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Verfahren zur Verhinderung des Nachdunkeln von imprägnierten Ledern
Es wurde festgestellt, dass Leder, insbesondere Bodenleder, die mit Lösungen von Imprägnierungs- mitteln, wie Lösungen von Leinöl, geblasenen ungesättigten Ölen, Polybutylen, Paraffinen u. dgL in or- ganischen Lösungsmitteln behandelt sind, beim Trocknen in manchen Fällen nachdunkeln oder dunkle
Flecke bilden, was vielfach auf eine Anreicherung der Imprägnierungsmittel in der Oberflächenschicht der Leder zurückgeführt wird.
Es wurde nun gefunden, dass man das Nachdunkeln imprägnierter Leder verhüten kann, wenn man die zu imprägnierenden Leder auf deren Narbenseite durch Bestreichen usw. mit Lösungen filmbildender, in
Wasser löslicher oder quellbarer Materialien reserviert. Die Reservierung bewirkt, dass an der Oberfläche der Narbenschicht nach der Imprägnierbehandlung keine Anreicherung des in organischer Lösung befind- lichen Imprägniermittels eintreten kann, weil dadurch die Verdunstungsgeschwindigkeit des Lösungsmit- tels herabgesetzt oder dessen Verdunstung durch die Narbenschicht überhaupt verhindert wird.
Als wasserlösliche oder wasserquellbare filmbildende Substanzen können Mono- oder Polysaccharide oder deren Derivate oder Alginate, ferner wasserlösliche Polypeptide wie z. B. tierische Leime, Gelatine,
Kasein, Albumin oder auch synthetische höhermolekulare wasserlösliche oder wasserquellbare Polymere wie z. B. Salze oder Polyacrylsäure, Polyvinylalkohol, Polyvinylpyrrolidon usw. Verwendung finden.
Als besonders vorteilhaft hat sich die Behandlung der Narbenseite der Leder vor der Imprägnierung mit Lösungen von wasserlöslichen oder in Wasser quellbaren Mono- oder Polysacchariden herausgestellt.
Diese Lösungen bieten nämlich den besonderen Vorteil, dass in der Regel ein nachträgliches Entfernen der
Reservierung durch Abwaschen nicht erforderlich ist.
Unter den erfindungsgemäss verwendeten Sacchariden sind in erster Linie Mono-, Di-, Tri-, Tetra- saccharide, Stärke und deren Derivate sowie wasserlösliche bzw. in Wasser quellbare Cellulosederivate zu verstehen. Neben der Verwendung von Glukose, Rohr- oder Malzzucker ist vor allem aus wirtschaft- lichen Gründen für das vorliegende Verfahren die Verwendung von Stärke, beispielsweise Reis-, Mais-,
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Ferner können auch wasserlösliche Celluloseabkömmlinge, wie Methylcellulose, Oxyalkylcellulosen oder Celluloseäthercarbonsäuren verwendet werden. Schliesslich eignen sich auch Mischungen verschiedener wasserlöslicher Zucker- und/oder Cellulosederivate.
Appreturen, welche aus Stärke und Cellulose bzw. aus Stärke- und Cellulosederivaten bestehen, sind besonders vorteilhaft, weil sie die Eigenschaft haben, die Leder, insbesondere Bodenleder in ihren Eigenschaften am wenigsten zu verändern. Auch beeinflussen sie eine evtl. erforderliche anschliessende Gerbappretur nicht nachteilig.
Die Mono- oder Polysaccharide werden nach der Erfindung in Wasser gelöst. Um schwerer lösliche Derivate in Lösung zu bringen, empfiehlt sich ein kurzzeitiges Aufkochen. Die Konzentration der wässerigen Lösung an Sacchariden soll etwa 10 - 50 g/l, vorzugsweise 20 - 30 g/l betragen.
Diese Lösung wird durch Pinseln, Streichen, Reiben oder Sprühen auf die Narbenseite der Leder aufgetragen. Anschliessend werden die Leder an der Luft oder in Trockenkammer getrocknet. Auf den Ledern haftet nunmehr ein dünner, gleichmässiger Film (Reserve), der bei der nachfolgenden Imprägnierung,
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die vorzugsweise von der Fleischseite erfolgt, mit in organischen Lösungsmitteln gelösten Substanzen zur
Wasserfestausrüstung in vorteilhafter Weise verhindert, dass eine Wanderung des Imprägnierungsmittels und/oder der Gerbstoffe mit den organischen Lösungsmitteln zur Narbenseite hin eintritt, um sich nach dem Verdunsten des organischen Lösungsmittels in der Narbenschicht anzureichern und dadurch ein Nach- dunkeln der Lederfläche zu verursachen.
Gleichzeitig weisen Filme der erfindungsgemässen Art noch den
Vorteil auf, dass sie die Poren nicht vollständig verschliessen, sondern genügend porös für ein langsames
Verdunsten des Lösungsmittels sind, ohne selbst von den organischen Lösungsmitteln gelöst zu werden.
Nach der erfolgten Wasserfestimprägnierung lässt sich der Film, sofern notwendig, leicht durch Abwaschen mit Wasser wieder entfernen.
. Man kann den wässerigen Lösungen der filmbildenden Substanzen auch Alkylsulfate, Alkylarylsulfonate, türkischrotölähnliche Substanzen, wasseremulgierbare Lickeröle oder nichtionogene oberflächenak- tive Stoffe vom Typ der Alkylenoxydanlagerungsprodukte an höhermolekularen austauschbare Wasserstoffatome enthaltenden Verbindungen in Mengen von 5 bis 10 g/l zufügen. Dadurch wird eine besonders gute Weichheit, Elastizität und Haftfestigkeit des Filmes erreicht.
Das erfindungsgemässe Verfahren lässt sich bei allen Arten von Leder, die mit Imprägnierungsmitteln in organischen Lösungsmitteln behandelt werden, anwenden. Derartige Imprägnierungsmittel sind z. B. Lösungen von Leinöl, geblasenen ungesättigten Ölen, Polybutylen, Paraffinen, Wachsstoffen, Harzen usw. in Chlorkohlenwasserstoffen, Benzin, Benzol usw., Lösungen von organischen Metallkomplexverbindungen u. a. bekannte Imprägnierungsmitteln.
Im folgenden soll die Erfindung an Hand von Beispielen näher erläutert werden : Beispiel l : Die Narbenschicht von Bodenledern wird mit einer wässerigen Lösung bestrichen, die 25 g/l wasserlösliche Stärke enthält. Nach dem Trocknen bildet sich ein dünner Film. Danach wird das reservierte Bodenleder in üblicher Weise mit einer Lösung eines geblasenen Leinöles in Schwerbenzin, behandelt und anschliessend getrocknet. Man erhält gleichmässig helle Leder. Das Reserviermittel kann gegebenenfalls mit wenig Wasser von der Lederoberfläche entfernt werden. Wird dagegen die Imprägnierung ohne eine vorherige Reservierung der Narbenschicht vorgenommen, so sieht das Leder nach dem Trocknungsprozess dunkler und fleckig aus.
Beispiel 2: Auf den Narben von nicht appretiertem Portefeuilleleder wird eine wässerige Lösung von 20 g/l Carboxymethylcellulose und 6 g/l Türkischrotöl aufgebracht. Der nach dem Antrocknen entstehende Film weist gute Weichheit auf, so dass beim Hantieren mit dem weichen Leder keine Beschädi- gung der Reservierungsschicht eintritt. Die Leder werden anschliessend in üblicher Weise, mit einer zien Lösung eines Kondensationsproduktes aus Aluminiumisopropylat und dem Monophosphorsäureester des Octylphenols in Trichloräthylen imprägniert.
Beispiel 3 : Die Narbenschicht von Bodenleder wird mit einer wässerigen Lösung von 20 g/l Methylcellulose und 5 g/l Spermölsulfat bestrichen. Diese Lösung hinterlässt auf dem Leder einen dünnen geschmeidigen Film. Die Imprägnierung erfolgt durch Tauchen oder durch Aufspritzen oder Aufbürsten auf die Fleischseite der Leder mit einer insgesamt zirka 12tao imprägnierende Bestandteile enthaltenden Lösung eines Kondensationsproduktes aus Aluminiumisopropylat mit einem Monoalkylphosphorsäureester
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CBeispiel 4 : Ein vegetabilisch oder kombiniert gegerbtes nicht appretiertes Leder wird auf der Narbenseite mit einer wässerigen Lösung von 30 g/l Natriumalginat und 10 g/l eines sulfonierten Ricinusöles bestrichen. Nach dem Trocknen verbleibt auf dem Leder ein dünner elastischer Film, der ein Fleckigwerden des Leders nach Behandeln mit einer 51eigen Lösung von Montanwachs in Trichloräthylen und anschliessendem Trocknungsprozess verhindert.
Beispiel 5 : Auf die Narbenschicht eines Bodenleders wird eine wässerige Leimlösung, die 100 g/l Hautleim und 15 g/l Türkischrotöl enthält, mit einem Pinsel in dünner Schicht aufgetragen. Durch diese Vorbehandlung kann eine nachträgliche Imprägnierung des Leders mit einer l Obigen Lösung eines Kondensationsproduktes aus Aluminiumpropylat mit Monotetradecylphosphorsäureester in Toluol, welche zusätzlich 100/0 Wachs enthält, vorgenommen werden, ohne dass eine Dunkelfärbung und ein Fleckigwerden des Leders zu befürchten ist.
Beispiel 6 : Zur Reservierung eines Bodenleders wird dessen Narbenschicht mit einer wässerigen Lösung bestrichen, die 20 g/l eines Gemisches von Quellstärke und Methylcellulose im Verhältnis 1 :1 und 6 g/l eines Anlagerungsproduktes von 8 Mol Äthylenoxyd an Kokosfettalkohol enthält. Auch in diesem Fall wird eine Dunkelfärbung und Fleckenbildung bei nachträglicher Imprägnierung des Leders mit einer 3% gen Lösung eines Kondensationsproduktes aus Aluminiumisopropylat mit einem Monoalkylphos-
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phorsäureester mit Alkylresten C-C im Trichloräthylen verhindert.
Beispiel 7 : Zu einer Aufschlämmung von 15 g Polyacrylsäure (Rohagit S) in 1/2 1 Wasser gibt man soviel Ammoniakwasser, bis ein pH-Wert von 7, 5-8 erreicht ist und füllt dann mit Wasser auf l l auf.
Mit der auf diese Weise erhaltenen viskosen Lösung wird die Narbenschicht von Bodenledem bestrichen.
Die so behandelten Leder zeigen nach einer Behandlung mit einer l Obigen Lösung von Zitronensäuremo- nooleylester in Trichloräthylen und nachträglicher Trockung völlig gleichmässiges Aussehen.
Beispiel 8: Bestreicht man die Narbenseite eines Bodenleders mit einer wässerigen Lösung, die im Liter 50 g eines Gemisches von Quellstärke, Methylcellulose und Hautleim im Verhältnis 1 : 1 : 2 neben 10 g Spermölsulfonat enthält, so hinterbleibt nach der Trocknung auf dem Leder ein dünner ela- stischer Film, der eine gute Reservierwirkung besitzt und das Leder vor dem Fleckigwerden durch eine nachträgliche Behandlung mit einer üblichen organischen Imprägniermittellösung schützt.
Beispiel 9 : Wird die Narbenschicht eines kombiniert gegerbten Mappenleders mit einer wässerigen Lösung von 25 g/l Polyvinylpyrrolidon bestrichen, so erhält man nach dem Trocknen einen dünnen Film, der bei nachträglicher Behandlung des Leders mit einer üblichen organischen Imprägniermittellösung dessen fleckenhaftes Nachdunkeln verhindert.
PATENTANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Verhinderung des Nachdunkeln der Narbenschicht von mit in organischen Lösungsmitteln gelösten Imprägnierungsmitteln behandelten Ledern, dadurch gekennzeichnet, dass man die Narbenschicht vor der Imprägnierung mit einer wässerigen Lösung von wasserlöslichen oderwasserquellbaren filmbildenden organischen Substanzen behandelt und trocknet.