als letzte Möglichkeit in Betracht gezogen. Hierzu wurde der Spinnrotor an einem freischwingenden
Fortsatz (z. B. Stange) aufgehängt, der von seinen Abmessungen so gestaltet
war, daß ein Durchfahren der ersten Eigenschwingung (Schwingungsresonanz) schon bei relativ
niedriger Drehzahl möglich war. Die Schwingungsausschläge beim Resonanzdurchfahren waren
jedoch so groß, daß die aerostatische Lagerung überlastet wurde. Ein Lager am Ende des
Fortsatzes mit genügend Spiel, um ein freies Schwingen des Fortsatzes im überkritischen Drehzahlbereich
zu ermöglichen, brachte letztlich die Lösung des Problems (Anspruch 1). Dieses
Lager tritt also erst dann in Funktion, wenn die Schwingungsausschläge am Ende des Fortsatzes
mit Spinnrotor größer als das Spiel des Lagers sind. Sobald der Spinnrotor überkritisch läuft
muß eine Berührung zwischen Lager und Fortsatz ausgeschlossen sein, dazu ist für das Lager
mindestens das zweifache Lagerspiel der aerostatisch radialen Lagerung notwendig. Durch diese
Aufhängung des Spinnrotors konnte neben dem Vorteil der gering verschleißenden Lagerung
auch eine durch Unwuchtskräfte nicht überlastbare aerostatische Lagerung geschaffen werden.
Um die Spindel in ihrer Länge zu kürzen und die Unwuchtskräfte, die vom Spinnrotor ausgehen
näher an die aerostatische Lagerung heranzubringen, wird der schwingungsfreie Fortsatz
größtenteils in eine zentrische Bohrung der aerostatisch gelagerten Welle untergebracht. Damit
die erste Eigenschwingung des Fortsatzes bereits bei niedriger Drehzahl durchfahren werden
kann, muß die Länge des Fortsatzes mindestens viermal so groß wie der kleinste Durchmesser
des Fortsatzes sein. Da die zweite Eigenschwingung des Fortsatzes weit genug von der Betriebsdrehzahl
entfernt sein muß, ist eine Durchmesserzunahme des Fortsatzes von der Befestigungsstelle
aus zum Spinnrotor hin notwendig (Anspruch 2).
Ein weiteres Problem stellte die Befestigung des Fortsatzes im Bohrungsgrund der Welle dar.
Zuerst wurde ein Gewinde eingesetzt, was bei längerem Betrieb durch die hohe dynamisch-wechselnde
Beanspruchung ein Lockern durch Setzungserscheinungen im Gewinde zur Folge
hatte. Eine Preßverbindung herzustellen war mit äußerst hohen Herstellungskosten verbunden,
da die Prellung mit sehr engen Maßtoleranzen (5 bis 10 µm) hergestellt werden mußte, um ein
Knicken des Fortsatzes durch zu hohe Einpreßkräfte zu verhindern.
Indem entweder auf dem Fortsatz oder in der Welle ein Gewinde auf- bzw. eingebracht wurde,
konnte erreicht werden, daß mit weiten Maßtoleranzen von 1/10 mm die Einpreßkraft immer
noch in akzeptablen Grenzen liegt, ohne ein Knicken des Fortsatzes befürchten zu müssen
(Anspruch 3).
Auch bei der aerostatischen Lagerung muß ein Auswechseln des Spinnrotors gewährleistet sein.
Deshalb wurde bei bisherigen Ausführungen eine lösbare Verbindung zwischen Welle und Spinnrotor
hergestellt. Dies hat aber zur Folge, daß bei jedem Wechsel des Spinnrotors die Spindel
neu gewuchtet werden muß, oder eine hochpräzise, teure Passung zwischen Welle und Spinnrotor
eingerichtet werden muß (Toleranzfeldbreite 0,002 mm), weil bereits bei geringem exzentrischen
Sitz des Spinnrotors die Umwuchtkraft die Grenzlast des aerostatischen Lagers übersteigt.
Durch das Anbringen der lösbaren Verbindung am Ende des oben genannten Fortsatzes der
aerostatisch gelagerten Welle, kann die Verbindung mit einer großzügigen Toleranz (0,05 mm)
verwirklicht werden, da sie innerhalb des überkritischen Schwingungsbereiches liegt, der schon
bei relativ niedriger Drehzahl erreicht wird.
Nachfolgend wird eine Ausführungsform der patentbeanspruchten aerostatischen Lagerung
anhand der Zeichnung näher beschrieben.
Hier ist eine Welle 5 aerostatisch in einem Gehäuse 8 in axialer Richtung gelagert.
Die Ausführungsformen von aerostatischen Lagern sind nach dem Stand der Technik bekannt.
Die hier eingesetzte aerostatische Lagerung zeichnet sich vor allem durch den niedrigen Luftverbrauch
aus, da die Abluft der radialen Lager noch in den axialen Lagern genutzt wird.
Die Welle wird an einem Ende 7 über einen Tangentialriemen angetrieben. In der Welle 5 befindet
sich eine zentrische Bohrung, in deren Grund ein Fortsatz 2 durch eine Preßverbindung
befestigt ist. Der Fortsatz ist in Form einer Stange 2 ausgebildet, an deren Ende der Spinnrotor
1 durch eine Schraubverbindung angebracht ist. Die Preßverbindung 6 zwischen Stange 2 und
Welle 5 wird dadurch hergestellt, daß sich entweder auf der Stange 2 oder in Bohrung der
Welle 5 ein Gewinde befindet (das Preßmaß beträgt 0,2 bis 0,3 mm). Die Stange 2 nimmt in
ihrem Durchmesser zum Spinnrotor 1 hin stufenweise zu. Der kleinste Durchmesser in der Nähe
der Befestigungsstelle 6 zwischen Welle und Stange muß so groß gewählt werden, daß er die
Antriebs- und Bremsmomente des Spinnrotors 1 mit ausreichender Sicherheit übertragen kann
und so klein gewählt werden, daß die erste Eigenschwingung der Stange 2 schon bei relativ
niedriger Drehzahl durchfahren werden kann (bei dieser Ausführung beträgt er 3 mm). Die Gesamtlänge
der Stange 2 enthält in etwa 20mal das Maß des kleinsten Durchmessers.
Am Ende der Stange, wo der Spinnrotor 1 angebracht ist, befindet sich ein zusätzliches radiales
Lager 4 mit dem zwanzigfachen Lagerspiel 10 des aerostatischen radialen Lagers 11. Dieses
Lager 4 ist hier als fettgeschmiertes Gleitlager ausgeführt. Ebenso kann ein Wälzlager mit genügend
Lagerspiel eingesetzt werden. Um eine gute Dämpfung des Lagers beim Durchfahren der
ersten Eigenschwingung zu erreichen, ist das Gleitlager 4 auf O-Ringen 3 im Gehäuse aufgehängt.
Da der Spinnrotor 1 wegen Verschleißes alle 10 000 Betriebsstunden ausgewechselt werden
muß, ist es kein großer Aufwand, das fettgeschmierte und teilweise verschließende Gleitlager 4
mit auszuwechseln. Zum jetzigen Zeitpunkt können noch keine Aussagen über die wirklichen
Standzeiten des Gleitlagers 4 gemacht werden.
Die Spindel ist für eine Betriebsdrehzahl von 120 000 U/min ausgelegt. Die erste Eigenschwingung
der Stange 2 wird bereits bei der Drehzahl 12 000 U/min durchfahren. Danach
läuft der Spinnrotor im überkritischen Schwingungsbereich, d. h. die Massenkräfte im Spinnrotor
sind stets ausgeglichen und die Kräfte auf die aerostatische Lagerung sind selbst bei großen
Unwuchtsmassen gering. Bis zur Drehzahl 11 000 U/min läuft der Spinnrotor unterkritisch.