DE2206692C3 - Verfahren und Vorrichtung zum Betrieb eines Hochofens - Google Patents
Verfahren und Vorrichtung zum Betrieb eines HochofensInfo
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Description
50
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Betrieb eines Hochofens mit Koks und
einem kohlenstoff- bzw. kohlenwasserstoffhaltigen Zusatzbrennstoff, wie beispielsweise Erdöl oder Erdölprodukte,
Erdgas, Koksofengas oder Kohlenstaub, bei dem der Koks wie üblich an der Gicht aufgegeben wird,
während der Zusatzbrennstoff außerhalb des Gestelles in einem Reaktionsraum gespalten wird und die
entstehenden Spaltprodukte nach dem Austritt aus dem Reaktionsraum unmittelbar in das vom Heißwind
durchströmte Düsenrohr oder die Windform eintreten.
Den Bemühungen der Hochöfner, bei der Roheisenerzeugung einen Teil des Kokses durch billigeren
Zusatzbrennstoff zu ersetzen, ist bisher nur ein begrenzter Erfolg beschieden. Zum Beispiel liegt die
zusetzbare Menge öl je Tonne Roheisen nach den bisher bekannten Verfahren kaum über 100 kg/t
Roheisen. Das durch die Windform eingeführte öl ist bei normalem Hochofenbetrieb nur etwa 1/200 Sekunde
im Bereich des Reaktionsraumes vor der Windform, der Sauerstoff, Kohlensäure oder Wasserdampf enthält, mit
dem das öl reagieren kann. Diese Zeit ist für die Spaltung und Oxydation der Kohlenwasserstoffe des
Öles zu gering. Außerdem verbraucht die Spaltung und die Erwärmug der Spaltprodukte im Gestell Wärme, die
dem Hochofen gerade an der empfindlichsten Stelle entzogen wird. Die öleintrittsstelle kann aber im
Düsenrohr auch nicht weiter zurückverlegt werden, weil sonst bei Berührung mit dem Sauerstoff des Heißwindes
das öl zu Kohlensäure und Wasserdampf verbrennt. Die dabei entstehende hohe Temperatur gefährdet die
Windform; andererseits wird das Gestell bei der Reduktion der Kohlensäure und des Wasserdampfes zu
Kohlenoxyd und Wasserstoff durch den glühenden Koks stark abgekühlt.
Deshalb ist vorgeschlagen worden, das öl oder andere Zusatzbrennstoffe außerhalb des Hochofens zu
vergasen und das Gas zur Verbesserung der indirekten Reduktion in den Oberofen einzublasen. Zwecks
besserer Verteilung des zugesetzten Gases wurde auch vorgeschlagen, dieses Gas in die Windformen des
Hochofens einzuführen, obwohl es im Gestell nicht zur Steigerung der Temperatur dienen kann. Im Gegenteil,
dem Gestell wird dabei zusätzlich Wärme entzogen, v/eil dieses zugesetzte Gas auf Gestelltemperatur
gebracht werden muß. Ein Ausgleich kann durch Steigerung der Windtemperatur oder Zusatz von
Sauerstoff gefunden werden.
Deshalb wurde in der deutschen Patentschrift 12 51 351 auch schon vorgeschlagen, das Öl oder einen
anderen Zusatzbrennstoff außerhalb des Hochofens nicht vollständig zu vergasen, sondern bei Sauerstoffmangel
gegebenenfalls unter Zusatz von Wasserdampf und/oder Kohlensäure so zu spalten, daß ein möglichst
großer Anteil an Ruß anfällt, der durch einen kleinen Anteil an Spaltgas als Trägergas in das Gestell des
Hochofens eingeblasen wird, während die gasförmigen Spaltprodukte in die Rast oder den Schacht desselben
eingeführt werden. Die erforderlichen Spalteinrichtungen können dabei den Windformen des Hochofens
vorgeschaltet werden, so daß die entstehenden Spaltprodukte nach dem Austritt aus dem Reaktionsraum
unmittelbar in das vom HcißvHnd durchströmte Düsenrohr oder die Windform eintreten können.
Alle diese Verfahren erfordern allerdings eine aufwendige Apparatur zur Vergasung oder Spaltung
des Zusatzbrennstoffes außerhalb des Hochofens. Eine gleichmäßige Verteilung der Spalterzeugnisse auf die
einzelnen Windformen ist schwierig. Außerdem geht ein Teil des Heizwertes des Zusatzbrennstoffes durch
Abstrahlung und andere unvermeidliche Verfahrensverluste verloren. Schließlich vermindert der hohe Kapitaldienst
solcher Vergasungs- und Spalteinrichtungen die Ersparnis, die durch den Einsatz von Kohle durch
Zusatzbrennstoff erzielt werden soll.
Der Erfindung lag deshalb die Aufgabe zugrunde, diese Schwierigkeiten zu beseitigen und die Menge des
dem Hochofen zusetzbaren Zusatzbrennstoffes mit einer einfachen, leicht zu bedienenden Apparatur zu
steigern.
Diese Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren der eingangs beschriebenen Art, das erfindungsgemäß
dadurch gekennzeichnet ist, daß der Heißwindstrom in der Verbindungsleitung zwischen der Ringleitung und
der Windform in einen Haupt- und einen Nebenstrom zerlegt wird, wobei der Hauptstrom durch die
Windform in das Gesteil strömt, während der Nebenstrom unter Trennung vom Hauptstrom mit dem
Zusatzbrennstoff in Berührung gebracht und dieser dabei gespalten wird, wobei die auf diese Weise
entstehenden Spaltprodukte erst kuiz vor dem Eintritt
in das Gestell des Hochofens »nit dem Hauptstrom vereinigt werden.
Dabei kann der Nebenstrom des Heißwindes zusammen mit dem Zusatzbrennstoff durcn ein im
Düsenrohr koaxial angeordnetes Rohr geleitet werden, so da£ dieses Rohr als Reaktionsraum dient und die
entstehenden Spaltprodukte unmittelbar am Ende des Rohres kurz vor dem Eintritt in das neue Gestell mit
dem Sauerstoff des Hauptstromes zusammentreffen. Das neue Verfahren arbeitet am wirkungsvollsten, wenn
der Zusatzbrennstoff im Reaktionsraum völlig gespalten wird. Ist aber ein als Reaktionsraum dienendes Rohr
der erforderlichen Größe im Düsenrohr nicht unterzubringen, so kann man sich auch mit liner Teilspaltung
zufriedengeben. Auch sie bringt schon eine Verbesserung gegenüber den heute angewandten Methoden der
Einführung des Zusatzbrennstoffes.
Je nach dem Mengenverhältnis des Sauerstoffes zum Zusatzbrennstoff kann in an sich bekannter Weise der
gesamte in diesem enthaltene Kohlenstoff oder nur ein Teil desselben zu Kohlenoxyd verbrannt werden. Im
zweiten Falle entsteht Ruß, der dann erst im Gestell verbrennt und die Temperatur dort im gleichen Maße
steigert als wenn Kokskohlenstoff verbrennt. Wie beim Spalten von derartigen Zusatzbrennstoffen bekannt,
können in das als Reaktionsraum dienende Rohr zusammen mit dem Zusatzbrennstoff Wasserdampf,
Kohlensäure oder andere Gase und Dämpfe eingeführt werden. Außerdem kann auch hier mit Sauerstoff oder
sauerstoffangereichertem Wind gearbeitet werden. Wenn zwecks Verlängerung der Reaktionszeit das
Volumen der Spaltprodukte und ihre Durchflußgeschwindigkeit im Reaktionsraum kleingehalten werden
soll, empfiehlt sich die Zufuhr von Sauerstoff besonders. Dabei läßt sich die Temperatur im Reaktionsraum
beliebig einstellen. Beispielsweise kann man sie mit der Heißwindtemperatur des Hauptstromes gleichhalten
oder aber auch über diese hinaus steigern, damit die Abstrahlungsverluste des Reaktionsraumes der Temperatur
des außen am Reaktionsraum vorbeiströmenden Heißwindes zugute kommen. Die notwendige Aufenthaltszeit
dos Zusatzbrennstoffes im Reaktionsraum hängt natürlich von dessen Art ab. Bei Verwendung
eines schwer zersetzbaren Öles muß der Reaktionsraum möglichst groß sein. Ist dieser als im Düsenrohr koaxial
angeordnetes Rohr ausgeführt, so muß dieses möglichst lang sein und unter Umständen durch die Verbindungsleitung zwischen der Windform und der Ringleitung
möglichst weit an die Ringleitung herangeführt werden. In den meisten Fällen wird aber der waagerecht
verlaufende Teil des Rohres ah Reaktionsraum ausreichen. Außerdem läßt sich der Reaktionsraum auch
dadurch erweitern, daß in Strömungsrichtung der Reaktionsmedien der Durchmesser des Rohres zunächst
vergrößert, dann auf einer Strecke konstant gehalten und schließlich wieder verkleinert wird. Auch
durch den Einbau von Vorrichtungen, wie beispielsweise spiralartige Formstücke, läßt sich der Weg der
Reaktionsmedien in dem als Reaktionsraum dienenden Rohr vergrößern. Schließlich kann der Zusatzbrennstoff,
auch z. B. unter Zumischung von hochgespannten und hocherhitztem Wasserdampf, senkrecht oder
entgegengesetzt zur Strömungsrichtung des Heißwindes in das als Reaktionsraum dienende Rohr eingeführt
werden, so daß sich eine — bei Kohlenstaubbrennern bekannte — Hufeisenflamme ausbildet. Werden als
Zusatzbrennstoff leicht zersetzbare Kohlenwasserstoffe, wie z. B. Benzin, eingeführt, so kann das als
Reaktionsraum dienende Rohr entsprechend kurz ausgebildet werden. Auch ein solches kurzes Rohr
verhindert einerseits, daß die Kohlenwasserstoffe des Zusatzbrennstoffes zu früh mit dem Sauerstoff des
Hauptstromes des Heißwindes in Berührung kommen und dann zu Kohlensäure und Wasserdampf verbrennen.
Das kurze Rohr reicht aber andererseits aus, um den Zusatzbrennstoff wenigstens teilweise zu spalten, so
daß ein Gemisch aus Ruß, Kohlenoxyd und Wasserstoff entsteht, wobei der Ruß — wie bereits festgestellt
wurde — im Gestell verbrennt und die so entstehenden Gase im Oberofen oberhalb des Gestelles die indirekte
Reduktion verbessern.
Das erfindungsgemäße Verfahren läßt sich natürlich auch in der Weise durchführen, daß der Hauptstrom des
Heißwindes durch das im Inneren des Düsenrohres koaxial angebrachte Rohr geleitet wird, während der
Reaktionsraum, in dem der Nebenstrom des Heißwindes mit dem Zusatzbrennstoff umgesetzt wird, durch
den Ringraum geleitet wird, der zwischen der Innenwand des Düsenrohres und der Außenwand des
koaxial im Inneren des Düsenrohres angebrachten Rohres liegt.
Die Vorrichtungen zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens sind in den A b b. 1 und 2 im
Längsschnitt dargestellt. Die Abbildungen lassen dabei die einfache Konstruktion dieser Vorrichtungen klar
erkennen.
A b b. 1 zeigt die gekühlte Windform 1, in der das Düsenrohr 2 endet. Es ist über den Krümmer 3 mit der
Zuleitung 4 verbunden, die zur nicht dargestellten Ringleitung führt. Im Düsenrohr ist koaxial das Rohr 5
angeordnet, das als Reaktionsraum dient. In dieses Rohr mündet die Zuleitung 6, durch die der Zusatzbrennstoff
sowie gegebenenfalls Wasserdampf oder dergleichen eingeführt wird. In der ganzen Länge des Rohres 5 kann
der Zusatzbrennstoff mit dem im Rohr strömenden Nebenstrom des Heißwindes reagieren. Wird als
Zusatzbrennstoff ein leicht zu spaltender Kohlenwasserstoff verwendet, so kann die Zuleitung 6 weit nach
vorn geführt und das Rohr 5 so weit verkürzt werden, daß nur noch ein kurzer Rohrzylinder auf das Ende der
Zuleitung 6 aufgesetzt wird. Es kommt lediglich darauf an, daß der Zusatzbrennstoff beim Austritt aus der
Zuleitung 6, der in diesem Fall beispielsweise durch entsprechende Bohrungen in der Zuleitung 6 erfolgen
kann, nur mit einer kleinen Sauerstoffmenge in Berührung kommt, während die Hauptmenge des
Sauerstoffs aus dem Hauptstrom des Heißwindes erst später kurz vor dem Eintritt in das Gestell mit den
Spaltprodukten zusammentrifft. Der Abstand zwischen dem Ende des Rohres 5 und dem in den Hochofen
hineinragenden Ende der Windform soll so bemessen werden, daß der bei der Spaltung des Zusatzbrennstoffes
entstehende Ruß gerade vor der Windform zündet.
In A b b. 2 haben die gleichen Bezugszeichen die gleiche Bedeutung wie in A b b. 1. In diesem Falle soll
jedoch der Hauptstrom des Heißwindes durch das Rohr 5 strömen und der Nebenstrom mit dem Zusatzbrennstoff
in dem Ringraum zusammentreffen, der zwischen der Außenwand des Rohres 5 und der Innenwand des
Düsenrohres liegt. Das Düsenrohr 2 ist dabei teilweise durch das Rohr 7 ersetzt worden, das sich zunächst
allmählich ausweitet, dann mit dementsprechend größerem Durchmesser zylindrisch verläuft und schließlich
wieder auf den ursprünglichen Durchmesser des Düsenrohres 2 eingeschnürt wird. Dadurch wird der
ringförmige Reaktionsraum vergrößert, so daß die Reaktionsmedien entsprechend langsamer durch den
Reaktionsraum strömen. Das Teilungsverhältnis des Heißwindes ist bei beiden Vorrichtungen (A b b. 1 und
2) durch das Verhältnis der freien Eintrittsquerschnitte des Rohres 5 und des Ringraumes, der zwischen dem
Rohr 5 und dem Düsenrohr 2 liegt, gegeben. In A b b. 2 ist die Zuleitung 6 für den Zusatzbrennstoff senkrecht
zur Strömungsrichtung des Heißwindes angeordnet. Die Zuführung des Zusatzbrennstoffes kann aber auch radial
oder tangential erfolgen. Ebenso kann der Zusatzbrennstoff natürlich auch an verschiedenen Stellen in den
Reaktionsraum eingeführt werden. Das gilt natürlich auch für die Vorrichtung nach A b b. 1.
Die besonderen Vorteile des erfindungsgemäßen Verfahrens liegen darin, daß der Zusatzbrennstoff jeder
Windform einzeln zugeführt wird, ohne das eine Zwischenspeicherung oder ein Transport des Rußes
durch inerte Trägergase notwendig wird. Da der Reaktionsraum sehr nahe vor dem Gestell liegt, können
die gasförmigen Spaltprodukte und der Ruß praktisch mit der Reaktionstemperatur in das Gestell des
Hochofens eingeführt werden, so daß nur geringe Wärnieverluste durch die Spaltung entstehen und die
Zündung des Rußes mit dem Sauerstoff des Hauptstromes des Heißwindes auf kurzem Wege möglich ist
Besonders wichtig ist aber, daß jede Apparatur außerhalb des Hochofens vermieden wird und die
Bedienung beim erfindungsgemäßen Verfahren se einfach ist wie bei der unmittelbaren Einführung des
Zusatzbrennstoffes in das Düsenrohr oder die Windform.
Hierzu 1 Blatt Zeichnungen
¥
Claims (5)
1. Verfahren zum Betrieb eines Hochofens mit Koks und einem kohlenstoff- bzw. kohlenwasserstoffhaltigen
Zusatzbrennstoff, wie beispielsweise Erdöl oder Erdölprodukte, Erdgas, Koksofeugas
oder Kohlenstaub, bei dem der Koks wie üblich an der Gicht aufgegeben wird, während der Zusatzbrennstoff
außerhalb des Gestelles in einem Reaktionsraum gespalten wird und die entstehenden
Spaltprodukte nach dem Austritt aus dem Reaktionsraum unmittelbar in das vom Heißwind
durchströmte Düsenrohr oder die Windform eintreten, dadurch gekennzeichnet, daß der
Heißwindstrom in der Verbindungsleitung zwischen der Ringleitung und der Windform in einen Haupt-
und einen Nebenstrom zerlegt wird, wobei der Hauptstrom durch die Windform in das Gestell
strömt, während der Nebenstrom unter Trennung vom Hauptstrom mit dem Zusatzbrennstoff in
Berührung gebracht und dieser dabei gespalten wird, wobei die auf diese Weise entstehenden Spaltprodukte
erst kurz vor dem Eintritt in das Gestell des Hochofens mit dem Hauptstrom vereinigt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Zusatzbrennstoff senkrecht oder
entgegengesetzt zur Strömungsrichtung des Nebenstromes des Heißwindes in den Reaktionsraum
eingeführt wird.
3. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet,
daß der Reaktionsraum durch ein koaxial im Düsenrohr (2) angeordnetes Rohr (5) gebildet ist.
4. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet,
daß der Reaktionsraum durch den Ringraum gebildet wird, der zwischen der Innenwand des
Düsenrohres (2) und der Außenwand eines im Inneren des Düsenrohres koaxial angebrachten
Rohres (5) liegt, das vom Hauptstrom des Heißwindes durchströmt wird.
5. Vorrichtung nach den Ansprüchen 3 und 4, dadurch gekennzeichnet, daß der freie Querschnitt
des Reaktionsraumes zwischen dem Eintritts- und Austrittsquerschnitt vergrößert ist.
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Publications (3)
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