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Tiefschachtförderung Die Grenze der zulässigen Länge von unbelastet
freihängenden Förderseilen mit einer Festigkeit von i8ol~g/m@m2 und 7,5facher Sicherheit
liegt bei etwa 2500 m, unabhängig von der Seildimension. Unter Berücksichtigung
der von den Seilen zu tragenden Fremdlast, die sich aus den zu bewegenden Fördergestellen
und der Nutzlast ergibt, verringert sich die zulässige Seillänge bei der Verwendung
eines einzelnen Förderseiles, also bei der sog. Einseilförderung, auf ein ungefähres
Mittel von iooo m Teufe.
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Nachdem mit Teufen über iooo m zu rechnen ist (Tiefschächte), hat
sich die Fachwelt eingehend mit der Frage befaßt, wie diese tiefen Teufen bewältigt
werden können, ohne daß zu große Seildurchmesser erforderlich sind, die sich, wie
bekannt, in vielfacher Hinsicht als nachteilig erwiesen haben. Es sind eine Reihe
entsprechender Vorschläge gemacht worden, die statt einer Einseilförderung, Mehrseilförderung
vorschlugen, und zwar vornehmlich Vierseilförderung, d. h. die Fördergestelle werden
an vier Seile geringeren Durchmessers angehängt. Bei einer solchen Mehrseilförderung
besteht die Schwierigkeit, die ang-ehängte Last gleichmäßig auf alle Seile zu verteilen,
da die unterschiedlichen Dehnungen der einzelnen Seile Seillängenunterschiede ergeben
und außerdem durch ungleiche Treibscheibendurchmesser Verschiebungen zwischen den
einzelnen Seilen hervorgerufen werden können. Es wurden deshalb besondere Ausgleichsvorrichtungen
vorgesehen. Diese Ausgleichsvorrichtungen waren jedoch verhältnismäßig umständlich
und schwer und erforderten zudem besondere raumbeanspruchende Aufbauten auf den
Fördergestellen. Eine entsprechend
ausgebildete Versuchsanlage
wurde auch gebaut. Ob diese Einrichtungen auf großen Teufen einwandfrei arbeiten,
ist bisher praktisch noch nicht erwiesen. Durch diese Ausgleichsvorrichtungen, die
natürlich um so umständlicher sind, je mehr Seile verwendet werden und bei einer
Vierseilförderung einen ungewöhnlich hohen Anteil der Fremdlast ausmachen, werden
die Vorteile, die an sich durch die Verwendung von vier Seilen erzielt werden, zu
einem erheblichen Teil aufgehoben.
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Die Erfindung benutzt die Erkenntnis, daß sich die erreichbare Teufe
keineswegs im gleichen Verhältnis vervielfacht wie die Anzahl der Seile. Der Übergang
von der Einseilförderung auf Zweiseilförderung (bei gleichem Seildurchmesser) ermöglicht
z. B. eine Vergrößerung der Teufe um etwa 750;.. Unter entsprechenden Bedingungen
ergibt eine Dreiseilförderung gegenüber der Einseilförderung eine Vergrößerung der
Teufe um etwa 9o°/0, während eine Vierseilförderung nur eine Vergrößerung der Teufe
auf etwa ioo% ermöglicht und nicht auf 400°,10. Der Ausnutzungsgrad, d.li. das prozentuale
Verhältnis des aufgewendeten Seilnutzgewichtes zu der erreichbaren Teufe, sinkt
also mit der Vervielfachung der Seilzahl. Eine weitere Verschlechterung tritt zudem
dadurch ein, daß mit der Vervielfachung der Seile die Ausgleichsvorrichtungen immer
verwickelter werden und das zusätzliche Totgewicht der Fördergestelle unverhältnismäßig
ansteigt, wodurch sich der Ausnutzungsgrad noch mehr verschlechtert.
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Weiter benutzt die Erfindung die Erkenntnis, daß die Unterschiede
in der Höhenlage der Seilenden, beruhend auf der unterschiedlichen Dehnung der einzelnen
Seile, selbst bei vorläufig in Frage kommenden Teufen bis etwa 160o m, höchstens
nur i m betragen. Erkannt wurde ferner, daß die Längenverschiebungen der einzelnen
Seile zueinander, hervorgerufen durch das Voreilen bzw. Zurückbleiben eines der
Seile infolge unterschiedlicher Treibsaheibendurchmesser, praktisch in einer Größenordnung
von höchstens i m gehalten werden können. Durch die Überlagerung dieser beiden Bewegungen
kann sich also im ungünstigsten Falle die Relativbewegung an den Seilenden auch
bei einer Teufe von i6oo m auf höchstens z m insgesamt erstreicken.
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Die Erfindung besteht darin, für Tiefschächte eine Zweiseilförderung
zu verwenden, deren beide Seile an den Fördergestellen über je einen geraden Doppelhebel
angreifen, die zusammen etwa z m Relativbewegung der Seilenden ausgleichen können.
Hierzu genügt bei einer angenommenen größten Schräglage der Doppelhebel von etwa
45° eine Länge der Doppelhebel von etwa 1400 mm. Durch diese erfindungsgemäße Ausbildung
einer Tiefschachtförderung wird in überraschend einfacher Weise erreicht, daß selbst
die größten, praktisch vorkommenden Unterschiede in der gegenseitigen Lage der Enden
der beiden Förderseile mit Sicherheit ausgeglichen werden und eine stets gleiche
Belastung der beiden Seile erreicht wird, und zwar mit einer Ausgleichsvorrichtung,
die im Gegensatz zu den bisherigen umständlichen Gebilden nur aus einem einzigen,
einfachen und leicht zu verlagernden geraden Doppelhebel an jedem Fördergestell
besteht, der 'keiner besonderen Wartung bedarf.
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Das Totgewicht der Fördergestelle wird also im Gegensatz zu den bisher
vorgeschlagenen Mehrseilfördereinrichtungen wesentlich weniger erhöht. Für den Fall,
daß ein Seil brechen sollte, besitzt das verbleibende Seil, da die Seile mit 7,5facher
Sicherheit ausgelegt werden, noch genügende Tragfähigkeit, um den Förderzug zu beenden.
Es kann deshalb auf eine -Sicherheitsvorrichtung verzichtet werden. Nach der weiteren
Erfindung werden die Doppelhebel so an den Fördergestellen gelagert, daß sie sich
frei durchdrehen und in die senkrechte Totlage einstellen können. Dadurch kann jeder
Doppelhebel bei einem etwaigen Seilbruch zur selbsttätigen zentralen Aufhängung
an dem verbliebenen Seil werden. Das Fördergestell bleibt also auch nach einem Seilbruch
geradehängen, ohne die Spurlatten einseitig zu belasten.
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Zweckmäßigerweise werden die Doppelhebel zwischen den Seitenwandungen
der Kopfkonstruktion der Fördergestelle verlagert; res ist dann kein besonderes
Hilfsgerüst erforderlich.
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Erfindungsgemäß können mit den Doppelhebeln Anzeige-, Melde- oder
Alarmvorrichtungen .in Verbindung stehen, welche die Schwenkbeweegungen meßbar anzeigen
und jedes Überschreiten des Schwenkbereiches melden.
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Um ein Einregulieren der beiden Seile, insbesondere nach dem Auflegen
neuer Seile bzw. nach längeren Betriebszeiten oder unvorhergesehenen Vorkommnissen
in einfacher Weise zu ermöglichen, sollen nach einem weiteren Vorschlag der Erfindung
die beiden Treibscheiben, über die die Förderseile geleitet werden und die starr
miteinander verbunden sind, über eine Versteckvorrichtung o. dgl. zueinander einstellbar
sein.
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Bei Fahrstühlen und ähnlichen Lastenaufzügen in Gebäuden, bei. denen
nur geringfügige Unterschiede in den Seillängen auftreten, hat man bereits balanciera
rtige Hebel zum Ausgleich von Unterschieden in der Seillänge verwendet. Für die
Schachtförderung und insbesondere für die Tiefschachtförderung sind wesentlich andere
Lösungen vorgeschlagen worden, die mit einer Vielzahl von Ausgleichsrollen, hydraulischen
Zylindern, Ketten, Hebeln u. dgl. arbeiten. Bei anderen Ausführungen (dargestellt
in Glückauf 1948, Heft 7/8, S. 103, Abb. 7) ist das Ausmaß der Schwenkbewegung von
Hebeln durch die gegebenen Verhältnisse, Seilabstand u. dgl., so gering, daß eine
Ausgleichbewegung der Seile im Sinne der Erfindung nicht stattfinden kann. Zum Teil
sind die Hebel als Dreieckhebel ausgebildet, bei denen der Aufhängepunkt wesentlich
unter den Angriffspunkten der Seile liegt, so daß jede Seillängenänderung eine starke
Verlagerung der Seile und eine starke Änderung der Heb#edverhältnisse und damit
der Lastverteilung in den Seilen hervorruft. .
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Die Zeichnung gibt ein Ausführungsbeispiel nach
der
Erfindung schematisch wieder, wobei der besseren Übersicht halber die Fördergestelle
nebeneinanderliegend dargestellt sind, während sie in Wirklichkeit hintereinanderliegen.
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Die Fördergestelle i und 2 tragen zwischen den Seitenwandungen ihrer
Kopfkonstruktion 3 und 4, Drehachsen 5 und 6 für die Doppelhebel 7 und 8, an deren
Enden die beiden Förderseile 9 und io angeschlagen sind.
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Das Treibscheibenpaar für die Seile 9 und io besteht aus den Teilen
ii und 12, welche während des Betriebes starr miteinander gekuppelt sind. Zwischen
den beiden Scheiben ii und 12 ist eine nicht näher dargestellte Versteckvorrichtung
bekannter Art eingebaut, durch welche erforderlichenfalls die Stellung der Seile
9 und io zueinander einreguliert werden kann.
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Bei der in der Abbildung gestrichelt eingetragenen Schräglage der
Hebel 7 bzw. 8 von ungefähr 450 und einem angenommenen Seilabstand bzw. einer Hebellänge
von etwa i4oo mm können die Hebel insgesamt etwa 2 m Relativbewegung der Seilenden
ausgleichen.
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Wie die Zeichnung lehrt, ist es aber auch ohne Schwierigkeit möglich,
die Hebel noch bedeutend länger zu gestalten und damit auch größere Unterschiede
auszugleichen, wie sie etwa bei Teufen von noch mehr als i6oo m auftreten können.
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Wird besonderer Wert darauf gelegt, daß der Seilmittenabstand an den
Fördergestellen auch beim Schwenken der Hebel gleichbleibt, so können diese mit
bogenförmigen Auflagen für das Seilende versehen werden. Die Hebel sind dann also
gewissermaßen als Teil eines Umlenkrollenkörpers ausgebildet.
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Die Zweiseilförderung gemäß der Erfindung zeichnet sich gegenüber
den bisherigen Vorschlägen, die für die Behebung der Schwierigkeiten bei der Tiefschachtförderung
gemacht wurden, durch ihre große Einfachheit, ihr geringes Gewicht sowie ihre große
Sicherheit aus und sie hat, lastenmäßig gesehen, den günstigsten Ausnutzungsgrad.
Es können z. B. mit der Zweiseilförderung nach der Erfindung und 68 mm Seildurchmesser
ohne Schwierigkeiten Teufen bis zu i6oo m bewältigt werden.