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Verfahren zur Modifizierung vod hydraulischen
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Bindemitteln Hydraulische Bindemittel, wie z.B. die Calciumsulfatbindemittel
Anhydrit, $Gips, ß-Gips oder der handelsübliche Stuckgips, werden seit langem zur
Herstellung von Schichten, Mörteln oder Formkörpern verwendet.
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Die z.B. aus Stuck- oder Modelliergips hergestellten Artikel besitzen
einerseits eine große Härte und Festigkeit, andererseits aber naturgemäß eine erhebliche
Sprödigkeit, sowie den typischen kalten Griff mit erheblicher Kreidungstendenz und
ein relativ hohes, zumeist über 1 liegendes spezifisches Gewicht.
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Aus diesem Grund sind Zusatzmittel vorgeschlagen worden, die die Eignung
von Gips zumeist für den Bausektor verbessern sollen. Runststofflatices z.B. sollen
die
Sprödigkeit vermindern und die Wasserbeständigkeit verbessern,
jedoch sind hierfür Sunststoffzusätze-bezogen auf Calciumsulfat-von mehr als 10
Gew.-% erforderlich.
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Zusätze wie z.B. Cellulosederivate sollen die Thixotropie von Gipssuspensionen
verbessern und gegebenenfalls die Abbindung verzögern. In allen Fällen wurde also
versucht, die bekannten Nachteile des Gipses hinsichtlich seines Einsatzes auf dem
konventionellen Bausektor zu vermeiden.
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So werden z.B. in der japanischen Patentschrift 49-044026 Gipsplatten
mit guter mechanischer Festigkeit beschrieben, die aus Mischungen von Gips und wasserlöslichen
Polyurethanen hergestellt werden. Diese Polyurethane besitzen als vorgebildete Polymere
jedoch einige Nachteile, wie z.B. eine relativ hohe Viskosität, ferner können sie
nur in gelöster Form angewendet werden, d.h. sie müssen vollständig wasserlöslich
sein. Aus der breiten Palette der verfügbaren Polyurethane können also nur linear
aufgebaute Polyurethanpolymere verwendet werden.
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Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist daher ein Verfahren zur
Modifizierung von hydraulischen Bindemitteln, welches dadurch gekennzeichnet ist,
daß man dem pulverförmigen Bindemittel und/oder dem Anmachwasser wasserlösliche,
mindestens bifunktionelle Isocyanat-Polyäther-Prepolymere mit Molgewichten zwischen
ca. 800 und 10000 in Mengeii von 3 bis 30 Gew.-%, bezogen auf das Bindemittel, zusetzt.
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Es wurde gefunden, daß man hydraulische Bindemittel, also Zemente,
wie Portland-, Tonerde- und Sorelzemente und vorzugsweise hydraulische Bindemittel
auf Calciumsulfat-Basis wie Gipse mit verschiedenen Wassergehalten und synthetischen
oder natürlichen Anhydrid durch Zusätze solcher Prepolymerer so modifizieren kann,
daß die hergestellten Schichten und/oder Formkörper bei geringem spezifischem Gewicht,
einen weichen, nicht spröden Charakter und ein erhebliches Isoliervermögen im trockenen
Zustand haben und über eine erhebliche Tendenz zur Wasseraufnahme und Wasserhaltung
bei mäßiger Festigkeit verfügen. Gegenüber den vorgebildeten Polymeren mit den bekannten
Nachteilen besitzen die Prepolymere bedeutend geringere Viskositäten und können
direkt ohne weitere Lösungsmittel appliziert werden. Ferner können auch solche Prepolymere
verwendet werden, die später im Laufe der Reaktion im wässrigen Medium hochvernetzte
Endpolymere bilden können, also geringere Quellungen aufweisen. Diese Prepolymere
weisen zudem endständige Isocyanatgruppen auf, die bei der Weiterreaktion mit dem
Wasser zur Kohlendioxyd-Abspaltung führen. Durch die Verwendung solcher Prepolymerer
werden Formkörper mit aufgetriebener, also besonders leichter Struktur hergestellt.
Die in dem erfindungsgemäßen Verfahren letztlich gebildeten Endpolymere stellen
Polyharnstoffe dar.
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Damit steht eine reichhaltige Auswahl an Prepolymeren zur Verfügung
und eine variable Anwendung ist gegeben. Die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren
hergestellten modifizierten ausgehärteten Schichten und/oder Formkörper können beispielsweise
auf dem Bausektor als Isoliermaterial oder Fugen- und
Hohlraumausfüllung
dienen. Außerdem können mit Ihnen auch relativ leichtgewichtige, nicht spröde und
nicht oder wenig kreidende Formkörper und Halbzeug hergestellt werden, insbesondere
Substrate oder auch Behälter.
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Auch bodenverbessernde Granulate für Landwirtschaft und Gartenbau
lassen sich mit ihnen herstellen, da die gute Wasseraufsaugfähigkeit und Wasserhaltung,
verbunden mit geringer Dichte und nicht zu hohen Festigkeiten, die durch die verwendete
Anmachwassermenge noch variierbar sind, in Kombination mit dem pflanzenfreundlichen
Charakter des Materials zu einem hervorragenden Pflanzenwachstum führen. Dieses
läßt sich natürlich noch durch das mögliche zusätzliche Einbringen von Dünger und
pflanzenschutzmitteln weiter beeinflussen. Ferner sind trockene oder feuchte Formkörper
aus den verfahrensgemäß modifizierten Bindemitteln, wie z.B. Gips als Träger für
Duftstoffe oder Schädlingsbekämpfungsmittel verwendbar. Das nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren hergestellte Material kann auch zum Aufsaugen von wäßrigen oder organischen
Elüssigkeiten, wie z.B. öl verwendet werden.
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Die verfahrensgemäße Modifizierung von hydraulischen Bindemitteln,
insbesondere von Calciumsulfatbindemitteln, wie Gips, geschieht dadurch, daß den
hydraulischen Bindemitteln und/oder dem Anmachwasser wasserlösliche, mindestens
bifunktionelle Isocyant-Polyäther-Prenolymere in Mengen von 3 bis 30 Gew.-%, vorzugsweise
5 bis 15 Gew.-%, bezogen auf trockenes Bindemittel, zugesetzt werden.
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Als mindestens bifunktionelle Isocyanat-Polyäther-Prepolymere werden
Umsetzungsprodukte aus zumindest bifunktionell gegenüber Isocyanaten reaktionsfähigen
Polyäthern und Polyisocyanaten verstanden, die wenigstens zwei Isocyanatgruppen
am Prepolymermolekül tragen und Molgewichte zwischen ca. 800 und 10 000,vorzugsweise
zwischen etwa 1600 und 8000, aufweisen. Diese Prepolymere sind leicht zugänglich,
allgemeine Verfahren zu ihrer Herstellung.werden z.B. beschrieben in High Polymers
Vol.XVI; Saunders; Frisch,Polyurethanes: Chemistry and Technology, Teil II, Interscience
Publishers.
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Um im Sinne der Erfindung Wasserlöslichkeit bzw. gute Dispergierbarkeit
in Wasser zu gewährleisten, sollen die zur Herstellung der Prepolymeren Verwendung
findenden Polyäther mindestens 40 Gew.-% Äthylenoxyd eingebaut enthalten. Bevorzugt
werden Äthylenoxyd-Propylenoxyd-Mischpolyäther, die neben der Starterkomponente
wie z.B. Äthylenglykol, Poropylenglykol, Glyzerin, Trimethylolpropan, Pentaerythrit
oder Sorbit, ggf.
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noch weitere Comonomere eingebaut enthalten und Äthylenoxydgehalte
von 55 bis 95 Gew.-% aufweisen.
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Derartige Polyäther werden durch Umsetzung von Verbindungen mit reaktionsfähigen
Wasserstoffatomen, wie z.B.Wasser oder Polyalkoholen, mit Äthylenoxid und gegebenenfalls
Alkylenoxiden wie Propylenoxid, Butylenoxid, Styroloxid, Epichlorhydrin oder Gemischen
dieser Alkylenoxide hergestellt.
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Geeignete Polyalkohole und Phenole sind z.B. Äthylenglykol, Diäthylenglykol,
Polyäthylenglykol, Propandiol-1,2, Propandiol-1,3, Butandiol-1,4, Hexandiol-1,6,
Decandiol-1,2,
Butin-2-diol-1,4, Glyzerin, Butandiol-2 4, Hexantriol-1,3,6,
Trimethylolpropan, Sorbit, Resorcin, Hydrochinon, 4,6-Di-tert.-Butylbrenzkatechin,
3-Hydroxy-2-naphthol, 6,7-Dihydroxy-1-naphthol, 2,5-Dihydroxy-1-naphthol, 2,2-Bis(p-Hydroxyphenyl)-propan,
Bis-(p-hydroxyphenyl)-methan und 1,1,2-Tris-(hydroxyphenyl)-alkane wie z.B.
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1,1,2-Tris-(hydroxyphenyl)-äthan oder 1,1,3-Tris-(hydroxyphenyl)-propan.
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Andere geeignete Polyäther sind die 1,2-Alkylenoxid-Derivate von aliphatischen
oder aromatischen Mono- oder Polyaminen, wie z.B. Ammoniak, Methylamin, Äthylendiamin,
N,N-Dimethyläthylendiamin, Tetra- oder Hexamethylendiamin, Diäthylentriamin, Äthanolamin,
Diäthanolamin, Oleyldiäthanolamin, Methyldiäthanolamin, Triäthanolamin, Aminoäthylpiperazin,
o-, m- oder p-Phenylendiamin, 2,4- und 2,6-Diamino-p-xylol und mehrkernigen und
kondensierten aromatischen Polyaminen, wie 1,4-Naphthylendiamin, 1,5-Naphthylendiamin,
Benzidin, Toluidin, 2,2'-Dichlor-4,4'-Diaminodiphenylmethan, 1-Fluorenamin, 1,4-Anthradiamin,
9,10-Diamino-phenantren oder 4,4'-Diaminoazobenzol. Als Startmoleküle der Polyäther
kommen auch harzartige Materialien des Phenol- und Resoltyps in Frage. Bevorzugte
Starter sind neben Wasser die genannten Polyole bzw. Polyamine mit einem maximalen
Molekulargewicht von etwa 250.
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Diese Polyäther werden unter Mitverwendurig von Athylenoxid aufgebaut,
wobei mindestens 40 % der Alkylenoxidgruppen Äthylenoxid sein sollten. Besonders
gut für
den späteren Einsatz auf landwirtschaftlischem Gebiet eignen
sich auch Glyzerin-gestartete Polyäther mit Molgewichten über 2000.
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Bevorzugt sind die einzusetzen den Polyäther bi- und/oder trifunktionell
gegenüber Isocyanaten und besitzen Molgewichte zwischen ca. 650 und 9000, insbesondere
2000 und 8000.
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Zur Herstellung der Prepolymeren werden die Polyäther, die vorzugsweise
OH-Endgruppen aufweisen, mit Polyisocyanaten, bevorzugt Diisocyanate, gegebenenfalls
auch Triisocyanaten, in solcher Menge umgesetzt, daß pro funktioneller Gruppe des
Polyäthers zwischen etwa 1-2 Mol Polyisocyanat, vorzugsweise zwischen etwa 1,1 bis
1,4 Mol eingesetzt werden, so daß die Polyäther ohne wesentliche Molgewichtserhöhung
in das Prepolymer mit Isocyanatendgruppen überführt werden. Das geschieht am zweckmäßigsten
durch einfaches Vermischen und Rühren bei Temperaturen zwischen etwa 30-1000C. Gegebenenfalls
überschüssiges Isocyanat kann entweder abdestilliert oder im Prepolymer belassen
werden, da es das erfindungsgemäße Verfahren nicht stört.
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Als Polyisocyanate werden aliphatische, cycloaliphatische, araliphatische,
aromatische und heterocyclische Polyisocyanate verwendet, wie sie z.B. von W. Siefken
in Justus Liebigs Annalen der Chemie, 562, Seiten 75 bis
136, beschrieben
werden, beispielsweise Äthylendiisocyanat, 1,4-Tetramethylendiisocyanat, 1,6-Hexamethylendiisocyanat,
1,12-Dodecandiisocyanat, Cyclo-butan-1,3-diisocyanat, Cyclohexan-1,3- und -1,4-diisocyanat,
sowie beliebige Gemische dieser Isomeren, 1-Isocyanato-3,3,5-trimethyl-5-isocyanato-methylcyclohexan,
wie sie in der DAS 1 202 785 beschrieben sind; 2,4- und 2,6-Hexahydrotoluylendiisocyanat,
sowie beliebige Gemische dieser Isomeren, Hexahydro-1,3- und/oder 1,4-phenylen-diisocyanat,
Perhydro-2,4'- und/oder -4,4'-diphenylmethan-diisocyanat, 1,3- und 1,4-Phenylendiisocyanat,
2,4- und 2,6-Touylendiisocyanat, sowie beliebige Gemische dieser Isomeren.
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Ferner werden Diphenylmethan-2,4'- und/oder 4,4'-diisocyanat, Naphthylen-1,5-diisocyanat,
Triphenylmethan-4,4', 4-Triisocyanat, Polyphenyl-polymethylen-polyisocyanate, wie
sie durch Anilin-Formaldehyd-Kondensation und anschließende Phosgenierung erhalten
und z.B. in den britischen Patentschriften 874 430 und 848 671 beschrieben werden,
perchlorierte Arylpolyisocyanate, wie sie z.B. in der deutschen Auslegeschrift 1
157 601 beschrieben werden, Carbodiimidgruppen aufweisende Polyisocyanate, wie sie
in der deutschen Patentschrift 1 092 007 beschrieben werden, Diisocyanate, wie sie
in der amerikanischen Patentschrift 3 492 330 beschrieben werden, verwendet. Allophanatgruppen
aufweisende Polyisocyanate gemäß der britischen Patentschrift 994.890, der belgischen
Patentschrift 761 626 und der veröffentlichten holländischen Patentanmeldung 7 102
524, Isocyanatgruppen
aufweisende Polyisocyanate, wie sie z.B.
in den deutschen Patentschriften 1 022 789, 1 222 067 und 1 027 394, sowie in den
deutschen Offenlegungsschriften 1 929 034 und 2 004 048 beschrieben werden, Urethangruppen
aufweisende Polyisocyanate, wie sie z.B. in der belgischen Patentschrift 752 261
oder in der amerikanischen Patentschrift 3 394 164 beschrieben werden, acylierte
Harnstoffgruppen aufweisende Polyisocyanate gemäß der deutschen Patentschrift 1
230 778, Biuretgruppen aufweisende Polyisocyanate, wie sie z.B. in der deutschen
Patentschrift 1 101 394, in der britischen Patentschrift 889 050 und in der französischen
Patentschrift 7 017 514 beschrieben werden, durch Telomerisationsreaktionen hergestellte
Polyisocyanate, wie sie z.B. in der belgischen Patentschrift 723 640 beschrieben
werden, Estergruppen aufweisende Polyisocyanate, wie sie z.B. in den britischen
Patentschriften 956 474 und 1 072 956, in der amerikanischen Patentschrift 3 567
763 und in der deutschen Patentschrift 1 231 689 genannt werden oder Umsetzungsprodukte
der oben genannten Isocyanate mit Acetalen gemäß der deutschen Patentschrift 1 072
385.
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Vorzugsweise werden die technisch gut zugänglichen Typen verwendet,
wie Hexamethylendiisocyanat, 3,3,5-Trimethyl-5-isocyanatomethyl-cyclohexylisocyanat
(Isophorondiisocyanat), Gemische und reine Typen von Toluylendiisocyanatisomeren,
sowie reine und gemischte Typen von Polyisocyanaten, wie sie durch technische Überführung
von Anilin-Formaldehyd-Kondensaten in Isocyanate erhalten werden, z.B. 4,4'-Diphenylmethandiisocyanate
und technische Gemische, die
derartige Isocyanate neben weiteren
Isomeren und gegebenenfalls Mehrkernisocyanaten enthalten können. Ausgezeichnet
sind technische Toluylendiisocyanate verwendbar.
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Die beschriebenen Isocyanate können sowohl einzeln als auch in jeder
beliebigen Kombination miteinander eingesetzt werden.
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Das Prepolymer kann sowohl auf das pulverförmig vorliegende Bindemittel,
z.B. in einem Mischer aufgetrommelt - wobei es sich sehr gut auf der gesamten Pulveroberfläche
verteilt - als auch unmittelbar vor dem Anrühren des Bindemittels dem Anmachwasser
zugesetzt werden.
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Dazu sind am besten Mischköpfe geeignet, wie sie in der Polyurethanchemie
z.B. als Rührmischköpfe oder Hochdruck-Düsenmischköpfe verwendet werden.
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Die Reaktion der Isocyanatprepolymeren mit dem Anmachwasser kann gegebenenfalls
katalysiert werden.
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Zur Katalyse der Umsetzung haben sich besonders gut geringe Mengen
an organischen und anorganischen Säuren, an anorganischen wasserlöslichen Salzen
und katalytische Mengen an Basen und basisch reagierenden Verbindungen, wie Natriumacetat
oder Natriumphenolat bewährt. In vielen Fällen empfiehlt es sich auch, die Temperatur
bei der die Umsetzung stattfindet, zu erhöhen. Schon geringe Temperaturerhöhungen
haben starke Reaktionszeitverkürzungen zur Folge.
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Anmachwasser wird vorzugsweise in einer Menge, die dem 1- bis 2,5-fachen
des Bindemittel-Trockengewichtes entspricht zugesetzt. Diese Menge reicht üblicherweise
aus,
jedoch ist es auch möglich, die Anmachwassermenge noch weiter
zu erhöhen oder zu erniedrigen.
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In dem Bindemittelansatz können gegebenenfalls noch Füllstoffe und
Verstärkungsmittel wie Sand, Torf, Bims, synthetische oder natürliche Fasern, Gewebe,
Drähte, Metallnetze, Moniereisen usw. mitverwendet werden.
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Bei der Herstellung der Bindemittelsuspensionen ist es ferner möglich,
während oder vor der Reaktion noch eine gasförmige Komponente zuzuführen, die zu
einer Volumenexpansion des Gemisches führt. Es entstehen so z.B. Formkörper mit
besonders niedrigem Raumgewicht.
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Die gasförmige Komponente muß mit den Prepolymeren verträglich sein,
so sind z.B. Luft, N2, C02, CF3Cl, CF2Cl2, CH3Cl oder beliebige Mischungen gut zu
verwenden.
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Andererseits ist es natürlich auch möglich, anstatt oder zusätzlich
zu der gasförmigen Komponente solche Stoffe zu verwenden, die keine Nebenwirkungen
hervorrufen und unter den verfahrensgemäßen Bedingungen Gas abspalten, so wird z.B.
Harnstoffdicarbonsäureanhydrit verwendet.
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Das Verfahren läßt sich unter Verwendung der oben beschriebenen Mischeinrichtungen
sowohl kontinuierlich als auch diskontinuierlich durchführen.
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Im folgenden wird das Verfahren noch weiter beispielhaft erläutert:
Beispiel
a) Herstellung des Prepolymeren: In einem Reaktionsgefäß wurden 159 Gew.-Teile Toluylendiisocyanat
(80 % 2,4- und 20 % 2,6-Isomeres) auf 800C erwärmt.
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Hierzu wurden unter Rühren innerhalb von 3 Stunden,1200 Gew.-Teile
eines Polyäthers zugetropft, der durch Anlagerung von 60 Gew.-% Äthylenoxid und
40 Gew.-% Propylenoxid an Glycerin erhalten wurde und der eine Hydroxylzahl von
28 besaß. Die Reaktionsmischung 0 wurde bei 80 C eine weitere Stunde gerührt. Dann
ließ man unter Rühren auf Raumtemperatur abkühlen.
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Das erhaltene Präpolymere hatte einen Isocyanatgehalt von 4,2 Gew.-%
und eine Viskosität von 5200 Centipoise bei 25 0C.
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b) Modifizierung des Bindemittels durch Zugabe des Prepolymeren zum
Anmachwasser: 700 Gew.-Teile Stuckgips wurden auf einem Mischer 0 bei ca. 15 C mit
einer unmittelbar zuvor hergestellten Lösung von 70 Gew.-Teilen des Prepolymers
in 700 Gew.-Teilen Wasser vermischt. Die erhaltene Suspension wurde in eine Plattenform
gefüllt, dort begann der Ansatz nach ca. 2 Minuten leicht aufzuschäumen und erstarrte
nach ca. 10 Minuten.
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Nach dem Trocknen bei 800C hatte das Material ein 3 0 Raumgewicht
von 333 kg/m , sowie bei 27 C eine Wärmeleitzahl von 0,06 W/K.m bei einer Druckfestigkeit
von 0,07 MPa.
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Eine aus dem Material geschnittene ca. 5 cm dicke Platte fühlte sich
weich an und kreidete beim Darüberstreichen nicht. Eine solche Platte nahm ca.
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200 Gew.-% ihres Eigengewichtes an Wasser auf, wobei sie einen weich-elastischen
Charakter bekam, aber konturstabil blieb. Auf eine solche wassergesättigte aufgerauhte
Platte wurde der Samen von Brunnenkresse ausgelegt. Er begann zu keimen und verwurzelte
sich mit dem Substrat.
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c) Modifizierung des Bindemittels durch Zugabe des Prepolymeren zum
trockenen Bindemittel: 9000 Gew.-Teile handelsüblicher Stuckgips wurden in einen
Propellermischkessel eingefüllt und verwirbelt.
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Bei laufendem Mischer ließ man auf das stark bewegte Gipspulver 900
Gew.-Teile des Prepolymers im Laufe von ca. 10 Minuten auf tropfen, wobei das Prepolymer
sofort im Mischer verteilt und auf das Pulver aufgemischt wurde. Es resultierte
eine frei rieselfähige Mischung. Diese wurde in einem Polyäthylensack verschlossen
aufbewahrt.
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Das so modifizierte Bindemittel war über mehr als 6 Monate rieselfähig,
ohne zu verklumpen.
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100 Gew. -Teile des modifizierten Bindemittels wurden mit 150 Gew.-Teilen
Wasser verrührt, mit der Suspension wurde eine Zylinderform gefüllt. Der Zylinder
hatte einen Durchmesser von 6 cm bei einer Höhe von 20 cm. Nach ca. 10 Minuten war
die Masse erstarrt und konnte entformt werden.
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Nach dem Trocknen bei 80 0C zur Gewichtskonstanz hatte der Zylinder
ein Raumgewicht von 600 kg/m3.
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Er hatte einen "kunststoffartigen" nicht kreidenden Griff und wurde
bei Schlagbeanspruchung nur eingedrückt ohne zu splittern oder zu stauben. An der
Eindruckstelle war das Gefüge zerstört, die Bindemittelmasse wurde jedoch elastisch
zusammengehalten. Beim Fall aus ca. 2 m Höhe auf einen Betonfußboden zerbrach der
Zylinder nicht, sondern erhielt nur Druckstellen. Das Material nahm ca. 150 Gew.-t
an Wasser auf.
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Gemäß Beispiel 1c lassen sich auch folgende Prepolymere einsetzen:
Prepolymer B 590,4 Gew.-Tle eines auf Glycerin gestarteten Polyäthers aus 45 Gew.-%
Äthylenoxid und 55 Gew.-% Propylenoxid OH-Zahl 56 werden mit 209,6 Gew.-Tlen Hexamethylendiisocyanat
ca. 3 h bei 900C gerührt, wobei sich das Isocyanatprepolymer mit einem NCO-Gehalt
von 9 Gew.-% bildet.
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f Prepolymer C 615 Gew.-Tle eines auf Trimethylolpropan gestarteten
Polyäthers aus 70 Gew.-% Äthylenoxid und 30 Gew.-% Propylenoxid, OH-Zahl 26 werden
mit 185 Gew.-Tlen Hexamethylendiisocyanat ca. 3 h bei 900C gerührt, wobei das Prepolymer
mit einem NCO-Gehalt von ca.
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9 Gew.-% gebildet wird.
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Prepolymer D 1745 Gew.-Tle eines auf Glycerin gestarteten Polyäthers
aus 60 Gew.-% Äthylenoxid und 40 Gew.-% Propylenoxid 0 werden ca. 2,5 h bei 90 C
mit 750 Gew.-Tlen eines technischen Diphenylmethandiisocyanates gerührt, wobei sich
das Prepolymer mit einem NCO-Gehalt von ca. 8 Gew.-% bildet.
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Prepolymer E 353 Gew.-Tle eines Anlagerungsproduktes von ca. 28 Mol
Äthylenoxid an ein Mol des Na-Salzes von 1,4-Butandiol-2-Sulfonsäure werden bei
ca. 800C etwa 2,5 h mit 147 Gew.-Tlen des in Beispiel 1 verwendeten Isocyanates
gerührt, wobei sich das Prepolymere mit einem NCO-Gehalt v on 7 % bildet.