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Beschreibung Die Erfindung betrifft ein flügelstabilisiertes, unterkalibriges
Geschoß nach dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
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Ein derartiges Geschoß ist aus der US-PS 36 20 167 bekannt. Geschosse
dieser Art haben eine große endballistische Leistung und dienen daher vorzugsweise
zur Bekämpfung gepanzerter Ziele.
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Bei herkömmlichen Geschossen der eingangs näher bezeichneten Art
sind die das Leitwerk des Geschosses bildenden Flügel in Richtung auf das Geschoßheck
gepfeilt ausgebildet und ragen mit ihren Enden noch über das Heck des häufig auch
als Penetrator bezeichneten Geschosses hinaus. Beim Auftreffen eines solchen Geschosses
auf eine schräge Zielfläche, die im Normalfall anzutreffen ist und die etwa zwischen
60 und 85 angestellt ist, berühren die Leitwerksflügel beim Eindringen des Penetrators
in das Zielmaterial die Zieloberfläche relativ großflächig, was zur Folge hat, daß
eine große Kraft auf den Penetrator ausgeübt wird, die vorwiegend normal zur Geschoßachse
gerichtet ist. Dadurch entsteht ein hohes den Penetrator überlastendes Biegemoment,
das in einer Bruchbildung resultiert. Durch die Bruchbildung entsteht wiederum ein
Masseverlust, da die abgebrochenen Teile des Penetrators kaum noch am Zieldurchschlag
teilnehmen können und letztlich eine drastische Minderung der endballistischen Leistung
des Geschosses.
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Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein neuartiges Geschoß
anzugeben, bei dem die zuvor beschriebenen Nachteile vermieden werden.
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Diese Aufgabe wird, ausgehend von einem Geschoß der eingangs näher
bezeichneten Art, durch die im kennzeichnenden Teil des Patentanspruchs 1 angegebenen
Merkmale gelöst.
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Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung gehen
aus den Unteransprüchen hervor.
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Die Erfindung wird nachfolgend unter Bezug auf die Zeichnung näher
erläutert. Dabei zeigt: Fig. 1: ein herkömmliches Geschoß in Seitenansicht; Fig.
2: ebenfalls in Seitenansicht ein gemäß der Erfindung ausgebildetes Geschoß; Fig.3:
ein weiteres Ausführungsbeispiel der Erfindung; Fig.4: ein weiteres Ausführungsbeispiel
der Erfindung; Fig. 5: ein letztes Ausführungsbeispiel der Erfindung.
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Fig. 1 zeigt ein herkömmliches, flügelstabilisiertes unterkalibriges
Geschoß 10 in Seitenansicht während des Zielaufpralls. Das Geschoß umfaßt einen
Penetrator 11 und in dessen Heckbereich angeordnete Flügel 12, die das Leitwerk
bilden. Der nur zum Teil dargestellte Penetrator 11 ist dabei, in eine schräg angestellte
Zielfläche 13 einzudringen. Im Bereich 13 a der Zielfläche 13 trifft dabei die Vorderkante
12 a eines Flügels 12 des Leitwerks auf die Zieloberfläche 13 auf. Aufgrund der
relativ großen Auflage- bzw. Berührungsfläche zwischen dem Flügel 12 und der Oberfläche
des Ziels 13 treten hohe Kräfte auf, deren Resultierende R vorwiegend normal zur
Achse des Geschosses gerichtet ist.
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Diese Kraft R führt zu einem hohen Biegemoment, das auf den Penetrator
11 übertragen wird und, wie durch zahlreiche Beschußergebnisse überprüft werden
konnte, zu einem Bruch des Penetrators 11 in dessen Bereich 11 b führt Diese Bruchneigung
besteht, insbesondere bei heute üblichen Penetratorwerkstoffen, aus Schwermetallzusammensetzungen
wie Wolfram und Wolframverbindungen, die zum Teil in Sintertechnik hergestellt sind.
Der Bruch des Penetrators 11 im Bereich 11 b führt zu einem erheblichen Massenverlust,
da das abgebrochene Reststück des Penetrators 11 in der Regel nicht an der Zieldurchdringung
teilnimmt. insgesamt gesehen führt somit der unerwünschte Bruch zu einer drastischen
Reduzierung der endballistischen Leistung des Geschosses 10.
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Erfindungsgemäß wird vorgeschlagen, die Flügel 12 des Leitwerks,
wie in Fig. 2 dargestellt, negativ gepfeilt auszubilden derart, daß die Spitze 12
b des Flügels 12 des Leitwerks in Flugrichtung zeigt. Beim Eindringen des Penetrators
11 in die vorzugsweise schräg angestellte Zieloberfläche 13 trifft zwar die Flügelspitze
12 b ebenfalls auf die Zieloberfläche 13 auf. Bei der erfindungsgemäßen Ausgestaltung
des Flügels 12 ergibt sich jedoch nur eine relativ kleine Kontaktfläche zwischen
der Flügelspitze 12 b und der Zieloberfläche 13, so daß beim Aufprall nur relativ
kleine Kräfte auf das Geschoß 10 übertragen werden. Wie durch die dargestellte resultierende
Kraft R angedeutet wird, sind zudem diese Kräfte noch überwiegend paralell zur Längsachse
des Geschosses 10 gerichtet, so daß nur ein minimales Biegemoment auf den Penetrator
einwirkt. Durch die achsparallel wirkende Kraftkomponente wird eine Trennung des
Leitwerks vom Penetrator begünstigt (Scherung im Bereich der Gewindeverbindung).
Dies führt wiederum dazu, daß der Penetrator 11 nicht durch über die Flügel 12 übertragene
Krafteinwirkungen zerbricht, so daß die gesamte Penetratormasse für den Zieldurchgang
zur Verfügung steht. Hieraus ergibt sich wiederum eine optimale endballistische
Leistung des Geschosses 10.
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Die in Fig. 2 dargestellte Konfiguration der Flügel 12 des Geschoßleitwerks
hat darüberhinaus noch den Vorteil, daß ein größerer Anteil der Flügelfläche innerhalb
eines für die Funktion der Flügel 12 günstigen Strömungsbereichs liegt. Daraus folgt
wiederum, daß mit einer wesentlich kleineren Flügelfläche der gleiche Stabilisierungseffekt
wie bei herkömmlichen Geschossen mit einer wesentlich größeren Flügelfläche erreicht
werden kann. Die kleinere Flügelfläche verbunden mit einer, in Längsachsenrichtung
des Geschosses gesehen, kürzeren Leitwerkshülse führen zu einem leichteren Leitwerk,
sodaß schließlich ein größerer Gewichtsanteil des Geschosses bei vorgegebenem Gesamtgewicht
dem Penetrator 11 zugeteilt werden kann, der für die endballistischc Leistung des
Geschosses 10 verantwortlich ist.
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Schließlich ergibt sich durch die neuartige Konstruktion auch ein
geringerer oder, im Grenzfall. gar kein Leitwerksüberstand über das Heckende 11a
des Penetrators 11 hinaus, sodaß bei aufgrund der Waffe vorgegebener Patronenlänge
ein endballistisch günstigerer längerer Penetrator 11 oder ein längerer Treibladungsanzünder
in der Patrone untergebracht werden können.
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In Fig. 3, Fig. 4 und Fig. 5 werden weitere Ausführungsformen der
Erfindung erläutert. Die Figuren zeigen jeweils schematisch einen Teil eines Geschosses
10, bestehend aus einem nur teilweise dargestellten Penetrator 11 und einem Flügel
12 umfassenden Heckleitwerk. Fig. 3 zeigt dabei in der oberen Hälfte die herkömmliche
Ausgestaltung eines Heckleitwerks mit einem positiv gepfeilten Flügel 12, während
der untere Teil der Fig. 3 eine weitere Ausführungsform der Erfindung erläutert.
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Geschosse der eingangs näher bezeichneten Art werden mit Hilfe eines
Treibkäfigs verschossen, der in der Regel aus mehreren, vorzugsweise drei Segementen,
besteht und der vom Geschoß 10 abgetrennt wird, nachdem dieses das Waffenrohr verlassen
hat. Ein solcher Treibkäfig 30 ist in Fig. 3 schematisch angedeutet Der Treibkäfig
30 umschließt den Penetrator 11 höchstens auf einem Teil seiner Längserstrekkung
und dient zur Führung des Geschosses 10 im Waffenrohr und zur Übertragung des Gasdrucks
der Treibladungsgase auf den Penetrator 11. In besonders gelagerten Fällen ist es
zweckmäßig den Treibkäfig 30 sehr weit zurückliegend auch im Heckbereich des Geschosses
10 anzuordnen.
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Bei der Ausführungsform der Erfindung nach Fig. 2 können dabei Probleme
bei der Ablösung des Treibkäfigs 30 entstehen, da die sich vom Penetrator 11 abtrennenden
Treibkäfigsegmente von den Spitzen 12 b der Flügel 12 behindert werden. Um diese
Behinderung möglichst zu vermeiden werden, wie in Fig.3 dargestellt, die Vorderkanten
12 a der Flügel 12 zweckmäßig winklig ausgebildet.
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In dem weiteren Ausführungsbeispiel nach Fig.4 zeigt die Vorderkante
12a des Flügels 12 eine gekrümmte Form, wobei das vordere Ende der Flügelwurzel
und die Flügelspitze 12b auf gleicher Höhe angeordnet sind.
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In einer weiteren Variante der Erfindung, die in Fig. 5 dargestellt
ist, ist die Flügelspitze 12b um eine Strecke x in Bezug auf die Vorderkante der
Flügelwurzel zurückgesetzt angeordnet. Die in Fig. 3 bis Fig. 5 dargestellten Varianten
der Erfindung ermöglichen eine ungestörte Ablösung eines weit zum Heckteil zurückgezogen
angeordneten Treibkäfigs 30.
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Die gegebenenfalls noch vorhandenen, in Radialrichtung wirkenden
Kraftkomponenten geringen Betrags werden dadurch unschädlich gemacht, daß die in
allen Ausführungsbeispielen der Erfindung nach Fig. 2 bis Fig. 5 hervorragenden
Spitzen 12 b der Flügel 12 bei Krafteinwirkung federnd nachgeben und/oder verformt
werden, so daß diese Kraftkomponenten sich überhaupt nicht zerstörend auf den Penetrator
11 auswirken können.
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