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Lichtempfindliches Schichtmaterial zum Herstellen eines photographischen
Bildes Die Erfindung betrifft ein lichtempfindliches Schichtmaterial zum Herstellen
eines photographischen Bildes, das aus einem Trägerstoff und einem darin feinverteilten,
bei Belichtung gaserzeugenden Stoff besteht, der infolge der Ausdehnung des Gases
zur Bildung von Hohlräumen in dem Trägerstoff und einer dadurch bewirkten Trübung
führt, die das photographische Bild ergibt, wobei der Trägerstoff eine Gasdurchlässigkeit
aufweist, welche das Gas zum Zwecke der Fixierung des Bildes allmählich entweichen
läßt.
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Bei einem bekannten lichtempfindlichen Schichtmaterial dieser Art
besteht der Trägerstoff aus einem Kolloid, das sich mit einer wäßrigen Lösung des
bei Belichtung gaserzeugenden Stoffes tränken läßt. Dadurch soll dieser Stoff in
dem Trägerstoff fein verteilt werden. Insbesondere sind als Trägerstoff regenerierte
Zellulose, Gelatine, Leim und Gummi vorgeschlagen worden. Zwar ist darüber hinaus
auch die Verwendung eines Thermoplasts, nämlich Acetylzellulose, erwähnt; doch quillt
dieser Stoff in Wasser so wenig, daß in ihn der bei Belichtung gaserzeugende Stoff
durch Tränken mit einer wäßrigen Lösung nicht eingeführt werden kann.
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Die aus dem bekannten lichtempfindlichen Schichtmaterial hergestellten
Bilder haben nur eine sehr begrenzte Lebensdauer. Auch sind sie sehr empfindlich
gegen den Einfiuß von Feuchtigkeit.
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Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein lichtempfindliches Schichtmaterial
der eingangs erläuterten Art zu schaffen, das sich durch hohe Lebensdauer und große
Beständigkeit der aus ihm hergestellten Bilder auszeichnet. Auch soll sich das belichtete
Schichtmaterial ohne besondere Fachkenntnisse mit geringer Mühe entwickeln lassen,
damit man es für die Anfertigung von Ablichtungen in Büros, Büchereien, Zeichensälen
u. dgl. verwenden kann. Zu diesem Zweck ist es nötig, daß die Belichtung und Entwicklung
auch ohne große Sorgfalt zu klaren und deutlichen Bildern führt, die sich durch
Beständigkeit, auch gegenüber Feuchtigkeit, auszeichnen.
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Erfindungsgemäß ist diese Aufgabe dadurch gelöst, daß der Trägerstoff
ein in Wasser weder löslicher noch quellender Thermoplast ist, der bei einer unteren
Temperatur, bei der die Belichtung erfolgt, eine die Bildung der Hohlräume verhindernde
Standfestigkeit aufweist, die aber bei höherer Temperatur in einem die Bildung der
Hohlräume gestattenden Maße sinkt, wobei der Thermoplast bei beiden Temperaturen
eine so beschränkte Gasdurchlässigkeit aufweist, daß die erzeugten Gase nur allmählich
entweichen können. Die Entwicklung dieses Schichtmaterials erfolgt also durch einfaches
Erwärmen. Dabei bilden sich dann die Hohlräume, die an den Bildstellen zu der gewünschten
Trübung führen. Der Entwicklungsvorgang verläuft also völlig trocken.
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Vorzugsweise ist die Gasdurchlässigkeit des Trägerstoffes nicht so
hoch, daß das gesamte Gas bei der Entwicklungstemperatur zugleich mit der nach der
Belichtung erfolgenden Entwicklung entweichen kann. Besonders bewährt hat sich als
Trägerstoff Äthylzellulose oder ein Stoff gleicher Gasdurchlässigkeit.
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Die feine Verteilung des bei Belichtung gaserzeugenden Stoffes in
dem Trägerstoff läßt sich besonders leicht erreichen, wenn man als Trägerstoff und
als lichtempfindlichen Stoff solche Stoffe wählt, die in nicht wäßrigen, aber mischbaren
Lösungsmitteln lösbar sind.
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Die gewünschte Gasdurchlässigkeit des Trägerstoffes läßt sich besonders
leicht erreichen, wenn der Trägerstoff aus einem Thermoplast niedriger Gasdurchlässigkeit
und aus einem Harz höherer Gasdurchlässigkeit besteht. Dann wird die Gasdurchlässigkeit
des Trägerstoffes durch das Harz bestimmt. Dieses Harz kann dabei so gewählt werden,
daß der Thermoplast weicher als das Harz ist. Insbesondere kommen dafür Kunstharze
in Betracht.
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Der erfindungsgemäß verwendete Trägerstoff hat eine Diffundierbarkeit,
die bei einer gegebenen Belichtungstemperatur die Entstehung von Gasgebilden aus
den freigesetzten Gasmolekülen oder Molekülgruppen
fördert. Dabei
liegt die Belichtungstemperatur unterhalb der Temperatur, bei welcher die Entwicklung
erfolgt, sowie auch unterhalb der Temperatur, bei welcher sich der lichtempfindliche
Stoff zersetzen würde.
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Ferner hat der Trägerstoff bei der Entwicklungstemperatur eine Zähigkeit,
welche die Ausdehnung der Gasgebilde auf das für die Erhaltung des photographischen
Bildes erforderliche Maß begrenzt. Schließlich hat der Trägerstoff eine Durchlässigkeit,
die bei der einen oder der anderen der erwähnten Temperaturen dem Gas gestattet,
allmählich aus dem Trägerstoff zu entweichen, wodurch das photographische Bild fixiert
wird.
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Das auf der Verwendung des Schichtmaterials nach der Erfindung beruhende
Reproduktionsverfahren verläuft in allen Phasen trocken, also unabhängig von Wasser
in jeder Forin, und erfordert keinerlei chemische Behandlung oder Wässern. Man kann
mit Hilfe ein und desselben Materials mit derselben Apparatur und demselben Verfahren
nach Wunsch im Kontaktverfahren Negative oder Positive herstellen, wobei dieses
Verfahren gegen etwaige im Schichtmaterial enthaltene Feuchtigkeit oder gegen äußere
Feuchtigkeit unempfindlich ist. Die Eigenschaften des neuartigen Schichtmaterials
lassen sich genau und bestimmt vorausbestimmen, unabhängig von Einflüssen der Umgebung,
von der Art der Lagerung oder von der Vorbehandlung sowie unabhängig von anderen
Umständen, insbesondere unabhängig von der mehr oder weniger großen Geschicklichkeit,
mit der man das Verfahren durchführt. Es läßt sich --daher ein besseres Endprodukt
ohne weitere Komplikationen erzielen.
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Bei einem besonders wichtigen Ausführungsbeispiel der Erfindung ist
der Trägerstoff ein aus Vinylidenchlorid und Acrylonitril gebildetes Copolymer.
Dieser Trägerstoff ist hinsichtlich seiner Diffusionskonstante und Härte durch Polymethylmethacrylat
modifiziert. Beide Kunstharze sind praktisch unempfindlich gegen Wasser, aber in
nicht wäßrigen Flüssigkeiten löslich; z. B. in Methyläthylketon. Als lichtempfindlicher
Stoff wird bei diesem Ausführungsbeispiel eine Diazoverbindung verwendet, die zum
Zwecke der Vereinigung mit dem Trägerstoff in einer Flüssigkeit gelöst wird, die
sich mit dem Lösungsmittel des Trägerstoffes mischen läßt und sich mit ihm verträgt.
Als Lösungsmittel für die Diazoverbindung kommt z. B. Methanol in Frage, sofern
der Trägerstoff in Keton gelöst ist.
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Dieser Trägerstoff führt nach Belichtung und Entwicklung zu einem
photographischen Bild, das im wesentlichen ausschließlich durch eine Gefügeänderung
entsteht. Das photographische Bild besteht nämlich aus der thermoplastischen Trägerschicht,
in welcher die Bildelemente durch Hohlräume oder Luftbläschen und durch im wesentlichen
unsichtbare Zersetzungsprodukte des lichtempfindlichen Stoffes gebildet werden.
Der Thermoplast und das nachstehend als »Modifikator« bezeichnete zugesetzte Harz
bestimmen wechselseitig die Diffundierbarkeit und Härte bzw. Zähigkeit des Trägerstoffes,
und zwar derart, daß die erforderliche Durchlässigkeit entsteht. Diese ist so groß,
daß das Gas bei durchschnittlicher Zimmertemperatur allmählich aus dem Trägerstoff
entweichen kann. Die Härte muß so bemessen sein, daß bei normalen Temperaturen die
die Bildaufzeichnung darstellenden Hohlräume oder Luftbläschen erhalten bleiben.
Die Erfindung sei nunmehr an Hand der Zeichnungen erläutert. In diesen zeigt Fig.
1 ein Schema, das die aufeinanderfolgenden Verfahrensstufen wiedergibt und den bei
jeder Stufe herrschenden Zustand der photographischen Schicht erkennen läßt, Fig.
2 ein die Plastizität in Abhängigkeit von der Temperatur wiedergebendes Schaubild,
Fig. 3 eine schematische Darstellung der Diffusionsvorgänge, die sich bei dem in
Fig. 1 dargestellten Verfahren abspielen, und Fig. 4 ein Diagramm, in welchem die
Änderungen der Plastizität der Diffundierbarkeit und der Durchlässigkeit während
der in Fig. 1 gezeigten Verfahrensstufen zu erkennen sind.
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Die Eigenschaften des lichtempfindlichen Schichtmaterials der Erfindung
richten sich nach dessen Verwendung und lassen sich am besten mit Bezug darauf erläutern.
Daher sei zunächst mit Bezug auf das Diagramm der Fig. 1 ein bezeichnendes Beispiel
des Kopierverfahrens beschrieben, für das sich der neue lichtempfindliche Stoff
besonders eignet. Die Zustandsänderungen, die der Stoff dabei erfährt, sind in den
Fig. 2, 3 und 4 dargestellt. Dort sind die einzel-. ncn Verfahrensstufen ebenso
bezeichnet wie in Fig. 1.
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Im Feld I der Fig. 1 deutet S einen Querschnitt durch die Schicht
aus dem neuen Stoff an. Diese Schicht hat keine besondere Unterlage, doch kann sie
auf einer Unterlage der üblichen Art oder einer besonders hergerichteten Art befestigt
werden, wie später erläutert werden wird.
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Der Stoff S besteht aus einem thermoplastischen Trägerstoff v mit
Molekülen oder Molekülgruppen m des darin einverleibten lichtempfindlichen Stoffes.
In dem Zustand, in welchem er aufbewahrt oder behandelt wird (mit der einzigen Ausnahme
der Entwicklungsphase), ist er ziemlich hart, wenigstens bei Zimmertemperatur. In
diesem Zustand nun wird der Stoff S mit einem Originalbild O, etwa einem Mikrofilm
od. dgl., im Kontaktverfahren belichtet, was bei a erläutert und im Feld II schematisch
dargestellt ist. Dort geben die dunklen Abschnitte r die Bildteile des Originals
O wieder. Die Belichtung braucht aber nicht im Kontaktverfahren gemäß II zu erfolgen,
sondern kann auch mit Hilfe eines Projektionsapparates vorgenommen werden. Dabei
ist es möglich, Abzüge mit dem gleichen oder entgegengesetzten photographischen
Vorzeichen herzustellen. Mit diesem Ausdruck soll das Schwarz-Weiß-Verhältnis des
Abzuges zum Original bezeichnet werden, wie es sich bei gewöhnlicher Betrachtung
ergibt. Ein Abzug mit dem gleichen Vorzeichen bedeutet einen positiven Abzug von
einem positiven Original oder bedeutet einen negativen Abzug von einem Negativ.
Negative und Positive haben ein verschiedenes Vorzeichen. Diese Ausdrucksweise gilt
unabhängig davon, welcherart die Unterlage der Trägerschicht ist. Nachstehend sei
zunächst angenommen, diese sei durchsichtig.
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Bei einem bevorzugten Ausführungsbeispiel der Erfindung gelangt ein
lichtempfindlicher Stoff zur Verwendung, welcher auf eine Strahlung im Wellenlängenbereich
zwischen 300 und 420 Millimikron anspricht. Das bietet die Möglichkeit der Handhabung
bei gewöhnlicher Raumbeleuchtung. Als lichtempfindlicher Stoff dieser Art kommt
Diazodimethylanilin-Zinkchlorid in Betracht.
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Der belichtete lichtempfindliche Stoff setzt Gasmoleküle frei, die
jedoch noch keine Blasen bilden,
weil das Gas in der festen Schicht
gelöst bleibt. Das Original O wird also mit entgegengesetztem Vorzeichen in Gestalt
der unsichtbaren Gebilde u kopiert, kopiert, welche zunächst ein latentes Bild darstellen.
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In dem bei b angedeuteten Verfahrensschritt wird das Material v der
Schicht S durch Erwärmen erweicht. Dadurch wird die Entwicklung des Bildes infolge
einer Ausdehnung der Gaseinheiten u zu Gasblächen b bewirkt. Das Ergebnis ist bei
III schematisch dargestellt: Die Schicht S enthält nun das dem Original O entsprechende
entwickelte Bild, das durch die sichtbaren Gasbläschen dargestellt wird. In den
nicht belichteten Feldern der Schicht verbleiben die Moleküle m des lichtempfindlichen
Stoffes.
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Das Erwärmen der Schicht S kann auf beliebige Weise erfolgen, z. B.
dadurch, daß man die Schicht auf eine heiße Platte bringt, die durch einen Thermostaten
auf der für das betreffende Schichtmaterial besonders günstigen Temperatur gehalten
wird.
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Um das Bild zu fixieren, ist das folgende Verfahren besonders zuverlässig:
Man läßt die Schicht S in dem bei c angedeuteten Verfahrensschritt durch Abkühlen
erhärten, wodurch ein weiteres Ausdehnen der Bläschen gehemmt wird. Dann belichtet
man die Schicht gleichmäßig und läßt das sich dabei entwickelnde Gas durch das Schichtmaterial
v hindurch ins Freie entweichen. Es verbleiben lediglich die das Bild darstellenden
Blasen b, wie bei IV in Fig. 1 angedeutet. Häufig reicht es zum Fixieren aus, die
Abzüge bei Zimmertemperatur und gedämpfter Beleuchtung aufzuheben. Dann erzeugt
der verbleibende Sensibilisator Gas, das allmählich aus dem Trägerstoff ins Freie
entweicht, ohne Blasen zu bilden.
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In welchem Maße sich das Schichtmaterial nach der Erfindung bei dem
an Hand des vorstehend erläuterten typischen Ausführungsbeispiels beschriebenen
Verfahren zur Herstellung von Abzügen eignet, hängt von den sich gegenseitig ergänzenden
Eigenschaften des Trägerstoffes, des lichtempfindlichen Stoffes und gegebenenfalls
von der zur Verwendung gelangenden Unterlage ab.
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In erster Linie muß der Trägerstoff gegen klimatischeEinflüsse, insbesondereFeuchtigkeitundWärme,
im wesentlichen unabhängig sein. Außerdem muß er den Sensibilisator in einer Dispersion
aufnehmen können, deren Feinheit und Gleichförmigkeit sich bestimmen lassen. Ferner
muß sich der Trägerstoff hinsichtlich seiner physikalischen Eigenschaften mit dem
vom lichtempfindlichen Stoff bei Belichtung gebildeten Gas vertragen, wobei diese
physikalischen Eigenschaften gewissen Forderungen entsprechen müssen, und zwar hinsichtlich
der Brillianz und der Schärfe des zu erzeugenden dauerhaften Bildes. Hierzu sollen
möglichst wenige und leicht durchzuführende Verfahrensschritte ausreichen. Der lichtempfindliche
Stoff muß sich nicht nur mit dem Trägerstoff vertragen und sich mit ihm so vereinigen
lassen, daß die gewünschte Erzeugung des Bildes möglich ist, sondern er muß außerdem
eine günstige Empfindlichkeit aufweisen und die richtige Gasentwicklung bewirken.
Die Unterlage schließlich wird danach ausgewählt, wie das aus der Gefügeänderung
bestehende Bild unter den gegebenen Betrachtungsbedingungen am besten sichtbar wird.
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Der wichtigste Gesichtspunkt für die Wahl des Trägerstoffes nach der
Erfindung ist dessen völlige Unabhängigkeit von Feuchtigkeit und Wärme, gleichgültig
ob diese durch klimatische Gegebenheiten oder durch zufällig auftretende Vorgänge
bedingt sind. Vor allem gegen Wasser muß der Trägerstoff nach der Erfindung unempfindlich
sein. Er darf also in Wasser weder lösbar sein noch quellen, noch darf er Wasser
enthalten, obgleich nichts dagegen einzuwenden ist, wenn der Trägerstoff eine gewisse
Durchlässigkeit für Wasser zeigt, jedoch nur eine rein mechanische Durchlässigkeit,
wobei das Wasser auf die molekulare Struktur des Trägerstoffes keinen Einfluß haben
darf.
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Die Trägerschicht nach der Erfindung kann entweder die erforderliche
Festigkeit aufweisen, um sich selbst zu tragen, oder auch auf einer Unterlage befestigt
sein, wobei sich alle Vorteile ergeben, die man von einer solchen Unterlage verlangt.
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Der Trägerstoff muß sich bei solchen Temperaturen behandeln lassen,
daß die Höhe und der Bereich der Temperatur sowie etwaige Temperaturschwankungen
keine Schwierigkeiten erzeugen und daß sich demgemäß die gewünschte Unabhängigkeit
vom Klima ergibt. Für die Behandlung kommen nur zwei Temperaturen in Betracht, nämlich
die Zimmertemperatur, die in weiten Grenzen schwanken kann, und die Entwicklungstemperatur,
die höher als jede in Betracht kommende klimatische Temperatur sein muß. Diese Entwicklungstemperatur
gelangt nur für kurze Zeit zur Anwendung. Dabei muß der Trägerstoff diejenigen Eigenschaften
aufweisen, welche sich zur Bildung der Gasbläschen, die das sichtbare Bild ergeben,
eignen.
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Es hat sich herausgestellt, daß die Bildung des latenten Bildes als
auch des dauerhaften, endgültigen, sichtbaren Bildes in erster Linie von drei bestimmten
Eigenschaften des Trägerstoffes abhängt, nämlich von der Diffundierbarkeit gegenüber
dem gebildeten Gas, von der Durchlässigkeit für das Gas, das ins Freie entweichen
soll, und von der Standfestigkeit, d. h. der Widerstandsfähigkeit gegen ein die
Schicht verformendes Fließen.
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Die Diffusion des Gases im Trägerstoff ermöglicht die Entstehung des
Bildes und bestimmt den photographischen Charakter, also die Auflösung, die Kontraste
und die Brillanz des Bildes. Die Durchlässigkeit gegenüber dem Gas ist durch die
Diffusion der Gasmoleküle durch den Trägerstoff hindurch von Räumen höheren Drucks,
etwa den Gasblasen, zu Räumen niedrigen Drucks, etwa dem Freien, bedingt. Die Durchlässigkeitseigenschaften
sind hauptsächlich entscheidend für die Fixierung des Bildes. Denn sie bestimmen,
mit welcher Geschwindigkeit und Vollständigkeit das Gas aus dem Trägerstoff entweicht.
Ein vollständiges Entweichen ist nötig, um zu verhindern, daß sich nach der ordnungsgemäßen
Belichtung und Entwicklung etwa unkontrollierbare Bildwirkungen ergeben. Die Standfestigkeit
oder ihr reziproker Wert, die Plastizität, stellt eine Eigenschaft dar, die davon
abhängt, in welchem Maße in Abhängigkeit von der Temperatur ein molekulares Fließen
des Materials eintreten kann. Sie bestimmt unmittelbar, bis zu welcher Größe sich
die Gasbläschen ausdehnen. Mittelbar stellt sie eine der Eigenschaften dar, von
denen die Diffusion des Gases und sein Entweichen ins Freie abhängt. Auch bestimmt
die Festigkeit die makroskopischen mechanischen Eigenschaften der Bildschicht.
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Die Durchlässigkeit, d. h. die Fähigkeit des Gases, aus der Schicht
ins Freie zu entweichen, hängt zwar unter anderem von der Diffusionskonstante ab,
doch
ist diese Abhängigkeit nicht von entscheidender Bedeutung,
weil die Bemessung der Durchlässigkeit hauptsächlich nach qualitativen Gesichtspunkten
erfolgen kann und sich für die Zwecke der Erfindung durch Wahl der Temperatur und
der Zeit hinreichend so beherrschen läßt, daß das Gas aus der Schicht restlos ins
Freie entweicht. Andererseits kommt es indessen auf die Diffusionskonstante entscheidend
dafür an, wie nach dem Entweichen des Gases aus der erhärteten fixierten Trägerschicht
die Gasblasen sich gebildet und verteilt haben und welche Größe sie besitzen. In
der nachstehenden Erläuterung der Erfindung wird daher die Diffundierbarkeit als
eine besondere Eigenschaft behandelt, die unabhängig bestimmt werden muß und nicht
lediglich als einer der Faktoren eine Rolle spielt, von welchen die Durchlässigkeit
des Gases ins Freie abhängt.
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Die Diffundierbarkeit läßt sich durch eine mathematische Funktion
der Temperatur und gewisse, dem Material eigentümliche Konstanten ausdrücken. Die
Gasdurchlässigkeit ist eine Funktion der Diffusionskonstante und des Druckgefälles.
Da solche Formeln weitgehend von kritischen Konstanten abhängen, ist es das beste,
diese Eigenschaften experimentell zu bestimmen und sie in willkürlichen Einheiten
auszudrücken, z. B. durch den Begriff Kd für die Diffundierbarkeit und
Kp für die Durchlässigkeit. Die Dimensionen dieser Begriffe sind diejenigen
einer Geschwindigkeit bzw. einer Strömungsmenge.
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Die Bedeutung der Diffusion innerhalb des Trägerstoffes, also die
Wanderung der Gasmoleküle durch diesen Stoff hindurch, spielt keineswegs nur eine
Rolle bei dem Entweichen des Gases ins Freie, sondern ist darüber hinaus deshalb
von besonderer Bedeutung, weil sie die Möglichkeit bietet, daß in dem Stoff Gasgebilde
entstehen, bevor das Gas ins Freie entweicht. Diese Gasgebilde sind die primären
Bildelemente. Denn sie stellen Körper aus wirklichem Gas dar. Sobald der Trägerstoff
nachgibt, dehnen sie sich aus und bilden die Bläschen, deren Größe durch Einstellung
des molekularen Fließens des Trägerstoffes und durch Bestimmung der nach Belichtung
des Sensibilisators frei werdenden anfänglichen Gasmenge beherrscht werden kann.
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Fig. 3 erläutert zwar diese Begriffe, aber kann natürlich nur eine
ungefähre Wiedergabe der verhältnismäßig verwickelten Vorgänge sein und diese nur
insoweit darstellen, als sie für die Zwecke der Erfindung wesentlich sind. In Fig.
3 ist der Stoff v der Schicht S bei 1I während der Belichtung wiedergegeben (vgl.
auch den in Fig. 1 bei 11 dargestellten Vorgang). Dabei werden Gasmoleküle
oder Gruppen von Gasmolekülen s frei, welche nun in dem festen Trägerstoff diffundieren
können, um Einheiten u zu bilden. Bei IV in Fig. 3 ist der Trägerstoff v nach der
Entwicklung und während des Fixierens wiedergegeben. Die Gaseinheiten haben sich
dann zu Bläschen b ausgedehnt, und der Trägerstoff ist wiederum fest geworden, und
das Gas entweicht aus denBläschen b ins Freie.
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Die Geschwindigkeit, mit der das Gas in dem Trägerstoff diffundiert,
schwankt zwischen einer oberen und einer unteren Grenze. Die untere Grenze der Diffusion
wird dadurch bestimmt, daß die Gasmoleküle in der Lage sein müssen, sich aus dem
gelösten Zustand, wie er bei u in Fig. 2 gezeigt ist, zu Blasen zusammenzuschließen.
Würden diese Gasmoleküle nach ihrer Freisetzung durch Photolyse in dem Trägerstoff
gelöst bleiben, so wäre sie nicht in der Lage, sich zu den kleinstmöglichen Gasblasen
zusammenzuschließen. Das gelöste Gas, bestehend aus den Molekülen u, stellt ein
unsichtbares latentes Bild dar, welches das Bestrahlungsmuster wiedergibt, wie es
durch das Original O bestimmt ist. Denn die Bestrahlung bewirkt die Freisetzung
der Gasmoleküle aus dem lichtempfindlichen Stoff innerhalb des Trägerstoffes. Der
Gasgehalt der Molekülgebilde u läßt sich durch die Diffundierbarkeit beeinflussen.
Die obere Grenze der Diffusion hängt davon ab, eine wie feine räumliche Auflösung
das fertige Bild haben soll, und richtet sich daher nach der erwünschten Größe der
das fertige Bild bildenden Bläschen oder Hohlräume. Wünscht man also eine Auflösungsfeinheit
von 40 Linien je Millimeter, dann dürfen die Bläschen nicht wesentlich größer sein
als annähernd 10 #t. Dieser Höchstwert entspricht einer Linie, deren Breite der
Größe von zwei Bläschen gleicht. Will man also eine so feine Auflösung erreichen,
dann muß man die Diffusion des Gases so einstellen, daß keine Gasgebilde entstehen,
die wesentlich mehr als die erforderliche Gasmenge enthalten. Weiter muß die Diffusion
so geregelt werden, daß das Gas nicht etwa von den belichteten Stellen in die unbelichteten
abwandert und dort womöglich später einen Schleier bildet.
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Die Festigkeitseigenschaften des Trägerstoffes müssen den dargestellten
Bedingungen für die Diffundierbarkeit und Durchlässigkeit entsprechen. Das gilt
vor allem für die Festigkeit des Stoffes während der Hauptbehandlungsschritte, nämlich
während der Belichtung, Entwicklung und Fixierung.
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Die richtige Diffundierbarkeit, die erforderlich ist, um während der
Belichtung die richtigen Gasgebilde zu ergeben, ist oben mit Bezug auf Fig. 3 bereits
erläutert. Während der Belichtungszeit muß der Stoff eine so große mechanische Widerstandsfähigkeit
haben, daß er jede Ausdehnung der Gaseinheiten verhindert. Sonst würden sich vorzeitig
Gasbläschen bilden, die während der Belichtung die Strahlen an den stark belichteten
Stellen zerstreuen und dadurch die weitere Photolyse an diesen Stellen beschränken
würden. Das würde zu einer falschen Belichtung führen und insbesondere die Kontraste
verringern.
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Durch die Entwicklung des aus den Gasgebilden bestehenden Bildes,
durch die das Bild in Gestalt von Bläschen sichtbar werden soll, wird die Festigkeit
des Trägerstoffes so weit verringert, daß sich die Gasgebilde ausdehnen und eine
Größe erreichen, bei der sie die größte Lichtstreuung bewirken, die mit der erforderlichen
Auflösungsfeinheit vereinbar ist. Gleichzeitig muß die Durchlässigkeit so niedrig
sein, daß nicht etwa das Gas während der Entwicklung vorzeitig ins Freie entweicht
und dadurch das Bild verdirbt. Man kann also bei der Entwicklung durch rein physikalische
Mittel die Geschwindigkeit bestimmen, mit der die bei der Belichtung entstandenen
Gasgebilde wachsen. Dabei wird diese Geschwindigkeit so gewählt, daß sich die beste
Ausnutzung des lichtempfindlichen Materials ergibt und das ganze photographische
Verfahren mit dem besten Gesamtwirkungsgrad abläuft.
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Die Fixierung dient dem Zweck, dem Bild die erforderliche Dauerhaftigkeit
und Widerstandsfähigkeit im Gebrauch zu verleihen und dafür zu sorgen, daß es nicht
schwindet oder an Kontrast oder Schärfe nach der Entwicklung verliert. Auch muß
Gewähr dafür gegeben sein, daß, wenn das fertige Bild mit
einer
besonders hohen Lichtstärke später zufällig wieder bestrahlt wird, sich dadurch
kein Schleier bildet. Weiter muß das Bild diejenige mechanische Festigkeit und Härte
aufweisen, daß es bei normaler Behandlung nicht ewa zerkratzt wird und unter der
Wärme einer Projektionslampe nicht erweicht.
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Die Fixierung des Bildes erfolgt dadurch, daß die Gasbläschen gewissermaßen
eingefroren werden, daß also ihre Wandungen eine solche Härte erhalten, daß die
Bläschen und somit die durch sie bewirkte Lichtstreuung auch dann erhalten bleiben,
wenn das Gas später den Trägerstoff zwischen den Bläschen durchdringt und ins Freie
entweicht. Bei normaler Behandlung des Bildes bleibt also das Gefüge der Schicht
infolge entsprechender mechanischer Festigkeit erhalten und bildet die gewünschte
Bildaufzeichnung. Wie bereits erwähnt, erfolgt die Fixierung am besten dadurch,
daß man die Freigabe des Gases durch die unbelichteten Moleküle des lichtempfindlichen
Stoffes herbeiführt, ohne dabei jedoch dem Gas die Bildung von Bläschen zu ermöglichen.
Das freigesetzte Gas entweicht dann vollständig ins Freie, so daß sich auch später
keine Bläschen mehr bilden können. Im allgemeinen kann man die der Fixierung dienende
Belichtung mit dem Entweichen des Gases ins Freie vereinigen, indem man das entwickelte
Material ein paar Stunden bei Zimmertemperatur bei gedämpfter Beleuchtung aufhebt.
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Für die Entwicklung muß der Stoff also in erhöhtem Maße plastisch
fließen. Das erreicht man durch Erhitzen des thermoplastischen Trägerstoffes durch
Wärmeleitung, Wärmeströmung oder Bestrahlung. Dabei können die physikalischen Mittel
für die Wärmezufuhr sehr einfach ausgestaltet sein, worin ein Hauptvorteil des Verfahrens
liegt. Fig. 2 veranschaulicht diesen Vorgang. Im niedrigen Temperaturbereich, der
mit den Zahlen I, 1I und IV markiert ist, ist der Trägerstoff fest, aber doch gasdurchlässig.
Es ist dies der normale Zustand. Diesen soll der Trägerstoff in den in Fig. 1 mit
1, 11 und IV bezeichneten Phasen aufweisen. Im Bereich III ist der Stoff so weich,
daß sich die Bläschen ausdehnen können. Es ist dies der Zustand bei der Entwicklung.
Diese wird durch Abkühlen unterbrochen, wenn das gewünschte Bild entstanden ist.
Fig. 2 fäßt erkennen, daß sich dieser Vorgang umkehren läßt. Dabei beziehen sich
die Angaben der Fig. 3 auf das Diagramm der Fig. 1 und 2. Die Bereiche I und
11 gelten für die Belichtung, der Bereich III für die Entwicklung und der
Bereich IV für die Fixierung und danach.
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Thermoplastische Trägerstoffe, die sich für die Zwecke der Erfindung
eignen, lassen sich aus verschiedenen Stoffklassen wählen, und zwar unabhängig vom
chemischen Aufbau, da die erforderlichen Eigenschaften rein physikalischer Art sind.
In erster Linie muß der Trägerstoff unbeeinflußbar durch Wasser sein und die Eigenschaft
haben, daß ihm der licht empfindliche Stoff rein mechanisch, z. B. durch eine Kugelmühle
oder durch nicht wäßrige Lösungsmittel, einverleibt werden kann. Das Einverleiben
mit Hilfe von Lösungsmitteln kann erfindungsgemäß auf verschiedene Weise geschehen.
So kann man als lichtempfindlichen Stoff und Trägerstoff Materialien wählen, die
nicht nur die erforderlichen photographischen Eigenschaften haben, sondern auch
im selben Mittel lösbar sind. Man kann aber auch einen Trägerstoff und einen lichtempfindlichen
Stoff nehmen, die in verschiedenen Lösungsmitteln lösbar sind. Dann müssen die Lösungsmittel
sich aber miteinander vertragen. Mit anderen Worten kann also das gemeinsame Lösungsmittel
eine Mischung verschiedener Lösungsmittel sein, von denen das eine den Trägerstoff
und das andere den lichtempfindlichen Stoff zu lösen vermag. Der Trägerstoff muß
also entweder eine selbständige Schicht bilden können oder sich auf eine entsprechende
Unterlage aufbringen lassen. Ferner muß er eine Diffundierbarkeit und Durchlässigkeit
haben, welche die besten photographischen Eigenschaften ergibt, und die Steuerung
des Verfahrens durch Einstellung der Temperatur innerhalb leicht beherrschbarer
Grenzen ermöglichen, wobei diese Grenzen unterhalb der Temperatur liegen, bei welcher
sich der lichtempfindliche Stoff zersetzt. Auch muß der Trägerstoff während der
Entwicklung die bestmögliche Entspannung der Gasgebilde ermöglichen und schließlich
bei Zimmertemperatur wieder fest werden und dabei die erforderliche Durchlässigkeit
aufweisen.
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Es hat sich gezeigt, daß sich für die Zwecke der Erfindung als Trägerstoff
gewisse bekannte Stoffe verwenden lassen, z. B. Polystyrol, Polyvinylchlorid, Copolymere,
bestehend aus Vinylchlorid und Vinylacetat, und im Grenzfall Äthylzellulose.
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Thermoplaste ohne Beimischung, die sich für die Erfindung eignen,
stehen aber nicht sehr reichlich zur Verfügung. Gegen ihre Verwendung sprechen häufig
besondere Gründe, z. B. andere physikalische Eigenschaften als diejenigen, auf die
es für die Erfindung ankommt. Darum ist es vorzuziehen - darin liegt ein wesentliches
Merkmal der Erfindung -, den Trägerstoff, der sich an sich zur Erzielung bestmöglicher
Ergebnisse nicht eignet, durch ein zugesetztes Harz abzuwandeln. Derartige Zusätze
werden nachstehend als Modifikatoren bezeichnet.
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Manche Polyplaste sind zwar für zahlreiche Zwecke ausreichend, doch
führen sie nicht zu den besten Ergebnissen. Derartige Stoffe kann man nun durch
die Verwendung von Modifikatoren so verbessern, daß sie die besten Ergebnisse zeitigen.
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Dadurch ist die Möglichkeit gegeben, als Trägerstoff einen Thermoplast
zu verwenden, der zwar die gewünschte Temperaturabhängigkeit seiner Härte aufweist,
aber hinsichtlich seiner Diffundierbarkeit und Durchlässigkeit nicht recht befriedigt.
Man kann nämlich diesen Mangel durch Hinzufügen eines Modifikators Berichtigen,
der die Durchlässigkeit auf den gewünschten Wert bringt. Statt einen Modifikator
zur Einstellung der Diffundierbarkeit zu benutzen, ist es auch angängig, einen Trägerstoff
auszuwählen, der zwar die richtige Diffundierbarkeit aufweist, aber dessen Härte
ungeeignet, etwa zu niedrig ist. Diesen Mangel behebt man durch Hinzufügen eines
Modifikators, der die Härte berichtigt. Als drittes Beispiel sei die besonders wünschenswerte
Möglichkeit erwähnt - und darin liegt ein wichtiges Merkmal der Erfindung -, als
Trägerstoff einen Thermoplast auszuwählen, der günstige allgemeine physikalische
Kennzeichen hat, aber hinsichtlich der Härte als auch der Diffusionskonstante zu
wünschen übrigläßt. Die Härte und die Diffusionskonstante werden dann mit Hilfe
eines Modifikators berichtigt, der außer der Härte auch die Diffusionskonstante
und die Durchlässigkeit beeinfiußt. Man kann auch getrennte Modifikatoren für die
Beeinflussung der Härte und für die Beeinflussung der Diffusionskonstante verwenden.
Bei
dem nachstehend im einzelnen beschriebenen bevorzugten Ausführungsbeispiel gelangt
ein Trägerstoff zur Verwendung, dessen niedrige Diffundierbarkeit und geringe Härte
durch einen Modifikator erhöht werden. Bei diesem Modifikator handelt es sich also
gewissermaßen um einen negativ wirkenden Weichmacher oder, mit anderen Worten, um
einen Härter und Durchlässigmacher.
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Bei einem anderen, in gleicher Weise praktisch verwendbaren Ausführungsbeispiel
verwendet man einen Trägerstoff, der verhältnismäßig hart und zu durchlässig ist
und den man daher mit einem Modifikator vereinigt, der seine Durchlässigkeit herabsetzt.
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Stoffe,- die sich für die vorliegende Erfindung als Trägerstoffe eignen,
welche indessen Modifikatoren brauchen, sind: Polyvinylbutyral, Polyäthylen, Zelluloseacetat,
Polyisobutylen, Polyvinylchlorid, eine Wachs enthaltende Gummimischung, Gummihydrochlorid
und daraus bestehende gestreckte Folien, weiter Polyvinylidenchlorid und Äthylzellulose.
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Äthylzellulose läßt sich für die Zwecke der Erfindung verwenden, wenn
Belichtung und Entwicklung kurz hintereinander, also praktisch gleichzeitig stattfinden.
Anderenfalls würde nämlich wegen der hohen Diffusionskonstante dieses Stoffes das
Gas alsbald nach der Belichtung entweichen, so daß sich bei der Entwicklung keine
Bläschen mehr bilden könnten. Dieser Stoff hat die höchste zulässige Durchlässigkeit.
Diese ist so groß, daß sie gerade noch die Bildung von Bläschen vor dem Entweichen
des Gases gestattet. Können sich die Bläschen nicht sofort bei der Belichtung bilden,
so würde das Gas entweichen, bevor es Gelegenheit zur Bläschenbildung findet. Dieser
Stoff bildet also eine Grenznorm. Freilich läßt er sich für praktische Zwecke dadurch
erheblich verbessern, daß ein Modifikator zugefügt wird, der die Durchlässigkeit
verringert, denn dann kann man zwischen der Belichtung und der Entwicklung eine
gewisse, für die praktische Ausführung des Verfahrens ausreichende Zeit verstreichen
lassen.
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Die erfindungsgemäße Verwendung von Modifikatoren erweitert also erheblich
den Kreis der als Trägerstoff in Betracht kommenden Materialien, deren Auswahl in
Abhängigkeit von den für den jeweiligen Zweck gegebenen Erfordernissen erfolgt.
Der lichtempfindliche Stoff muß im Trägerstoff in einer so feinen Dispersion enthalten
sein, daß sich die erforderliche Auflösung des Bildes unter Beeinflussung durch
die Diffundierbarkeit und Härte des Trägerstoffes ergibt. Die Diffundierbarkeit
hängt dabei erheblich von der Verteilung des lichtempfindlichen Stoffes ab, und
diese Verteilung wiederum steht in Abhängigkeit davon, wie der lichtempfindliche
Stoff einverleibt wird. Weiter ist der Druck, unter dem das Gas bei der Belichtung
freigegeben wird, eine Funktion der Konzentration des lichtempfindlichen Stoffes
sowie eine Funktion seiner photolytischen, bei Bestrahlung entstehenden Wirksamkeit
und schließlich eine Funktion der Härte des Trägerstoffes, die von dem sich ausdehnenden
Gas überwunden werden muß. Mit Hilfe des Modifikatorprinzips lassen sich Stoffe
mit diesen Eigenschaften zusammenstellen.
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Es hat sich herausgestellt, daß als lichtempfindliche Stoffe Diazoverbindungen,
die bei Belichtung Stickstoff freisetzen, besonders geeignet sind. Doch kann man
auch andere Verbindungen verwenden, z. B. solche, die bei Belichtung Kohlenoxyd
entwickeln. Als stickstoffentwickelnder lichtempfindlicher Stoff hat sich p-DiazodimethylaniIin-Zinkchlorid
als besonders wertvoll erwiesen, doch kommen auch die folgenden Stoffe praktisch
in Frage: p-Diazodiphenylaminsulfat, p-Diazodiäthylanilin-Zinkehlorid, p-Diazoäthylhydroxyäthylanilin-Zinkchlorid,
p-Diazoäthylmethylanilin-Zinkchlorid, p-Diazodiäthylmethylanilin-Zinkchlorid, p-Diazoäthylhydroxyäthylanilin-Zinkchlorid,1-Diazo-2-oxynaphthalin-4-sulfonat,p-Diäthylaminobenzol-Diazoniumuhlorid
(ZnCIZ), 4-Benzoylamino-2,5-diäthoxybenzol-Diazoniumchlorid, p-Chlorobenzolsulfonat
von 4-Diazo-l-cyclohexylanilin, p-Chlorobenzolsulfonat von 4-Diazo-2-methoxy-l-cyclohexylaminobenzol,
Zinnchlorid-Doppelsalz mit 4-N -Methylcyclohexylaminobenzol-Diazoniumchlorid, p-Acetaminobenzol-Diazoniumchlorid,
4-Dimethylaminobenzol-Diazoniumchlorid, 3-Methyl-4-diäthylaminobenzol-Diazoniumchlorid,
4-Morpholinobenzol-Diazoniumchlorid, 4-Piperidyl-2,5-diäthoxybenzol-Diazoniumchlorid,
1.-Dimethylaminonaphthalen-4-Diazoniumchlorid, 4-Phenylaminodiazobenzol-Diazoniumchlorid.
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Die Unterlage soll aus irgendeinem geeigneten Stoff bestehen. Soll
die Belichtung durch die Unterlage hindurch erfolgen, so muß dieser Stoff durchsichtig
sein. Das gleiche gilt für den Fall, wenn die photographische Reproduktion ein Diapositiv
sein soll. Der Stoff muß die bei der Entwicklung verwendete Erhitzung aushalten
können und frei von Weichmachern sein, die womöglich in die Schicht des Trägermaterials
wandern könnten. Beispiele für die Stoffe, aus denen die Unterlage bestehen kann,
sind folgende: Glas, Athylzellulose und ein aus der Kondensation von Terephthalsäure
mit einem Glykol herrührendes Polymer. Zelluloseacetat enthält Weichmacher und ist
darum nicht ohne weiteres als Unterlage brauchbar, doch kann man auch diesen Stoff
verwenden, wenn man eine Isolierschicht zwischen der Unterlage und der Trägerschicht
einfügt.
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Als undurchsichtige Unterlagen, die im allgemeinen biegsam sind, kommen
Papier oder Kunststoffe in Frage. Sie können beliebig gefärbt sein. Eine schwarze
Unterlage hat sich für bestimmte Zwecke bewährt. Von dem schwarzen Hintergrund heben
sich nämlich die aus den Bläschen bestehenden Bildteile hell ab. Derselbe Abzug
auf einer durchsichtigen Unterlage ergibt einen Abzug für Diapositivzwecke. Die
aus den Bläschen bestehenden Bildteile erscheinen also hell oder dunkel, je nachdem,
ob die Unterlage lichtdurchlässig ist oder das Licht verschluckt.
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Durch Verwendung entsprechender Modifikatoren, die beim Zusammenstellen
der Stoffe zur Erzielung der besten photographischen Eigenschaften einen weiten
Spielraum eröffnen, ist die Wahl eines Trägermaterials möglich, das eine genügende
Festigkeit aufweist, um ohne Unterlage auszukommen.
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Athylzellulose eignet sich besonders als Unterlage. Eine Trägerschicht,
die keine Unterlage braucht, kann aus Polystyrol bestehen, das in Gestalt einer
Folie von 0,0012 bis 0,018 mm Stärke verwendet wird und einen geeigneten Modifikator
enthält.
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Ausführungsbeispiele Beispiel I Der Thermoplast ist ein Kunstharz,
dessen allgemeine Eigenschaften zwar günstig sind, der aber für Stickstoff nicht
durchlässig ist und daher nicht fixiert werden könnte, wenn er für sich allein zur
Verwendung
gelangen würde. Er wird daher mit einem Modifikator
versetzt. Als solcher gelangt ein anderes Kunstharz zur Verwendung, das sowohl die
Diffundierbarkeit als auch die Härte auf Grund der oben erläuterten Wirkung beeinflußt,
also als negativer Weichmacher und positiver Undurchlässigmacher wirkt. Die genaue
Zusammensetzung des lichtempfindlichen Schichtmaterials dieser Art ist folgende:
Thermoplast Gewichtsteile |
Mischpolymerisat aus Vinyliden- |
0 |
chlorid und Acrylnitril . . . . . . . . . . . 17,0 |
Modifikator |
Polymethylmetacrylat . ........ . . . 3,0 |
Gaserzeugender Stoff |
p-Diazodimethylanilin-Zinkchlorid 1,2 |
Lösungsmittel |
Methyläthylketon ............... 60,0 |
Methylalkohol . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12,0 |
Das Polymethylmethacrylat ist als eine 40o/oige Lösung in Methyläthylketon auf dem
Markt erhältlich. Das oben angegebene Gewicht stellt den errechneten Anteil des
Harzes allein dar.
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Der Methylalkohol wird auf etwa 50° C erwärmt, und dann wird der bei
Belichtung gaserzeugende Stoff hineingeführt. Diese Lösung wird dann mit 5 ccm Methyläthylketon
verdünnt und dann unter Rühren allmählich eine Lösung des Thermoplastes und des
Modifikators in dem Rest des Methyläthylketons zugesetzt, wobei diese Lösung gleichfalls
aus 50° C erwärmt wird.
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Diese Mischung kann man aus einen Äthylzellulosefilm der für photographische
Zwecke üblichen Art mit einer Schichtstärke von etwa 0,18 mm gießen, wobei man eine
übliche Rakel verwendet. Um zu verhindern, daß sich die Schicht beim anschließenden
Trocknen abschält, werden die Filme unmittelbar nach dem Gießen in eine mit Methyläthylketon
gesättigte Atmosphäre gebracht. Dann werden sie getrocknet, wobei das Lösungsmittel
verdampft, was etwa 30 Minuten bei etwa 95° C erfordert. Das Kopiermaterial ist
dann gebrauchsfertig. Man kann diese Mischung auch auf eine undurchsichtige Unterlage,
z. B. Papier, aufbringen. Bei einer besonders bewährten Ausführung wird der wie
oben zusammengesetzte Trägerstoff, der einen Modifikator und den lichtempfindlichen
Stoff enthält, als Schicht auf eine schwarze harte Papierfläche aufgebracht. Allerdings
wird dieses Papier zunächst mit einer Isolierschicht in einer Stärke von 0,006 mm
aus Äthylzellulose versehen. Dadurch wird verhindert, daß das Lösungsmittel aus
dem Papier den Farbstoff aufnimmt. Dann wird wiederum die Trägerlösung mit Hilfe
einer Rakel in einer Stärke von 0,013 bis 0,018 mm aufgebracht.
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Statt diese Mischung auf eine durchsichtige oder undurchsichtige,
mehr oder weniger durchlässige Unterlage aufzubringen, kann man sie als freie Folie
von einer Stärke von 0,08 bis 0,13 mm verwenden.
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Belichtung, Entwicklung und Fixierung entsprechen dem Beispiel gemäß
Fig. 1, werden jedoch mit Rücksicht auf die Unterlage in der folgenden Weise etwas
abgewandelt.
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Dieses Material, das als freie Folie oder als Schicht auf einer durchsichtigen,
insbesondere aus Zelluloid bestehenden Unterlage verwendet wird, wird im Kontaktverfahren
gemäß Fig. 1 mit dem Original etwa 8 Sekunden lang in einem Abstand von etwa 25
cm von einer genormten Quecksilberlampe belichtet. Diese Belichtung kann als Norm
für andere Kopierarten dienen.
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Die Entwicklung erfolgt z. B. dadurch, daß die Kopie etwa 7 Sekunden
lang zwischen zwei Stahlplatten gebracht wird, die auf etwa 88° C erwärmt sind.
Es genügt, wenn nur eine Platte elektrisch beheizt wird, wobei ihre Temperatur thermostatisch
geregelt wird.
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Gelangt das Material als freie Folie oder auf einer Zelluloseunterlage
zur Verwendung, so erübrigt sich in der Regel ein besonderes Fixieren. Wenn nach
der Entwicklung der Trägerstoff bei gewöhnlicher Temperatur erstarrt ist, dann bewirkt
eine beiläufige schwache Belichtung, daß der lichtempfindliche Stoff sich erschöpft
und das von ihm entwickelte Gas ohne Bläschenbildung, also ohne Störung des entwickelten
Bildes, ins Freie entweicht. Dieses günstige Verhalten ist der hohen Durchlässigkeit
der Zelluloseunterlage oder, im Falle der freien Folie, der noch günstigeren unmittelbaren
Berührung mit der Luft auf beiden Seiten zuzuschreiben.
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Bildet der Trägerstoff einen überzug auf einem undurchsichtigen Material,
wie z. B. Papier, so genügt eine Kontaktbelichtung von 5 Sekunden bei einem Abstand
von etwa 10 cm von einer genormten Quecksilberlampe. Die Entwicklung eines solchen
Kopierpapiers erfordert eine etwas kürzere Zeit und niedrigere Temperatur, nämlich
etwa 5 Sekunden bei 82° C. Das Kopiermaterial dieser Art als Überzug einer weniger
durchlässigen Unterlage erfordert indessen eine besondere Fixierbehandlung, um zu
verhindern, daß sich bei Belichtung durch eine ziemlich starke Strahlung, wie Sonnenlicht
oder das Licht der Lampe eines Betrachtungsgeräts, ein Schleier ergibt. Zu diesem
Zweck wird das Material nach dem Entwickeln und Abkühlen von neuem belichtet, z.
B. 25 Sekunden durch eine Quecksilberlampe, im Abstand von etwa 60 cm, je nach der
Stärke des Films. Der Stoff wird dann etwa 1 Stunde lang kühl aufbewahrt, so daß
das Gas ins Freie entweichen kann. Damit ist der Fixiervorgang beendet.
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Fig. 4 dient der Erläuterung des oben beschriebenen Fixiervorganges
und gibt für alle Verfahrensstufen, beginnend mit dem in Vorrat gehaltenen Kopiermaterial
bis zum fertigen Bild, wieder, wie sich die einzelnen physikalischen Zustände und
Eigenschaften ändern. Dabei ist auch der zusätzliche Fixiervorgang berücksichtigt.
Im Hinblick auf die obige Erläuterung der Fig. 1 und die Erläuterung der Eigenschaften
des Stoffes nach der Erfindung bedarf Fig. 4 keiner näheren Erörterung. Sie läßt
erkennen, in welchem Zusammenhang die Temperatur, die Härte bzw. Plastizität, die
Diffundierbarkeit (Geschwindigkeitsfaktor Kd) und Durchlässigkeit (Fließfaktor
Kp)
während der verschiedenen Verfahrensstufen stehen. Die Temperatur- und
Zeitangaben beziehen sich auf den Fall des Beispiels I, doch versteht es sich, daß
sie sich in Abhängigkeit von dem gewählten Material und den Arbeitsbedingungen erheblich
ändern können, wie das bei diesem Arbeitsgebiet erfahrungsgemäß der Fall ist.
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Beispiel 1I In der oben angegebenen Formel des Beispiels I wird das
p-Diazodimethylanilin-Zinkchlorid durch 1,2 Gewichtsteile von einer methanollöslichen
Diazoverbindung ersetzt, die als lichtempfindlicher Stoff
bekannt
ist. Da sich dieser Stoff in Alkohol leichter löst, kann der Methylalkohol in der
Formel des Beispiels I auf 6 Gewichtsteile verringert werden.
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Die Herstellung der Mischung und deren Behandlung erfolgen etwa ebenso,
wie mit Bezug auf Beispiel I beschrieben.
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Beispiel III Bei diesem Beispiel wird ein anderer Thermoplast mit
einem geeigneten Modifikator in der folgenden Weise versetzt:
Thermoplast Gewichtsteile |
Polystyrol ......... ........... 75;0 |
Modifikator |
Chloriertes Polyphenyl ......... 25,0 |
Lichtempfindlicher Stoff |
Wie im Beispiel I . . . . . . . . . . . . . . 10,0 |
Lösungsmittel |
Methyläthylketon .............. 400,0 |
Methylalkohol . . . . . . . . . . . . . . . . . 80,0 |
Das erwähnte Polystyrol ist ziemlich hart und an sich zu stark durchlässig. Darum
wird seine Durchlässigkeit durch den Modifikator verringert, der von dem chlorierten
Polyphenyl gebildet wird.
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Diese Masse wird in. der gleichen Weise zusammengemischt und verwendet,
wie dies mit Bezug auf Beispiel I erläutert worden ist.
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Beispiel IV Hierbei gelangt ein Thermoplast zur Verwendung, der keines
Modifikators bedarf. Es wird wie folgt zusammengemischt:
Thermoplast Gewichtsteile |
Mischpolymerisat aus Vinylchlorid |
und aus Vinylacetat . . . . . .. . . . . . 100,0 |
Lichtempfindlicher Stoff |
Wie im Beispiel I . .. . . . . . . . . . . . 10,0 |
Lösungsmittel |
Methyläthylketon .............. 300,0 |
Der Thermoplast wird in dem Methyläthylketon gelöst, und der lichtempfindliche Stoff
wird in kristallinischer Form zugesetzt. Dann wird die Mischung für etwa 18 Stunden
in der Kugelmühle gemahlen. Darauf wird die Mischung weiterverarbeitet, wie mit
Bezug auf die Beispiele I bis HI erläutert.
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Die Verwendung des so hergestellten Kopiermaterials erfolgt ähnlich
wie nach Beispiel I. Natürlich können bei den verschiedenen Kopiermaterialien kleine
Abänderungen der Behandlung nötig werden. Wie bei allen photographischen Verfahren
läßt es sich nicht vermeiden, daß man in dieser Hinsicht in einem gewissen Maße
auf Versuche angewiesen ist.