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Papier zur Vervielfältigung Die vorliegende Erfindung bezieht sich
auf ein Papier zur Vervielfältigung ohne die Verwendung von Kohlepapier od. dgl.
Papiere dieser Art sind schon lange bekannt, und die Patentliteratur enthält Angaben
über die verschiedensten Zusammensetzungen der Kopierschichten, die auf die eine
oder beide Seiten der Papierbogen aufgebracht werden sollen.
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Es können dabei zwei verschiedene Hauptklassen solcher Papiere festgestellt
werden, nämlich einmal Papiere mit Reagenzschichten, die auf eine Reaktion zweier
Stoffe in Anwesenheit eines ionisierenden Mediums abhängig sind, und zweitens Papiere
mit Schichten, wo ein oder zwei organische Stoffe zur Bildung eines gefärbten Produktes
ohne ein ionisierendes Medium durch chemisch-physikalische Reaktion umgesetzt werden.
Die Erfindung bezieht sich auf die ersterwähnte Klasse von Vervielfältigungspapieren
und stellt eine einfache und vor allem eine ökonomische Lösung des gestellten Problems
dar.
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Bei Vervielfältigungspapieren, die mit Schichten überzogen sind, wo
zwei Stoffe in Anwesenheit eines ionisierenden- Mediums miteinander reagieren, hat
man früher im wesentlichen zwei Verfahren verwendet, und zwar wurde entweder das
Papier zunächst mit einer Schicht überzogen, die für Feuchtigkeit bzw. die miteinander
reagierenden Stoffe, die beidseitig des Papiers aufgetragen wurden, undurchlässig
war, oder wurden diese miteinander reagierenden Stoffe in Wachse od. dgl. emulgiert
oder dispergiert, um eine Reaktion der Stoffe bei der Lagerung der Papiere zu verhindern.
Es sind auch Vervielfältigungspapiere bekannt, bei denen diese Verfahrensschritte
kombiniert wurden. Um ein Trocknen dieser Papiere zu verhindern, hat man außerdem
oft eine äußere Schicht aufgebracht, z. B. eine Wachsschicht.
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Papiere dieser Art haben aber viele Nachteile, sowohl bei der Herstellung
als bei der Lagerung. Bei der Herstellung ist vor allem das Aufbringen einer äußeren
Schutzschicht, z. B. aus Wachs, schwierig, weil diese Schicht schlecht an einer
feuchten Unterlage, wie die schon aufgebrachte Reagenzschicht, haftet. Außerdem
verteuert das Aufbringen einer solchen Schicht die Herstellung des Fertigpapiers
wesentlich. Dasselbe gilt für das Anbringen eines undurchlässigen Films auf das
Papier, um eine Reaktion der beidseitig des Papiers aufgebrachten Schichten zu verhindern.
Die bekannten Verfahren zur Herstellung eines Vervielfältigungspapiers setzen außerdem
ein mehrmaliges Behandeln der Papierbahn voraus, wobei die Bahn sogar zwischen den
einzelnen Behandlungsstufen getrocknet werden muß. Über diese Nachteile hinaus kam
aber vor allem der Nachteil hinzu, daß die eine oder andere Schicht trocknete, wodurch
die beabsichtigte Farbreaktion beim Schreiben ausblieb.
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Aus den oben angedeuteten Gründen hat sich bis jetzt kein Vervielfältigungspapier
mit Reagenzschichten mit einem ionisierenden Medium bewähren können.
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Die vorliegende Erfindung hat zum Zweck, diese Nachteile zu beseitigen
und das Herstellen eines Vervielfältigungspapiers zu ermöglichen, das in der Herstellung
billig ist, sowohl in bezug auf die verwendeten Materialien als in Verfahrensstufen
und vor allem in bezug auf Lagerungsfähigkeit. Zu diesem und anderen Zwecken ist
ein Vervielfältigungspapier nach der Erfindung dadurch gekennzeichnet, daß die eine
oder beide Mischungen bzw. die aufgetragenen Schichten ein feinverteiltes., glattes
Pulvermaterial, wie z. B. Talk, enthält.
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Nach der Erfindung verwendet man vorzugsweise doppelseitig geglättetes
Papier, das an sich sehr billig ist. Selbstverständlich kann man aber auch jede
andere Papiersorte verwenden, wobei aber die eine Seite des Papiers mit einem Schutzfilm
überzogen werden müßte, um eine nicht beabsichtigte Reaktion der zwei verschiedenen,
miteinander reagierenden Stoffe, die auf- entgegengesetzten Seiten des. Papiers
aufgebracht werden, zu verhindern. Beide Schichten können gleichzeitig bei einem
Durchgang durch die Maschine aufgebracht werden. Nach dem Auftragen wird die Papierbahn
auf bekannte Art getrocknet.
Es können auch einzelne Bogen auf.
dieselbe Art präpariert werden.
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Die einfache Herstellung und die gute Haltbarkeit des präparierten
Papiers ist auf die Verwendung von Talk oder einem ähnlichen Material mit gleichartigen
glatten Eigenschaften zurückzuführen. Die glatten Talkpartikeln verhindern ein Zusammenkleben
der aufgetragenen Schichtmasse und außerdem auf nicht ganz theoretisch erklärte
Art ein Austrocknen der Schicht, die dauernd reaktionsfähig bleibt. Der Talk verhindert
ferner sehr wirksam eine unbeabsichtigte Reaktion der zwei Reagenzien, die auf entgegengesetzten
Seiten des Papiers aufgebracht sind. In den unten -angegebenen Mengen verzögert
der Talk auch nicht die Reaktion zwischen den beiden Stoffen, was bei der Verwendung
von Wachs und ähnlichen Stoffen der Fall ist.
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Angestellte Versuche ergeben, daß beim Weglassen des Talkes aus der
feuchten Schicht kein Kopieren nach etwa 2 Wochen mehr möglich ist. Der Talk verleiht
außerdem dem präparierten Papier eineglatte, anscheinend trockene Oberfläche,. die
überhaupt nicht schmiert, sogar nicht bei starkem Reiben, weil der Talk eine glatte,
unlösliche Haut über die aufgebrachten Schichten bildet.
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Die Erfindung macht es also zum erstenmal möglich, ein haltbares Vervielfältigungspapier
auf einfachste und billigste Art herzustellen, und zwar . durch die Entdeckung,
daß Talk und ähnliche Stoffe nicht nur ein Austrocknen der Schicht verhindern, sondern
auch eine isolierende Haut bilden, die ein Schmieren und Abreiben der Schicht verhindert.
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Aus den deutschen Patentschriften 855 998 und 837 854 ist es bekannt,
daß Beschichtungen von Papier bzw. Farbbändern, die keine ionisierenden Medien enthalten,
ein feinverteiltes Pulvermaterial enthalten können. Die nach diesem Vorschlag verwendeten
Pulvermaterialien wirken als Basenaustauscher bzw. als absorbierende Substanzen.
Sie beteiligen sich an der Reaktion. Allein aus diesem Grund werden sie den Beschichtungsmassen
zugesetzt. Im Gegensatz zur Aufgabenstellung und zum Lösungsweg der bekannten Vorschläge
werden gemäß der Erfindung neutrale, d. h. an der Reaktion nicht teilnehmende Stoffe
zugesetzt, mit dem Zweck, eine unbeabsichtigte Reaktion der verwendeten Reaktionskomponenten
der Vervielfältigungspapiere zu verhindern. Die Aufgabenstellung ist also eine andere.
Es lag nicht nahe, daß die Verwendung des neutralen, feinverteilten, glatten Pulvermaterials
gemäß der Erfindung den beschriebenen Effekt bewirkt. Gemäß der Erfindung wird ein
wesentlicher Fortschritt auf dem Gebiet der Vervielfältigungspapiere auf Basis eines
ionisierenden Mediums erzielt.
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Nachstehend werden einige nicht einschränkende Beispiele der Zusammensetzung
der verschiedenen Schichten angegeben. Die miteinander reagierenden Stoffe können
dabei selbstverständlich beliebig gewählt werden, wie in der einschlägigen Literatur
angegeben ist, um beim Schreiben verschiedene Farben zu erhalten.
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Schicht 1 Auf der einen Seite des doppelseitig geglätteten Papiers
bzw. mit einem Schutzfilm überzogenen Papiers wird eine Schicht folgender Zusammensetzung
aufgetragen: nicht austrocknendes Bindemittel ... 5811/o Glycol (vorzugsweise
Polyäthylenglycol) ........................ _ 2011/o Gallussäure, gesättigte
Lösung ..... 2% Talk ............................ 20% Schicht 2, die vorzugsweise
gleichzeitig auf der anderen Seite des Papiers aufgetragen wird, kann z. B. folgende
Zusammensetzung haben: Bindemittel, z. B. wie bei Schicht 1 . . 271/o Glycol, wie
oben .................. 20% Eisenchlorid ..................... 130/0 »Aerosil« (eingetragenes
Warenzeichen der Firma Degussa für reine Kieselsäure mit großer Oberfläche) 131/o
Talk ............................ 2711/o Das für die Schicht 2 erwähnte Kieselsäurepräparat
ist nicht unbedingt erforderlich und kann außerdem durch andere, an sich bekannte
Füllmittel mit ähnlichen Eigenschaften ersetzt werden.
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Nach dem Auftragen der Schichten beiderseitig des Papiers wird die
Papierbahn auf bekannte Art getrocknet. Das Papier kann selbstverständlich auch
nur einseitig. präpariert werden, wobei Bogen mit verschiedenen Schichten beim Schreiben
zusammengelegt werden.
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Die oben für die verschiedenen Schichten angegebene Zusammensetzung
kann innerhalb ziemlich weiter Grenzen variiert werden. Für den Talkgehalt sind
die Grenzen etwa 10 bis Off Gewichtsprozent von der totalen Mischung. Bei einem
geringeren Gehalt besteht die Gefahr des Austrocknens, und bei einem höheren Gehalt
wird die Reaktion zu langsam.