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Verfahren zur Herstellung von flüssigen oder festen Düngemitteln Die
Aufbereitung organischer Ausgangsstoffe, wie z. B. von Knochen, durch Vergären derselben
mit Hefe nach einer Behandlung mit einer anorganischen oder mit einer organischen
Säure, und zwar vorzugsweise mit Essigsäure, ist bereits bekanntgeworden. Ebenso
ist die spezifisch wachstumsfördernde, auf ihrem hohen Gehalt an Biokatalysatoren
beruhende Wirkung der Placenta schon bekannt und auch schon auf vielfältige Weise
praktisch genutzt worden. So wird Placenta als Zusatz zu Nährböden für Bakterienkulturen
verwendet, um das vegetative und das generative Wachstum derselben zu fördern. Auch
in der Landwirtschaft hat man von der wachstumsfördernden Wirkung der Placenta bereits
Gebrauch gemacht, und zwar dadurch, daß man sie unmittelbar als Düngemittel oder
als Zusatz zu Düngemitteln verwendet hat.
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Gegenstand der Erfindung ist nun die Herstellung von Düngemitteln
aus Placenta oder aus Placenta-Rückständen der pharmazeutischen und der kosmetischen
Industrie.
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Die bisher üblich gewesene Verwendung von unaufbereiteter Placenta
zu Düngezwecken ist nicht frei von erheblichen Nachteilen. Zum ersten ist ihre Verrottung
mit einer starken Geruchsbelästigung in der Umgebung des Verrottungsplatzes verbunden.
Zum zweiten tritt beim Verrotten der Placenta häufig ein Befall derselben mit Pilzen
oder auch mit Schädlingen anderer Art auf. Ein weiterer sehr erheblicher Nachteil
ist, daß die Kompostierung der nicht aufbereiteten Placenta verhältnismäßig sehr
lange Zeit - bis zu 3 Jahren etwa - dauert, während welcher wertvolle Wirkstoffe
verlorengehen. Hinzu kommt, daß die Wirkstoffe während dieser Zeit durch weitreichende
Strukturveränderungen funktionell ungünstig beeinflußt werden.
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Es wurde gefunden, daß alle diese Nachteile durch eine zweckentsprechende
Aufbereitung der Placenta oder der in der pharmazeutischen sowie in der kosmetischen
Industrie anfallenden Placenta-Rückstände vermieden werden.
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Die für die Aufzucht und für die dauernde Pflege von Zier- und Nutzpflanzen
geeigneten flüssigen oder festen Düngemittel können z. B. dadurch gewonnen werden,
daß unverarbeitete Placenta oder die in der pharmazeutischen und in der kosmetischen
Industrie anfallenden Placenta-Rückstände nach Zusatz geringer Mengen von Hefe und
Früchten der Eberesche (Sorbus aucuparia) fein vermahlen werden, das Mahlgut dann
mit Wasser vermischt, die so erhaltene Aufschwemmung darauf unter Luftabschluß längere
Zeit hindurch einer Vergärung in Gärbottichen unterworfen, die trübe Gärflüssigkeit
schließlich filtriert, zentrifugiert und gegebenenfalls mit Torfmull, Gartenerde,
Trägerstoffen oder Makronährstoffen zu trockenen Pulvern vermischt oder zu Preßlingen
geformt wird.
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Dabei wird mit besonderem Vorteil so verfahren, daß die Placenta und
die Placenta-Rückstände mit etwa 1% Hefe und etwa 10 % Früchten der Eberesche (Sorbus
aucuparia) fein vermahlen werden, das dabei gewonnene Mahlgut mit etwa 30% Wasser
versetzt und diese Aufschwemmung dann - unter Luftabschluß - längere Zeit hindurch
in Gärbottichen sich selbst überlassen wird. Die Herstellung des Mahlgutes erfolgt
dabei vorzugsweise mittels einer Kolloidmühle.
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Mit besonderem Vorteil wird das aufgeschwemmte Mahlgut bei Temperaturen
von etwa 15 bis 20° C einer nur vier bis sechs Wochen dauernden Vergärung unterworfen.
Diese außerordentlich schnelle Aufbereitung der Placenta oder der Placenta-Rückstände
erfolgt durch die Wirkung der die schnelle Vergärung ihrer Kohlenhydrate bewirkenden
Hefe. Die in den Früchten der Eberesche (Sorbus aucuparia) enthaltene Sorbinsäure
andererseits blockiert durch ihre baktericide und fungistatische Wirkung die dehydrierenden
Enzymsysteme und verhindert so jede ungünstige Veränderung ihrer Struktur. Durch
die auf die Vermahlung unter Luftabschluß erfolgende weitere Verarbeitung der Placenta
oder der Placenta-Rückstände in Gärbottichen andererseits wird der Verlust an Wirkstoffen
auf das geringstmögliche Maß eingeschränkt.
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Die nach vollständiger Vergärung der Placenta oder der Placenta-Rückstände
anfallende trübe Flüssigkeit wird nach der Erfindung zuerst durch
Grobfiltration
von allen Rückständen befreit, sodann zentrifugiert und, falls erforderlich, noch
zusätzlich geklärt. Der auf solche Weise erhaltene Extrakt kann sowohl unmittelbar
als auch nach Vermischung mit Torfmull oder mit Gartenerde als Düngemittel benutzt
werden. An Zusätze geeigneter Art, wie z. B. an Harnstoffe oder Phosphate, an Kali-
oder Calciumsalze in Mischung mit Kieselgur oder Bolus alba, gebunden, kann der
Extrakt auch in Pulverform gebracht oder zu bequem verwendbaren Preßlingen verarbeitet
werden.
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Besonders erläutert wird das Verfahren nach der Erfindung in den nachstehenden
Beispielen: Beispiel 1.
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10 kg unverarbeitete Placenta oder 20 kg Placenta-Rückstände, wie
sie in der pharmazeutischen und kosmetischen Industrie anfallen, werden zusammen
mit 1 kg Früchten der Eberesche (Sorbus aucuparia) in einer Kolloidmühle oder auch
in anderen geeigneten Feinmühlen zu einem gleichmäßigen Brei vermahlen. Dieser Brei
wird mit 0,1 kg in 3 1 Wasser aufgeschwemmter Bierhefe versetzt. Die so erhaltene
Mischung wird bei einer Temperatur von etwa 20° C in mit Gärröhrchen versehenen
Gärbottichen unter Luftabschluß mehrere Wochen vergoren. Die dabei anfallende Gärflüssigkeit
wird dann abgehebert.
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Der dabei verbliebene Rückstand wird zwecks weiterer Verwendung an
der Luft oder bei niederer Temperatur (etwa bei 20 bis 40° C) getrocknet und kann
dann bei der weiteren Herstellung der Düngemittel als Füllmasse dienen.
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Die vom Bodensatz abgeheberte trübe Gärflüssigkeit wird entweder unmittelbar
weiterverarbeitet oder nach vorherigem Filtrieren und Zentrifugieren bei der Anzucht
und Pflege von Nutz- und Zierpflanzen als Zusatz zum Gießwasser verwendet, indem
man 10 ccm des klaren Filtrats mit 10 1 Gießwasser verrührt.
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Die so erhaltene Mischung wird in die Saatrillen gegossen. Die auflaufende
Saat wird dann, neben der sonst erforderlichen Bewässerung und Pflege, wöchentlich
einmal mit der Gießwassermischung behandelt. Auf die gleiche Weise werden Zierpflanzen
wöchentlich einmal versorgt.
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Beispiel 2.
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1 kg der trüben Gärflüssigkeit wird mit 10 kg trockenem, pulverigem
Torfmull gemischt und das Gemisch dann an der Luft oder bei einer 40° C nicht übersteigenden
Temperatur getrocknet. Durch mehrmals wiederholtes Mischen des Torfmulls mit der
trüben Gärflüssigkeit läßt sich dessen Mischungsanteil bis auf 30% steigern. Dadurch
werden erhebliche Material- und Transportkosten erspart. An Stelle von 10 kg trockenem
Torfmull können auch 9 kg trockener Torfmull und 1 kg des nach der Vergärung verbleibenden
Rückstandes verwendet werden. Beispiel 3.
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1 kg imprägnierter Torfmull oder aber 0,3 kg des auf einen Gehalt
von 30 % Gärflüssigkeit angereicherten Torfmull-Konzentrats werden mit 9 kg bzw.
9,7 kg einfachem krümeligen Torfmull vermischt. Statt Torfmull können auch Kompost,
Gartenerde oder Makronährstoffe, Superphosphat, Harnstoff sowie Hamstoffnitrat und
Düngekalk verwendet werden. Diese Mischungen finden Anwendung zum Einstreuen in
die Saatrillen oder zur Kopfdüngung für die Aufzucht und Pflege von Nutz- und Zierpflanzen
zur Steigerung des Wachstums und der Blüten- und Fruchtbildung.
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Die Mischungen von einfachem mit angereichertem Torfmull fördern durch
ihre Porösität die Durchlüftung des Bodens und liefern mit den Placenta-Inhaltsstoffen
den Bodenbakterien das Substrat für die Bodengare. Sie reichern Makro- und anorganische
Düngemittel mit Mikronährstoffen an und versorgen die Pflanzen mit Hormonen, Spurenelementen
und anderen physiologisch wichtigen Biokatalysatoren in resorptionsfähiger Form
und in funktionellem Zustand. Durch die fungistatische und baktericide Wirkung der
Sorbinsäure werden dehydrierende Enzymsysteme blockiert und der optimale PH-Wert
des Bodens stabilisiert.
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Beispiel 4.
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Die abgeheberte, filtrierte und zentrifugierte Gärflüssigkeit wird
mit Harnstoff oder Harnstoffnitrat im Verhältnis 1 : 10 gut gemischt und das Gemisch
bei niederer Temperatur getrocknet. Das fast trockene Produkt wird zur Granulierung
durch ein Sieb gegeben, vollständig getrocknet und dann in bekannter Weise zu Preßlingen
in Tabletten- oder Stäbchenform verarbeitet.
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Beispiel 5.
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10 Raumteile der abgeheberten, filtrierten und zentrifugierten Gärflüssigkeit
werden mit 40 Teilen Harnstoff oder Harnstoffnitrat und 10 Teilen des nach der Vergärung
verbliebenen und getrockneten Bodensatzes vermischt und wie vorstehend weiterverarbeitet.
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Beispiel 6.
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10 kg Placenta oder 20 kg Placenta-Rückstände, wie sie in der pharmazeutischen
oder kosmetischen Industrie anfallen, werden mit 0,1 kg Bierhefe, die in 1 1 Wasser
aufgeschwemmt wurde, zusammen mit 1 kg Früchten der Eberesche (Sorbus aucuparia)
in einer Kolloid- oder einer anderen geeigneten Feinmühle zu einem Brei vermahlen.
Die Mischung wird mit etwa 3 bis 4 1 Wasser versetzt und vergoren. Die Weiterverarbeitung
erfolgt dann wie bereits beschrieben.