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Verfahren und Vorrichtung zum Kastrieren von Tieren und zur Gesdilechtsbestimmung
Die
Erfindung bezieht sich auf em Verfahren und ein Gerät zur Kastrierung von Tieren.
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Der. Gegenstand der Erfindung ist die Schaffung eines Verfahrens
und eines Geräts zur Kastrierung als auch zur Geschlechtsbestimmung von Tieren,
deren Genitalien sich in der Bauchhöhle befinden, in einem einfachen und schnellen
Vorgang und ohne Schädigung ihrer Lebensfunktionen.
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Die USA.-Patentschrift 2 6i2 I57 beschreibt bereits ein Gerät zur
Unterscheidung der Geschlechtsorgane von Tieren, bestehend aus einem mindestens
in seinem Hauptteil durchsichtigen Einsatzstück, das in den After des Tieres eingeführt
wird, und einer Vorrichtung zur Beobachtung der Geschlechtsorgane des Tieres durch
die Afterwand.
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Die Erfindung ist eine Verbesserung des vorbezeichneten Patentes.
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Das Verfahren gemäß der Erfindung umfaßt im wesentlichen die Stufen
des Einführens eines Einsatzstückes, das mindestens im Hauptteil durchsichtig ist,
in den After des zu kastrierenden Tieres und das Kastrieren mittels einer am Einsatzstück
befestigten
Vorrichtung unter Feststellung der Lage der Geschlechtsorgane durch das Einsatzstück
und die Afterwand hindurch. Die Erfindung umfaßt auch ein Gerät zur Durchführung
des Verfahrens.
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Der Hauptgedanke und der oben bezeichnete Zweck der Erfindung werden
aus nachstehender eingehender Beschreibung an Hand der Zeichnungen, die einige Ausführungsbeispiele
der Erfindung veranschaulichen, klar verständlich. In den Zeichnungen ist Fig. 1
teilweise im Schnitt eine Seitenansicht eines Gerätes gemäß der Erfindung, wobei
eine Injektionsnadel zum Kastrieren verwendet wird; Fig. 2a zeigt im Schnitt eine
Seitenansicht des Einsatzstückes des in Fig. I veranschaulichten Gerätes; Fig. 2b
zeigt im Schnitt ein anderes Einsatzstück entsprechend demjenigen in Fig. 2 a; Fig.
3 ist eine teilweise geschnittene Seitenansicht eines weiteren Ausführungsbeispiels
des Geräts nach der Erfindung, worin eine unter elektrischer Spannung stehende Nadel
zum Kastrieren dient; Fig. 4a zeigt im Schnitt eine Seitenansicht des Einsatzstückes
des in Fig. 3 veranschaulichten Geräts; Fig. 4b zeigt im Schnitt die - Seitenansicht
eines weiteren Einsatzstückes entsprechend demjenigen von Fig. 4a; Fig. 5 ist ein
Querschnitt des in Fig. 3 dargestellten Führungsrohres, und Fig. 6 ist ein Schaltschema
einer im Gerät nach Fig. 3 zu verwendenden Stromquelle.
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In dem in Fig. 1, 2 a und 2b dargestellten Gerät, das ein Ausführungsbeispiel
zur Durchführung des Verfahrens gemäß der Erfindung veranschaulicht, ist ein Hauptzylinder
I mit einem Sichtende 2, einer Vergrößerungslinse 7 und einem Filter 8 versehen.
Ein Beleuchtungsz'yiinder 3 am Hauptzylinder I ist mit einer Lichtquelle 4 und einer
Kondensorlinse 5 ausgestattet. Ein Einsatzstück g aus beliebigem gegebenenfalls
transparenten Material, z. B. Glas, Kunstharz oder irgendeinem anderen Kunststoff,
das an seinem Ende mit einem durchsichtigen Kopfstück I I und mit einem Flansch
IO' an seinem Unterteil versehen ist, ist mittels einer Ringmutter 10 lösbar am
Ende des Hauptzylinders I befestigt. Das Einsatzstück 9 kann aus einem hohlen Rohr
nach Fig. 2 a oder einem massiven Teil nach Fig. 2b bestehen. Ein ringförmiger Reflektor6
ist schräg im Hauptzylinder 1 angeordnet, so daß er die durch die Kondensorlinse
5 von der Lichtquelle 4 einfallenden Lichtstrahlen reflektieren und sie durch das
Einsatzstück 9 in Richtung des Kopfstückes II projizieren kann. In diesem Fall kann
an Stelle des Reflektors eine halbdurchsichtige Platte verwendet werden. Ein Führungsrohr
I2 ist in dem Einsatzstück 9 gelagert und an seinem Oberteil aus der Öffnung 13
des Zylinders I herausgeführt. Ein Führungszylinder I4 ist mittels einer Halterung
15 am Zylinder I befestigt. Ein Einspritzapparat - (Injektor) I6 ist verschiebbar
auf dem Zylinder 14 gelagert. Eine Einspritznadel I7 ist durch das Führungsrohr
I2 geführt und in ihrer Länge so gewählt, daß die Nadelspitze im Kopfstück II geborgen
und je nach entsprechender Gleitbewegung der Injektionsnadel I6 in dem Führungszylinder
14 vorgeschoben oder in das Kopfstück II zurückgezogen werden kann.
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Wenn mit dem Gerät nach Fig. I die Geschlechtsorgane eines Hahnes
kastriert werden sollen, wird zunächst die Lichtquelle 4 an eine Stromquelle angeschlossen
und eine Chemikalie, wie Formalin, Silbernitrat oder ein anderes für die Kastrierung
wirksames Mittel in den Injektor I6 eingeführt.
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Das Einsatzstück 9 wird dann mit der im Kopfstück ii verborgenen Nadel
durch den After in den Mastdarm so eingeführt, daß die Oberfläche des Kopfstückes
II in eine Stellung unmittelbar an den Geschlechtsorganen gelangt. Dann wandern
die von der Stromquelle 4 ausgesandten Lichtstrahlen nach Reflexion an dem Reflektor
6 zu dem Kopfstück I I.
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Auf diese Weise werden die Geschlechtsorgane durch die durch das Kopfstück
II und die Mastdarmwand hindurch projizierten Lichtstrahlen beleuchtet. Das von
den Geschlechtsorganen reflektierte Licht kehrt durch die Mastdarmwand und das Kopfstück
II in das Einsatzstück g zurück und wandert weiter durch die Mitte des Reflektors
6, die Linse 7 und das Filter 8. Durch Einblick in das Sichtende 2 ist es also möglich,
die Lage der Geschlechtsorgane deutlich zu beobachten. Wenn nun bei auf die Organe
gerichteter Stellung des Führungsorgans I2 der Einspritzapparat I6 etwas gesenkt
wird, um die Injektionsnadel aus dem Kopfstück II hervortreten zu lassen, dringt
die Nadel durch die Mastdarmwand in die Organe ein. Es ist daher möglich, die Geschlechtsorgane
leicht und in kurzer Zeit mittels Betätigung des Injektors I6 zu kastrieren. Wenn
nach dem beschriebenen Vorgang das Einsatzstück g aus dem Mastdarm genommen wird,
heilt das durch die Nadel verursachte Loch von selbst aus.
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In dem Gerät nach Fig. 3 bis 6, das ein anderes Ausführungsbeispiel
zur Durchführung des Verfahrens gemäß der Erfindung darstellt, ist ein Hauptzylinder
I8 mit einem Sichtende 19, einer Vergrößerungslinse 20 und einem Filter 21 versehen.
Ein an dem Hauptzylinder I8 angebrachter Beleuchtungszylinder 22 ist mit einer Lichtquelle
23 und einer Kondensorlinse 24 versehen. Ein Einsatzstück 26 aus demselben Material
wie dasjenige des Einsatzstückes g des Gerätes nach Fig. I und mit einem durchsichtigen
Teil zumindest an seinem Kopfende sowie mit Befestigungsflansch 28 ist lösbar mittels
einer Ringmutter 29 an dem Ende des Hauptzylinders I8 befestigt.
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Das Einsatzstück 26 kann aus einem hohlen Rohr nach Fig. 4a oder
aus einem massiven oder festen Stück nach Fig. 4b gefertigt sein. Ein ringförmiger
Reflektor 25 ist schräg im Hauptzylinder I8 so angeordnet, daß er die durch die
Kondensorlinse 24 eindringenden Lichtstrahlen von der Lichtquelle 23 reflektieren
und sie zum Kopfende des Einsatzstückes 26 projizieren kann, innerhalb des-
sen
ein dünnes Rohr 27 nach Fig. 4 a oder ein enger Kanal 27' nach Fig. 4b vorgesehen
ist. Ein Betätigungsstift 32 ist auf der isolierenden Halterung 30 am Hauptzylinder
I8 gelagert, so daß er durch Drücken des Druckknopfes 3I gegen die Spannung einer
Feder 33 nach unten geschoben werden kann.
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Ein Leitungsdraht 46 ist an einem Ende mit dem Stift 32 und mit einer
Ausgangsklemme 38 eines Hochfrequenzgenerators nach Fig. 6 verbunden.
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Ein Führungsrohr 35 ist in dem Zylinder I8 so gelagert, daß es an
seinem Oberteil aus dem Zylinder I8 herausgeführt werden kann, und ist mit einer
inneren Isolationsschicht 36 nach Fig. 5 versehen.
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Eine mit ihrem oberen Ende an dem Betätigungsstift 32 befestigte Nadel
34 wird durch das Führungsrohr 35 und das dünne Rohr 27 oder den dünnen Kanal 27'
geführt, so daß ihre untere Spitze in das Rohr 27 oder den Kanal 27' zurückgezogen
werden kann, wenn der Druckknopf 3I losgelassen wird, und etwas aus dem Rohr 27
oder dem Kanal 27' herausgeschoben werden kann, wenn der Druckknopf 3I gedrückt
wird. Der in dem Gerät nach Fig. 3 zu verwendende Hochfrequenzgenerator besteht
aus einem Stecker 27, einer Ausgangsklemme 38, einer weiteren geerdeten Klemme 39,
einem Oszillator 40, einem Schalter 41 zum Anlassen und Abschalten des Generators,
einem Umformer 42, einer Entladungsröhre 43, Milliamperemetern 44 und 45 und Umformern
47 für die Heizfäden der Röhren.
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Sollen nun die Sexualorgane eines Hahnes mit dem in Fig. 3 veranschaulichten
Gerät kastriert werden, wird zunächst die Lichtquelle 23 an eine Stromquelle angeschlossen,
und das Einsatzstück 26 wird mit der vollkommen in dem dünnen Rohr 27 verborgenen
Nadel, d. h. bei losgelassenem Druckknopf 3I, durch den After so in den Mastdarm
eingeführt, daß die Oberseite des Einsatzstückes 26 eine Stellung in unmittelbarer
Nähe der Sexualorgane erreicht. Dann fallen die von der Lichtquelle 23 ausgesandten
Lichtstrahlen nach Reflexion an dem Reflektor 25 auf den Kopfteil des Einsatzstückes
26. Auf diese Weise werden die Organe durch das durch den Kopfteil des Einsatzstückes
26 und die Mastdarmwand projizierte Licht beleuchtet; Die von den Organen reflektierten
Lichtstrahlen kehren durch die Mastdarmwand und den Kopfteil in das Einsatzstück
26 zurück und dringen durch die Mitte des Reflektors 25, die Linse 20 und das Filter
21. Blickt man dann durch das Sichtende I9, kann man die Lage der Sexualorgane genau
beobachten. Wenn daher bei auf die Organe gerichteter Stellung des Einsatzstückes
26 der Druckknopf 3I gedrückt wird, so dringt die Nadel 34 durch die Mastdarmwand
in die Organe ein.
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Unter diesen Bedingungen werden, wenn nach Einschalten des Schalters
41 Hochfrequenzstrom durch die Klemme 38, den Leitungsdraht46, die Nadel 34, die
Sexualorgane, den Körper des Hahns, Erdung und Klemme 39 fließt, die Organe leicht
und in kurzer Zeit durch den hindurchfließenden Strom kastriert. Nach dem beschriebenen
Vorgang wird der Schalter 41 geöffnet und das Einsatzstück 26 aus dem Mastdarm genommen.
Das durch die Nadel bewirkte Loch heilt'von selbst aus. Um den Körper des Hahns
während des Vorgangs zu erden, ist lediglich die Benutzung der Mutter 29 aus elektrisch
leitendem Werkstoff, die Verbindung einer Erdleitung mit der Mutter und die Berührung
des Afters des Hahns mit der Mutter erforderlich.
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Beispiel einer Operation mit dem Gerät nach Fig. 3: Die Operation
wurde an männlichen Küken vorgenommen. Nach Durchfließen eines elektrischen Stromes
von mehreren Milliampere und zwei Megaperioden während 10 Sekunden wurden die Testikel
klein und weiß wie Reis und verschwanden in etwa 10 Tagen nach der Operation. Erfolgte
der Stromdurchfluß während einer kürzeren Zeit als oben angegeben, wurden nur einzelne
Teile der Testikel schwach und. weiß und verschwanden wenige Tage nach der Operation,
während die übrigen, nicht beschädigten Teile im Wachstum innehielten.
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Das durch die Nadel verursachte Loch heilte von selbst aus. Wenn
jedoch die Nadel 34 die Mastdarmwand unter Strom gesetzt durchstach, war dies besonders
vorteilhaft, da der durchstochene Teil der Mastdarmwand gleichzeitig desinfiziert
wurde. Anderseits waren keine für das normale Wachstum der Küken schädlichen Nachwirkungen
nach der Operation festzustellen.
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Im Falle einer Kastrierung mit dem in Fig. 3 dargestellten Gerät
kann zwecks Durchflusses eines elektrischen Stromes durch die Sexualorgane die Spitze
der Nadel 34 mit den Organen in Berührung gebracht oder in die Nähe derselben gebracht
werden, statt in diese einzustechen.
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Bei dem Ausführungsbeispiel nach Fig. 3 kann als Hochfrequenzgenerator
ein beliebiger anderer Generator, z. B. ein Lichtbogengenerator an Stelle eines
Entladungsröhrengenerators verwendet werden. Ferner kann die Nadel 34 zum unmittelbaren
Ausbrennen der Organe dienen. In diesem Fall wird eine Heizspirale um die Nadel
gewickelt und bei der Operation unter Strom gesetzt, wobei dieselbe wirksame Kastrierung
wie bei dem Gerät nach Fig. 3 erreicht wird.
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Bisher wurde zum Kastrieren von Tieren deren Afterteil aufgeschnitten,
um die Organe herauszuschneiden und danach die Schnittstelle wieder zu vernähen.
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Gemäß der vorliegenden Erfindung wird jedoch, wie aus der obigen
Beschreibung klar hervorgeht, die Kastrierung in einem einfachen und schnellen Vorgang
ohne die schwierige Operation wie zuvor durchgeführt. Die vorliegende Erfindung
kann daher mit ausgezeichnetem Ergebnis bei der Kapaunenzucht nutzbar gemacht werden.
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Außerdem kann die Vorrichtung nach der Erfindung gewünschtenfalls
wirksam bei der Geschlechtsbestimmung von Tieren Verwendung finden Da selbstverständlich
vielerlei änderungen und Abwandlungen in bezug auf die oben beschriebe nen Einzelheiten
der Erfindung möglich sind, ohne vom Wesen und Inhalt der Erfindung abzuweichen,
ist
dieselbe nicht auf die oben und in den angeschlossenen Ansprüchen verzeichneten
Einzelheiten beschränkt.