Verfahren zur Herstellung basisch substituierter Malonsäuredinitrile
Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf die Herstellung von bislang noch nicht bekannten basisch substituierten Malonsäuredinitrilen.
Es ist bereits bekannt, die Herstellung von basisch substituierten Malonsäuren und Malonsäureestern; es ist bisher jedoch noch nicht gelungen, basisch substituierte Malonsäuredinitrile, wie Dimethylamino-Malonsäuredinitril, herzustellen (vgl. W. Ruske und E. Ruske, Berichte der Deutschen Chemischen Gesellschaft, 91, 2496 (1958).
Es wurde nun gefunden, dass man in einfacher Weise und in guten Ausbeuten basisch substituierte Malonsäuredinitrile erhält, wenn man 1 Mol eines N,N,N',N'-Tetra-substituierten Formamidiniumsalzes mit mindestens 2 Mol wasserfreier Blausäure umsetzt.
Der Ablauf der erfindungsgemässen Umsetzung muss als ausgesprochen überraschend bezeichnet werden, da die als Ausgangsstoffe verwendeten substituierten Formamidiniumsalze bislang als sehr stabile Verbindungen betrachtet wurden.
So sind auch keine Spaltreaktionen bekannt.
Auch eine Hydrolyse mit Wasser tritt nicht ein. Es konnte deshalb in keiner Weise erwartet werden, dass Blausäure unter überaus schonenden Bedingungen mit den substituierten Formamidiniumsalzen sehr glatt zu basisch substituierten Malonsäuredinitrilen reagiert.
Geht man bei der erfindungsgemässen Umsetzung von N,N,N',N' - Tetra -methylformamidiniumchlorid als Ausgangsstoff aus, so lässt sich die Umsetzung durch die folgende Formelgleichung wiedergeben :
EMI1.1
EMI1.2
Als Formamidiniumsalze kommen für die erfindungsgemässe Umsetzung im Prinzip alle N,N,N',N'- Tetra-substituierten Formamidiniumsalze in Frage, und insbesondere solche der allgemeinen Formel:
EMI1.3
in welcher R und R' einzeln für gegebenenfalls substituierte aliphatische, für gegebenenfalls substituierte cycloaliphatische oder für gegebenenfalls substituierte aromatische Reste oder zusammen für eine Alkylenbrücke mit 4 bis 5 Kohlenstoffatomen, von denen eine Methylengruppe durch ein Sauerstoff-, ein Stick stoff-oder ein Schwefelatom ersetzt sein kann, stehen und X für ein beliebiges Anion, insbesondere für ein Anion der Chlorwasserstoff-, Bromwasserstoff-, Jodwasserstoffsäure, der Chlorsäure, der Jodsäure, der Perchlorsäure oder der Schwefelsäure steht.
Enthalten die Formamidiniumsalze heterocyclische Ringe, so kann es sich dabei z. B. handeln um den Morpholin-, den Thiomorpholin-, den Piperidinund den Pyrrolidinring. Die Reste R und R' können weiterhin substituiert sein durch niedere Alkyl- und Alkoxyreste sowie durch Halogene, wie Chlor und Brom.
Als Beispiel für die Tetra-substituierten Formamidiniumsalze seien im einzelnen genannt: N,N,N', N'-Tetra-methylformamidiniumchlorid, N,N,N',N' - Tetraäthylformamidiniumchlorid, N,N'-Dimethyl-N, N' N, diphenylformamidiniumjodid, N,N,N',N' N'-Bis- pentamethylenformamidiniumchlorid und N,N,N',N' Bis(3 -oxapentamethylen)-formamidiniumchlorid.
Die als Ausgangsstoffe verwendeten tetra-substituierten Formamidiniumsalze sind nur zum Teil aus der Literatur bekannt. Soweit sie nicht bekannt sind, können sie in einfacher Weise hergestellt werden nach der Methode von 0. Fischer u. a. (Journal für praktische Chemie, 109, 84 (1925)) oder nach der Methode von Z. Arnold (Czch. in Chem. Listy, 52, 468 (1958)).
Als Reaktionspartner wird wasserfreie Blausäure verwendet.
Die Umsetzung führt man zweckmässig im Bereich von 150 C bis +500 C, vorzugsweise zwischen 10 und 350 C durch. Es hat sich als besonders vorteilhaft herausgestellt, bei Temperaturen unterhalb der Siedetemperatur des Reaktionsgemisches zu arbeiten.
Zweckmässigerweise führt man die Reaktion unter Normaldruck durch. Man kann jedoch auch in einem geschlossenen Gefäss arbeiten, wobei sich entsprechend der Temperatur jeweils ein bestimmter Druck einstellt.
Bei der Durchführung des erfindungsgemässen Verfahrens setzt man auf 1 Mol Formamidiniumsalz mindestens 2 Mol wasserfreie Blausäure, vorzugsweise 2 bis 3 Mol ein. Man kann auch einen grösseren Überschuss an Blausäure verwenden; sie wirkt dann als Lösungsmittel. Im Allgemeinen ist ein Uber- schuss von 1 bis 3 Mol ausreichend, um eine homogene Lösung zu garantieren.
Vorteilhafterweise legt man die Blausäure vor und gibt das Formamidiniumsalz zu. Man kann jedoch auch in umgekehrter Weise verfahren.
Die Aufarbeitung des Reaktionsgemisches erfolgt nach den üblichen Methoden. Ist überschüssige Blausäure vorhanden, so wird sie zweckmässigerweise zunächst abdestilliert. Dabei scheiden sich die als Nebenprodukte anfallenden Aminsalze in kristallisierter Form ab. Die Aminsalze können mit Wasser herausgelöst werden, da die basisch substituierten Malonsäuredinitrile in Wasser schwer löslich sind. Man kann aber auch aus dem Reaktionsgemisch die Malonsäuredinitrile mit Äther extrahieren und dann durch Abdampfen des Lösungsmittels gewinnen. Verschiedene Malonsäuredinitrile können auch durch Umkristallisieren aus Wasser erhalten werden. In diesem Falle bleiben die Aminsalze im Wasser gelöst und man erhält sofort ein reines Endprodukt.
Als besondere Vorteile des erfindungsgemässen Verfahrens seien genannt: Einfachheit der Ausgangsstoffe, sehr einfache und schonende Bedingungen und gute Ausbeuten.
Die erfindungsgemässen, bislang noch nicht bekannten Malonsäuredinitrile können als Zwischenprodukte für die Herstellung von Insektiziden und Kunststoffhilfsmitteln sowie zum Aufbau von basisch substituierten Heterocyklen verwendet werden.
Beispiel 1
In 320 Volumteile wasserfreier Blausäure werden bei 0 - 10o C 273 Gewichtsteile N,N,N',N'-Tetra- methylformamidiniumchlorid eingetragen. Die klare Lösung lässt man einige Stunden bei Raumtemperatur stehen und destilliert bei 400 C Badtemperatur, zum Schluss im mässigen Vakuum, die überschüssige Blausäure ab. Der halbfeste Rückstand wird mit 500 Volumteilen Äther verdünnt, das ungelöste Dimethylaminhydrochlorid (150 Gewichtsteile) abgesaugt, mit Äther gewaschen und die gesammelten ätherischen Filtrate der Destillation unterworfen. Nach dem Abdestillieren des ethers hinterbleiben 200 Gewichts teile Dimethylaminomalonsäuredinitril (= 92 92 /o d.
Th.) vom Siedepunkt 82 - 840 C/l 1 Torr.
Beispiel 2
Verwendet man anstatt N,N,N',N'-Tetra-methylformamidiniumchlorid 384 Gewichtsteile N,N,N',N'- Tetra-äthylformamidiniumchlorid und verfährt wie im Beispiel 1 beschrieben, so werden 250 Gewichtsteile Diäthylaminomalonsäuredinitril (= 92 /n d.Th.) vom Siedepunkt 650 C/0,6 Torr erhalten.
Beispiel 3
Verwendet man anstatt N,N,N',N'-Tetra-methylformamidiniumchlorid 433 Gewichtsteile N,N,N',N'- Bis-(pentamethylen)-formamidiniumchlorid und verfährt wie im Beispiel 1 beschrieben, so werden 270 Gewichtsteile Piperidinyl-malonsäuredinitril (= 76 ovo d.Th.) vom Siedepunkt 770 C/O, 1 Torr erhalten.
Das verwendete N,N,N',N'-Bis-(pentamethylen)formamidiniumchlorid entsteht beim Erwärmen von Tetramethylformamidiniumchlorid mit überschüssigem Piperidin auf zunächst 50 - 600 C und schliesslich auf 115 - 1200 C. Das Reaktionsprodukt wird mit Essigester zur Reinigung gewaschen. Es schmilzt dann bei 1200 C.
Beispiel 4
110 Gewichtsteile N,N,N',N' -Bis - (3 - oxapenta- methylen)-formamidiniumchlorid werden in 130 Volumteile wasserfreie Blausäure eingetragen, wobei die Temperatur durch gelindes Kühlen bei 30 - 350 C gehalten werden soll. Nach 48stündigem Stehen bei Raumtemperatur ist ein dicker Kristallbrei entstanden. Die überschüssige Blausäure wird bei 250 C Badtemperatur im Vakuum abdestilliert und der verbleibende kristalline Rückstand mit 150 Volumteilen Wasser verrührt, wobei das entstandene Morpholinhydrochlorid in Lösung geht. Das zurückbleibende Morpholinmalonsäuredinitril kann aus Wasser um kristallisiert werden und schmilzt dann bei 1400 C.
Die Ausbeute beträgt 50 Gewichtsteile, das sind 65,6 O/o d.Th.
Das N,N,N',N' -Bis - (3- oxapentamethylen)-form amidiniumchlorid wurde durch Umsetzung von 115 Gewichtsteilen N-Formylmorpholin mit Chloramei sensäure-3 -oxapentamethylenamid (vom Siedepunkt 1100 C/10 Torr, erhalten aus N-Methylmorpholin mit Phosgen in siedendem Benzol) bei 1500 C in 900/obiger Ausbeute erhalten. Nach dem Waschen mit Aceton zeigt es einen Schmelzpunkt von 1730 C.
Process for the preparation of basic substituted malonic acid dinitriles
The present invention relates to the preparation of hitherto unknown basic substituted malononitriles.
It is already known to produce basic substituted malonic acids and malonic acid esters; However, it has not yet been possible to produce basic substituted malononitriles, such as dimethylamino-malononitrile (cf. W. Ruske and E. Ruske, reports of the German Chemical Society, 91, 2496 (1958)).
It has now been found that basic substituted malononitriles are obtained in a simple manner and in good yields if 1 mol of an N, N, N ', N'-tetra-substituted formamidinium salt is reacted with at least 2 mol of anhydrous hydrocyanic acid.
The course of the reaction according to the invention must be described as extremely surprising, since the substituted formamidinium salts used as starting materials have so far been regarded as very stable compounds.
No cleavage reactions are known either.
Hydrolysis with water also does not occur. It could therefore in no way be expected that hydrocyanic acid would react very smoothly with the substituted formamidinium salts under extremely gentle conditions to form basic substituted malononitriles.
If the reaction according to the invention is based on N, N, N ', N' - tetra-methylformamidinium chloride as the starting material, the reaction can be represented by the following equation:
EMI1.1
EMI1.2
Suitable formamidinium salts for the reaction according to the invention are in principle all N, N, N ', N'-tetra-substituted formamidinium salts, and in particular those of the general formula:
EMI1.3
in which R and R 'individually for optionally substituted aliphatic, for optionally substituted cycloaliphatic or for optionally substituted aromatic radicals or together for an alkylene bridge having 4 to 5 carbon atoms, of which one methylene group is replaced by an oxygen, a nitrogen or a sulfur atom can be, and X stands for any anion, in particular for an anion of hydrochloric, hydrobromic, hydroiodic acid, chloric acid, iodic acid, perchloric acid or sulfuric acid.
If the formamidinium salts contain heterocyclic rings, it can be, for. B. are the morpholine, the thiomorpholine, the piperidine and the pyrrolidine ring. The radicals R and R 'can furthermore be substituted by lower alkyl and alkoxy radicals and by halogens such as chlorine and bromine.
As examples of the tetra-substituted formamidinium salts are mentioned in detail: N, N, N ', N'-tetra-methylformamidinium chloride, N, N, N', N '- tetraethylformamidinium chloride, N, N'-dimethyl-N, N' N, diphenylformamidinium iodide, N, N, N ', N' N'-bis-pentamethylene formamidinium chloride and N, N, N ', N' bis (3-oxapentamethylene) -formamidinium chloride.
The tetra-substituted formamidinium salts used as starting materials are only partially known from the literature. If they are not known, they can be produced in a simple manner by the method of 0. Fischer et al. a. (Journal for practical chemistry, 109, 84 (1925)) or according to the method of Z. Arnold (Czch. In Chem. Listy, 52, 468 (1958)).
Anhydrous hydrocyanic acid is used as the reactant.
The reaction is expediently carried out in the range from 150 ° C. to +500 ° C., preferably between 10 and 350 ° C. It has been found to be particularly advantageous to work at temperatures below the boiling point of the reaction mixture.
The reaction is expediently carried out under normal pressure. However, it is also possible to work in a closed vessel, with a certain pressure being set depending on the temperature.
When carrying out the process according to the invention, at least 2 moles of anhydrous hydrocyanic acid, preferably 2 to 3 moles, are used per mole of formamidinium salt. You can also use a larger excess of hydrogen cyanide; it then acts as a solvent. In general, an excess of 1 to 3 mol is sufficient to guarantee a homogeneous solution.
The hydrocyanic acid is advantageously initially introduced and the formamidinium salt is added. However, you can also proceed in the opposite way.
The reaction mixture is worked up by the customary methods. If excess hydrocyanic acid is present, it is expediently first distilled off. The amine salts obtained as by-products are deposited in crystallized form. The amine salts can be dissolved out with water, since the basic substituted malonic acid dinitriles are sparingly soluble in water. However, the malononitriles can also be extracted from the reaction mixture with ether and then obtained by evaporating the solvent. Various malononitriles can also be obtained by recrystallization from water. In this case, the amine salts remain dissolved in the water and a pure end product is obtained immediately.
Particular advantages of the process according to the invention are: simplicity of the starting materials, very simple and gentle conditions and good yields.
The hitherto unknown malononitriles according to the invention can be used as intermediates for the preparation of insecticides and plastic auxiliaries and for the synthesis of basic substituted heterocycles.
example 1
273 parts by weight of N, N, N ', N'-tetramethylformamidinium chloride are introduced into 320 parts by volume of anhydrous hydrocyanic acid at 0-10 ° C. The clear solution is left to stand for a few hours at room temperature and the excess hydrocyanic acid is distilled off at a bath temperature of 400 ° C., finally in a moderate vacuum. The semi-solid residue is diluted with 500 parts by volume of ether, the undissolved dimethylamine hydrochloride (150 parts by weight) is filtered off with suction, washed with ether and the collected ethereal filtrates are subjected to distillation. After the ether has been distilled off, 200 parts by weight of dimethylaminomalonic acid dinitrile (= 92 92 / o d.
Th.) With a boiling point of 82 - 840 C / l 1 Torr.
Example 2
If you use 384 parts by weight of N, N, N ', N'-tetra-ethylformamidinium chloride instead of N, N, N', N'-tetra-methylformamidinium chloride and proceed as described in Example 1, 250 parts by weight of diethylaminomalonic acid dinitrile (= 92 / n d Th.) With a boiling point of 650 C / 0.6 Torr.
Example 3
If, instead of N, N, N ', N'-tetra-methylformamidinium chloride, 433 parts by weight of N, N, N', N'-bis (pentamethylene) formamidinium chloride are used and the procedure is as described in Example 1, 270 parts by weight of piperidinyl malononitrile are obtained (= 76 ovo of theory) obtained with a boiling point of 770 C / O, 1 Torr.
The N, N, N ', N'-bis (pentamethylene) formamidinium chloride used is formed when tetramethylformamidinium chloride is heated with excess piperidine to initially 50-600 ° C. and finally to 115-1200 ° C. The reaction product is washed with ethyl acetate for purification. It then melts at 1200 C.
Example 4
110 parts by weight of N, N, N ', N' -bis - (3-oxapenta-methylene) -formamidinium chloride are introduced into 130 parts by volume of anhydrous hydrocyanic acid, the temperature being kept at 30-350 ° C. by gentle cooling. After 48 hours of standing at room temperature, a thick crystal slurry has formed. The excess hydrocyanic acid is distilled off in vacuo at a bath temperature of 250 ° C. and the remaining crystalline residue is stirred with 150 parts by volume of water, the resulting morpholine hydrochloride dissolving. The remaining morpholine malonic acid dinitrile can be crystallized from water and then melts at 1400 C.
The yield is 50 parts by weight, that is 65.6 O / o of theory.
The N, N, N ', N' -bis - (3-oxapentamethylene) -form amidinium chloride was obtained by reacting 115 parts by weight of N-formylmorpholine with chloroformic acid-3-oxapentamethylene amide (boiling point 1100 C / 10 Torr, obtained from N- Methylmorpholine with phosgene in boiling benzene) at 1500 C in 900 / above yield. After washing with acetone, it shows a melting point of 1730 C.