DE1594680C - Verfahren zur katalytischer! Verbrennung von Abgasen mit hohen Heizwerten - Google Patents
Verfahren zur katalytischer! Verbrennung von Abgasen mit hohen HeizwertenInfo
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Description
Gase mit Verunreinigungen durch Verbindungen, die durch Totaloxydation in harmlose Stoffe, z. B.
Kohlendioxyd und Wasser, überführt werden können, lassen sich durch katalytische Verbrennung reinigen.
Die technische Durchführung des Verfahrens der katalytischen Verbrennung ist denkbar einfach und
betriebssicher, soweit die Konzentrationen an brennbaren Verbindungen unterhalb der unteren Explosionsgrenze liegen. Die katalytische Verbrennung von
zündfähigen Gemischen erfolgt gemäß dem Stand der Technik nach Verdünnen mit entsprechenden Luftmengen
bzw. mit nachverbranntem Abgas, (z. B. deutsche Auslegeschrift 1173 389). Es ist verständlich,
daß durch diesen Luftzusatz die Anlagen wesentlich größer werden, da die zugesetzten Luftmengen das
Mehrfache der zu reinigenden Abgasmengen ausmachen können. Liegt beispielsweise Abluft mit
1,6 Volumprozent eines brennbaren Stoffes vor, dessen untere Explosionsgrenze bei 0,8 Volumprozent liegt,
so muß mindestens die gleiche Luftmenge zugesetzt werden, wie bereits Abluft vorhanden ist, damit man
unter die untere Explosionsgrenze kommt. Um aber die erforderliche Sicherheit beim Betrieb, derartiger
Anlagen zu haben, wird-im allgemeinen etwa die dreifache Luftmenge zugesetzt.
Es wurde nun gefunden, daß es in sehr einfacher Weise möglich ist, unter Anwendung des z. B. aus der
französischen Patentschrift 1 363 723 bekannten Prinzips der mehrstufigen katalytischen Verbrennung von
Abgasen, mit sehr kleinen Falschluftmengen Abgase, die zündfähig sind oder sein können, wirtschaftlich
durch katalytische Verbrennung zu reinigen. Der erfindungsgemäße Gedanke, der im Beispiel noch erläptert
wird, ist wie folgt:
Zu einer gewissen Menge Frischluft wird ein Teil des zu verbrennenden Gases derart zugemischt, daß
die untere Explosionsgrenze nicht überschritten wird. Dieses Gemisch wird in der ersten Stufe verbrannt.
In gleicher Weise wird dann das restliche zu reinigende Gas einer zweiten und den folgenden Stufen zugesetzt.
Während bei den ersten Stufen kein hoher Wirkungsgrad erreicht werden muß, ist die letzte Stufe die
eigentliche Reinigungsstufe. Die Gasmenge, die vor jeder Stufe zugesetzt werden kann, steigt von Stufe zu
Stufe, da das Verbrennungsgasvolumen von Stufe zu Stufe größer wird. Darüber hinaus wird das Gas von
Stufe zu Stufe durch steigenden Kohlendioxyd- und Wasserdampfgehalt sowie abnehmende Sauerstoffkonzentration
zündunwilliger,.so daß noch eine zusätzliche
Sicherheit erhalten wird. Die Menge der zu Beginn vorzulegenden Luft und die Zahl der Stufen
richtet sich nicht nur nach Gasmenge und Explosimeterwert, sondern .insbesondere auch nach der Wirtschaftlichkeit,
da sehr viele Stufen wohl ein Minimum an. erforderlicher Fremdluft, andererseits aber ein Maximum an apparativem Aufwand bedingen, Bei pejir
hohen Explosimeterwerten ist darüper hinaus die·
Fremdluftmenge festgelegt durch die zur quantitativen Verbrennung erforderliche Mindestluftraenge.
Grundsätzlich ist das beschriebene Verfahren auch geeignet, durch sinngemäße Umkehrung ein Gas mit
einem Explosimeterwert nahe der oberen Explosionsgrenze mittels eines Brenngases zu einem Brenngas
aufzukonzentrieren, um es dann gefahrlos, beispielsweise unter einem Kessel oder in einer Fackel, zu verbrennen
oder das Gas für andere Zwecke zu verwenden. Ferner ist das beschriebene Mehrstufenverfahren
tuch zur Erzeugung von Schutzgasen geeignet.
Mehrstufiges Arbeiten ist darüber hinaus nicht nur bei Abgasen mit höheren Explosimeterwerten sinnvoll,
sondern kann auch in Einzelfällen bei Gasen mit niedrigem Explosimeterwert eine technisch brauchbare
Lösung darstellen, wenn z. B. das zu reinigende Abgas nicht in einem Wärmetauscher auf die Reaktionstemperatur
gebracht werden kann, weil dieser stark verunreinigt würde. In einem solchen Fall is.t es sinnvoll,
nur einen Teil des Gases direkt aufzuheizen und der
ίο ersten Stufe zuzuführen. Der zweiten und den eventuell
folgenden Stufen wird dann der Rest des zu reinigenden
. ■ Gases in der Weise zugesetzt, daß die Mischtemperatur des bereits verbrannten'und des noch nicht gereinigten
Gases nicht unter die Reaktionstemperatur absinkt. ■ Die Vorteile des erfindungsgemäßen Verfahrens
sind nicht nur in der kleinen erforderlichen Fremdluftmenge und der hohen Betriebssicherheit, sondern
auch in der energiemäßig wirtschaftlichen Durchführung zu sehen. Da nämlich das Abgas vor der
ao katalytischen Verbrennung auf die Reaktionstemperatur gebracht werden muß, die im allgemeinen
zwischen 200 und 400° C liegt, sind nach der herkömmliehen
Verfahrensweise" große Energiemengen bzw. große Wärmeaustauscher erforderlich, denn die Gasmenge
ist wesentlich größer als diejenige, die bei dem beschriebenen Verfahren der ersten Stufe zugeführt
wird. Ein weiterer Vorteil ist die einfache Regelung
der Anlage. Durch Änderung der den einzelnen Stufen
■ zugesetzten Abgasmengen lassen sich beliebige Temperaturen
einstellen. Dadurch wird die Nutzung der bei diesem Prozeß freiwerdehden'Wärmemenge wesentlich
einfacher und wegen der günstigeren Temperaturgefälle auch wirtschaftlicher. Außerdem
ist die erforderliche Katalysatormenge geringer. Rein rechnerisch ergibt sich zwar für eine
Abgasmenge A mit einem Explosimeterwert B, wenn ein festzulegender zulässiger Explosimeterwert E nicht
überschritten werden und die Verweilzeit des Gases in jeder Stufe gleich sein soll, unabhängig von der
Stufenzahl stets die gleiche" Katalysatormenge. Da aber lediglich der Wirkungsgrad der letzten Stufe für
die Auslegung der Anlage maßgebend ist, ist es für die· Wirkungsweise der Anlage. bedeutungslos, ob in den ζ λ
vorgeschalteten Stufen der Umsatz statt 99,5 nur ^- 95,0% beträgt, und da die Verweilzeit nicht linear
vom Wirkungsgrad abhängig ist und gerade die Beseitigung der letzten Prozente äußerst aufwendig ist,
ist einzusehen, daß in den Vorstufen die Verweilzeiten erheblich verkürzt werden können. Bei einer mehrstufigen
Verfahrensweise ist darüber hinaus ohnehin die mittlere Verweilzeit größer als bei einstufiger Verfahrensweise,
da das einer Stufe zugesetzte Gas alle folgenden Stufen erneut passieren muß.
Das folgende Beispiel soll den erfindungsgemäßen Gedanken erläutern:" _
Das folgende Beispiel soll den erfindungsgemäßen Gedanken erläutern:" _
In einem Werk der- chemischen Industrie fallen stündlich etwa 5000 Nm8 Abgas bei der Verarbeitung
von Olefinen an. Das Abgas enthält neben Luft verschiedene aliphatische Kohlenwasserstoffe bis zu
einem Molekulargewicht von etwa 90. Die genaue Zusammensetzung ist nicht bekannt. Der Explosimeterwert
liegt bei 0,1 bis 0,2. Gleichzeitig fällt in diesem Betrieb ein Waschwassser an, das aromatische
Kohlenwasserstoffe, vorwiegend Benzol, enthält. Dieses Abwasser wird, bevor es abgestoßen wird, mit oben
beschriebenem Gas gestrippt. Das dadurch erhaltene
10
Gas ist übelriechend und giftig und soll durch katalytische Verbrennung gereinigt werden. Der Explosiv
meterwert liegt bei maximal 0,9 bis 1,1. Die bei der Totaloxydation frei werdende Wärme soll zur Dampferzeugung
genutzt werden, um die Betriebskosten der Reinigungsanlage zu senken oder sogar einen Gewinn
zu erzielen.
Vorversuche an .der großtechnischen Anlage mit einem Testgerät zur katalytischen Nachverbrennung
haben ergeben:
1. Die niedrigstmögliche Arbeitstemperatur des Katalysators, der nur bis 6500C thermisch belastbar
ist, liegt bei 2000C.
2. Die maximal zulässige Raumgeschwindigkeit
• (reziproker Wert der Verweilzeit)' liegt bei 10000 Nm3/hm3 Katalysator.
3. Ein Explosimeterwert von 0,25 erbringt eine Temperatursteigerung von 3000C.
Die Planung einer einstufigen Anlage für oben ge- ao schilderten Bedarfsfall ergibt folgendes:
Zu 5000 Nm3 Abgas müssen 15000 Nm3 Fremdluft
zugemischt werden, um die einwandfreie Nachverbrennung zu gewährleisten. Hierzu werden 2 m3 Katalysatoren
benötigt. Dem Gas müssen weiterhin, um es as auf etwa 2000C aufzuheizen, etwa 1200000 kcal zugeführt
werden. Bei der Reaktion werden etwa 6000000 kcal frei. Mit dem Abgas, dessen Wärme nur
oberhalb 2000C genutzt werden kann, gehen weitere 1330000 kcal verloren, so daß nur etwa 3470000 kcal
= 58 °/o nutzbar sind.
Wird dagegen beispielsweise dreistufig gearbeitet, so müssen 3600 Nm3 Fremdluft zugesetzt werden. Der
ersten Stufe werden dann 1200 Nm3, der zweiten 1600 und der dritten 2200 Nm3 Abgas zugesetzt. Nimmt
man in den ersten beiden Stufen eine Raumgeschwindigkeit von 20000 Nm3 Gas/m3 Katalysator-Stunde,
so ergibt sich eine erforderliche Katalysatormenge von 924 + 0,32 + 0,86 = 1,42 m3, also eine Einsparung
von 29 %· Den* Eintrittsgas in die erste Stufe müssen,
um es auf 2000C aufzuheizen, 300000 kcal zugeführt werden. Der Wärmetauscher zur Aufheizung des
Eintrittsgases wird daher nur etwa- ein Viertel so groß wie bei einstufiger Arbeitsweise. Weitere 240000 kcal
werden dem in die zweite und dritte Stufe zuzusetzenden Gas direkt zugeführt, und mit dem Abgas gehen
570000 kcal verloren. Zur Nutzung verbleiben daher noch 4890000 kcal = 81%. (Bei dieser Betrachtung
sind jedoch Wärmeverluste nicht berücksichtigt.)
Entsprechend diesen Überlegungen wurde ein kleiner dreistufiger Nachverbrennungsofen gebaut.
Das Verkleinerungsverhältnis dieser Anlage zum angeführten Bedarfsfall betrug 2000. Das Eintrittsgas
wurde elektrisch aufgeheizt, die Kühlung erfolgte durch Kupferschlangen, durch die Preßluft geblasen
wurde. Die verschiedenen Temperaturen wurden mittels Thermoelementen gemessen. Da die Herstellung
eines Gases, wie es in der Praxis anfällt, große Schwier
rigkeiten bereitet, wurde ein Propan-Butan-Luft-Gemisch für diese Messungen verwendet, dessen
Explosiometerwert zwischen 1,0 und 1,5 lag.
Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Werte.
Meßstelle
Temperaturen °C
Durchflußmengen
Nm3/h
Form?
aldehyd
aldehyd
mg/m3
Analysen
Kohlenwasserstoffe
C1 bis C4
mg/ms
C1 bis C4
mg/ms
Fremdluftzusatz ,
Propangasgemischzusatz 1 ..
Temperatur
Temperatur
Heizung
Temperatur
Katalysatorbett 1
Probenahme 1 ,
Temperatur
Kühlschlange 1
Temperatur ,
Propangemischzusatz 2 ...
Temperatur
Katalysatorbett 2
Probenahme 2 ·,.
Temperatur .,..., ,
Kühlschlange 2
Temperatur ,,,
Propangemischzusatz 3 ...
Temperatur ,..
Katalysatorbett 3
Temperatur
Probenahme 3 ..'
-0,6-
20 210 bis 220
480 bis 540
260 bjs 290 ■200 bis 240
500 bis 560
260 bis 290 200 bis 230 560 bis 580 120
10 bis 20
160
10 bjs 20
~U
430
<2
Bei einstufiger Arbeitsweise waren die analytischen Ergebnisse praktisch gleich.
Claims (2)
1. Verfahren zur mehrstufigen katalytischen Verbrennung
industrieller Abgase mit hohen Heizwerten, dadurch gekennzeichnet, daß
man vor jedem Katalysatorbett einer bestimmten Menge Frischluft einen solchen Teil des zu ver-
brennenden Abgases zumischt, daß die untere Explosionsgrenze nicht überschritten wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man die Reaktionstemperaturen in
den einzelnen Stufen durch die gesteuerte Zugabe des zu verbrennenden Abgases regelt.
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