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Die
Erfindung betrifft ein im wesentlichen reines Polypeptid, das als
ein ASIC1a-Kanalblocker wirkt; insbesondere hat dieses Polypeptid
die Aminosäuresequenz,
die in der Liste von Sequenzen im Anhang unter der Nummer SEQ ID
Nr. 1 dargestellt ist. Es wird auch eine Nukleinsäurekodierung
für ein
solches Polypeptid und ein Verfahren zur Herstellung eines ASIC1a-Kanalblockers
bereitgestellt.
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Protonen-abhängige Na+-durchlässige
Kanäle
sind die einfachste Form von Liganden-abhängigen (gated) Kanälen. Sie
sind vorhanden in vielen neuronalen Zelltypen im ganzen Zentralnervensystem,
was auf eine wichtige Funktion dieser Kanäle bei der Signalübertragung
(Transduktion) hinweist, die mit örtlichen pH-Veränderungen
während
normaler neuronalen Aktivität
zusammenhängt.
Diese Kanäle
spielen möglicherweise
auch eine wichtige Rolle in pathologischen Situationen, wie Gehirnischämie oder
Epilepsie, welche signifikante extrazellulare Azidifizierung erzeugen.
Sie liegen auch vor in nocizeptiven Neuronen und man nimmt an, daß sie für die Schmerzempfindung
verantwortlich sind, welche Gewebeazidose bei Muskel- und Herzischämie, Kornea-Verletzung
und bei Entzündung
und lokaler Infektion begleitet. Erst ganz neuerdings wurde der
erste Protonen-abhängige
Kanal ASIC (Acid Sensitive Ion Channel) geklont (Waldmann, R., Champigny, G.,
Bassilana, F., Heurteaux, C. and Lazdunski, M., „A Proton-Gated Cation Channel Involved in Acid-Sensing", Nature, 386, 173–177, 1997).
Die ASICs gehören
zu einer Superfamilie, welche Amilorid-empfindliche epitheliale
Na+-Kanäle
(ENaCs), den FMRFamid-abhängigen
Na+-Kanal (FaNaC) und die Nematodendegenerine
(DEGs) einschließt,
welche wahrscheinlich mechanosensiblen Na+-durchlässigen Kanälen entsprechen. Es
wurden jetzt mehrere ASIC-Subeinheiten
beschrieben: ASIC1a (Waldmann, R., oben) und ASIC1b (Chen, C. C.,
England, S., Akopian, A. N. and Wood, J. N., „a Sensory Neuron-Specific,
Proton- Gated Ion
Channel", Proc.
Natl. Acad. Sci. USA, 95, 10240–12045,
1998), ASIC2a (Price, M. P., Snyder, P. M. and Welsch, M. J., "Cloning and Expression
of a Novel Human Brain Na+ Channel", J. Biol. Chem.,
271, 7879–7882,
1996) und ASIC2b (Lingueglia, E., de Weille, J. R., Bassilana, F.,
Heurteaux, C., Sakai, H., Waldmann, R. and Lazdunski, M., "a Modulatory Subunit
of Acid Sensing Ion Channels in Brain and Dorsal Root Ganglion Cells", J. Biol. Chem.,
272, 29778–29783,
1997), ASIC3 (Waldmann, R., Bassilana, F., de Weille, J., Champigny,
G., Heurteaux, C. and Lazdunski, M., „Molecular Cloning of a Non-Inactivating
Proton-Gated Na+ Channel Specific for Sensory
Neurons", J. Biol.
Chem., 272, 20975–20978,
1997). Die verschiedenen Subeinheiten liefern Kanäle mit verschiedener
Kinetik, verschiedenen externen pH-Empfindlichkeiten und verschiedener
Gewebeverteilung. Sie können
funktionale Homomultimere sowie Heteromultimere bilden. Sowohl ASIC1a
als auch ASIC1b vermitteln rasch Inaktivierungsströme nach
einer raschen und mäßigen Ansäuerung des äußeren pH.
Während
jedoch ASIC1a sowohl in Gehirnneuronen als auch beteiligten sensorischen
Neuronen vorhanden ist, findet man seine Spleißvariante ASIC1b nur in sensorischen
Neuronen. ASIC2a bildet einen aktiven H+-abhängigen Kanal
und ist im Gehirn reichlich vorhanden, fehlt jedoch im wesentlichen
in sensorischen Neuronen, während
seine Spleißvariante
ASIC2b sowohl in Gehirn- wie sensorischen Neuronen vorhanden und
als ein Homomultimer inaktiv ist. ASIC2b kann mit anderen ASIC-Subeinheiten
und besonders ASIC3 funktionale Heteromultimere bilden. ASIC3 findet
sich ausschließlich
in kleinen sensorischen Neuronen, die als Nocizeptoren wirken. Seine
Expression in verschiedenen Heteromultimer-Systemen erzeugt einen
zweiphasischen Strom mit einer schnellen Inaktivierungsphase gefolgt
von einer aufrechterhaltenen Komponente. Die Assoziierung von ASIC2b
mit ASIC3 bildet ein Heteromultimer mit Eigenschaften (Zeitverlauf
und ionische Selektivität) ähnlich denen
eines nativen aufrechterhaltenen H+-sensiblen
Kanals, der in Spinalganglionzellen (dorsal root = Hinterwurzelganglionzellen)
vorhanden ist und anscheinend eine besonders wichtige Rolle in der
Schmerzempfindung spielt.
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Gifte
von Schlangen, Skorpionen, Seeanemonen, Seeschnecken und Spinnen
sind reiche Quellen von Peptidtoxinen, die sich als sehr wertvoll
in der funktionellen Erforschung von spannungssensiblen und ligand-abhängigen Ionenkanälen erwiesen haben
(Hucho, F. (1995), „Toxins
as tools in neurochemistry",
Ang. Chem. Int. Ed. Eng., 34, 39–50). Dennoch besteht weiter
ein Bedarf neue Materialien zu finden, welche diese Kanäle beeinflussen.
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Die
Erfinder haben den ersten potenten und spezifischen Blockierer der
ASIC1a-Kanäle
aus dem Gift der südamerikanichen
Tarantel Psalmopoeus cambridgei identifiziert und charakterisiert.
Dieser erste potente und spezifische Blockierer der ASIC1a-Kanäle wird
hiernach Psalmotoxin 1 (PcTX1) genannt.
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Das
molekulare Gerüst
von PcTX1 ist wahrscheinlich ähnlich
dem früher
für sowohl
Kegelschnecken- als auch Spinnentoxine beschriebenen (Narasimhan,
L., Singh, Jr., Humblet, C., Guruprasad, K. und Blundell, T., „Snail
and Spider Toxins Share a Similar Tertiary Structure and ,Cystine
Motif'", Nat. Struct. Biol.,
1, 850–852,
1994; Pallaghy, P. K., Nielsen, K. J., Craik, D. J. und Norton,
R. S., „A
Common Structural Motif Incorporating a Cystine Knot and a Triple-stranded
Beta-sheet in Toxic and Inhibitory Polypeptides", Protein Sci., 3, 1833–1839, 1994).
Es weist eine dreisträngige
antiparallele Beta-Faltblattstruktur auf, die durch drei Disulfid-Brücken vernetzt
und dicht zu dem "Knottin"-Faltungsmuster gefaltet
ist (Norton, R. S. und Pallaghy, P. K., „The Cystine Knot Structure
of Ion Channel Toxins and Related Polypeptides", Toxicon, 36, 1573–1583, 1988). PcTX1 ist gekennzeichnet
durch das ungewöhnliche
Quadruplet Lys25-Arg26-Arg27-Arg28, das wahrscheinlich an
der Oberfläche
des Toxinmoleküls
einen stark positiven „Patch" bildet, der einen
Bereich darstellt, der ein starker Kandidat für Rezeptorerkennung ist.
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PcTX1
ist absolut spezifisch für
ASIC1a und kann zwischen den zwei ASIC1-Spleißvarianten ASIC1a und ASIC1b
unterscheiden, obgleich diese sich nur in ihrer N-endständigen Sequenz
unterscheiden. PcTX1 kann auch zwischen ASIC1a, ASIC2 und ASIC3
unterscheiden. Weiterhin verliert PcTX1 seine Fähigkeit zum Blockieren von
ASIC1a, sobald diese Subeinheit mit einem anderen Mitglied der Familie,
ob ASIC2a oder ASIC3, assoziiert ist.
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Ein
wichtiger Ort der Wechselwirkung von ASIC1a mit PcTX1 liegt wahrscheinlich
in der extrazellularen Strecke von 113 Aminosäuren, die unmittelbar nach
der ersten Transmembrandomäne
liegt. Dies ist der einzige extrazellulare Ort, wo Unterschiede
zwischen ASIC1a und ASIC1b vorhanden sind.
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ASIC1a
ist vorhanden im Zentralnervensystem (besonders im Hippokampus und
der zerebellaren Granulatschicht) sowie in DRG-Neuronen. Elektrophysiologische
Untersuchungen haben gezeigt, daß sowohl zerebellare Granulatzellen
und eine Subpopulation von DRG-Neuronen H+-abhängige Ströme aufweisen,
die bei pH 6 mit Zeitkonstanz von 1,95 bis 2,06 s inaktivieren.
Das ist sehr ähnlich,
wenn nicht identisch, der Zeitkonstante der Inaktivierung (2,10 ± 0,30
s) des homomultimeren ASIC1a-Stroms, exprimiert in COS-Zellen. Die
H+-abhängigen
Ströme
in diesen Neuronen werden durch sehr niedrige Konzentrationen von
PcTX1 inhibiert. Die Ähnlichkeit
der Inaktivierungskinetiken und pH-Abhängigkeit in der selektiven
Blockierung des Stroms durch PcTX1 und die nahezu Identität der IC50-Werte
für die
Blockade von ASIC1a-Kanälen
(IC50 = 0,9 nM) und von nativen Kanälen (IC50 = 0,7 nM) weist stark darauf hin, daß der H+-abhängige
Strom mit τinact von ~2 s in sowohl DRG-Zellen als auch
zerebellare Granulatzellen vermittelt wird durch eine homomultimere
Anordnung von ASIC1a. Diese Ansicht wird gestützt durch die Tatsache, daß keiner
der untersuchten heteromultimeren Kanäle (ASIC1a/ASIC2a und ASIC1a/ASIC3)
für das
Toxin empfindlich ist.
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DRG-Neuronen
exprimieren auch H+-abhängige Ströme mit Zeitkonstanten der Inaktivierung,
die entweder schneller oder langsamer als die Zeitkonstante der
Inaktivierung des homomultimeren ASIC1a-Stroms sind. Eine Klasse
dieser proton-abhängigen Kanäle inaktiviert
mit einer schnellen Rate (τinact = 0,24 ± 0,03 s), die sehr ähnlich ist
der Inaktivierungsrate des in COS-Zellen exprimierten ASIC1a/ASIC3-Kanals
(τinact = 0,19 ± 0,01 s). Dieser rasch inaktivierende
Strom ist wie der von ASIC1a/ASIC3-Heteromultimeren erzeugte Strom unempfindlich
gegen PcTX1. Es ist daher wahrscheinlich, daß der schnell inaktivierende
H+-abhängige Na+-Kanal in DRG-Neuronen das ASIC1a/ASIC-Heteromultimer
ist.
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Der
ASIC3-Strom allein oder in Assoziierung mit ASIC2b entspricht dem
in DRG-Zellen aufgezeichneten aufrechterhaltenen Strom. Weder ASIC3-Homomultimere, ASIC3/ASIC2b-Heteromultimere
noch die nativen nichtaktivierenden H+-abhängigen Kanäle werden
durch PcTX1 blockiert.
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Spinnengifte
sind Cocktails von neuroaktiven Peptiden, die ihre Beute durch eine
Vielzahl von molekularen Mechanismen lähmen können. PcTX1 ist ein potentes Werkzeug,
welches jetzt den Weg zu einer genaueren Analyse der physiologischen
Funktion der wichtigen Klasse von H+-abhängigen Na+-Kanälen
eröffnet.
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So
betrifft die Erfindung ein im wesentlichen reines Polypeptid, das
als ein ASIC1a-Kanalblocker wirkt. Die Erfindung betrifft besonders
ein im wesentlichen reines Polypeptid, das als ein ASIC1a-Kanalblocker
wirkt und aus dem Gift der südamerikanischen
Tarantel Psalmopoeus cambridgei extrahiert ist. Dieses als ein ASIC1a-Kanalblocker
wirkende Polypeptid hat vorteilhafterweise ein berechnetes Molekulargewicht
von etwa 4689 Da. Die Wirkungen dieses als ein ASIC1a-Kanalblockers wirkenden
Polypeptids sind vorteilhafterweise reversibel
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Vorzugsweise
weist das als ein ASIC1a-Kanalblocker wirkende Polypeptid die folgende
Aminosäuresequenz
auf EDCIPKWKGCVNRHGDCCEGLECWKRRRSFEVCVPKTPKT, die im Anhang in der
Liste von Sequenzen unter der Nummer SEQ ID Nr. 1 dargestellt ist,
und deren pharmazeutisch annehmbare Salze.
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Die
Erfindung betrifft ein Nukleinsäuremolekül, das eine
Nukleinsäuresequenz
aufweist oder daraus besteht, die für ein als ein ASIC1a-Kanalblocker funktionierendes
Polypeptid kodiert. Die Erfindung betrifft auch ein Nukleinsäuremolekül, das für ein als
ein ASIC1a-Kanalblocker funktionierendes Polypeptid kodiert, dessen
Aminosäuresequenz
im Anhang in der Liste von Sequenzen unter der Nummer SEQ ID Nr.
1 dargestellt ist.
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Ein
anderes Ziel der Erfindung sind polyklonale oder monoklonale Antikörper, die
gegen ein erfindungsgemäßes, als
ein ASIC1a-Kanalblocker funktionierendes Polypeptid, ein Derivat
oder ein Fragment derselben gerichtet sind. Diese Antikörper können nach
den in der Literatur beschriebenen Verfahren hergestellt werden.
Gemäß Methoden
nach dem Stand der Technik werden polyklonale Antikörper gebildet
durch Injektion von Proteinen, die aus dem Epithel eines Wirts extrahiert
oder durch genetische Transformation hergestellt sind, in Tiere
und anschließende
Gewinnung von Antiseren und Antikörpern aus den Antiseren durch
beispielsweise Affinitätschromatographie.
Die monoklonalen Antikörper
können
hergestellt werden durch Verschmelzen von Myelomazellen mit Milzzellen
von Tieren, die zuvor unter Verwendung der Rezeptoren der Erfindung immunisiert
werden. Diese Antikörper
sind nützlich
bei der Suche nach neuen Polypeptiden, die als ein ASIC1a-Kanalblocker
wirken, oder den Homologen dieses Polypeptids in anderen Spezies.
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Die
Erfindung betrifft auch einen Vektor, der wenigstens ein Molekül der obigen
Nukleinsäure
aufweist, vorteilhafterweise assoziiert mit angepaßten Kontrollsequenzen,
zusammen mit einem Herstellungs- oder Expressionsverfahren in einem
zellularen Wirt eines erfindungsgemäßen, als ein ASIC1a-Kanalblocker
wirkenden Polypeptids oder eines Fragments desselben. Die Gewinnung
dieser erfindungsgemäßen Vektoren
sowie die Herstellung oder Expression in einem Proteinwirt kann
nach dem Fachmann bekannten Methoden der Molekularbiologie und Gentechnik
durchgeführt
werden.
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Ein
Nukleinsäuremolekül, das für ein erfindungsgemäßes, als
ein ASIC1a-Kanalblocker
wirkendes Polypeptid oder einen erfindungsgemäßen Vektor kodiert, kann auch
zur Transformation von Tieren und zur Erzeugung einer Linie von
transgenen Tieren verwendet werden. Der verwendete Vektor wird in
Abhängigkeit vom
Wirt gewählt,
in den er transferiert werden soll; er kann irgendein Vektor wie
ein Plasmid sein. So betrifft die Erfindung auch zellulare Wirte,
die ein Polypeptid exprimieren, das als ein ASIC1a-Kanalblocker
wirkt, das gemäß den vorangehenden
Verfahren erhalten wurde.
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Die
Erfindung betrifft auch Nukleinsäure-
und Oligonukleotid-Testsubstanzen,
die aus den Molekülen von
Nukleinsäure
gemäß der Erfindung
hergestellt sind. Diese Testsubstanzen, die vorteilhafterweise markiert sind,
sind nützlich
zur Detektion von Hybridisierung ähnlicher Polypeptide, die als
ein ASIC1a-Kanalblocker in andern Individuen oder Spezies wirken.
Gemäß Methoden
des Standes der Technik werden diese Testsubstanzen mit einer biologischen
Probe in Berührung
gebracht. Es können
verschiedene Hybridisierungsmethoden verwendet werden, wie Dot-Blot-Hybridisierung
oder Replika-Hybridisierung (Southern Technique) oder andere Methoden
(DNA-Chips). Diese Oligonukleotid-Testsubstanzen sind nützlich für PCR-Untersuchungen beispieslweise
die Suche nach Genen in anderen Spezies oder mit anderer diagnostischer
Zielsetzung.
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Ein
anderer Zweck dieser Erfindung ist ein pharmazeutisches Präparat, das
ein als ein ASIC1a-Kanalblocker wirkendes Polypeptid, wie erfindungsgemäß offenbart,
oder die pharmazeutische annehmbare Salze desselben und einen pharmazeutischen
annehmbaren Träger
enthält.
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Die
Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines ASIC1a-Kanalblockers, welches
folgende Stufen aufweist:
- (a) Beschaffung von
wenigstens einer Psalmopoeus cambridgei-Spinne;
- (b) Gewinnung von Gift von der wenigstens einen Spinne durch
elektrisches Melken dieser wenigstens einen Spinne;
- (c) Trennung der Komponenten dieses Giftes durch Umkehrphasen-Chromatographie,
so daß Toxine
dieses Giftes getrennt werden;
- (d) Trennung der Komponenten des Giftes durch Kationenaustausch-Chromatographie;
- (e) Rückgewinnung
und Isolierung der getrennten Toxine dieses Giftes; und
- (f) Kombination des isolierten Toxins mit einem pharmazeutisch
annehmbaren Träger,
so daß das
Toxin als ein ASIC1a-Kanalblocker wirken kann.
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Weitere
Vorteile und Einzelheiten der Erfindung erschließen sich beim Lesen der folgenden
Beispiele, welche die Reinigung, die Peptidcharakterisierung und
die Wirkung von PcTX1 auf die Aktivität von ASIC1a-, ASIC1b-, ASIC2a-
und ASIC3-Kanäle betreffen
und welche sich auf die beigefügten
Zeichnungen beziehen, worin
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1 hat
mehrere Teile, welche die Reinigung und Charakterisierung von PcTX1
betreffen. Teil A ist eine graphische Wiedergabe einer Umkehrphasen-HPLC-Trennung
von rohem Psalmopoeus cambridgei-Gift. Teil
B ist eine graphische Darstellung einer Kationenaustausch-Chromatographie der
PcTX1 enthaltenden Fraktion der Umkehrphasen-HPLC-Trennung. Teil C ist eine graphische
Darstellung der Kationenaustausch-Chromatographie von PcTX1n und
PcTX1n + PcTX1s. Teil D zeigt die Sequenz von PcTX1s und Fragmenten
desselben. Teil E ist ein Vergleich von PcTX1 und kurzen Spinnenpeptiden
mit ähnlicher
Struktur und bekannter Wirkungsweise. Teil F zeigt die aufrechterhaltenen
Disulfid-Brücken
in PcTX1.
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2 hat
mehrere Teile, welche die selektive Blockierung von H+-abhängigen Kanälen durch
PcTX1 betreffen. Teil A ist eine graphische Darstellung der Wirkung
von 10 nM PcTX1 auf ASIC1a-Strom. Teil B ist ein Graph, der die
Schließ-Antwort-Kurve
für eine
Blockierung von ASIC1a-Strom mit einem pH-Abfall von 7,4 auf 6 durch
synthetisches PcTX1 zeigt. Teil C ist eine graphische Darstellung
der Wirkung von 10 nM PcTX1 auf ASIC1b-Strom mit einem pH-Abfall
von 7,4 auf 6. Teil D ist eine graphische Darstellung der Wirkung
von 10 nM PcTX1 auf ASIC2a-Strom. Teil E ist eine graphische Darstellung
der Wirkung von 10 nM PcTX1 auf ASIC3-Strom.
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3 hat
mehrere Teile betreffend die Wirkung von PeTX1 auf Homomultimere
und Heteromultimere. Teil A ist ein Graph, der die Wirkung von PcTX1
auf das ASIC1a-Homomultimer zeigt. Teil B ist ein Graph, der die
Wirkung von PcTX1 auf ein ASIC1a + ASIC2a-Heteromultimer zeigt. Teil C ist ein
Graph, der die Wirkung von PcTX1 auf ein ASIC1a + ASIC3-Heteromultimer
zeigt.
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4 hat
mehrere Teile, welche die Wirkung von PcTX1 auf eine Subpopulation
von H+-abhängigen Strömen in Spinalganglion-Neuronen
zeigen. Teil A zeigt Inhibierung von H+-abhängigen Strömen durch PcTX1
in 23 von 48 Neuronen. Teil B zeigt die Wirkung von PcTX1 (50 nM)
auf einen Teil der verbleibenden 25 der 48 Neuronen, welche keine
Antwort zeigten. Teil C zeigt die Wirkung von PcTX1 (5 nM) auf einen
Teil der verbleibenden 25 der 48 Neuronen, welche keine Antwort
zeigten. Teil D ist ein Profil der Verteilung der Zeitkonstanten
in verschiedenen Zellen. Teil E ist ein Graph, der eine Dosis-Inhibierungskurve
zeigt, die von Zellen erhalten wurde, welche die PcTX1-sensiblen
Kanäle
exprimieren. Teil F ist ein Graph, der die Unterdrückung der
Aktivität
in DRG-Neuronen durch PcTX1 zeigt.
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5.
Teil A ist eine graphische Darstellung der Strominhibierung in zerebellaren
Granulatzellen durch PcTX1. Teil B ist ein Graph, der die pH-Abhängigkeit
von protonen-abhängigen
Strom in zerebellaren Zellen zeigt.
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I. Methoden
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I.1. Gift- und Toxinreinigung
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Psalmopoeus
cambridgei (Araneae Theraphosidae)-Gift wurde erhalten durch elektrische
Stimulierung von anästhesierten
Spinnen (Invertebrate Biologics, Los Gatos, USA). Gefriergetrocknetes
rohes Gift wurde in destilliertem Wasser resuspendiert, zentrifugiert
(140000 UpM, 4°C,
20 Minuten) über
0,45 μm
Mikrofilter (SJHVL04NS, 4 mm Durchmesser, Millipore, Japan) filtriert
und vor der Analyse bei –20°C gelagert.
Rohgift, das auf das Zehnfache des Anfangsvolumens verdünnt war,
wurde durch Umkehrphasen C8 HPLC aufgetrennt (10 × 250 mm,
5C8MS, Nacalai Tesque, Japan) unter Verwendung eines linearen Gradienten
von Acetonitril/Wasser in konstant 0,1% Trifluoressigsäure (TFA).
In einer zweiten Reinigungsstufe wurde Kationaustausch-Chromatographie
an einer Tosoh TSK-Gel SPSPW-Sulfopropylsäule (4,6 × 70 mm) (Tosoh, Japan) mit
einem linearen Gradienten von Ammoniumacetat in Wasser (20 mM bis
2 M) angewandt. Insgesamt 160 μl
Gift wurden in zwei getrennten Chargen (10 und 150 μl) gereinigt.
Alle verwendeten Lösungsmittel
waren HPLC-Grad. Die Trennung wurde durchgeführt an einem Hewlett-Packard
HP1100-System gekoppelt mit einem Dioden-Anordnungsdetektor und einem Mikrocomputer,
auf dem die Chemstation®-Software lief. Die Elution wurde bei
215 und 280 nm verfolgt.
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I.2. Peptidcharakterisierung
und Synthese
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I.2.1. Aminosäureanalyse
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Proben
wurden in einer Waters Pico-Tag-Station mit 6N HCl (0,6% Phenol)
bei 110°C
unter Vakuum während
20 Stunden hydrolysiert. Die hydrolysierten Peptide wurden mit PITC
derivatisiert und die derivatisierten Aminosäuremischungen wurden mittels
C18RP-HPLC analysiert unter Verwendung eines Gradienten von 60%
Acetonitril in 50 mM Phosphatpuffer (100 nM NaCl04).
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I.2.2. Sequenzbestimmung
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Das
Peptid wurde reduziert und mit 4-Vinyl-pyridin alkyliert, mittels
C8 RP-HPLC entsalzt
und einer automatisierten N-Ende-Sequenzierung auf einem Applied
Biosystems Modell 477A-Gasphasen-Sequenzer unterworfen.
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I.2.3. Enzymatische Spaltungen
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Reduziertes
alkyliertes Toxin wurde den folgenden Behandlungen unterworfen:
(a) TPCK-behandeltes Trypsin (Sigma Co, USA), 2% G/G, 37°C, 14 h in
100 mM Ammoniumbicarbonat, 0,1 mM CaCl2 pH
8,1. (b) V8-Protease, 37°C,
24 h in 40 mM Ammoniumbicarbonat pH 7,8 in 10% Acetonitril und (c)
BNP-Skatol (2-(Nitrophenylsulfenyl)-3-methyl-3-bromoindolenin),
37°C, 24
h in 75%-iger Essigsäure.
Die erhaltenen Peptide wurden getrennt mittels RP-HPLC unter Verwendung
eines linearen Gradienten von Acetonitril/Wasser in konstant 0,1%
TFA.
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I.2.4. Massenspektrometrie
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Massenspektren
von nativem PcTX1 gelöst
in α-Cyano-4-hydroxyzimtsäure (α-CHCA)-Matrix
wurden aufgezeichnet auf einem MALDI-TOF Perseptive Voyager Elite-Spektrometer
(Perseptive Biosystems, USA) in positiv-ionen-linearem Modus unter
Verwendung einer internen Eichmethode mit einer Mischung von β-Insulin (3495,94
Da) und Rinderinsulin (5733,5 Da). Die Daten wurden unter Verwendung
der GRAMS 386-Software analysiert. Theoretische Molekulargewichte
und pl-Werte wurden aus Sequenzdaten unter Verwendung der GPMAW-Proteinanalysesoftware
(http://130.225-147.138/gpmaw/default.htm) berechnet. Synthetisches PcTX1
wurde in einem Micromass Platform II Electrospray-System (Micromass,
Altrincharn, UK) in positivem Modus (Kegelspannung 20 kV, Temperatur
60°C) analysiert.
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I.2.5. Database-Recherchen
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Sequenzhomologien
wurden bestimmt unter Verwendung von Sequenzen, die aus einer nichtredundanten
Recherche von Proteindatabasen über
den BLAST-Server (blast program http://www.ncbi.nlm.nih-gov/ erhalten
wurden. Sequenzausrichtungen und Prozente der Ähnlichkeit wurden mit ClustalW
(http://www.caos.kun.nl/cammsa/CLUSTALW/clustalw.html) berechnet.
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I.2.6. Peptidsynthese
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Die
Synthese von nativem PcTX1 wurde durchgeführt unter Verwendung von Fmoc/tert-Butyl
und maximaler temporärer
Schutzstrategie auf einem Applied Biosystems 433A-Synthesizer. Das
chemische Verfahren verwendete 0,05 nM Fmoc-Thr(OtBu)-4-hydroxymethylphenoxyharz
(0,39 mmol/g), einen 20-fachen Überschuß von jeder
Aminosäure
und Dicyclohexylcarbodiimid/1-Hydroxy-7-azabenzotriazol-Aktivierung. Schutzentfernung
(1 bis 5 h) und Spaltung (200 mg Peptid + Harz) wurden erreicht
unter Verwendung von 10 ml eines Gemisches von Trifluoressigsäure/Triisopropylsilan/Wasser
(9,5/0,25/0,25, v/v/v). Die saure Mischung wurde dann zweimal in
100 ml kaltem Diethylether gefällt.
Das feste Produkt wurde in 50 ml 10%-iger Essigsäure in Wasser gelöst und gefriergetrocknet.
Das rohe reduzierte Toxin wurde gereinigt durch RP-HPLC an einer C18-präparativen
Säule (21 × 250 mm,
Jupiter) unter Verwendung eines 40 Min-Gradienten von Acetonitril/Wasser in
0,1% TFA (0% bis 18% B in 4 Minuten, 30% B in 30 Minuten, 100% B
in 6 Minuten mit B: 90% Acetonitril/H2O/0,1%
TFA).
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Die
Oxidation des reduzierten Toxins wurde erreicht bei 0,1 mg/10 ml
in entgastem Kaliumphosphatpuffer (10 mM, pH = 7,8) unter Verwendung
des Redox-Paares
reduziertes Glutathion (5 mM)/oxidiertes Glutathion (0,5 mM). Das
Verschwinden des reduzierten Peptids wurde verfolgt durch RP-HPLC
an einer C18-analytischen
Säule (10 × 15 mm,
Vydac, USA) unter Verwendung eines 40 Min-Gradienten (0% bis 18% B in 8 Minuten,
30% B in 26 Minuten, 60% B in 14 Minuten mit B: 90% Acetonitril/H2O/0,1% TFA).
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I.3. Elektrophysiologische
Aufzeichnungen
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I.3.1. Expression in Xenopus
Oozyten
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Das
Klonen von cDNA und die Synthese von komplementärer RNA wurden vorgenommen
wie oben beschrieben. Xenopus laevi wurden gekauft von C.R.B.M.
(Montpellier, Frankreich). Stücke
des Ovars wurde chirurgisch entfernt und einzelne Oozyten wurden
in Salzlösung
(ND96), die 96 mM NaCl, 2 mM KCl, 1,8 mM CaCl2,
2 mM MgCl2 und 5 mM HEPES enthielt (pH 7,4
mit NaOH), seziert. Stufe V und VI-Oozyten wurden zwei Stunden mit
Kollagenase (1 mg/ml, Typ Ia, Sigma, USA) in ND96 behandelt, um
follikulare Zellen zu entfernen. cRNA (ASIC1a, ASIC2a, Kv2.1, Kv2.2)
oder DNA (ASIC1b, ratASIC3, Kv4.2, Kv4.3)-Lösungen wurden injiziert (5
bis 10 ng/μl
für cRNA
und 50 bis 100 ng/μl
für DNA,
50 nl/Oozyt) unter Verwendung eines Druckmikroinjektors. Die Oozyten
wurden bei 19°C
in der ND96-Salinlösung
ergänzt
mit Gentamyzin (5 μg/ml)
gehalten. Die Oozyten wurden zwei bis vier Tage nach der Injektion
von cRNA untersucht. In einer 0,3 ml Perfusionskammer wurde ein
einzelner Oozyt mit zwei Standard-Glas-Mikroelektroden (1 bis 2,5 M-Widerstand)
gefüllt
mit 3M KCl und unter einer Spannungklammer unter Verwendung eines
Dagan TEV 200-Verstärkers
aufgespießt.
Die Stimulierung der Präparation,
Gewinnung der Daten und Analyse wurden unter Verwendung der pClamp-Software
(Axon Instruments, USA) durchgeführt.
Alle Experimente wurden bei Raumtemperatur (21 bis 22°C) in ND96
durchgeführt.
0,1% Rinderserumalbumin wurde zu PcTX1-enthaltenden Lösungen zugesetzt,
um seine Absorption an Schläuchen
und Behältern
zu verhindern. Zur Messung von ASIC-Strömen
wurden Veränderungen
im extranzellularen pH durch rasche Perfusion mit oder ohne PcTX1
nahe dem Oozyten induziert. Testlösungen mit einem pH von 4 oder
5 wurden mit MES statt mit HEPES gepuffert. Spannungsabhängige K+-Kanäle
wurden aktiviert durch Depolarisationstests auf +10 mV von einem
Haltepotential von –80 mV,
und die Toxinlösungen
wurden extern angewandt, indem man sanft 100 μl nahe dem Oozyten einblies.
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Im
anfänglichen
Screening wurden 1 μl
Aliquots von rohem Gift bei einer 1:1000 Verdünnung in ND96-Lösung getestet.
Während
des Fraktionierungsverfahrens wurden Aliquots (1/10) von chromatogaphischen
Fraktionen getrocknet, wieder in ND96 gelöst und dem Oozyten durch Perfusion
zugeführt.
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I.3.2. Expression in COS-Zellen
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COS-Zellen
mit einer Dichte von 20000 Zellen pro 35 mm Durchmesser Petrischale
wurden mit einem Gemisch von CD8 und einem der folgenden Plasmide:
PCI-ASIC1a, PCI-ASIC1b, PCI-ASIC2a oder PCI-ASIC3 (1:5) unter Verwendung
der DEAE-Dextranmethode transfiziert. Die Zellen wurden für elektrophysiologische
Messungen einen bis drei Tage nach Transfizierung verwendet. Erfolgreich
transfizierte Zellen wurden erkannt durch ihre Fähigkeit CD8-antikörper-beschichtete Perlen
(Dynal, Norwegen) zu fixieren.
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I.3.3. DRG-Neuronenkulturen
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Spinalganglien
von zwei bis drei Tage alten Wistar-Ratten wurden mechanisch dissoziiert
und in Kultur in Eagle's
Medium mit 100 ng/ml Nervenwachstumsfaktor supplementiert gehalten.
Die Zellen wurden zwei bis drei Tage nach dem Ausplattieren für elektrophysiologische
Aufzeichnungen verwendet.
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I.3.4. Zerebellare Granulatzellen-Kulturen
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Zerebella
von 4 bis 8 Tage alten Mäusen
wurden seziert, mechanisch dissoziiert und wie oben beschrieben
kultiviert. Die Zellen wurden 10 bis 14 Tage nach dem Ausplattieren
für elektrophysiologische
Aufzeichnungen verwendet.
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I.3.5. Elektrophysiologie
an COS-Zellen und Neuronen
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Ionenströme wurden
aufgezeichnet unter Verwendung entweder der Gesamtzellen- oder Außenseite-Außen-Patch-Clamp-Methode
und die Ergebnisse wurden auf einer Festplatte gespeichert. Die
Datenanalyse wurde unter Verwendung der Serf-Freeware (http://ipmc.cnrs.fr/deweille/serf.html)
durchgeführt.
Statistische Signifikanz von Unterschieden zwischen Sätzen von
Daten wurde abgeschätzt
durch den einseitigen Student-Test. Die Pipettenlösung enthielt
(in mM): KCl 140, MgCl2 2, EGTA 5, HEPES
10 (pH 7,2). Die Badlösung enthielt
(in mM): NaCl 140, KCl 5, MgCl2 2, HEPES
10 (pH 7,3). Veränderungen
im extrazellularen pH wurden induziert durch Verschiebung eines
von sechs Auslässen
eines Mikroperfusionssystems vor der Zelle oder dem Patch. Die Experimente
wurden bei Raumtemperatur (20 bis 24°C) durchgeführt.
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II. Ergebnisse
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II.1. Reinigung
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Das
Screening mehrerer Tarantula-Gifte wurde durchgeführt gegen
geklonte ASIC-Kanäle
exprimiert in Xenopus Oozyten. Dabei zeichnet sich Psalmopoeus cambridgei
-Gift aus als eines, welches einen potenten Inhibitor des ASIC1a-protonen-abhängigen Stroms
enthielt. Eine verdünnte
Lösung
von 1 μl
rohem Gift (1:1000) auf die Oozyte aufgebracht bewirkte eine 90%-ige
Blockierung des ASIC1a-Stroms. Die Auftrennung führte zur Reinigung des geringeren
Giftbestandteils Psalmotoxin 1 (PcTX1) in einem Zweistufenverfahren (1A, B). PcTX1 ist ein 40-Aminosäuren-Peptid,
das sechs Halb-Cysteine besitzt, die durch drei Disulfid-Brücken verbunden
sind. Seine volle Sequenz wurde nachgewiesen durch den N-endständigen Edman-Abbau
des reduzierten-alkylierten Toxins und der mehreren Spaltfragmente.
Diese Fragmente sind in 1D gezeigt.
Das berechnete Molekulargewicht (MW 4689,40 Da Durchschnitt) stimmte überein mit
dem gemessenen Molekulargewicht (4689,25 DA) und legte eine freie
Carbonsäure
am C-endständigen Ende
nahe.
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PcTX1
hat eine begrenzte Gesamthomologie zu anderen Spinnengifttoxinen,
die bisher identifiziert wurden. 1E zeigt
einen Vergleich zwischen PcTX1 und anderen Spinnengifttoxinen. Die
Homologie schwankt von 55,6 bis 68,9%. Jedoch enthält auch
PeTX1 eine konservierte Cysteinverteilung, die sowohl in Spinnengift
als auch Kegelschnecken- und Polypeptidtoxinen gefunden wird, wie
in 1F gezeigt. PcTX1 ist ein basisches
(pi 10,38) Polypeptid mit neun basischen und sechs sauren Resten.
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II.2. Synthese
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Die
chemische Synthese von PsTXI-OH bestätigte unzweideutig die Struktur
von PcTX1. Das gereinigte wiedergefaltete synthetische Toxin (PcTX1s)
und die native Form haben identische gemessene MW und bei der Ko-Injektion
in zwei getrennten Versuchen unter Verwendung von Umkehrphasen-
und Kationenaustausch-HPLC waren natives und synthetisches PcTX1
ununterscheidbar in ihrer Wanderung und eluierten zusammen in beiden
Systemen (1C). Die meisten elektrophysiologischen
Untersuchungen wurden daher mit dem synthetischen Toxin durchgeführt.
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II.3. Selektive Blockierung
von ASIC1a
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Der
Effekt von PcTX1 auf die Aktivität
von ASIC1a-, ASIC1b-, ASIC2a- und
ASIC3-Kanäle
exprimiert in Xenopus laevi Oozyten ist in 2 gezeigt.
Das natürliche
sowie das synthetische Toxin blockieren den bei pH 6 aufgezeichneten
ASIC1a-Strom mit einem IC50 von 0,9 nM (2A und B). Die Blockade ist rasch und reversibel.
PcTX1 bei 10 nM Konzentration blockiert auch vollständig den
ASIC1a-Strom, der durch einen pH-Abfall auf pH 5 oder pH 4 aktiviert
ist (nicht gezeigt). PcTX1 ist hoch selektiv. Weder das natürliche noch das
synthetische PcTX1 (10 nM oder 100 nM) blockierten bei pH 6 aktivierte
ASIC1b-Ströme
( 2C). Ähnlich war der ASIC2a-Kanal
aktiviert bei einem pH-Abfall auf pH 5 unempfindlich gegen die Einwirkung
von PcTX1 bei 10 nM (2D) oder 100
nM (nicht gezeigt). Die schnellen und langsamen Komponenten des ASIC3-Kanals
waren ebenfalls unempfindlich gegenüber der Perfusion von PcTX1
bei 10 nM ( 2E) und 100 nM (nicht
gezeigt). Das Toxin wurde auch getestet am epithelialen ENaC-Kanal
gebildet durch die Vereinigung von Alpha, Beta und Beta-Subeinheiten,
und keine Inhibierung trat auf bei Konzentrationen von 10 nM oder
100 nM PcTX1 (N = 3, nicht gezeigt).
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Sequenzhomologien
von PcTX1 mit anderen Spinnentoxinen, die verschiedene Subtypen
von spannungsabhängigen
K+-Kanälen
blockieren, wie Hanatoxine (Kv2.1), Heteropodatoxine (Kv4.2) und
Phrixotoxine (Kv4.2, Kv4.3) (1E) veranlaßten das
Testen der Wirkung von PcTX1 gegen Kv2.1-, Kv2.2-, Kv4.2- und Kv4.3-Kanäle exprimiert
in Xenopus Oozyten. Diese Kanäle
wurden nicht beeinflußt
von 10 nM oder 100 nM PcTX1 (nicht gezeigt).
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Untersuchungen,
die mit den gleichen ASIC-Kanäle
exprimiert in COS-Zellen
durchgeführt
wurden, bestätigten
die in Oozyten erhaltenen Ergebnisse. ASIC1a wurde durch PcTX1 vollständig inhibiert,
während ASIC1b,
ASIC2a und ASIC3 unempfindlich waren (N = 10 für jeden Kanal) bei der gleichen
Toxinkonzentration (50 nM, nicht gezeigt).
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PcTX1
wurde dann assayed an Heteromultimeren der ASIC1a-Subeinheit (3).
Koexpresssion von ASIC1a und ASIC3 in COS-Zellen erzeugte einen
rasch inaktivierenden H+-abhängigen Strom
(τ = 0,19 ± 0,01 s
bei pH 6, N = 5), der unempfindlich ist gegen PcTX1 (N = 10) (3C), während
ASIC1a-Homomultimere einen
Strom erzeugen, der bei dem gleichen pH 6 langsamer inaktiviert
(τ = 2,10 ± 0,30
s, N = 10), der aber durch PcTX1 (10 nM) vollständig blockiert wird (3A). ASIC1a/ASIC2a-Heteromultimere waren
ebenfalls unempfindlich gegenüber
PcTX1 (3B), was die Spezifizität von PcTX1
zeigt.
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Der
ASIC1a-Kanal kann auch durch Amilorid blockiert werden, aber der
IC50-Wert ist 10 μm, d.h. 104 niedriger
in Affinität
als PcTX1. Außerdem
ist Amilorid nicht selektiv. Es blockiert alle vorübergehenden
Expressionen von Strom erzeugt durch ASIC1a, ASIC1b, ASIC2a und
ASIC3. Amilorid inhibiert epitheliale Na+-Kanäle, das
FMRF-Amid Na+-Kanal, T-Typ Ca2+-Kanäle und viele
andere Transportsysteme, wie die Na+/H+- und Na+/Ca2+-Austauscher.
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II.4. Aktivität von PcTX1
an nativen protonabhängigen
Strömen
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Die
kleinen Hinterwurzelganglion (dorsal root ganglion = DRG)-Neuronen,
die von zwei Tage alten Ratten isoliert waren, wurden bei –60 MV an
Spannung geklemmt und durch einen pH-Abfall von pH 7,3 auf pH 6 stimuliert.
Wie zuvor in kleinen sensorischen Neuronen in Trigeminal Ganglia
beobachtet, bewirkt diese pH- Veränderung
drei verschiedenen Typen von Antworten, die in 4A bis
C dargestellt sind. Die in 4A dargestellten
Ströme
wurden durch 3 bis 10 nM des Toxins PcTX1 blockiert, während H+-evozierte Ströme in anderen Neuronen gegenüber diesem
Toxin unempfindlich waren (4B–C). DRG-Neuronen
exprimieren wenigstens zwei Subpopulationen von vorübergehenden
Strömen
nach Beurteilung ihrer Inaktivierungskonstanten (4A–b, 4D). Eine Population inaktiviert sehr
rasch mit einer Zeitkonstante der Inaktivierung unter 0,5 s, während die
andere Zeitkonstanten zwischen 1 und 3 s hat, wobei die durchschnittliche
Zeitkonstante der Inaktivierung 1,95 ± 0,14 s beträgt (N =
13). Die Daten zeigen klar, daß die
am raschesten inaktivierenden Ströme mit einer durchschnittlichen
Zeitkonstante der Inaktivierung von 0,24 ± 0,03 s (N = 22) unempfindlich gegen
PcTX1 sind. Nur die langsamer inaktivierenden H+-Kanäle sind
hochempfindlich gegen PcTX1.
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Die
in 4E gezeigte Dosis-Antwortkurve
wurde von der PcTX1-sensiblen Population von Neuronen erhalten.
Der IC50-Wert für die Halbmaximum-Inhibierung
ist 0,7 nM, sehr ähnlich
dem Wert von 0,9 mN, der für
in Xenopus Oozyten exprimierte ASIC1a-Kanäle erhalten wurde.
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4F zeigt, daß eine Veränderung des extrazellularen
pHs von pH 7,3 zu pH 6 in Neuronen, welche den in 4A gezeigten
Kanaltyp exprimieren, eine rasche Depolarisierung hervorruft, die
zu einer Abfolge von Aktionspotentialen führt. Dieser Effekt wird durch
sehr niedrige Konzentrationen von PcTX1 blockiert, und diese Inhibierung
ist reversibel, wie sich in der Rückkehr zum Kontrollverhalten
nach Waschen zeigt.
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ASIC-Kanalsubeinheiten
sind hoch exprimiert in zerebellaren und besonders in granularen
Zellen. Es wurden daher diese Zellen verwendet, um die Eigenschaften
dieser Kanäle
in CNS-Neuronen zu analysieren (5). Zerebellare
Granularzellen in Kultur antworteten alle auf einem pH-Abfall von
pH 7,3 auf pH 6 mit einem vorübergehenden
einwärtsgerichteten
Na+-Strom gekennzeichnet durch eine Zeitkonstante
der Inaktivierung von 2,06 ± 0,17
s (N = 10) (5A). Sowohl die Rate der
Inaktivierung als auch die pH-Abhängigkeit dieses H+-abhängigen Na+-Kanals
(pH0,5 6,6 gegen pH0,5 6,4)
sind sehr ähnlich
denjenigen des ASIC1a-Kanals (5B).
H+-abhängige
Na+-Kanäle
mit den gleichen Eigenschaften wurden kürzlich in kortikalen Neuronen identifiziert.
Der vorübergehende
H+-abhängige
Na+-Kanal, der durch Granularzellen exprimiert
war, wurde vollständig
inhibiert durch 10 nM PcTX1 (N = 10) (5A).
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