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Verfahren zur Herstellung von Alkyläthern sekundärer Steroidalkohole
der Androstan-, Oestran- und Pregnanreihe Im Patent 1 062 698 ist die Herstellung
von Alkyläthern tertiärer Steroidalkohole, die am gleichen Kohlenstofatom, welches
Sitz der tertiären Hydroxylgruppe ist, eine Äthinylgruppe tragen, insbesondere durch
Umsetzung mit Natrium in flüssigem Ammoniak und Alkylhalogeniden beschrieben. Gleichzeitig
im Molekül vorhandene sekundäre Hydroxylgruppen werden unter den in dem genannten
Patent 1062 698 eingehaltenen Bedingungen nicht oder in nur ganz geringem
Umfang veräthert.
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Überraschenderweise hat sich nun gezeigt, daß das obenerwähnte Verfahren
auch auf die Alkylierung sekundärer Hydroxylgruppen von Steroidalkoholen anwendbar
ist. Man verwendet dabei einen Überschuß an Alkalimetall, insbesondere Natrium,
und den zur Alkylierung verwendeten Alkylhalogeniden. Ebenso kann es vorteilhaft
sein, die Reaktionszeiten gegenüber denjenigen des Hauptpatentes zu verlängern.
Das Verfahren ist sowohl auf Verbindungen der Androstan- wie auch auf solche der
Östran- und Pregnanreihe anwendbar. Gleichzeitig im Kern vorhandene tertiäre Hydroxylgruppen
werden hierbei erwartungsgemäß gleichfalls alkyliert.
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Wie bereits im Patent 1062 698 ausgeführt, ist es auch hier
vorteilhaft, im Molekül des Ausgangsstoffes vorhandene reaktionsfähige Gruppen,
insbesondere Ketogruppen, in bekannter Weise durch intermediäre Überführung in reaktionsträgere
funktionelle Derivate, wie Ester, Semicarbazone od. dgl., gegen unerwünschte Einwirkung
des Alkylierungsmittels zu schützen oder erst nach der Alkylierung durch anschließende
Umwandlung anderer, bekanntermaßen leicht in die letztlich gewünschte Gruppierung
abwandelbarer Gruppen in das Steroidmolekül einzuführen.
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Es ist zwar bereits bekannt, eine sekundäre Hydroxylgruppe in 17-Stellung
von Steroidalkoholen zu methylieren, indem man diese Verbindungen mit Diazomethan
behandelt. Das Arbeiten mit diesem Reaktionsmittel bringt jedoch infolge der Giftigkeit
dieser Verbindung mancherlei Unbequemlichkeit und ist im technischen Maßstabe kaum
durchzuführen.
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Beispiel 1 In etwa 40 ccm flüssiges Ammoniak werden nach Zugabe einer
Spur Ferrisalz unter Kühlung mit Methylenchlorid-Trockeneis 0,23 g (10 mMol) Natrium
eingetragen. Nach Verschwinden der Blaufärbung wird eine Lösung von 1,14g (4 mMol)
Östradiol-3-monomethyläther in 80 ccm absolutem Äther zugetropft und noch 2 Stunden
durchgerührt. Nach Stehen über Nacht im Kältebad werden 0,93 ccm Methyljodid in
10 ccm Äther zugetropft, und es wird 3 Stunden weiter gerührt. Hierauf wird auf
Eis gegossen, dann mit Essigsäure angesäuert und ausgeäthert. Die Ätherlösung wird
gewaschen und über Natriumsulfat getrocknet. Nach Auskochen des Ätherrückstandes
mit Methanol werden 1,10 g Östradiol-3,17-dimethyläther vom F. 160 bis 162°C erhalten.
Beispiel 2 In etwa 75 ccm flüssiges Ammoniak werden nach Zugabe einer Spur Ferrisalz
bei -80 bis -60°C 0,57 g Natrium eingetragen. Nach Verschwinden der blauen Farbe
wird eine Lösung von 2,88 g 3-Methoxy-42,5(Io)-östradien-17ß-ol in 50 ccm Tetrahydrofuran
zugetropft und über Nacht durchgerührt. Dann werden 1,9 ccm Methyljodid in 10 ccm
Tetrahydrofuran zugetropft, und es wird noch 6 Stunden weiter gerührt. Hierauf wird
auf Eis gegossen und mit Essigsäure angesäuert, das ausgeschiedene Produkt abfiltriert
und gewaschen. Der erhaltene rohe 3,17-Dimethyläther wird ohne Reinigung mit 150
ccm Methanol, 12 ccm Wasser und 2,9 ccm konzentrierter Salzsäure 20 Minuten zum
Sieden erhitzt. Nach Abkühlung wird in Eiswasser eingerührt und ausgeäthert. Die
gewaschene und getrocknete Ätherlösung wird eingedampft. Aus dem erhaltenen öligen
Rückstand erhält man nach Chromatographie an Kieselsäuregel etwa 53 % der
Theorie 19-Nor-testosteron-methyläther, der nach weiterer Reinigung durch Umkristallisieren
aus Hexan bei 108 bis 109'C schmilzt.
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An Stelle von Tetrahydrofuran kann auch Diäthyläther als Lösungsmittel
verwendet werden.
An Stelle der oben angegebenen Aufarbeitung kann
auch wie folgt verfahren werden: Das nach Aufgießen auf Eis und Ansäuern mit Essigsäure
ausgeschiedene Reaktionsprodukt wird in Äther aufgenommen, die Ätherlösung mit Wasser
gewaschen, getrocknet und nach Zusatz von ätherischer Salzsäure über Nacht bei Raumtemperatur
stehengelassen. Hierauf wird die Ätherlösung mit Wasser gewaschen, über Natriumsulfat
getrocknet und eingedampft. Der Rückstand wird wie oben chromatographiert und liefert
gleichfalls 19-Nor-testosteron-methyläther vom gleichen Schmelzpunkt wie oben.
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Beispiel 3 In 300 ccm flüssiges Ammoniak werden unter Kühlung mit
Methylenchlorid-Trockeneis 1,15 g (= 50 mMol) Natrium nach Zugabe einer Spur Ferrisalz
zugegeben. Nach Verschwinden der Blaufärbung werden 3,15 g (= 10 mMol) 17a-Äthinyld
S-androsten-3ß,17ß-diol in 50 ccm Tetrahydrofuran zugetropft. Nach Istündigem Durchrühren
werden 3,12 ccm Methyljodid in 10 ccm Tetrahydrofuran zugegeben, und es wird noch
3 Stunden weiter gerührt. Hierauf wird auf Eis gegossen, mit Essigsäure angesäuert
und das ausgeschiedene Reaktionsprodukt abfiltriert und neutral gewaschen. Man erhält
ein Rohprodukt, das etwa 80 °/o der für 17oc-Äthinyl-3ß,17ß-dimethoxy-d5-androsten
berechnete Methoxylmenge enthält. Nach Umkristallisieren aus Methanol schmilzt der
reine Dimethyläther bei 154 bis 155°C. Beispiel 4 In etwa 75 ccm flüssiges Ammoniak
werden bei -80 bis -60°C nach Zugabe einer Spur Ferrisalz 0,57g Natrium eingetragen.
Nach Verschwinden der Blaufärbung wird eine Lösung von 2,88 g 3-Methoxyd2,5(1o)-östradien-I7ß-ol
in 50 ccm Tetrahydrofuran zugetropft und über Nacht durchgerührt. Dann werden 2,4
ccm Äthyljodid in 10 ccm Tetrahydrofuran zugetropft, und es wird noch 6 Stunden
weiter gerührt. Hierauf wird auf Eis gegossen, mit Essigsäure angesäuert und ausgeäthert.
Die Ätherlösung wird gewaschen, über Natriumsulfat getrocknet und eingedampft. Das
erhaltene Rohprodukt wird ohne Reinigung mit 150 ccm Methanol, 12 ccm Wasser und
2,9 ccm konzentrierter Salzsäure 20 Minuten unter Rückfluß erhitzt. Das auf Raumtemperatur
abgekühlte Reaktionsgut wird in Eiswasser eingerührt und ausgeäthert. Die gewaschene
und getrocknete Ätherlösung wird eingedampft. Aus dem erhaltenen öligen Rückstand
erhält man nach Chromatographie und Umkristallisieren aus Hexan 19-Nor-testosteron-äthyläther
vom Schmelzpunkt 116,5 bis 118,5°C. Absorption im ultravioletten Licht: 8240 = 16670.
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Beispiel 5 In etwa 150 ccm flüssiges Ammoniak werden 0,69 g Natrium
eingetragen. Nach Verschwinden der Blaufärbung werden 1,79g 4 5-Androsten-3ß,17ß-diol
in 100 ccm Tetrahydrofuran unter Rühren zugegeben. Nach 2 Stunden wird eine
Lösung von 2,5 ccm Methyljodid in 10 ccm Tetrahydrofuran zugetropft. Nach weiteren
2 Stunden gießt man auf Eis und säuert mit Essigsäure an. Das ausgeschiedene Reaktionsprodukt
wird abfiltriert und neutral gewaschen. Nach Chromatographie an Kieselsäuregel (mit
10 °/o Wasser) und Umkristallisieren aus Methylenchlorid-Hexan erhält man 3ß,17ß-Dimethoxy-ds-androsten
vom F. = 136 bis 137,5°C. Als Nebenprodukt erhält man ein Gemisch der beiden
Monomethyläther. (Nach Oppenauer-Oxydation und anschließender Chromatographie erhält
man daraus die bereits bekannten Methyläther von Dehydroepiandrosteron bzw. von
Testosteron vom F. 140,5 bis 142,5°C bzw. 127 bis 128'C.) Beispiel 6 In etwa 250
bis 300 ccm flüssiges Ammoniak werden nach Zugabe einiger Ferrisalzkristalle 1,38
g Natrium eingetragen. Nach Verschwinden der Blaufärbung läßt man eine Lösung von
6,65 g Testosteronäthylenketal in 200 ccm Tetrahydrofuran unter Rühren zutropfen.
Nach 16 Stunden werden 5 ccm Methyljodid, welche in 20 ccm Tetrahydrofuran gelöst
sind, zugegeben. Nach weiteren 5 Stunden gießt man das Reaktionsgemisch auf Eis,
säuert mit Essigsäure an, filtriert das ausgeschiedene Reaktionsprodukt nach 1 bis
2stündigem Stehen ab und wäscht neutral. Zur Abspaltung der Äthylenketalgruppe wird
das Rohprodukt mit 200 ccm Methanol, 14 ccm Wasser und 7 g Oxalsäure 45 Minuten
zum Sieden erhitzt. Hierauf wird der freigesetzte Testosteronmethyläther mit Eiswasser
gefällt, abfiltriert und gewaschen. Laut Methoxylbestimmung im Rohprodukt ist etwa
97°/jge Verätherung eingetreten. Zur Reinigung wird der Rohäther über Aluminiumoxyd
fraktioniert filtriert. Die Eindampfrückstände der Filtrate werden aus Hexan umkristallisiert.
Der reine Testosteronmethyläther schmilzt dann bei 124,5 bis 126° C. Absorption
im ultravioletten Licht: 8241 = 16470.
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Beispiel 7 In 300 ccm flüssiges Ammoniak werden nach Zugabe einer
Spur Ferrisalz 60 mMol Kalium eingetragen. Nach Verschwinden der Blaufärbung wird
eine Lösung von 20 mMol Androstan-17ß-ol-3-onäthylenketal in 200 ccm Tetrahydrofuran
zugegeben. Man läßt über Nacht im Kältebad weiterrühren und gibt dann 80 mMol Methyljodid
in 20 ccm Tetrahydrofuran zu. Nach 5 Stunden wird die Reaktion abgebrochen. Man
gießt das Reaktionsgut auf Eis. Nach schwachem Ansäuern mit Essigsäure wird das
ausgeschiedene Umsetzungsprodukt abfiltriert und gewaschen. Die Äthylenketalabspaltung
wird analog Beispie16 vorgenommen. Die Methoxylbestimmung im Rohprodukt spricht
für eine nahezu vollständige Verätherung. Zur Reinigung wird wie oben (Beispiel
6) verfahren. Der reine Androstan-17ß-ol-3-on-methyläther schmilzt bei 119 bis 120°
C (aus Hexan).
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Beispiel 8 10 mMol Testan-17ß-ol-3-on-äthylenketal werden analog Beispie17
umgesetzt und aufgearbeitet. Nach fraktionierter Filtration über Aluminiumoxyd (Brockmann)
werden 70°/o und mehr der Theorie 17ß-Methoxy-testan-3-on erhalten. Die analysenreine
Verbindung schmilzt bei 89 bis 90,5° C (Pentan).
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Beispiel 9 Unter analogen Bedingungen, wie im Beispie17 beschrieben,
erhält man aus Dehydroepiandrosteronäthylenketal Dehydroepiandrosteronmethyläther.
Rohausbeute 94°/a der Theorie (aus der Methoxylbestimmung
errechnet).
Der reine Methyläther schmilzt bei 139 bis 140,5° C (Hexan).
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Beispiel 10 1-Methyl-d 1-androsten-17ß-ol-3-on wird analog Beispie17
über das Äthylenketal in den Methyläther übergeführt. Das Rohprodukt, aus dessen
Methoxylgehalt sich eine 65 °/oige Verätherung errechnet, wird durch Chromatographie
an Aluminiumoxyd und Umkristallisieren aus Hexan gereinigt. Das reine 1-Methyl-17ß-methoxy-d
1-androsten-3-on schmilzt bei 132 bis 133°C. Absorption im ultravioletten
Licht: e240 = 13100.
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Beispiel 11 In 130 ccm flüssiges Ammoniak werden etwa l g Kalium eingetragen.
Nach Verschwinden der Blaufärbung wird eine Lösung von 2,47g d b-Pregnen-3ß-ol in
100 ccm Tetrahydrofuran unter Rühren zugetropft. Nach 15stündigem Durchrühren im
Kältebad werden 2,04 ccm Methyljodid in 10 ccm Tetrahydrofuran zugegeben. Nach weiteren
5 Stunden wird die Reaktionsflüssigkeit auf Eis gegossen und mit Essigsäure angesäuert.
Das ausgeschiedene Reaktionsprodukt wird abfiltriert und neutral gewaschen. Nach
Chromatographie an Aluminiumoxyd und Umkristallisieren aus Pentan schmilzt das reine
3ß-MethoxydLpregnen bei 126 bis 127° C. Absorption im ultravioletten Licht: E" =
2610.