-
Verfahren zur Herstellung von kationen aktiven Kondensationsprodukten
Aus der deutschen Patentschrift 323 665 ist es bereits bekannt, Dicyandiamid und
Formaldehyd in Gegenwart von Schwefelsäure umzusetzen. Überdies beschreibt die deutsche
Patentschrift 325 647, daß Produkte, die denen der deutschen Patentschrift 323 665
ähnlich sind, auch in Abwesenheit von Schwefelsäure, und zwar entweder durch längeres
Erhitzen oder durch die Verwendung von anderen Kondensationsmitteln als Schwefelsäure
hergestellt werden können. Die USA.-Patentschrift 2567238 beschreibt die Kondensation
von Dicyandiamid und Formaldehyd in Gegenwart von Alkali.
-
In der deutschen Patentschrift 6916 des Amtes für Erfindungs- und
Patentwesen in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands werden Kondensationsprodukte
aus Dicyandiamid und Formaldehyd als Nachbehandlungsmittel zur Erhöhung der Naßechtheiten
von substantiven Färbungen und Drucken beschrieben. Es wird weiter erwähnt, daß
die wasserlöslichen Dicyandiamidharze kationenaktive Eigenschaften besitzen. Auch
in der deutschen Auslegeschrift D 19185IVb/39c wird hervorgehoben, daß die wasserlöslichen
Dicyandiamidharze verschiedene Mängel, wie Empfindlichkeit gegenüber Katalysatoren,
Säuren, Neutralsalzen, Alkali u. dgl., besitzen.
-
In der deutschen Patentschrift 8023 des Amtes für Erfindungs- und
Patentwesen in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands werden Salze des Dicyantriamidins
und Formaldehyd beschrieben, während in der britischen Patentschrift 314458 gelartige
bis harte, feste Produkte mit hohem Molekulargewicht erwähnt werden, die ein Reaktionsprodukt
aus Dicyandiamid und Formaldehyd mit einer Säure darstellen.
-
In der Zeitschrift »Das Leder«, 6. Jahrgang, 1955, H. 4, S. 73 bis
80, werden zwar ähnliche Harze beschrieben, die jedoch in einem vollständig anderen
Molverhältnis der Ausgangsprodukte Formaldehyd und Dicyandiamid erhalten werden.
Durch ihre andersartigen Eigenschaften sind sie für die erfindungsgemäß vorgesehenen
Zwecke ungeeignet, d. h. als Gerbmittel.
-
Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung von kationen
aktiven Kondensationsprodukten durch Umsetzen von 1 Mol Dicyandiamid mit 2,5 bis
3,5 Mol Formaldehyd oder dessen polymeren Formen in 30- bis 40gewichtsprozentiger
wäßriger Lösung in Gegenwart von organischen Carbonsäuren, dadurch gekennzeichnet,
daß man durch Zugabe einer wasserlöslichen gesättigten aliphatischen Carbonsäure
das Reaktionsgemisch auf einen pH-Wert von 2,5 oder darunter einstellt, anschließend
die Reaktionsmischung allmählich auf eine Temperatur von 95 bis 9SO C erwärmt, wobei
deren pH-Wert unterhalb 7,0 gehalten wird, und, sobald diese Temperatur erreicht
ist, auf Zimmertemperatur abkühlt.
-
Das Verfahren kann wie folgt durchgeführt werden: Es werden zunächst
Dicyandiamid und Formaldehyd in ein geeignetes Reaktionsgefäß eingebracht und darin
innig vermischt. Vorzugsweise wird als Formaldehydquelle eine etwa 37gewichtsprozentige
wäßrige Lösung von Formaldehyd verwendet. Es können jedoch gegebenenfalls auch alle
polymeren Formen des Formaldehyds, z. B. Paraformaldehyd oder Trioxan, verwendet
werden. Wird das Formaldehyd in polymerer Form verwendet, dann wird diese Verbindung
im allgemeinen zum Wasser zugegeben und die so erhaltene Lösung anschließend mit
Dicyandiamid vermischt. Die Wassermenge, die im Reaktionssystem zugegen ist, ist
von entscheidender Bedeutung. Liegt die erforderliche Menge Form-
aldehyd
in Form einer 30- bis 40gewichtsprozentigen wäßrigen Formaldehydlösung als Ausgangsstoff
vor, so erhält man die gewünschten Ergebnisse.
-
Nach dem innigen Vermischen von Wasser, Formaldehyd und Dicyandiamid
wird eine solche Menge einer wasserlöslichen Säure zur wäßrigen Mischung hinzugefügt,
die ausreicht, um den pH-Wert der Mischung auf etwa 2,5 oder darunter herabzusetzen.
-
Die Säure dient zum Katalysieren der Kondensationsreaktion. Hierauf
wird die angesäuerte Reaktionsmischung gerührt und vorsichtig auf die Temperatur
erhitzt, bei welcher die exotherme Reaktion beginnt. Im allgemeinen wird dies bei
Temperaturen von etwa 55 bis 800 C eintreten. Die Temperatur, bei welcher die exotherme
Reaktion beginnt, ist weitgehend durch die Art der Säure, welche zum Katalysieren
der Reaktion verwendet wird, bestimmt. Wenn z. B. Ameisensäure in solchen Mengen
zur Reaktionsmischung zugesetzt wird, die ausreichen, um deren pH-Wert auf etwa
2,0 bis 2,3 herabzusetzen, dann beginnt die exotherme Reaktion bei Temperaturen
von etwa 55 bis etwa 580 C. Wird jedoch der pH-Wert der Reaktionsmischung am Anfang
mittels Glykolsäure statt Ameisensäure auf 2,2 bis 2,3 eingestellt, beginnt die
exotherme Reaktion bei Temperaturen von etwa 70 bis etwa 800 C. Wenn die Reaktion
einmal in Gang kommt, würde sie beim Siedepunkt der Mischung ohne Anwendung von
äußerer Wärme schnell im wesentlichen vollständig zu Ende gehen. Unter gewöhnlichen
Umständen wird die Vervollständigung der Reaktion durch ein allmähliches Absinken
der Temperatur der Reaktionsmasse von ihrem Siedepunkt angezeigt. Das erfindungsgemäße
Verfahren wird so durchgeführt, daß man die Reaktionsmischung allmählich auf Temperaturen
von etwa 95 bis 980 C erwärmt, und sobald diese Temperatur erreicht ist, die Reaktionsmischung
rasch auf Zimmertemperatur abkühlt. Diese Maßnahmen sind kritisch im Hinblick auf
die Verwirklichung der Erfindung. Wenn man die Temperatur der Reaktionsmischung
zu schnell ansteigen läßt, dann wird eine Änderung in den Eigenschaften der Endprodukte
beobachtet. In der Regel werden Produkte mit erwünschten Eigenschaften dann erhalten,
wenn die Reaktionsmischung langsam und allmählich auf die Temperatur gebracht wird,
bei welcher die exotherme Reaktion beginnt und wenn hierauf die Reaktionsgeschwindigkeit
so gesteuert wird, daß der Siedepunkt der Reaktionsmischung von 95 bis 980 C langsam
und allmählich erreicht wird. Die Steuerung der Reaktionsgeschwindigkeit nach dem
Erreichen -der Temperatur, bei welcher die exotherme Reaktion beginnt, kann durch
ständiges Kühlen der Masse mit Hilfe irgendeines wirksamen Kühlmittels bewerkstelligt
werden. Die Art und Weise, in welcher die Mischung gekühlt wird, ist beliebig. Ein
zweckentsprechendes Mittel zur Erzielung der gewünschten Ergebnisse besteht entweder
in der Verwendung eines ummantelten Reaktionskessels, der durch den ständigen Durchfluß
von Wasser oder Salzwasser durch den Mantel gekühlt wird, oder im Durchleiten von
Wasser oder Salzwasser durch eine in die Reaktionsmischung eingetauchte Kühlspirale.
-
Es wurde festgestellt, daß in den meisten Fällen vollkommen zufriedenstellende
Produkte erhalten werden, wenn man die Reaktionsmischung allmählich während etwa
1 bis 21/2 Stunden auf ihren Siedepunkt bringt. Wenn die exotherme Reaktion bei
einer
Temperatur von etwa 550 C beginnt, dann soll die Reaktionsmischung im allgemeinen
allmählich während etwa 1/2 Stunde auf diese Temperatur aufgeheizt werden, worauf
man die Reaktionstemperatur allmählich während etwa 11/2 bis 2 Stunden auf den Siedepunkt
von 95 bis 980 C der Reaktionsmasse steigen lassen soll. Wenn jedoch die exotherme
Reaktion bei einer Temperatur von etwa 700 C beginnt, dann soll die Reaktionsmischung
allmählich während etwa einer Stunde auf diese Temperatur gebracht werden. In diesem
Fall soll man die Reaktionstemperatur allmählich während etwa 1/2 bis 1 Stunde auf
den Siedepunkt von 95 bis 980 C der Reaktionsmasse steigen lassen.
-
Die Stufe des raschen Abkühlens des Produktes von seinem Siedepunkt
auf Zimmertemperatur ist in bezug auf die Eigenschaften der neuen Produkte genauso
wichtig wie die oben beschriebene Reaktionsgeschwindigkeit. Bei der Durchführung
des erfindungsgemäßen Verfahrens muß die Reaktionsmasse, sobald ihr Siedepunkt erreicht
ist, so schnell wie möglich auf Zimmertemperatur abgekühlt werden. Das rasche Kühlen
der Mischung dient zum Abbrechen der Polykondensationsreaktion und verhindert die
Bildung eines Harzes mit einem höheren Molekulargewicht als erwünscht ist. Die Art
und Weise, in der die Reaktionsmasse abgekühlt wird, soll hinreichend wirksam sein,
um die Temperatur der Reaktionsmischung höchstens in etwa 1 Stunde, vorzugsweise
in etwa 1/2 Stunde, auf Zimmertemperatur herabzusetzen.
-
Die erfindungsgemäß hergestellten Produkte müssen eine Anfangsviskosität
von etwa 35 bis 100 Centipoise aufweisen, die mittels eines Broolçfield-Viscometers
unter Verwendung der Spindel Nr. 1 mit 60 Umdrehungen je Minute bei einer Temperatur
von 250 C ermittelt wird. Unter »Anfangsviskosität« wird die Viskosität der Endprodukte
unmittelbar nach dem Erreichen der Zimmertemperatur verstanden. In Versuchsansätzen
kann man die Geschwindigkeit genau feststellen mit welcher man die Reaktionsmischung
auf ihren Siedepunkt bringen soll sowie die Geschwindigkeit, mit welcher die Mischung
auf Zimmertemperatur abgekühlt werden soll, um ein Produkt mit einer innerhalb des
Bereiches liegenden Anfangsviskosität zu erhalten. Wenn das Produkt in großtechnischem
Maßstab hergestellt werden soll, dann haben viele Faktoren einen Einfluß darauf,
z. B. die Größe des Ansatzes und die Art der verwendeten Vorrichtung. Im allgemeinen
wird jedoch ein Produkt mit den gewünschten Eigenschaften in den meisten Fällen
dann erhalten, wenn die Reaktionsgeschwindigkeit so gesteuert wird, daß der Siedepunkt
der Reaktionsmasse allmählich während etwa 11/2 bis etwa 2t/2 Stunden erreicht wird.
Ferner ist es zwar wünschenswert, die Reaktionsmasse so schnell wie möglich auf
Zimmertemperatur abzukühlen, im allgemeinen wird jedoch ein Produkt mit einer innerhalb
des angegebenen Bereiches liegenden Viskosität dann erhalten, wenn das Abkühlen
während etwa einer Stunde oder weniger erfolgt.
-
Wie bereits erwähnt, wird eine wasserlösliche gesättigte aliphatische
Carbonsäure zur Reaktionsmischung aus Dicyandiamid und wäßrigem Formaldehyd in einer
Menge zugegeben, die ausreicht, um deren pH-Wert auf etwa 2,5 oder darunter herabzusetzen.
Es wird jedoch vorzugsweise eine so große Säuremenge zugesetzt, daß der pH-Wert
der wäßrigen
Lösung auf unterhalb 2,5, z. B. auf etwa 1,5 bis 2,5,
vermindert wird. Während der Kondensationsreaktion steigt der pH-Wert der Reaktionsmischung.
-
Der pH-Wert der Mischung soll am Schluß etwa 4,5 bis 6,5 betragen.
Im allgemeinen reicht die Säure, welche zum Zweck der Katalyse der Reaktion in das
System eingebracht worden ist, aus, um die Herstellung eines Produktes mit einem
innerhalb dieses Bereiches liegenden pH-Wert zu gewährleisten. Wenn der pH-Wert
der Mischung am Ende des Verfahrens 6,5 überschreiten sollte, dann muß eine solche
Menge Säure hinzugefügt werden, die ausreicht, um deren pH-Wert auf 4,5 bis 6,5
zu bringen. In jedem Fall müssen während der Reaktion geeignete Maßnahmen ergriffen
werden, um zu verhindern, daß der pH-Wert der Reaktionsmischung in irgendeinem Stadium
des Verfahrens oberhalb etwa 7,0 steigt. Wenn zu irgendeinem Zeitpunkt während der
Reaktion beobachtet wird, daß der pH-Wert der Mischung nahe an 7,0 gestiegen ist,
dann soll eine zusätzliche Menge Säure zur Reaktionsmischung zugesetzt werden, um
zu verhindern, daß der pH-Wert über 7,0 steigt.
-
Im allgemeinen kann bei dieser Reaktion jede niedermolekulare, wasserlösliche,
gesättigte, aliphatische Monocarbonsäure, Dicarbonsäure oder Oxycarbonsäure als
Säurekatalysator benutzt werden.
-
Weiterhin kann jede derartige- Säure während der Kondensationsreaktion
zur Reaktionsmasse zugegeben werden, um deren pH-Wert unterhalb etwa 7,0 zu halten.
Wie bereits angegeben, sind Ameisensäure und Glykolsäure vollkommen zweckentsprechend.
Es sind jedoch auch Säuren, wie Essigsäure, Buttersäure, Oxalsäure, Malonsäure,
Glutarsäure, Zitronensäure und Milchsäure geeignet. Bei der bevorzugten erfindungsgemäßen
Ausführungsform wird Ameisensäure verwendet.
-
Die beim erfindungsgemäß durchgeführten Verfahren verwendeten Mengen
von Dicyandiamid und Formaldehyd betragen 2,5 bis etwa 3,5 Mol Formaldehyd je Mol
Dicyandiamid. Vorzugsweise wird jedoch im Reaktionssystem mit einem Verhältnis von
etwa 3,0 Mol Formaldehyd je Mol Dicyandiamid gearbeitet.
-
Die kationenwirksamen Kondensationsprodukte, die erfindungsgemäß
hergestellt werden, sind glänzende, im wesentlichen wasserhelle und sirupartige
Produkte. Im allgemeinen haben sie einen Feststoflgehalt von etwa 35,0 bis etwa
50,0 Gewichts prozent. Wie bereits angegeben, haben die Produkte eine Anfangsviskosität
von etwa 35 bis etwa 100 Centipoise, die mittels eines Brookfield-Viscometers unter
Verwendung der Spindel Nr. 1 mit 60 Umdrehungen je Minute bei einer Temperatur von
250 C ermittelt wird. Die niedrige Viskosität der Produkte ist ein Anzeichen dafür,
daß Kondensate mit verhältnismäßig niedrigem Molekulargewicht erhalten wurden. Die
Viskosität der Produkte steigt beim Altern, gegebenenfalls bis zu einem Maximum
von etwa 2000 Centipoise. Ein Ansteigen der Viskosität in dieser Größenordnung beeinflußt
jedoch die Löslichkeit, das Durchdringungsvermögen bzw. die Verwendbarkeit der Produkte
nicht in ungünstiger Weise. Durch das Ausmaß der Neigung zur Viskositätserhöhung
beim Altern, die als ganz gering anzusehen ist, unterscheiden sich diese Produkte
von den durch andere Verfahren erzeugten Produkten.
-
Wenn man z. B. die Reaktion mit einer größeren Geschwindigkeit als
erfindungsgemäß zu Ende gehen
ließe, dann würde ein Produkt mit einer Viskosität
von über 100 Centipoise entstehen. Dies würde auch dann der Fall sein, wenn die
Reaktionsmischung zwar langsam und allmählich auf ihren Siedepunkt gebracht, jedoch
nicht schnell auf Zimmertemperatur abgekühlt würde. Derartige Produkte würden zwar
am Anfang in ihrem Aussehen und bezüglich ihrer Verwendbarkeit den erfindungsgemäßen
Produkten ziemlich ähnlich sein, es würden jedoch bald ausgeprägte Unterschiede
zwischen ihnen zum Vorschein kommen. Beim Altern würden durch derartige Verfahren
hergestellte Produkte eine große Viskositätszunahme erleiden. Es wurde festgestellt,
daß derartige Produkte mit einer Anfangsviskosität von z. B. etwa 300 Centipoise
eine Viskositätserhöhung bis auf etwa 100 000 Centipoise erleiden würden, selbst
wenn sie bei Zimmertemperatur und Atmosphärendruck nur etwa 6 Wochen stehengelassen
würden.
-
Nach Ablauf von 6 Wochen würde ein derartiges Produkt eine gelähnliche
Konsistenz aufweisen, und es würde in Wasser nicht leicht löslich sein. Wäßrige
Lösungen eines derartigen Produktes würden ein dickes und schweres Ledermaterial
nur unter Schwierigkeiten durchdringen.
-
Die Eigenschaften der erfindungsgemäß hergestellten Produkte sind
so, daß sie sich für die Verwendung zum Gerben von leichtem und schwerem Ledermaterial
außerordentlich gut eignen. Diese Produkte haben eine sehr hohe Affinität zum Kollagen
der gebeizten Blößen von Häuten und Fellen und werden oberhalb des isoelektrischen
Punktes des Kollagens leicht aufgenommen. Wenn die erfindungsgemäß hergestellten
Produkte als das einzige Gerbmittel verwendet werden, dann durchdringen sie die
Häute leicht und gleichmäßig, so daß man ein Leder mit einer hervorragenden Zugfestigkeit
und einem ausgezeichneten Widerstandsvermögen gegenüber dem Ausreißen der Nähte
erhält. Die Dicke des behandelten Materials hat keinen wesentlichen Einfluß auf
die Geschwindigkeit mit welcher die Haut durchdrungen wird, wenn sie mit diesen
Produkten behandelt wird. Sogar die schwersten und dicksten Häute werden vollständig
und gleichmäßig in wenigen Stunden selbst dann durchdrungen, wenn verhältnismäßig
geringe Mengen, z. B. 3,0 Gewichtsprozent des Harzes (und zwar der trockenen Festsubstanz),
bezogen auf das Gewicht des gebeizten Materials, zugegen sind.
-
Weiterhin ist das mit diesen Produkten gegerbte Leder nicht steif,
sondern biegsam bzw. knickbar, und ist durch eine verhältnismäßig hohe Schrumpftemperatur
gekennzeichnet. Es wurde festgestellt, daß die Verwendung von etwa 100/o des erfindungsgemäß
hergestellten kationenwirksamen Kondensationsprodukts, bezogen auf das Gewicht des
gebeizten Materials, oder etwa 4,5 Gewichtsprozent der Trockensubstanz des Harzes
einem schweren Material eine Schrumpftemperatur von etwa 88 bis 890 C verleiht.
Überdies erweist sich ein mit Hilfe der erfindungsgemäßen Produke gegerbtes Leder
als lichtbeständig und wird sogar dann nicht dunkel, wenn es ultraviolettem Licht
ausgesetzt wird.
-
Die erfindungsgemäß hergestellten kationenwirksamen Polykondensate
können weiterhin in der Textilindustrie, z. B. als wasserbeständig und knitterfest
machende Mittel und als Auflockerungsmittel bei der Behandlung von Abwässern verwendet
werden.
-
Unerwartete technische Vorteile der erfindungsgemäß hergestellten
Produkte gegenüber den bekannten
Produkten sind aus den folgenden
Vergleichsversuchen ersichtlich.
-
Es wurden die folgenden drei Proben von Kondensationsprodukten auf
der Grundlage von Dicyandiamid hergestellt: Nr. 1 gemäß Beispiel 1 des beanspruchten
Verfahrens, Nr. 2 gemäß der Zeitschrift »Das Leder«, 6. Jahrgang (1955), H. 4, S.
73 bis 80, Nr. 3 gemäß der deutschen Patentschrift 6916 des Amtes für Erfindungs-
und Patentwesen in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands.
-
Im einzelnen wurden die Versuche wie folgt durchgeführt: Probe Nr.
1 Es wurden 84 Teile (1,0 Mol) Dicyandiamid, 235 Teile einer wäßrigen 37gewichtsprozentigen
Formaldehydlösung (2,9 Mol Formaldehyd) und 12 Teile Ameisensäure (0,26 Mol) miteinander
vermischt und langsam unter ständigem Rühren 1/2 Stunde lang aufgeheizt. Am Ende
dieses Zeitraumes betrug die Temperatur 550 C, und die Reaktion wurde exotherm.
Sie wurde durch periodisches Kühlen gesteuert, und der Siedepunkt, d. h. 950 C,
wurde nach 11/4 Stunde erreicht. Die Reaktionsmasse wurde schnell auf 250 C abgekühlt.
Das entstandene Produkt war eine weiße Flüssigkeit, und der pH-Wert einer Sprozentigen
wäßrigen Lösung betrug 6,2.
-
Probe Nr. 2 Es wurden 84 Teile (1,0 Mol) Dicyandiamid, 324 Teile
einer wäßrigen (37gewichtsprozentigen) Formaldehydlösung (4 Mol Formaldehyd) und
12 Teile Ameisensäure (0,26 Mol) miteinander vermischt und unter ständigem Rühren
20 Minuten lang erhitzt. Am Ende dieses Zeitraumes wurde die Siedetemperatur der
Masse (950 C) erreicht. In keiner Phase war die Reaktion exotherm, und es war eine
von außen erfolgende Hitzeanwendung erforderlich, um die Temperatur bis zum Siedepunkt
zu erhöhen.
-
Das Rühren und Erhitzen wurde während weiterer 5 Stunden und 40 Minuten
fortgesetzt, so daß die Gesamtdauer 6 Stunden betrug. Nach Ablauf dieses Zeitraumes
wurde die von außen erfolgende Hitzeanwendung beendet, und man ließ die Masse langsam
abkühlen. Das entstandene Produkt war eine kräftiggelbe Flüssigkeit, in welcher
sich beim Stehen etwas Niederschlag bildete. Der pH-Wert einer Sprozentigen wäßrigen
Lösung betrug 8,3.
-
Probe Nr. 3 Es wurden 84 Teile (1,0 Mol) Dicyandiamid, 168 Teile
einer wäßrigen (30gewichtsprozentigen) Formaldehydlösung (1,68 Mol) Formaldehyd)
miteinander vermischt. Es wurden 42 Teile technische Salzsäure (31,8°/o HCl) entsprechend
0,366 Mol HGl nach und nach unter ständigem Rühren und Kühlen zugegeben, wobei die
Reaktionstemperatur auf 30 bis 400 C gehalten wurde. Nach Zugabe der gesamten Säure
wurde die Masse während eines Zeitraumes gerührt, der ausreichte, um das gesamte
Dicyandiamid in Lösung zu bringen. Die gesamte Reaktionsdauer betrug 1 Stunde. Der
pH-Wert einer Spro-
zentigen wäßrigen Lösung betrug 4,0, und das entstandene Produkt
war eine wasserhelle Flüssigkeit.
-
Ermittlung des Verhaltens der drei Proben bei Verwendung als Gerbmittel
Es wurde ein Stück einer für Spaltleder vorgesehenen Kuhhaut nach dem Kälken und
Enthaaren wie folgt entkalkt und gebeizt. Zunächst wurden hierzu 300 ovo Wasser
(350 C) und 8 ovo Borsäure während einer Dauer von 15 Minuten verwendet; der pH-Wert
betrug 7,0. Daraufhin erfolgte die Zugabe von 2 0/o einer Mischung von proteolytischen
Enzymen aus der Bauchspeicheldrüse oder mikrobiologischen Ursprungs mit zugesetztem
Ammoniumsulfat.
-
Die Dauer der letzgenannten Behandlung betrug 1 Stunde, worauf 5 Minuten
lang mit fließendem Wasser gewaschen wurde. Die für Spaltleder vorgesehene Kuhhaut
wurde in drei Teile von gleichem Gewicht geteilt und in drei verschiedene Trommeln
bzw. Drehgefäße eingebracht. In jedes Gefäß wurden 1000/o Wasser, bezogen auf das
Gewicht des gebeizten Materials, und 5 O/o Harz (Probe Nr. 1 oder Nr. 2 oder Nr.
3) eingebracht; Dauer 1/2 Stunde. Dann wurden jeweils 100/a Harz in die einzelnen
Gefäße eingebracht; Dauer 12 Stunden. Der pH-Wert der Lösungen war wie folgt: Nr.
1 = 6,3; Nr. 2= 7,0; Nr. 3 = 6,4. Dann wurde zu jeder Lösung 3 O/o Borax zugegeben;
Dauer 3 Stunden. Die endgültigen pH-Werte waren wie folgt: Nr. 1 = 8,3; Nr. 2 =
8,4; Nr. 3 = 7,9. Die Hautproben wurden herausgenommen und über das Wochenende an
der Luft getrocknet.
-
Nach dem erneuten Anfeuchten und Konditionieren wurden sie gestreckt
und getrocknet.
-
Das durch das Gerben mit der Probe Nr. 1 erhaltene Lederstück ist
weiß, sehr weich und biegsam.
-
Das durch das Gerben mit den Proben Nr. 2 und 3 erhaltene Leder ist
brettartig bzw. steif, gewellt und dunkelfarbig, so daß es gewerblich nicht verwertbar
ist. Damit ist gezeigt, daß die Produkte des Standes der Technik schlechte- Gerbmittel
sind, während die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten Produkte vorzügliche
Gerbungen ergeben.
-
Die Erfindung wird an Hand der folgenden Beispiele näher erläutert.
Alle in den Beispielen angegebenen Teile sind Gewichtsteile, wenn nichts anderes
vermerkt ist.
-
Beispiel 1 Es wurden 84,0 Teile (1,0 Mol) Dicyandiamid, 235 Teile
einer wäßrigen (37gewichtsprozentigen) Formaldehydlösung (2,9 Mol Formaldehyd) und
12,0 Teile Ameisensäure (0,26 Mol) in ein geeignetes Gefäß eingebracht und miteinander
vermischt. Die Mischung hatte einen pH-Wert von 2,2. Sie wurde langsam unter ständigem
Rühren etwa t/2 Stunde lang aufgeheizt. Am Ende dieses Zeitraumes wurde eine Temperatur
von 550 C erreicht, und die Reaktion wurde stark exotherm. In diesem Zeitpunkt wurde
das Erhitzen unterbrochen und das Gefäß von außen gekühlt, so daß der Siedepunkt
der Reaktionsmischung, d. h. 95 bis 960 C, in etwa 11/2 Stunden erreicht wurde.
-
Sobald diese Temperatur erreicht wurde, wurde die Masse sofort und
rasch von außen her auf eine Temperatur von etwa 250 C abgekühlt. Dies dauerte etwa
30 Minuten. Die Reaktionsmischung wurde während des Verfahrens ständig gerührt.
Der
pH-Wert der Mischung betrug nach dem Abkühlen auf Zimmertemperatur
6,5.
-
Das erhaltene Produkt hatte eine Viskosität von etwa 85 Centipoise,
die mittels eines Brookfield-Viscometers unter Verwendung der Spindel Nr. 1 mit
60 Umdrehungen je Minute bei einer Temperatur von 250 C ermittelt wurde. Es war
glänzend klar und wasserhell und enthielt etwa 46 Gewichtsprozent an Feststoffen.
-
Beispiel 2 Es wurden 84,0 Teile (1,0 Mol) Dicyandiamid, 270 Teile
einer wäßrigen (37gewichtsprozentigen) Formaldehydlösung (3,3 Mol) und 60 Teile
einer 70prozentigen Glykolsäure in ein Gefäß eingebracht und miteinander vermischt.
Die Mischung hatte einen pH-Wert von 2,3. Sie wurde unter Rühren in einem solchen
Ausmaß erhitzt, daß die Temperatur von etwa 700 C in etwa einer Stunde erreicht
wurde.
-
Bei dieser Temperatur begann die exotherme Reaktion, und das Erhitzen
wurde unterbrochen. Das Reaktionsgefäß wurde dann von außen gekühlt, damit der Siedepunkt
der Reaktionsmischung, d. h. eine Temperatur von etwa 980 C, allmählich in etwa
25 Minuten erreicht wird. Sobald diese Temperatur erreicht ist, wird die Reaktionsmischung
sofort und rasch auf Zimmertemperatur abgekühlt. Nach dem Kühlen betrug der pH-Wert
der Mischung 4,5.
-
Das erhaltene Produkt war klar und hatte eine hellgelbgrüne Farbe.
Die Viskosität des Produktes, die mittels eines Brookfield-Viscosimeters unter Ver-
wendung
der Spindel Nr. 1 mit 60 Umdrehungen je Minute bei einer Temperatur von 250 C ermittelt
wurde, betrug 36 Centipoise. Der Feststoffgehalt belief sich auf 43,7 Gewichtsprozent.