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Verfahren zur Herstellung gärtnerischer Erden Gärtnerische Erden werden
im Topfpflanzen- und Treibgemüsebau, also in erster Linie bei der Anzucht von Pflanzen,
unter Glas verwendet. Diese Erden stellen von jeher reine Kunstprodukte dar" zu
deren Bereitung natürliche Böden in der Regel nicht verwendet werden. Vielmehr werden
diese Erden aus einem Gemisch verschiedener, stark verrotteter, meist bakterienreicher
Humus-erden gebildet, denen gewöhnlich noch grober Sand zugesetzt wird. Für eine
solche Erdmischung ist die nachstehende Zusammenstellung ein typisches Beispiel:
Ein Drittel Misterde, ein Drittel Lauberde, ein Viertel Heideerde (sandige Humuserde),
Rest: grober Sand.
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Die Bereitung von Misterde und Lauberde ist umständlich und teuer.
Die Verrottung der Ausgangsstoffe dauert 4 bis 6 Jahre.. Die Sammlung hinreichender
Mengen von Laub ist schwierig und in vielen Gegenden unmöglich. Bei der Kompostierung
von Mist gehen ferner große Massen von Humus und erhebliche Mengen von Nährstoffen
verloren. Zudem ist es dem Gärtner heute nicht mehr möglich, genügende Mistnyengen
zu beziehen. Misterde beherbergt zahlreiche Krankheiten und Schädlinge, die den
Erfolg der Kulturen oft in Frage stellen.
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Um- diese Nachteile zu vermeiden, hat man bereits eine Ersatzmischung
vorgeschlagen, die nur aus Torfmull, humusreicher, belebter Gartenerde und Mineraldünger
besteht. Diese Mischung muB mehrere Wochen unter wiederholtem Umschaufeln kompostiert
werden, ehe sie verwendbar ist. Hierbei sind wiederum Nährstoffverluste durch Auswaschen
und Denitrifizieren nicht zu vermeiden.
Die so erhaltene Mischung
kann auch nicht in stets gleichbleibender Güte hergestellt werden, da die als Ausgangsstoff
verwendete Gartenerde einmal aus leichtem Sand, ein andermal aus schwerem Lehmboden
gewonnen wird. Dementsprechend sind die Kulturerfolge bei empfindlichen Pflanzen,
insbesondere Topfpflanzen, wechselnd oder ungenügend.
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Es wurde nun überraschenderweise gefunden, daß eine zur Herstellung
von Saat-, Pikier- und Topferden sowie zur Gewinnung von Erdpreßtöpfen geeignete
Mischung aus Erden, Torfmull und mineralischen Düngemitteln dadurch gewonnen werden
kann, daß vorzugsweise dem Untergrund entnommener, praktisch humus- und bakterienfreier
tonhaltiger Lehm oder Ton zerkleinert und mit gut aufgelockertem Torf, vorzugsweise
in einem Verhältnis von etwa i : i, innig vermischt wird, worauf das Gemisch auf
Sieben von etwa q bis 2o mm, vorzugsweise 8 mm Maschenweite abgesiebt und mit Pflanzennährsalzgaben
von etwa 6 kg je cbm homogen vermischt wird. An Stelle von Ton oder Lehm kann dem
Torf auch ein künstliches Ton-Sand-Gemisch beigemischt werden.
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Die Nährsalze werden dem Torf-Ton-Gemisch vorzugsweise in fester Form
beigegeben. Sie können dem Gemisch aber auch in Lösung oder wässeriger Aufschlämmung
beigefügt werden. Ebenso können natürliche, feste oder flüssige Dünger oder gasförmige
Düngestoffe Verwendung finden. Neben den Nährsalzen könnender Mischung auch Spurenelemente
und/oder Wuchsstoffe zugegeben werden.
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Es ist zwar bereits vorgeschlagen, Torf oder auch Ton-Torf-Gemische
mit Pflanzennährstoffen zu beladen und den Böden als Auflockerungs- und Bodenverbesserungsmittel
zuzusetzen. Die so gewonnenem, in ihrer Beschaffenheit sehr ungleichmäßigen und
wechselnden Produkte sind aber nicht als gärtnerische Erden verwendbar, da sie in
ganz anderen Mengenverhältnissen zusammengesetzt sind. Infolge übermäßigen Salzgehaltes
würden sie, als Kulturerde benutzt, den sofortigen Tod der Pflanzen verursachen.
Im Gegensatz zu diesen älteren Vorschlägen zur Verbesserung vorhandener Böden betrifft
die Erfindung die Herstellung und die Verwendung gärtnerischer Erden, die unmittelbar
zum Pflanzen und Topfen benutzt werden sollen und die aus einzelnen, genau definierten
Bestandteilen und streng festgelegten passenden Mischungsverhältnissen bestehen.
Dabei finden ausschließlich solche Rohstoffe Verwendung, die in der Natur in ausreichender
Menge zur Verfügung stehen oder die von der Industrie in gleichbleibender Zusammensetzung
geliefert werden körnen.
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Der wichtigste Bestandteil der neuen gärtnerischen Erden ist der Ton.
Er wird vorzugsweise dem Untergrund entnommen, so daß er praktisch humus-, bakterien-
und unkrautsamenfrei ,ist. Schwerer Ton weist eine gute Krümelfestigkeit auf, so
daß die Durchlüftung der Erden für die ganze Kulturdauer gewährleistet ist. Ton
hat im besonderen Maße die `Fähigkeit, die Nährsalze zu binden, so daß sie einerseits
vor Auswaschung geschützt sind, andererseits keine wurzelschädigende Konzentration
entstehen kann.
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Der Torfzusatz soll diese Eigenschaften des Tons verstärken. Er verhindert
das Verkleben der Tonteilchen, fördert also die Durchlüftung. Gleichzeitig beteiligt
er sich an der Nährstoff- und Wasserfesthaltung und an der Pufferung des Substrates.
Da er sehr schwer zersetzbar ist, kann er keinen Anlaß zur Faulung der Erden bei
fehlerhafter Kulturführung geben. Es kann sowohl Hochmoorweißtorf wie auch Hochmoorschwarztorf
verwendet werden. Ebenso ist bei entsprechender Aufbereitung Niederungsmoortorf
brauchbar. Besonders vorteilhaft ist die starke sauere Reaktion des Torfes, die
bakterienhemmend wirkt.
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Die Zusätze an -Nährsalzen werden je nach Art und Alter der Kultur
in der Menge verschieden gewählt. Die chemische Zusammensetzung ist jedoch in allen
Fällen die gleiche. Es werden alle Salze vermieden, die im Boden löslich bleiben
und dementsprechend Salzschäden hervorrufen können, wie Chloride und Nitrate. Bevorzugt
werden Sulfate und Ammoniaksalze. Vorwiegend kommt folgende Mischung zur Anwendung:
2 Teile schwefelsaures Ammoniak, 2,5 Teile Superphosphat, 1,2 Teile schwefelsaures
Kali. Kalk wird der Mischung nicht zugesetzt, einerseits, weil die im Ton stets
enthaltenen geringen Kalkmengen zur Ernährung ausreichen, andererseits, weil die
Einhaltung einer sauren Reaktion der nachhaltigen Unterdrückung des unerwünschten
Bakterienlebens dienlich ist.
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Zur Herstellung der neuen gärtnerischen Erden werden die Ausgangsstoffe
maschinell oder von Hand zerkleinert, auf eine bestimmte Korngröße abgesiebt und
innig miteinander vermischt. Dann ist die Erde sofort zur Verwendung fertig. Eine
Kompostierung oder längere Lagerung ist nicht erforderlich.
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Eingehende Versuche an Topfblumen und Treibgemüsen zeigten, daß die
erfindungsgemäß hergestellten Erdenden bisher üblichen nicht nur gleichwertig sind,
sondern sie in den meisten Fällen in der Wirkung übertreffen. Es wurde gefunden,
daß die Bakterienfreiheit ein besonderer Vorzug der neuen Erde ist. Die Tätigkeit
der nützlichen Kleinlebewesen ist in dieser Erde nicht erforderlich, da Krümelung
und Ernährung künstlich aufs Beste eingestellt sind. Die Unterdrückung der ungünstigen
nämlich fäulniserregenden Bakterien, die für das Mißraten von Topfpflanzen besonders
verantwortlich sind, wird bei Verwendung dieser Erdmischung mit Sicherheit vermieden.
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Die Freiheit von Bakterienwachstum und die universelle Verwendbarkeit
der Erde wird noch dadurch gehoben, daß der verwendete Lehm oder Ton praktisch frei
von kohlensaurem Kalk ist. Sein pH-Wert liegt zwischen PH 5 und 6. Dadurch setzt
sich der Einfluß des sauren Hochmoortorfes in dem Gemisch besonders stark durch,
und es wird eine Reaktion der Gesamtmischung erreicht, die bei einem PH-Wert von
etwa 5 liegt. Bei der hervorragenden
Pufferung wachsen alle Kulturpflanzen
hervorragend, während das Bakterienleben stark gehemmt ist.
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Der Stickstoff wird dem Gemisch vorzugsweise in Ammoniakform zugesetzt.
Infolge der sauren Reaktion ist die bakterielle Umwandlung in Salpeter nicht möglich.
Dies hat den Vorzug, daß das Gemisch in der Lagerung haltbar ist, da \ itrifikation
und Denitrifikation ausgeschlossen sind. Für das Pflanzenwachstum ist Ammoniak als
Stickstoffquelle für die meisten gärtnerischen Pflanzen unter Glas besser geeignet
als Salpeter.
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Die besonderen Vorteile der neuen gärtnerischen Erde im Vergleich
zu den bisher bekannten Erden liegen in folgendem: a) Die Ausgangsstoffe sind leicht
und billig zu beschaffen; b) die Erden sind Jahr für Jahr in gleichbleibender Zusammensetzung
und Beschaffenheit herzustellen; c) sie sind ohne Lagerung sofort zu benutzen; d)
sie verändern bei sachgemäßer Lagerung ihre Zusammensetzung nicht.
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Für den Kulturerfolg sind weiterhin folgende Eigenschaften von besonderem
Wert: e) Die Erdren besitzen optimale Krümelstruktur, die sich auch bei lange andauernder
Kultur nicht ändert; f) sie enthalten die ' Pflanzennährstoffe in einer Menge und
Bindung, die optimale Ernährung der Pflanzen während der ganzen Wachstumszeit gewährleisten,
ohne Salzschäden hervorzurufen; g) sie verfügen über ein ausgezeichnetes Wasserhaltungsvermögen,
das das Gießen erleichtert; h) sie sind nicht faulungsfähig, wodurch Kulturfehler,
insbesondere zu starkes Gießen, ohne nachteilige Auswirkung sind; i) sie sind, völlig
frei von Krankheitskeimen, tierischen Schädlingen und Unkrautsamen.
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Diese Vorteile, die mit den neuen gärtnerischen Erden leicht regelmäßig
und sicher zu erzielen sind, fehlenden üblichen gärtnerischen Erden ganz oder teilweise.
Diese stellen daher an das Können des Gärtners größere Anforderungen, ohne daß ein
besserer oder auch nur gleicher Erfolg wie mit den erfindungsgemäß hergestellten
Erden erzielt werden könnte. Ein besonderer Vorteil liegt daher auch noch darin,
daß nun die Kulturen von geringerwertigen, billigeren Arbeitskräften gepflegt werden
können. Weiterhin ist für die Wirtschaftlichkeit von Bedeutung, daß die Kulturen
schneller wachsen, wodurch einerseits an Brennmaterial und Arbeit gespart wird,
andererseits die Kulturräume besser ausgenutzt werden können.
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Weitere Zusätze zu den Erden sind erfaihrungsgemäß nicht nötig, doch
können bei Bedarf Spurenelemente und Wuchsstoffe zugesetzt werden, insbesondere
bei der Verwendung der Erden im Vermehrungsbeet. Ferner eignen sich die Erden vorzüglich
zur Herstellung sogenannter Erdpreßtöpfe.
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Beispiel i Zur Herstellung von Topferden und Treiberden werden 5oo
1 Ton, 250 1 Weißtorf, 25o 1 Schwarztorf zerkleinert, vermischt und auf io
mm Größe abgesiebt. Das Gemisch wird mit 6 kg Düngermischung versetzt. Beispiel
e Zur Herstellung von Pikiererden wird eine Mischung wie unter Beispiel i hergestellt
mit der Änderung, daß nür 3 kg Düngermischung zugesetzt werden. Diese Mischung isst
auch als Saaterde benutzbar.
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Beispiel 3 Zur Herstellung von Erde für Preßtöpfe werden 666 1 Ton,
333 1 Sehwa-rztorf vermischt und 3 kg Düng,ermaisehung zugesetzt.
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.Beispiel 4 Zur Herstellung von Saaterden werden 300 1 Ton mit 2001
Feinsand, 500 1 Schwarztorf und 3 kg Düngermischung vermischt und auf 4 mm Korngröße
abgesiebt.