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Sitz, insbesondere Arbeitssitz
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B.beinhöckern gelagert ist, indem es um diese Sitzbeinhöcker herum schwenkbar ist, stabil abgestützt wird.
Unter der Last des Oberkörpers, vor allem mit zunehmender Ermüdung der Haltemuskulatur, neigt das
Becken dazu, unter Autrichtung des Schambeins nach hinten abzukippen, um sich eine stabile Auflage zu schaffen, was bei den bekannten Sitzen durch die Ausbildung einer möglichst bequemen Sitzmulde be- günstigt wird. Bei diesem Abkippen krümmt sich zwangsläufig die Wirbelsäule, u. zw. umso stärker, je weiter das Becken nach hinten abkippt. Mit dem Masse des Abkippens steigern sich auch die Mängel, die mit einer schlechten Sitzhaltung verbunden sind, z. B. die Rundrückenbildung mit allen ihren Folgen orthopädischer und physiologischer Art.
Durch die Erfindung wird dem Becken beim Sitzen eine solche stabile Lage gegeben, dass die Rückenkrümmung möglichst klein ist oder mit andern Worten, dass das
Becken vor dem Abkippen bzw. vor einem zu weiten Abkippen bewahrt wird.
Die vordere Kante des nach Art eines Keiles schräg nach hinten ansteigenden Stützelementes liegt gemäss einer vorzugsweisen Ausgestaltung der Erfindung unmittelbar hinter den Sitzbeinhöckern. Dabei kann es zweckmässig sein, den Keil verschiebbar anzuordnen, wobei auch die Länge der Oberschenkelauf- lage mit berücksichtigt werden kann. Der Anstieg des Keiles oder mit andern Worten der Keilwinkel ist durch die Stützfunktion bestimmt und kann durch Probe ermittelt werden, wobei die Geradstellung der Wirbelsäule ein brauchbares Mass ist. Der Winkel ist sodann wesentlich von der Sitzhaltung abhängig. Es ist zweckmässig, den Keilwinkel umso grösser zu wählen, je mehr sich der Mensch, z. B. in seiner Arbeitsstellung nach vorn neigt (vordere Sitzhaltung), er muss umso kleiner sein, je mehr der Mensch eine mittlere oder gar hintere Sitzhaltung einnimmt.
Im allgemeinen werden gute Resultate mit Anstiegswinkeln zwischen 15 und 300 erreicht.
Ein nach diesen Prinzipien eingerichteter Sitz hat die Vorteile, die ein richtiges Sitzen mit sich bringt. Es wird jede unnötige und ungünstige Beanspruchung des Muskel-, Band- und Knochensystems im Bereich des Beckens, der Hüftgelenke und Oberschenkel vermieden. Der Körper nimmt eine erwünschte Ruhelage ein, so dass auch eine vorzeitige Organabnutzung und ein unnötiger Energieverbrauch vermieden werden. Weiters stellt sich eine bessere Haltung des Bauch- und Brustraumes ein.
Das Stützelement kann ein selbständiges Element sein, welches nachträglich an einem Sitz angebracht wird. Es ist aber auch möglich, das Stützelement und den Sitz so auszubilden, dass sie eine Einheit darstellen. Eine solche Einheit kann vorteilhaft als Auflage für einen Sitz, z. B. Stuhl ausgebildet sein. Das Stützelement besteht in seinem Grundaufbau vorzugsweise aus festem Material, z. B. Holz.
Das Stützelement kann jedoch vorteilhaft mit nachgiebigen Überzügen versehen sein. Es ist unter Umständen auch vorteilhaft, ausser der Beckenbewegung auch noch die Bewegung des Oberkörpers zu berücksichtigen, insbesondere im Hinblick auf die Sonderstellungen bei Arbeitssitzen. Eine solche Sonderstellung beeinflusst nicht nur den Keilwinkel des Stützelementes, sondern auch die Stellung einer Lehne, die den Oberkörper abfangen soll. Es ist daher vorteilhaft, die Lehne in Stellung und/oder Form an die Gegebenheiten anzupassen. Es wird hiezu in weiterer Ausgestaltung der Erfindung die Lehne zweckmässig mit dem Stützelement verbunden und die Anordnung so getroffen, dass beide Teile um die Vorderkante des Stützelementes verstellbar sind.
Auf diese Weise kann unter Berücksichtigung der jeweiligen körperlichen Verhältnisse eine Anpassung an die Arbeitsstellung vorgenommen werden. Es kann unter Umständen aber auch schon zweckmässig sein, das Stützelement allein für sich um seine Vorderkante schwenkbar anzuord- nen.
An einigen in den Fig. 1-5 der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispielen sollen das Wesen der Erfindung sowie besondere Einzelheiten näher erläutert werden. Die Fig. 1 zeigt einen gewöhnlichen Hokker. Auf den vier Beinen Bl-B4 ruht die Sitzfläche F bestehend aus einer Holzplatte. Auf dieser Holzplatte ist erfindungsgemäss ein keilförmiges Stützelement S aus Holz angeordnet, das nachträglich auf der Fläche F, z. B. durch Kleben oder Verschrauben befestigt ist. Der Keilwinkel beträgt zirka 200 und liegt so, dass das Stützelement von vorne nach hinten schräg ansteigt. Dort, wo die Sitzbeinhöcker sich beim Sitzen befinden, liegt die Vorderkante des Keiles, u. zw. möglichst unmittelbar dahinter.
Die Breite des Stützelementes S, also seine Abmessung quer zum Sitz, richtet sich nach der Körpsrbreite und kann sich in einfacher Anpassung an die Sitzbreite über die Breite des Sitzes erstrecken. Die Ausdehnung der Stützfläche in Richtung senkrecht dazu und damit die Keillänge ist an sich nicht so sehr kritisch. Diese Ausdehnung wird zweckmässig nur so weit gewählt, dass das Becken am äusseren Ende des Stützelementes praktisch nur lose anliegt oder mit andern Worten, dass die Abstützung des Beckens in der Fläche des Stützelementes stattfindet. Es soll dadurch erreicht werden, dass sich der Druck des Beckens möglichst gleichmässig über die ganze Stützfläche verteilt. Das Stützelement braucht nicht aus vollem Material gemacht zu sein.
Fig. 2 zeigt eine abgewandelte Form der Anordnung des Stützelementes S auf der Sitzfläche F eines
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Stuhles. In dieser Darstellung sind entsprechende Teile mit der gleichen Bezeichnung versehen wie in Fig. 1. Das Stützelement S ist aus der Fläche F herausgeschnitten und mit der Sitzfläche F mit Scharnieren verbunden, wie dies Fig. 2a in grösserem Ausschnitt zeigt. Das Stützelement S ist ein Teil der Sitzfläche F oder mit andern Worten ein Brettstück. Im vorderen Teil hat es eine Bohrung, durch welche eine Stange A hindurchgesteckt ist, die ihrerseits in der Sitzfläche gelagert ist. Um diese Stange kann die Stützfläche. S verschwenkt werden, so dass sie in der Ruhestellung die Öffnung 0 in der Sitzfläche F praktisch ausfüllt.
Um den Drehpunkt herum ist das Stützelement abgerundet, so dass es die Klappbewegung gegenüber der Öffnung 0 machen kann. Ein an der Sitzfläche F befestigter Knebel K, zweckmässig
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SeitenÖffnung 0 hineinragt. Diese Anordnung kann natürlich auf beiden Seiten der Stützfläche vorgesehen sein.
Sie ermöglicht nicht nur die Arretierung, sondern auch gleichzeitig eine Einstellung der Höhenlage und damit des Anstiegswinkels der Stützfläche. Dabei wird die Stützfläche insgesamt nach denselben Prinzi- pien angeordnet wie sie bereits bei Fig. 1 beschrieben sind. Es kann auch unter Umständen genügen, eine in der Mitte der Stützfläche angeordnete Verstellschiene vorzusehen, die dann beispielsweise durch einen
Zapfen auf der Rückseite der Öffnung 0 zur Einstellung und Arretierung des Stützelementes dient. Anstatt einer Stange A kann auch ein anderes Gelenk, z. B. ein Scharnier gewählt werden.
Fig. 3 zeigt einen lehnelosen Sitz. An der Sitzfläche F sind zwei Ansätze E auf der Rückseite befestigt. Diese Ansätze sichern das Stützelement S gegen das Abrutschen von der Sitzfläche. Das Stützelement ist also als Auflage ausgebildet. Auch hier sind Keilwinkel und Lage der Vorderkante des Stützele- mentes so zu wählen, wie es schon vorher beschrieben ist, und dementsprechend auch die Ausdehnung der Sitzfläche selbst, welche in dem vom Stützelement nicht einsnommenen vorderen Teil die Oberschenkel abstützt. In weiterer Ausgestaltung der Erfindung kann das Stützelement eine Einheit mit einer Sitzauflage bilden, so wie es in dem beschriebenen Beispiel die Sitzfläche selbst zusammen mit dem Stützelement sein kann. In der Praxis kann das so erreicht werden, dass das Stützelement, z.
B. bestehend aus einem genügend harten Polsterkeilkissen, mit einer nachgiebigen oder aus dem gleichen Material bestehenden Unterlage verbunden ist, die geeignet ist, als Auflage für einen Sitz zu dienen. Beide Teile können dabei von dem gleichen Überzug umgeben sein und können so als Einheit auf eine Sitzfläche eines Stuhles od. dgl. aufgelegt werden.
In Fig. 4 ist das Stützelement S mit Ansätzen N versehen und die Sitzfläche F mit entsprechenden Bohrungen P. Wenn die Ansätze N mit Löchern P in Eingriff sind, so liegt das Stützelement fest. Bei der vorgesehenen Anbringung einer Mehrzahl von Löchern in Richtung des Sitzes ist es möglich, das Stützelement in dieser Richtung zu verstellen, um die Oberschenkelauflage zu berücksichtigen.
In Fig. 5 ist ein Stuhl mit einer Lehne dargestellt. Wie in den vorhergehenden Darstellungen sind auch hier die einander entsprechenden Teile mit den gleichen Bezugszeichen versehen. Das Stützelement S ist mit der Lehne fest verbunden und drehbar um die Achse A gelagert, welche durch seine Vorderkante hindurchgeht.
Die Lehne weist im unteren Teil ihrer beiden Holme Öffnungen Q auf, in welche zweiseitig angeordnete Zapfen Z eingreifen können.
Mit dieser Anordnung ist es möglich, die Lehne auf-und abzuverstellen und damit auch gleichzeitig das Stützelement S um die Achse A zu schwenken. Zur Vergrösserung des Schwenkbereiches nach unten ist die Sitzfläche F im Bereich des Stützelementes F ausgespart. Es genügt aber unter Umständen, dass das Stützelement mit der Lehne nur nach oben verstellbar verbunden ist. Dann kann die Öffnung in der Sitzfläche entfallen. Diese Gestaltung des Sitzes gestattet es vor allem, ungewöhnliche Arbeitsstellungen zu berücksichtigen, vor allen Dingen solche, bei denen der Mensch betont nach vorne geneigt ist.
Zur weiteren Anpassung kann auch hier sowohl der Keilwinkel noch einstellbar sein als auch die Lage der Lehne zum Stützelement selbst. Sodann kann es vorteilhaft sein, auch die Form der Lehne, gegebenenfalls in Verbindung mit ihrer Stellung, in die Anpassung einzubeziehen ; die Form wird dabei zweckmässig so gewählt, dass die Funktion des Stützelementes unterstützt wird. Die praktische Erprobung ergibt auch hier unschwer die besten Ergebnisse, wenn dabei das Ziel der Erfindung berücksichtigt wird. Im allgemeinen wird es nützlich sein, die Lehne möglichst gerade und gerade stehend auszubilden.
Es ist zweckmässig das Stützelement möglichst aus formfestem Material zu machen, z. B. aus unnachgiebigem Material zu fertigen. Es kann aber statt aus dem Vollen aus Brettchen zusammengebaut werden. Das Stützelement kann vorteilhaft eine Auflage aus nachgiebigem Material, wie z. B. Schaumgummi be-
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kommen. Unter Umständen kann es aber auch genügen, das Stützelement aus Polstermaterialien aufzubauen. Es ist dabei zu beachten, dass die Polsterung dann so wenig nachgiebig gewählt wird, dass das Stützelement der Erfindungsaufgabe genügt. Es muss also hart sein, dass es eine echte Unterstützung des Beckens bildet. Bei sehr unnachgiebigem Material des Keiles kann es unter Umständen zweckmässig sein, im Bereich der Sitzbeinhöcker Aussparungen vorzusehen bzw. besonders nachgiebige Stellen.
Für die Ein- stellung des Keilwinkels kann das Stützelement auch nachArt eines Blasbalges ausgebildet sein, so dass durch Einblasen von Luft oder durch Ablassen von Luft sich der Winkel vergrössert oder verkleinert. Wenn bei einer solchen Ausführung die Stützfläche selbst auch aus formfestem Material z. B. Holz ist, so kann über das Luftpolster doch eine gewisse wünschenswerte Nachgiebigkeit erzielt werden. Das Stützelement kann auch eine andere als die in den Darstellungen dargestellte rechteckige Form aufweisen, z. B. eine ovale oder runde.
Das in dieser Erfindung behandelte Stützprinzip ist für alle Sitze brauchbar. Es ist besonders zweckmässig anzuwenden bei Arbeitssitzen, also beispielsweise bei Schreibmaschinenstühlen. Schulsitzen, Sitzen für Industrie- und landwirtschaftliche Maschinen u. dgl., ferner auch bei Autositzen ; weiterhin bei Sitzen, die für eine Vielzahl von Personen bestimmt sind, wie z. B. in Verkehrsmitteln.
PATENTANSPRÜCHE :
1. Sitz, insbesondere Arbeitssitz, dadurch gekennzeichnet, dass die Sitzfläche (F) im Bereich des Beckens ein schräg nach hinten ansteigendes Stützelement (S) nach Art eines Keiles aufweist, der durch seinen Anstieg und seine Lage das Becken beim Sitzen, die Wirbelsäule gerade richtend, abstützt.