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Verfahren zur Herstellung von Schichtstoffen mittels in der Wärme
härtbarer Melamin-Formaldehyd-Mischkondensationsharze Die Erfindung bezieht sich
auf ein Verfahren zur Herstellung von Schichtstoffen mittels in der Wärme härtbarer
Melamin-Formaldehyd-Mischkondensationsharze.
- [0002]
Melamin-Formaldehyd-Harze werden in großem Umfang bei der Herstellung
von Schichtstoffen verwendet. Obgleich derartige Harze großen wirtschaftlichen Erfolg
erlangt haben, sind die Harze sowie die daraus hergestellten Schichtstoffe jedoch
drei bekannten Nachteilen unterworfen. Erstens haben die Melamin-Formaldehyd-Harze
für Mehrschichtenkörper oder Schichtstoffe geringe Stabilität in wäßrigen Lösungen
und neigen dazu, sich aus diesen beim Stehen während verhältnismäßig kurzer Zeitdauer,
z. B. 1 bis 2 Tagen, auszuscheiden. Das Harz, das sich aus der Lösung ausscheidet,
kann nicht wieder dispergiert werden und muß verworfen werden. Die Hersteller von
Melamin-Formaldehyd-Harzenfür Schichtstoffemüssen daher diese Harze von den wäßrigen
Lösungen, in denen sie bereitet werden, durch Sprühtrocknen oder ähnliche Trockenprozesse
abtrennen. Diese Trockenstufe erhöht die Kosten für die Harze wesentlich.
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Zweitens ist es notwendig, wenn Melamin-Formaldehyd-Harze zum Irnprägnieren
der obersten Schicht oder Deckschicht von dekorativen Schichtstoffen verwendet werden,
ein besonderes Viskosereyonpapier zu verwenden, um eine maximale Transparenz zu
erzielen. Solche Viskosereyonpapiere sind beträchtlich teurer als Papier mit hohem
a-Cellulosegehalt, das für das Druckblatt der dekorativen Schichtstoffe verwendet
wird. Drittens haben Schichtstoffe, die aus handelsüblichen Melamin-Formaldehyd-Schichtharzen
hergestellt sind, geringe Nachformungseigenschaften.
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Es besteht daher ein technisches Interesse für Schichtstoffe, die
aus Melamin-Formaldehyd-Harzen für Mehrschichtenerzeugnisse hergestellt sind, welche
die vorstehend geschilderten Nachteile nicht aufweisen.
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Es ist ein Verfahren zur Herstellung von flüssigen, halbfesten oder
festen Kunstharzmassen aus Kondensationsprodukten von Carbamiden, Carbamidderivaten
oder Carbamide liefernden Ausgangsmaterialien und Aldehyden bekannt, bei dem zu
dem Gemisch der Ausgangsmaterialien oder zu den bereits gebildeten im Sol- oder
Gelzustand befindlichen Kondensationsprodukten an einer beliebigen Stelle des Arbeitsprozesses
organische Substanzen zugesetzt werden, die mit den Kondensationsprodukten Lösungen
zu bilden vermögen, und zwar vorzugsweise solche, welche die entstehenden Gele klar
lösen bzw. von ihnen klar gelöst werden.
- [0006]
Es ist ferner ein Verfahren zur Herstellung von gießbaren Produkten
durch Kondensation von Harnstoff
mit Formaldehyd unter Verwendung von Zucker, Konzentration
des Gemisches in der Wärme und Polymerisation bekannt, bei dem man etwa gleiche
Mengen Formaldehyd und Harnstoff mit einer Zuckermenge, die etwa 30 bis 400/0 des
Gewichtes jedes dieser Bestandteile beträgt, mit einer kleinen Menge Zinkoxyd als
Katalysator mischt, das Gemisch zwecks Konzentrierung und Kondensation erhitzt,
dann gegebenenfalls filtriert, die Erhitzung unter vermindertem Druck fortsetzt,
in Formen gießt und langsam bei konstanter Temperatur (80 bis 950 C) während längerer
Zeit (36 bis 40 Stunden) polymerisiert.
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Die nach diesen beiden bekannten Arbeitsweisen hergestellten Produkte
sind jedoch nicht zur Herstellung von Schichtstoffen geeignet, was insbesondere
auf das Fehlen einer Beständigkeit gegenüber heißem Wasser und heißem Ö1 zurückzuführen
ist.
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Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, normalerweise feste, nachformbare
und dekorative Schichtstoffe, die mit gewissen modifizierten Harzen gebunden oder
imprägniert sind, herzustellen. Insbesondere sollen gemäß der Erfindung dekorative
Schichtstoffe, bei denen die oberste oder Deckschicht aus einem Papier mit hohem
os-Cellulosegehalt besteht, das mit einem modifizierten Melamin-Formaldehyd-Harz
imprägniert ist, hergestellt werden.
- [0009]
Das Verfahren zur Herstellung von Schichtstoffen mittels in der Wärme
härtbarer Melamin-Formaldehyd-Mischkondensationsharze ist dadurch gekennzeichnet,
daß als Bindemittel ein Míschkondensationsharz aus Rohrzucker, Formaldehyd und Melamin
oder einer
Mischung aus bis zu 97,5 Teilen Melamin mit bis zu etwa
2,5 Teilen Thioharnstoff verwendet wird, wobei das Mischkondensationsprodukt einen
Wasserverdünnungspunkt von 15 bis 350/, besitzt und der Rohrzucker in Mengen von
10 bis 35 Gewichtsprozent, bezogen auf die Gesamtmenge von Melamin bzw.
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Melamingemisch, Rohrzucker und Formaldehyd darstellt und der Formaldehyd
in einem Verhältnis von 2,0 bis 4,0 Mol je Mol-Melamin bzw. Melamingemisch eingesetzt
worden sind.
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Gemäß einer besonderen Ausführungsform des Verfahrens der Erfindung
wird ein Mischkondensationsprodukt verwendet, bei dem der Wasserverdünnungspunkt
20 bis 250/, beträgt und der Rohrzucker in Mengen von 20 bis 25 Gewichtsprozent,
bezogen auf die Gesamtmenge von Melamin bzw.
- [0012]
Melamingemisch, Rohrzucker und Formaldehyd, und der Formaldehyd in
einem Verhältnis von 2,5 bis 3,0 Mol je Mol Melamin bzw. Melamingemisch eingesetzt
worden sind.
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Die in diesem Mischkondensationsharz vorhandenen Anteile der Komponenten
und der Kondensationsgrad des Harzes, der durch den Wasserverdünnbarkeitspunkt definiert
ist, sind für die Erzielung der erwünschten Ergebnisse kritisch. Die gemäß der Erfindung
zu verwendenden Harze sind äußerst stabil und können in wäßrigen Lösungen bei 25"C
während Zeitdauern bis zu etwa 8 Wochen gelagert werden, ohne daß eine Ausfällung
aus den Lösungen stattfindet. Wenn man ein Papier mit hohem ol-CeUulos'egehalt imprägniert,
das als Deckschicht bei der erfindungsgemäßen Herstellung von dekorativen Schichtstoffen
verwendet wird, wird eine überlegene Transparenz gegenüber derjenigen, die mit im
Handel zur Verfügung stehenden Melamin-Formaldehyd-Harzen erhalten wird, erzielt.
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Außerdem haben Schichtstoffe gemäß der Erfindung, die mit diesen Harzen
gebunden sind, ausgezeichnete Eigenschaften hinsichtlich der nachträglichen Verformung.
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Die Erfindung wird nachstehend an Hand von Beispielen näher erläutert,
in denen, wenn nichts anderes angegeben ist, die Mengenangaben auf Gewichtsteile
bezogen sind.
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In den nachstehend angegebenen Arbeitsweisen wird zunächst die Herstellung
von einigen der erfindungsgemäß zu verwendenden Mischkondensationssätze kurz erläutert.
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Arbeitsweise 1 200 Teile (2,5 Mol) einer 370/0eigen Formaldehydlösung
(Formalin) wurden auf einen pH-Wert von 8,9 mit Natriumhydroxyd neutralisiert, und
es wurden dann zu der Lösung 126 Teile (1 Mol) Melamin und 50 Teile Rohrzucker zugegeben.
Die Reaktionsmischung wurde auf 900 C erhitzt und auf dieser Temperatur 3 Stunden
lang gehalten, bis das Harz einen Wasserverdünnbarkeitspunkt von etwa 300/o hatte.
Der pH-Wert der Mischung wird während der ganzen Reaktion auf 8,5 bis 9,0 durch
Zusatz von Ätznatron, falls erforderlich, gehalten. Der Wasserverdünnbarkeitspunkt
ist als die Konzentration von Harzfeststoffen definiert, auf die eine Harzlösung
mit Wasser bei 25"C verdünnt werden kann, bevor ein Beginn der Fällung des Harzes
eintritt. Die Harzlösung wurde dann auf 25"C gekühlt und auf 60°/o Harzfeststoffe
mit Wasser verdünnt. Die 600/0ige Harzlösung konnte 8 Wochen lang bei 25"C ohne
Fällung des Harzes gelagert werden.
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Arbeitsweise 2 Es wurde ein Harz auf genau die gleiche Weise, wie
vorstehend beschrieben ist, hergestellt, mit der Ausnahme, daß die Menge an verwendetem
Rohrzucker von 50 Teilen auf 100 Teile erhöht wurde. Das endgültige Harz enthielt
33 Gewichtsprozent Rohrzucker.
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Arbeitsweise 3 200Teile (2,5 Mol) einer 370/0eigen Formaldehydlösung
(Formalin) und 25 Teile Rohrzucker wurden auf 65"C während einer Zeitdauer von 30
Minuten erhitzt, um den Formaldehyd mit dem Rohrzucker zu kondensieren. Danach wurde
der pH-Wert auf 8,5 mit Natriumhydroxyd eingestellt, und es wurden 126 Teile (1
Mol) Melamin zu der Lösung zugegeben.
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Die Reaktionsmischung wurde auf einem pH-Wert von etwa 8,5 gehalten
und 3 Stunden lang auf 90"C erhitzt, bis das Harz einen Wasserverdünnbarkeitspunkt
von etwa 250/o hatte.
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Arbeitsweise 4 Es wurde ein Harz aus einer Mischung von 126 Teilen
(1 Mol) Melamin, 200 Teilen (2,5 Mol) einer 370/0eigen Formaldehydlösung (Formalin),
50 Teilen Rohrzucker und 1,0 Teil Thioharnstoff nach der vorstehend beschriebenen
Arbeitsweise hergestellt.
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Beispiel 1 Es wurden drei dekorative Schichtstoffe aus sieben Blättern
Kraftpapier, die mit etwa 35 Gewichtsprozent eines im Handel zur Verfügung stehenden
Phenol-Formaldehyd-Harzes imprägniert waren, einem m-Cellulosedruckblatt, das mit
etwa 40 Gewichtsprozent eines Melamin-Formaldehyd-Harzes imprägniert war, und einem
o;-Cellulosedeckblatt, das mit etwa 65 Gewichtsprozent eines Melamin-Formaldehyd-Harzes
imprägniert war, hergestellt.
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Es sei bemerkt, daß die angegebenen Harzprozentsätze in einem mit
Harz imprägnierten Blatt auf das Gewicht der endgültig imprägnierten Blätter bezogen
sind.
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Die Schichtstoffe wurden durch Pressen der Anordnungen während 20
Minuten bei 143"C bei einem Druck von 70 kg/cm2 erzeugt.
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Bei dem Schichtstoff >)A« waren sowohl das Druckblatt als auch
das Deckblatt mit dem Harz, wie es in der Arbeitsweise 1 beschrieben ist, imprägniert.
Bei dem Schichtstoff )>B« war das Deckblatt mit dem Harz gemäß Arbeitsweise 1
imprägniert, während das Druckblatt mit einem im Handel zur Verfügung stehenden
Melamin-Formaldehyd-Harz mit einem Formaldehyd-Melamin-Molverhältnis von 2,5: 1
imprägniert war.
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Bei dem Schichtstoff »C« war sowohl das Deckblatt als auch das Druckblatt
mit einem im Handel zur Verfügung stehenden Melamin-Formaldehyd-Schichtharz mit
einem Formaldehyd-Melamin-Molverhäl tnis von 2,5: 1 imprägniert.
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Die Deckblätter der Schichtstoffe »A« und »B« waren wesentlich transparenter
als das Deckblatt des Schichtstoffes »C«. Demzufolge erschienen die Druckblätter
der Schichtstoffe >)A« und »B« wesentlich klarer, heller und ausdruckvoller als
das Druckblatt des Schichtstoffes »C«.
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Vergleichbare Ergebnisse wurden erhalten, wenn die Deckblätter in
den Schichtstoffen )>A« und »B« mit dem Harz gemäß Arbeitsweise 2, 3 oder 4 imprägniert
wurden.
Es wurde beobachtet, daß die Schichtstoffe, bei denen das Deckblatt mit dem Harz
gemäß Arbeitsweise 4 imprägniert war, einen sehr viel höheren Glanz zusätzlich zu
den anderen verbesserten Eigenschaften aufwies.
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Beispiel 2 Eine dekorative Mehrschichtenplatte wurde aus sieben Blättern
Kraftpapier, die mit etwa 35 Gewichtsprozent eines im Handel zur Verfügung stehenden
Phenol-Formaldehyd-Harzes imprägniert waren, und einem oc-Cellulosedruckblatt hergestellt,
dss ein dunkles Holzfasermuster trug und mit etwa 40 Gewichtsprozent eines Melamin-Formaldehyd-Halzes
imprägniert wat, das ein Formaldehyd-Melamin-Molverhältnis von 2,5: 1 hatte. Eine
Hälfte der Platte wurde mit einem oc-Celluloseblatt von 0,1 mm Dicke bedeckt, das
mit etwa 65 Gewichtsprozent des Harzes gemäß Arbeitsweise 1 imprägniert war. Die
andere Hälfte der Platte wurde mit einem Blatt Viskosereyonpapier von 0,1 mm Dicke
bedeckt, das mit etwa 65 Gewichtsprozent des zui Imprägnierung des Druckblattes
verwendeten Melamin-Formaldehyd-Harzes imprägniert war. Der Schichtstoff wurde 20
Minuten lang bei 143 " C bei einem Dluck von 70 kg/cm2 gepreßt.
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Der Abschnitt der Platte, der mit dem oc-Cellulosepapier, das mit
dem Harz gemäß Arbeitsweise 1 imprägniert war, bedeckt war, war durchsichtiger als
der Abschnitt der Platte, der mit dem Viskosereyonpypier bedeckt war, das mit dem
bekannten Melamin-Formaldehyd-Harz imprägniert war. Demzufolge war der Abschnitt
der Platte, der mit dem -Cellulosepapier bedeckt war, klarer, glänzender, ausdrucksvoller
und ästhetisch gefälliger als der Abschnitt der Platte, der mit dem teueren Viskosereyonpapier
bedeckt war.
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Ähnliche Ergebnisse wurden erhalten, wenn das o-Cellulosedeckblatt
mit einem Harz gemäß Arbeitsweise 2, 3 oder 4 imprägniert war.
- [0032]
Beispiel 3 Teil A Ein nachformbarer Schichtstoff wurde aus einem
nachformbaren Ker'n, einem Druckblatt und einem Deckblatt hergestellt. Der Kern
bestand aus einem unteren Blatt aus Kraftpapier, drei Zwischenblättern aus Kreppapier
und einem oberen Blatt aus Kraftpapier, wobei sämtliche Blätter mit etwa 35 Gewichtsprozent
eines im Handel zur Verfügung stehenden nachträglich formbaren Kresol-Formaldehyd-Harzes
imprägniert waren. Das Druckblatt bestand aus einem 0,3 mm dicken oc-Cellulosepapier,
das mit 40 Gewichtsprozent des in Arbeitsweise 1 beschriebenen Harzes imprägniert
war. Das Deckblatt bestand aus einem 0,1 mm dicken o;-Cellulosepapier, das mit 65
Gewichtsprozent des nach Arbeitsweise 1 beschriebenen Harzes imprägniert war. Der
Schichtstoff wurde durch Pressen der Anordnung während 20 Minuten bei 135"C bei
einem Druck von 70 kg/cm2 hergestellt. Der fertige Schichtstoff war etwa 1,3 mm
dick.
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Teil B Ein Schichtstoff wurde hergestellt, der identisch mit dem
im Teil A beschriebenen war, mit der Ausnahme, daß das Druckblatt und das Deckblatt
mit dem Harz gemäß Arbeitsweise 2 imprägniert wurden.
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Teil C Ein Schichtstoff wurde hergestellt, der identisch mit dem
im Teil A beschriebenen war, mit der Ausnahme, daß das Druckblatt und das Deckblatt
mit dem Harz gemäß Arbeitsweise 4 imprägniert wurden.
- [0035]
Teil D Es wurde ein Kontrollschichtstoff auf genau die gleiche Weise,
wie sie im Teil A beschrieben ist, hergestellt, mit der Ausnahme, daß das zum Imprägnieren
des Druckblattes und des Deckblattes verwendete Harz aus einem im Handel zur Verfügung
stehenden Melamin-Formaldehyd-Harz mit einem Formaldehyd-Melamin-Molverhältnis von
2,5: 1 bestand.
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Teil E Die nachträgliche Formbarkeit der gemäß den vorstehenden Teilen
A, B, C und D hergestellten Schichtstoffe wurde nach der NEMA-Methode LP 2-2.11
bestimmt. Bei dieser Prüfmethode werden die Schichtstoffe erhitzt und um einen Winkel
von 90" in einer Reihe von Spannvorrichtungen gebogen, die verschiedene Krümmungsradien
an der Biegestelle vorsehen. Je kleiner der Krümmungsradius ist, um den der Schichtstoff
ohne Oberflächenrisse gebogen werden kann, um so besser ist die nachtlägliche Formbarkeit
des Schichtstoffes.
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Die Schichtstoffe, die gemäß den vorstehenden Teilen A, B und C hergestellt
waren, konnten um einen Krümmungsradius von 9,53 mm ohne Rissebildung gebogen werden.
Im Gegensatz dazu zeigte der Schichtstoff, der gemäß dem obengenannten Teil D mit
einem bekannten Melamin-Formaldehyd-Harz hergestellt war, Risse, wenn er um einen
Krümmungsradius von 25 mm gebogen wurde.
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Die in den Schichtstoffen gemäß der Erfindung verwendeten Harze sind
sowohl durch das bestimmte Verhältnis der Ausgangskomponenten als auch den Kondensationsgrad
gekennzeichnet. Die Harze enthalten 10 bis 35 und vorzugsweise 20 bis 25 Gewichtsprozent
Rohrzucker, und der Formaldehyd ist in dem Verhältnis von 2,0 bis 4,0, vorzugsweise
von 2,5 bis 3,0 Mol je Mol Melamin vorhanden. Die Harze werden auf die Stufe kondensiert,
bei der sie einen Wasserverdünnbarkeitspunkt von 10 bis 350/o und vorzugsweise 20
bis 250/o haben. Der Wasserverdünnbarkeitspunkt ist als der Gewichtsprozentsatz
Harzfeststoffe definiert, auf den eine wäßrige Harzlösung mit Wasser bei 25 C verdünnt
werden kann, bevor der Beginn einer Fällung des Harzes eintritt. Der Wasserverdünnbarkeitspunkt
kann auch als der kleinste Gewichtsprozentsatz Harz definiert werden, der mit Wasser
bei 25"C gemischt werden kann, um eine noch homogene Einphasenlösung zu bilden.
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Wenn die in dem vorstehenden Absatz diskutierten Grenzen nicht sorgfältig
beobachtet werden, sind die Harze entweder hinsichtlich gewisser wichtiger Eigenschaften
mangelhaft oder verhältnismäßig unstabil in wäßriger Lösung oder beides. Wenn die
Harze weniger als 10 Gewichtsprozent Rohrzucker enthalten, wird eine geringe oder
keine Verbesserung hinsichtlich der Harzeigenschaften erhalten. Wenn andeierseits
die Harze mehr als etwa 35 Gewichtsprozent Rohrzucker enthalten, neigt der Widerstand
von aus solchen Harzen hergestellten Schichtstoffen gegenüber kochendem Wasser dazu,
mangelhaft zu sein. Optimale Lösungsstabilistät wird erzielt, wenn die Harze etwa
10
bis 20 Gewichtsprozent Rohrzucker enthalten, und optimale nachträgliche Formbarkeit
wird erzielt, wenn die Harze 20 Gewichtsprozent oder mehr Rohrzucker enthalten.
Ein optimales Gleichgewicht der Eigenschaften wird erzielt, wenn die Harze etwa
20 bis 25 Gewichtsprozent Rohrzucker enthalten.
- [0040]
In ähnlicher Weise muß das Verhältnis von Formaldehyd zu Melamin
innerhalb des Bereiches von 2,0 bis 4,0, vorzugsweise von 2,5 bis 3,0 Mol Melamin
gehalten werden. Wenn weniger als 2,0 Mol Formaldehyd je Mol Melamin verwendet werden,
neigen die Harze dazu, in wäßriger Lösung unstabil zu sein. Wenn der Formaldehyd
auf mehr als 4,0 Mol je Mol Melamin erhöht wird, neigen die daraus hergestellten
Schichtstoffe dazu, rissig und/oder blasig zu werden und sind mangelhaft hinsichtlich
ihres Widerstandes gegenüber kochendem Wasser.
- [0041]
Gewünschtenfalls kann Thioharnstoff in die vorstehend beschriebenen
Harze in Mengen bis zu etwa 2,5 Gewichtsprozent des Melamins eingeschlossen werden.
Die Gegenwart dieser Menge von Thioharnstoff beschleunigt die Härtungsgeschwindigkeit
des Harzes und erhöht auch den Glanz der aus ihm hergestellten Schichtstoffe. Außerdem
gestattet die Gegenwart von einkondensiertem Thioharnstoff in dem Harz, daß dekorative
Schichtstoffe mit einem mit solchem Harz imprägnierten Dekblatt aus der Presse in
heißem Zustand ohne Verlust an Glanz entfernt werden können. Vergleichbare Ergebnisse
werden dadurch erhalten, daß man Thioharnstoff mit einer Lösung des Harzes in Mengen
bis zu etwa 2,5 Gewichtsprozent des in dem Harz enthaltenen Melamins mischt.
- [0042]
Die Herstellung der Schichtstoffe gemäß der Erfindung wird im allgemeinen
unter Befolgung bekannter Arbeitsweisen ausgeführt. Inerte Füllblättei aus a-Cellulosepapier,
Viskosereyonpapier, Glasgewebe oder Gewebe aus Baumwolle, Wolle oder synthetischen
Fasern werden mit 30 bis 80 Gewichtsprozent Harz imprägniert und auf einen Gehalt
an flüchtigen Stoffen in der Größenordnung von 3 bis 100/o getrocknet. Eine Anordnung
von solchen harzimprägnierten Blättern wird dann einem Druck in der Größenordnung
von 17,5 bis 140 kg/cm2 unterworfen und gleichzeitig 10 bis 60 Minuten bei einer
Temperatur von 93 bis 205"C erhitzt.
- [0043]
Dekorative Schichtstoffe werden aus einer Anordnung von (1) einer
starren Unterlage, (2) einem harzimprägnierten Druckblatt, d. h. einem Papierblatt
mit einer aufgedruckten Zeichnung oder Musterung, und (3) einem harzimprägnierten
Ober- oder Deckblatt hergestellt. Bei solchen dekorativen Schichtstoffen kann die
starre Unerlage aus irgendeinem geeigneten Material, wie Sperrholz, einer harzgebundenen
Holzfaserplatte, Pappe oder einer Mehrzahl von harzimprägnierten Blättern, bestehen.
Das Druckblatt wird vorzugsweise mit dem besonderen, vorstehend beschriebenen Harz
imprägniert, obwohl bei anderen Ausführungsformen der Erfindung das Druckblatt mit
einem nichtmodifi zierten Melamin-Formaldehyd-Harz oder einem Melamin-Formaldehyd-Harz,
das mit geringen Mengen anderer Verbindungen, wie Toluolsulfonamid oder einem Q-Cyanoalkylguanamin,
modifiziert ist, imprägniert werden kann. Das Deckblatt wird mit dem modifizierten
- Melamin-Rohrzucker-Formaldehyd-Harz imprägniert. Obwohl das Deck-
blatt aus Viskosereyonpapier
bestehen kann, ist es ein wertvolles Merkmal der Erfindung darin, daß ausgezeichnete
Durchsichtigkeit sogar dann erhalten wird, wenn das Deckblatt aus einem Papier mit
hohem a-Cellulosegehalt besteht. Tatsächlich ist die Durchsichtigkeit, die mit a-Cellulosepapier,
das mit den Melamin - Rohrzucker - Formaldehyd - Harzen imprägniert ist, der Durchsichtigkeit
wesentlich überlegen, die man mit Viskosereyonpapieren erhält, die mit derzeit zur
Verfügung stehenden Melamin-Formaldehyd-Harzen imprägniert sind. Dies ist eine Angelegenheit
von beträchtlicher Wichtigkeit, da die Viskosereyonpapiere, die zur Zeit für das
Deckblatt verwendet werden, beträchtlich teuerer sind als die Papiere mit hohem
o¢-Cellulosegehalt, die als Druckblatt verwendet werden. Papiere mit hohem a-Cellulosegehalt
sind solche, bei denen die Faserschicht aus wenigstens 90 Gewichtsprozent oc-Cellulose
besteht.
- [0044]
Wenn dekorative Schichtstoffe mit nachträglicher Formbarkeit erwünscht
sind, muß die starre Unterlage aus einem nachträglich verformbaren Material, wie
einer Mehrzahl von Papierblättern, vorzugsweise gekreppten, bestehen, die mit besonders
zusammengesetzten nachträglich formbaren Lacken, wie Kresol-Formaldehyd-Harzen oder
I(resol-Phenol-Formaldehyd-Harzen, imprägniert sind. Das Druckblatt muß entweder
mit Melamin-Rohrzucker-Formaldehyd-Harzen oder einem anderen nachträglich verformbaren
Melaminharz, wie einem Melamin-Toluolsulfonamid-Formaldehyd-Harz oder einem Melamin-Q-Cyanoalkylguanamin-Formaldehyd-Harz,
imprägniert sein.
- [0045]
Das Deckblatt wird mit dem Melamin-Rohrzucker-Formaldehyd-Harz imprägniert.