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Kurbelschere für Walzstahl An Halbzeugstraßen haben sich Kurbelscheren
als fliegende Scheren besonders bewährt, da sie wegen ihrer stets genau senkrecht
stehenden Messer einen guten Schnitt gewährleisten. Es werden keine Enden verbogen.
Da alle Teile nur stetig umlaufende Bewegungen ausführen, ist ihr Beschleunigungsverhalten
auch günstig, so daß diese Scheren bei hohen Walzgeschwindigkeiten arbeiten und
kurze Stücke schneiden können, wobei die kleinste Schnittlänge etwa gleich der Kreisbahn
der Messer, also 2Rn ist, wenn die Messerholme die Länge R haben.
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Diesen Vorteilen steht jedoch der Nachteil entgegen, daß wegen der
Kreisbahn der Messer die Führungen oder Förderrollen in einem beträchtlichen Abstand
von der Ebene der Messerwellen angeordnet werden müssen. Dieser große Abstand von
der letzten Rolle vor den Messern und der ersten Rolle hinter den Messern bzw. von
der Hinterkante der Führung vor den Messern bis zur Vorderkante der Führung hinter
den Messern hat zur Folge, daß nur Stücke von beträchtlicher Länge durch die Schere
hindurch auf den Rollgang hinter der Schere gebracht werden können. Bei derartigen
Scheren besteht daher die Gefahr, daß die hinteren Schopfenden (Reststücke) des
Walzgutes auch dann, wenn sie Längen von etwa 2 m haben, in die unteren Kurbeln
fallen und sich gegebenenfalls zwischen den Kurbeln und dem Gehäuse verklemmen oder
sonstige Schäden an den umlaufenden Teilen verursachen. Auch wenn sie sicher in
die Schrottkübel gelangen, gehen sie der Produktion verloren. Zur Vermeidung dieser
Schwierigkeiten beläßt man notgedrungen die Restenden vielfach beim Abtransport
derartiger Restlängen an den letzten Teilstücken und brennt sie am Lager ab. Die
Restlängen gehen dann in den Schrott und werden der Produktion entzogen, während
sie bei geeigneten Abtransporten zu vollwertigen Längen zusammengeschweißt werden
könnten.
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Auch bei Scheren, bei denen alle Kurbeln senkrecht übereinander angeordnet
sind, sind diese Schwierigkeiten nicht geringer. Derartige Scheren erhalten zudem
mit ihren Ständern eine große Bauhöhe, was eine schlechte Zugänglichkeit, insbesondere
der übereinanderliegenden Kurbelwellen, bedingt und die Standfestigkeit beeinträchtigt
(französische Patentschrift 1037 214, USA.-Patentschrift 1913 153).
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Bei Standscheren können zum Abtransport kurzer Reststücke besondere
abklappbare oder ausfahrbare Rollgangsstücke in die Rollgangslücke, die für die
Messer und die Abführung kurzer Schopfstücke erforderlich ist, eingebracht werden.
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Bei einer bekannten rotierenden Schere ist an der Einlaufseite des
Walzgutes ein Rollgangsteil angeordnet, welcher an einer die Messer an ihren Sehenkeln
tragenden Zange angelenkt und durch eine Rolle horizontal geführt ist. Der Rollgangsteil
wird nach dem Schnitt bis zur Schneidebene vor- und anschließend wieder zurückbewegt.
Dabei erfolgt die Rückbewegung bereits bevor das Restende völlig abgefördert ist.
Da zudem die Rollen des Rollgangsabschnittes aus Platzgründen nicht mit Antrieb
versehen werden können, ist der Abtransport kurzer Restlängen nicht mit Sicherheit
gewährleistet. Der Rollgangsabschnitt, der während jedes Umlaufs der Messer in horizontaler
Richtung zwei Totlagen durchlaufen muß, stellt mit seiner großen Masse eine erhebliche
zusätzliche Belastung des Scherenantriebs besonders beim Beschleunigen und Abbremsen
dar.
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Ziel der Erfindung ist eine Kurbelschere für Walzstahl mit einer einfachen
Vorrichtung zum Abfördern von Restenden, bei der ein sicherer Abtransport auch kurzer
Restenden gewährleistet ist. Nach der Erfindung wird dies bei einer Kurbelschere
mit außerhalb der Bahn des Schneidgutes angeordneten Koppeln oder Lenkern, die an
ihren die Kurbelzapfen der Antriebswellen umschließenden Lagern die Messer aufnehmen,
durch ein annähernd Messerbreite aufweisendes und mit annähernd halbkreisförmig
gebogener Mantelfläche versehenes Transportsegment erreicht, welches an der der
Koppel bzw. dem Lenker abgewandten Seite der Messerkurbelwange befestigt ist und
mit seiner Mantelfläche, die sich in Drehrichtung hinter derselben erstreckt, in
ihrer oberen Stellung die Lücke des Transportrollgangs schließt.
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Für dieses an der Messerwelle befestigte Transportsegment sind keine
zusätzlichen Führungen erforderlich. Ein Restende wird von unmittelbar nach dem
Schnitt bis zum Abfördern in der Schneidebene unterstützt und zusätzlich in Förderrrichtung
angetrieben, wodurch ein sicherer Abtransport gewährleistet ist.
Der
Radius des Transportsegments ist etwas kleiner gehalten als der Abstand Achse der
unteren Antriebswelle-Rollgangsoberkante. Dadurch wird vermieden, daß auch Walzgut,
das wegen seiner größeren Länge auf mehreren Rollgangsrollen aufliegt, mit dem Transportsegment
in Berührung kommt.
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Das in weiterer Ausbildung in seiner Mantelfläche mit Rillen für Profilstähle
versehbare Transportsegment kann aber auch die Form einer Spirale haben, wodurch
Stöße der Walzgutvorderkante auf die nachfolgenden Rollgangsrollen vermieden werden.
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Dieses Transportsegment macht die Bewegungen der Messerkurbelwelle
mit, ohne dabei das Schneiden zu verhindern, indem das Transportsegment erst dann
über das Untermesser hinweggreift, wenn dieses das Schneiden beendet hat und sich
wieder unterhalb der Laufbahn des Walzgutes befindet. Durch das Transportsegment
wird der an sich nicht zu vermeidende Abstand zwischen den beiden den Kurbeln zunächst
liegenden Führungsrollen so weit überbrückt, daß alle Restenden passieren können,
die noch irgendwie verwendungsfähig sind. Sie laufen ungehindert dem hinter der
Schere befindlichen Rollgang zu. Lediglich die ganz kurzen Enden, also meist solche
unter (2R) 800 mm Länge, können zwischen dem Transportsegment und der nächsten Führungsrolle
bzw. sogar erst zwischen den beiden nächsten Führungsrollen auf zur Schrottsammelstelle
schrägführende Leitwände abstürzen.
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Das Transportsegment stellt durch seine Ausführung in Leichtbauweise
keine nennenswerte Belastung für die Kurbelwange und damit für den Antrieb der Schere
dar, denn es handelt sich lediglich um eine leichte Schweißkonstruktion aus Grobblech
oder dünnerem Flacheisen. Die Konstruktion braucht nicht besonders robust zu sein.
Sie hat daher ein geringes Gewicht. Durch den großen Biegeradius der Mantelfläche
werden alle Profile tangential aufgenommen. Stöße werden so vermieden.
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Des weiteren hat diese Leichtbauweise auch noch den Vorteil, daß sie
die Beschleunigungskräfte nur unwesentlich erhöht, weil eben keine wesentlichen
zusätzlichen Massen beschleunigt werden müssen. Die Übersichtlichkeit der Schere
wird nicht beeinträchtigt und damit die Wartung nicht erschwert. Von besonderer
Bedeutung ist, daß die erfindungsgemäße Vorrichtung keine zusätzlichen Lagerstellen
erfordert.
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In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel für eine Vierkurbelschere
dargestellt.
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F i g. 1 zeigt einen Schnitt durch die Schere, und zwar durch das
Austragelement; F i g. 2 zeigt einen Schnitt nach der Linie 1-I der F i g. 1, und
F i g. 3 bis 7 zeigen die Stellung von Messer und Transportsegment zueinander während
eines Schneidvorgangs.
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In einem üblichen Scherengehäuse 1 sind die Wellen 2, 3 für den Antrieb
bzw. für die Kurbeln 4, 5 gelagert, wobei die Führungskurbel mit 4 und die Messerkurbel
mit 5 bezeichnet sind. Die Messer haben die Positionen 6, 7. Die Führungskurbelwelle
2, die auch fliegend oder zumindest einseitig gelagert sein kann, führt die Koppel
4a, die das Untermesser trägt. Sie ist zur Führungskurbelwelle hin gekröpft. Die
Lager sind nur in F i g. 2 für die unteren Kurbeln dar- i gestellt und haben die
Positionen 8, 9, 10, 11, 12. Für die Obermesser sind gleiche Lagerungen vorgesehen.
Vor und hinter dem Scherengehäuse befinden sich in bekannter Weise Führungsrollen
13, 14, 15, 16, von denen die Führungsrolle 13 auch in gleichfalls bekannter Weise
eine anstellbare Gegenrolle 17 haben kann, deren Anstellung durch eine Druckvorrichtung
18 erfolgen mag. Die Führungsrolle 14 ist vorteilhaft mit einer Leitwand oder Schräge
19 verbunden und auch an einer Halterung 20 angelenkt. Die Schräge 19 entspricht
einer Schräge 21 im Scherengehäuse, um zu kurze Reststücke in eine nicht dargestellte,
unterhalb der Schere befindliche Schrottmulde -abgleiten zu lassen, zu welchem Zweck
das Scherengehäuse unten offen gestaltet ist.
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Im Scherengehäuse ist noch eine Führung 22 mit anschließender Rolle
23 vorgesehen.
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Der Abstand zwischen den Führungsrollen 23 und 14 wird nun durch das
erfindungsgemäße Transportsegment 24 überbrückt, wie in F i g. 1 dargestellt ist,
und zwar für den Zeitpunkt, in dem sich die Messer 6, 7 wieder voneinander entfernt
haben. Man sieht aus dieser Darstellung, daß der Zwischenraum zwischen den Rollen
23 und 14 vollständig abgedeckt ist, so daß Enden bis etwa Kurbeldurchmesser der
Messerkurbel noch ohne weiteres abtransportiert werden. Stücke, die kürzer sind,
fallen ohne weiteres entweder zwischen der Führungsrolle 14 und 15 oder ganz kurze
Enden zwischen der Rolle 14 und der Vorderkante des Transportsegments über die Schrägen
19 bzw. 21 in die Schrottmulde.
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Das Transportsegment besteht aus der Mantelfläche 25, die, wie z.
B. F i g. 2 zeigt, für zwei Walzadern quadratischen Querschnitts vorgesehen ist.
Sie hat dienerhalb zwei im Querschnitt winkelförmige Rinnen im Abstand der Walzadern.
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Gehalten wird die Mantelfläche 25 durch Arme 26, die aber auch zu
einer vollen Wand zusammengefaßt sein können. Ebenfalls können noch Stützrippen
27 vorgesehen sein.
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Die Haltearme oder Wand 26 sind an der Kurbelwange 5a der Kurbel
5 befestigt.
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Der Mittelpunkt der Mantelfläche kann reit dem Mittelpunkt des Achsstummels
28 der Kurbelwange 5 bzw. der Welle 3 zusammenfallen, obwohl solches nicht unbedingt
nötig ist. Die Mantelfläche kann z. B. in Form einer Spirale mit geringer Steigung
gestaltet sein.