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Vorrichtung zum Herbeiführen von Kernreaktionen an einer Prallelektrode,
insbesondere zum Erzeugen von Neutronenimpulsen (Neutronenblitzröhre) Für viele
neutronenphysikalische und kerntechnische Messungen benötigt man eine starke instationäre
Neutronenquelle, die es erlaubt, hohe momentane Neutronen-Quellstärken zu erzielen.
Für Anwendungen dieser Art wurden bekanntlich bisher fast ausschließlich Beschleunigungsanlagen
nach Art der Kaskadengeneratoren benutzt, in denen man Deuteronen der Energie von
105 bis 106 eV erzeugt, die dann auf einer Prallplatte an leichten
Atomkernen nach Art der Reaktionen D (d, n) He3, T (d, n) He4 , Be9
(d, n) B10 Neutronen erzeugen.
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Der Aufwand dieser Anlagen ist relativ hoch, und diese Anlagen können
insbesondere zur stoßweisen Erzeugung von hohen Neutronenquellstärken nur in beschränktem
Maße Anwendung finden, da infolge des langen Strahlweges die erreichbaren Strahlstromstärken
der zu beschleunigenden Teilchen auf 10-2 bis 10-1 A beschränkt sind. Dies
ist im wesentlichen eine Folge der Tatsache, daß der infolge der Isolation des Beschleunigungsrohres
erforderliche lange Strahlweg ein hohes Vakuum im Beschleunigungsraum voraussetzt,
wohingegen die Erzeugung der Ionen bei einem um mehrere Zehnerpotenzen höheren Gasdruck
der Ionenquelle stattfindet. Zum Übertritt der Teilchen aus der lonenquelle in den
Hochspannungs-Nachbeschleunigungsraum ist dabei eine enge kanal- oder blendenförmige
Öffnung notwendig, die für den Gasstrom einen erheblichen Strömungswiderstand darstellt
und die erforderliche Druckdifferenz zwischen dem ständig evakuierten Hochvakuum-Nachbeschleunigungsraum
und der mit dem Gas (z. B. Deuteriumgas) beschickten Ionenquelle aufrechterhält.
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Diese enge kanal- oder blendenförinige Öffnung begrenzt nun aber auch
in erheblichem Maße den der Ionenquelle maximal entnehmbaren Ionenstrom, der sich
auch im Impulsbetrieb nicht wesentlich steigern läßt, da infolge der Raumladungswirkung
eines Ionenstrahles spezielle ionenoptische Bedingungen eingehalten werden müssen,
die den wirklich auf der Prallplatte erzielbaren Ionenstrom begrenzen.
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Andere bekannte Anlagen sind von der Überlegung ausgehend entworfen
worden, daß zwischen dicht benachbarten Elektroden höhere Spannungen ohne Durchschlag
aufrechterhalten werden können, wenn die freien Weglängen für die Ionisation im
Gasraum durch die Elektronen groß gegen die Elektrodenabstände sind, da sich dann
keine selbständige Entladung ausbilden kann.
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Daraus ergab sich die Möglichkeit, Beschleunigungssysteme zu bauen,
die bei gleichem Druck wie bei der Niederdruckentladung betrieben werden können.
Bekanntgewordene Anlagen dieser Art erzeugen Ionen in einer Gleichstrom-Niederdruck-Gasentladung
im Magnetfeld (Penning-Entladung). Die Ionen werden in einem einstufigen Beschleunigungssystem
auf etwa 100 kV beschleunigt und lösen an einer Prallplatte Kernreaktionen
aus. Das System ähnelt dem einer Röntgenröhre, wird abgeschmolzen betrieben und
hat sehr geringe Ionenströme.
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Ebenfalls bekannt sind instationäre Systeme, die im Stoßbetrieb (Impulsbetrieb)
arbeiten. Bei diesen wird das Plasma auch durch eine stationäre Niederdruck-Gleichstromentladung
im Magnetfeld (Penning-Entladung mit Glühkathode) erzeugt. Es wird ein kurzzeitiger
Hochspannungsimpuls an die Prallelektrode gelegt, der einen Teil der Plasmaionen
auf die Prallelektrode zu beschleunig Es werden Impulsströme von mehreren Ampere
erzeugt, die erreichbaren Impulsdauern sind bei den in der Penningentladung erzielten
Plasmadichten durch das Zurückweichen der ioneneinittierenden Plasmagrenze vor der
Prallelektrode auf wenige 10-11 Sekunden beschränkt, und die im Impuls erzielten
Ionen-Ladungsmengen sind dementsprechend niedrig, so daß der Nutzeffekt derartiger
Anordnungen klein bleibt. Sie haben sich als technische Lösungen bisher nicht durchsetzen
können. Ihr Anwendungsgebiet liegt bei extrem kurzen Zeitskalen spezieller Messungen.
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Es sind auch schon Hochfrequenz-Ionenquellen für Neutronengeneratoren
vorgeschlagen worden, die jedoch verhältnismäßig kompliziert »mit Extraktionskanälen
u. dgl. aufgebaut sind und entweder mit geringem Gasdruck im Ionisierungsraum arbeiten,
dann aber keine hohen Ionenströme erlauben oder aber zur Erzielung hoher Ionenströme
mit relativ
hohem Gasdruck im Ionisierungsraum arbeiten. Im letzteren
Falle muß aber der Beschleunigungsraum laufend von dem durch die Emissionsöffnung
aus dem Ionisierungsraum eintretenden Gas (kontinuierlich durchlaufender Gasstrom)
evakuiert werden. Ein solcher Druckunterschied zwischen Ionisierungs- und Beschleunigungsraum
ist jedoch für viele Zwecke hinderlich, da er sich nicht für eine von Vakuumpumpen
unabhängige Einrichtung eignet.
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Aufgabe der Erfindung ist es, instationäre Neutronenquellen hoher
Impulsquellstärken mit relativ kleinem Aufwand herzustellen, die auch als abgeschmolzene
Neutronenblitzröhren betrieben werden können und mittlere Quellstärken liefern.
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Das wird nach der Erflndung in überraschend einfacher Weise durch
eine Vorrichtung zum Herbeiführen von Kernreaktionen an einer Prallelektrode (Target),
insbesondere zum Erzeugen von Neutronenimpulsen mit einem Gasentladungsgefäß, das
mit'einer Einrichtung zum Erzeugen einer auf einen definierten Bereich innerhalb
des Gefäßes begrenzten Hochfrequenz-Gasentladung ausgestattet ist und innerhalb
desselben zwei einander hinsichtlich ihrer Oberflächenschwerpunkte praktisch diametral
zum Mittelpunkt des durch die Hochfrequenz-Gasentladung erzeugten Plasmas gegenüberliegende
Elektroden, die an einen Hochspannungsgenerator angeschlossen sind und zur Extraktion
der Ionen aus den Plasma dienen. erfindungsgemäß dadurch erreicht, daß die eine
der beiden Elektroden das Target ist, dessen Abstand von der Plasmagrenze höchstens
von der Größenordnung des doppelten Durchmessers des Ionenstrahlbündels am Ort der
Targetoberfläche ist. Die konstruktive Bestimmung, daß die Oberflächenschwerpunkte
der beiden Elektroden praktisch zum Mittelpunkt des durch die Hochfrequenz-Gasentladung
erzeugten Plasmas gerichtet sein sollen, ist dahingehend zu verstehen, daß die zum
Auftreffen von Ladungsträgern bestimmten Flächen im wesentlichen senkrecht zur gedachten
Verbindungslinie zwischen der Ladungsträgerquelle und den Flächenelementen ausgerichtet
sein sollen, so daß sich eine möglichst große Fläche für die auftreffenden Ladungsträger
ergibt. Hierbei können die Elektrodenflächen selbstverständlich auch eben und daher
im wesentlichen senkrecht zum Plasma ausgerichtet sein. Die außer dem Target mindestens
noch vorgesehene zweite Elektrode (Anode) kann grundsätzlich auch eine stiftförmige
oder ähnlich geartete Elektrode sein, da ihre wesentliche Funktion in der erfindungsgemäßen
Einrichtung darin besteht, das Plasma auf das Gegenpotential zum Targetpotential
zu legen, sie wird jedoch für höhere Impulsfolgen normalerweise flächig ausgebildet,
da sie dann die vom Target durch den Ionenbeschuß ausgelösten Sekundärelektronen
aufnehmen muß.
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Zweckmäßig ist als Hochspannungsgenerator ein gepulster vorgesehen.
Darüber hinaus ist es vorteilhaft, einen elektrodenlosen, d. h. induktiv
oder kapazitiv wirkenden, nicht durch Elektroden direkt mit dem Plasma in leitendem
Kontakt stehenden Hochfrequenz-Ionenerzeuger zu verwenden.
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Die mit der Vorrichtung nach der Erfindung im zeitlichen Mittel erzielbaren
Ergebnisse sind durchaus mit denen konventioneller Kaskadenbeschleuniger vergleichbar,
übertreffen sie jedoch erheblich im Impulsbetrieb, und zwar um mehrere Größenordnungen.
Darüber hinaus ist sie einfacher in ihrem Aufbau und betriebssicherer. Das macht
sie besonders als kleine transportable Apparatur für neutronenphysikalische und
kerntechnische Messungen geeignet.
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In der Abbildung ist eine Ausführungsform der Vorrichtung nach der
Erfindung dargestellt.
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Die Abbildung zeigt ein kugelförmiges Entladungsvolumen
1 mit zwei diametral entgegengesetzt angesetzten Elektrodenräumen, und zwar
dem Anodenraum 2 und dem Beschleunigungsraum 3.
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Der Entladungsraum 1 ist von einer Hochfrequenzspule
6 umgeben. Im Beschleunigungsraum 3 befindet sich die flüssigkeitsgekühlte
Prallelektrodep, die in einem Isolator! gehaltert ist, sowie eine blendenförmige
Elektrode b, die an der metallischen Durchführung d befestigt ist
und deren Blendenöffnung am Rande des Entladungsraumes 1 die kreisrunde Ionenemissionsöffnung
4 freigibt, an die sich in Richtung auf die Prallelektrodep die divergierende Beschleunigungsstrecke
5 anschließt. Die Beschleunigungsstrecke (Absaugstrecke) 5 beginnt
plasmaseitig am Rande des Entladungsraumes 1 in der von der Blendenelektrode
berandeten kugelig gekrümmten Plasmagrenze (strichliniert). Sie endet an der Targetschicht,
die auf der Prallelektrode aufgebracht ist und in der die Kernreaktionen ausgelöst
werden. Im Anodenraum 2 ist außer der Anode a auch noch eine Gasvorratswendel w
vorgesehen, die als elektrisch regulierbarer Gasvorrat der Druckregelung dient.
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Das ganze System ist im Glasgefäß g vakuumdicht eingeschlossen
und kann z. B. über einen an den Anodenraum 2 zusätzlich angesetzten Pumpstutzen
an der Pumpe betrieben werden. Bei Verwendung einer Gasvorratswendel w kann jedoch
das System im Glasgefäß in abgeschmolzenem Zustand betrieben werden.
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Das Plasma wird besonders vorteilhaft unter Verwendung einer leistungsstarken,
induktiv erregten Hochfrequenz-Niederdruckentladung erzeugt. Eine solche Entladung
läßt sich noch bei sehr geringem Druck betreiben. Dazu besteht das Gefäß des Entladungsraumes
1 zweckmäßig aus Keramik oder Glas. Der Vorteil der induktiven Hochfrequenzentladung
besteht vor allem darin, daß die Metallelektroden im Plasmaraum nicht benötigt werden.
Die Rekombinationswahrscheinlichkeit an Metallelektroden würde vor allem bei Entladüngen
in Molekülgasen infolge der Erniedrigung des Atomionenanteils stören. Zum anderen
entfallen bei dieser Entladungsart alle zusätzlichen Leistungsverluste durch Kathodenheizung
und sonstige Vorgänge an den Elektroden. Die durch die Hochfrequenzentladung erzielbaren
Ringströme im Plasma sind um ein mehrfaches höher als die normaler unselbständiger
Niederdruckentladungen, deren Ströme im wesentlichen durch die Emissionsfähigkeit
der Kathoden gegeben sind.
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Die günstigste Form des Entladungsgefäßes ist die Kugelform, da die
Verluste der Entladung proportional der Oberfläche sind. Der Gefäßradius wird an
Hand des Gasdrucks und der Zündbedingung bestimmt. Nach der Zündung bestimmt der
Gefäßradius die Elektronentemperatur, während eine Erhöhung der Hochfrequenzleistung
die Plasmadichte erhöht; weiterhin ist noch die Zylinderform vorteilhaft.
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Um ein gleichmäßiges Absaugfeld über die kreisrunde Emissionsöffnung
zu erzielen, kann die Prallelektrodep in Weiterbildung der Erfindung ebenfalls gekrümmt
sein, wobei ihr Krümmungsmittelpunkt ebenso wie der Krümmungsmittelpunkt der Plasmagrenze
am zweckmäßigsten im Zentrum des Entladungsvolumens 1 liegt. Die Blendenelektrode
b an der Außenwand
des Beschleunigungsraumes sorgt für eine
definierte Feldverteilung am Rande des lonenstrahls und außerhalb. Die Emissionsöffnung
begrenzt den Strahlrand an der Plasmagrenze. Dort bildet die Blendenelektrode mit
dem Strahlrand einen Winkel von 3/, n = 67,5' und sorgt durch ihre
übrige Formgebung in Verbindung mit der Prallelektrode für eine Potentialanpassungdes
raumladungsbeschwertenInnenraumes an den raumladungsfreien Strahlaußenraum. Die
vorgegebene Strahlkante steht dann senkrecht auf den Aquipotentialflächen.
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Die Einstellung der optimalen Krümmung der Plasmagrenze erfolgt durch
Regelung der Senderleistung. Die Form der Plasmagrenze ergibt sich aus der Gleichgewichtsbedingung:
lonendilTusionsstromdichte von der Seite des quasineutralen Plasmas = Ionenemissionsstromdichte
= Dichte der Ionenströmung im Raumladungspotential der Absaugelektrode. Dabei
ist der Ionendiffusionsstrom infolge des radialen Plasma-Dichtegradienten vom Zentrum
der Entladung radial nach außen gerichtet, wobei die Ionen infolge des geringen
Gasdrucks von ihrem Erzeugungsort praktisch das Plasmapotential in radialer Richtung
frei durchfallen und auf die Wandung treffen bzw. an der Plasmagrenze in der Emissionsöffnung
das quasineutrale Plasma verlassen, um in der Beschleunigungsstrecke radial auf
die Prallelektrode zu beschleunigt zu werden.
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Die Ionenströmung der Beschleunigungsstrecke 5
ist durch Raumladung
begrenzt, es wird ein divergenter, nicht auf die Prallelektrode fokussierter Strahlverlauf
erzielt, der für eine gleichförmige hohe Belastung der Targetschicht sorgt. Diametral
dem Beschleunigungsraum entgegengesetzt ist am Entladungsgefäß der Anodenraum 2
angesetzt. Eine großflächige Anode erfaßt den gesamten Querschnitt der von der Prallelektrode
ausgehenden Sekundärelektronenströmung hoher Energie. Die durch die Ionenströmung
an der Prallelektrode ausgelösten Sekundärelektronen sind anfänglich langsam und
werden deshalb in der Beschleunigungsstrecke praktisch gradlinig (orthogonal zur
Prallelektrode, entgegengesetzt der lonenströmung) bis zum Plasmarand beschleunigt
und durchsetzen vermöge ihrer hohen Energie das Plasma nahezu ungehindert, so daß
sie auf der Anode ihre gesamte Energie abgeben. Sie bewegen sich innerhalb des zwischen
Prallelektrodep und Anode a strichliniert angedeuteten Kegels. Ein zweiter Anteil
langsamer Elektronen, der der in der Beschleunigungsstrecke aus dem Plasma angesaugten
lonenströmung entspricht, diffundiert von der Plasmakugel des Entladungsvolumens
1 zur Anode a. Dieser Anteil trägt aber infolge seiner geringen Energie nur
sehr wenig zur Belastung der Anode bei. Der Anodenraum 2 ist durch eine Einschnürung
des Gefäßes g vom Entladungsvolumen 1 getrennt; diese Einschnürung
ist so zu wählen, daß die schnellen direkten Sekundärelektronen das Gefäß nicht
treffen können.
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Bei kleineren Anodenverlustleistungen (geringe mittlere Belastung)
kann die Anode a strahlungsgekühlt betrieben werden, andernfalls ist sie wie im
Ausführungsbeispiel ähnlich der Prallelektrode p zu gestalten und mit einer
Flüssigkeitszwangskühlung zu versehen.
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Soll die Einrichtung unabhängig von Pumpe und Gasversorgung betrieben
werden, so ist ein Vorrat an Entladungsgas in absorbierter Form vorzusehen. Die
Entladung gehrt einen Teil des Gases in dem Metall der Prallelektrode und an den
Gefäßwänden auf. So läßt sich z. B, Deuteriumgas und Tritium in Ti- oder Zr-Drähten
in ausreichendem Maße speichern. Es wird dann in kontrollierter Weise z. B. durch
elektrische Heizung dieser Drähte frei und kann in reversibler Weise zur Regelung
des Gasdrucks während des Betriebes dienen. Im dargestellten Ausführungsbeispiel
wird der Gasvorrat in der Vorratswendel w gespeichert.
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Die Verwendung der Gasentladungsröhre nach der Erfindung zum Erzeugen
von Neutronen aus der T(d,n)He4#Reaktionen ist es vorteilhaft, beim Betrieb mit
abgeschmolzenen Röhren den Gasvorrat aus einer Mischung,von Deuterium und Tritium
bereitzustellen. Dies kann in einem gemeinsamen Vorrat oder auch in gesonderten
Vorratswendeln geschehen. Auch kann eine Verarmung des Tritiums in der Targetschicht
sicher verhindert werden, indem sowohl Tritium als auch Deuterium als Ionen auf
das Target geschossen werden, wo sie steckenbleiben und weiterhin als Zielkerne
dienen. In diesem Falle kann die Belastung der Targetschicht unter Umständen höhergetrieben
werden, da ihr Gehalt an Zielkernen einen stationären Gleichgewichtswert erreicht.
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Da z. B. für Kernreaktionen mit Deuteronen zur Erzeugung von Neutronen
Spannungen von über 100 kV erforderlich sind, wird bei der kurzen Beschleunigungsstrecke
die Feldstärke bzw. der Absaugradient sehr hoch -und setzt an der ionenemittierenden
Plasmagrenzschicht eine sehr hohe lonenemissionsstromdichte voraus, die im wesentlichen
durch die Plasma-Elektronentemperatur und die Ionendichte im Plasma gegeben ist.
Es wird also zur Erzeugung der Ionen eine Niederdruckentladung relativ hohen lonisationsgrades
verlangt. Infolge der unvermeidlichen Wandverluste des Enladungsraumes setzt eine
geeignete Niederdruckentladung eine erhebliche Leistungszufuhr voraus; die hohen
Emissionsstromdichten geben in Verbindung mit der hohen Absaugspannung (= Beschleunigungsspannung
100 kV) eine erhebliche Belastung der Prallelektrode. Der an der Prallelektrode
entstehende Sekundärelektronenanteil verursacht eine die Belastung der Prallelektrode
mehrfach übertreffende Belastung der Anode. Die thermische Belastung eines solchen
Systems wäre stationär auf die Dauer nur schwierig tragbar. Deshalb ist es besonders
vorteilhaft, das System in an sich bekannter Weise impulsmäßig zu betreiben, wobei
sowohl der Hochfrequenzgenerator als auch die Hochspannung der Prallelektrode impulsgetastet
werden.
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Der vorgeschlagene Impulsbetrieb erfordert einen leistungsstarken
Hochfrequenzgenerator, der bei Impulsdauern von etwa 10-5 Sekunden etwa 104
bis 101 Watt abzugeben vermag. Die Ankopplung der Hochfrequenzleistung geschieht
mittels einer Spule 6,
die das Entladungsgefäß umschließt.
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Die Frequenz der benutzten Hochfrequenzenergie ergibt sich aus den
Bedingungen des optimalen Zündeinsatzes der Entladung und ist zweckmäßigerweise
im Bereich von 10 bis 100 MHz zu wählen. Vorteilhaft ist es, das Entladungsgefäß
direkt im Anodenkreis eines getasteten Impulssenders anzuordnen, da die Belastungsänderungen
während der bei jedem Impuls erneut erfolgenden Zündung sich als beträchtliche Verstimmung
des Kreises auswirken.
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Das Plasma hohen Ionisationsgrades stellt eine sehr niederohmige,
mit dem Schwingkreis gekoppelte Sekundärwindung dar. Die von der Spule eingestrahlte
Hochfrequenzwelle
dringt nur in die Randzonen des Plasmas ein, der Innenraum ist infolge der hohen
Leitfähigkeit praktisch feldfrei. Unter diesen Bedingungen entspricht der gerichtete
Ringstromanteil im Plasma der Stroms-umme durch die Hochfrequenzspule.
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Nach der Zündung wird das Maximum der Ion!-sation in wenigen Mikrosekunden
(#tsee) erreicht. Zweckmäßig wird der Sender mit einem dreieckförmigen »Nadelimpuls«
erregt, der ein stetiges Anschwingen des Schwingkreises bewirkt und ein gleichmäßiges
Hochheizen des Plasmas bei geringerer Belastung der Senderöhren erlaubt als ein
Rechteckimpuls.
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Im Maximum der Plasmadichte, praktisch zur Zeit des höchsten Schwingkreisstromes,
wird der negative Hochspannungsimpuls an die Prallelektrode gelegt. Die Dauer des
Hochspannungsimpulses bemißt sich optimal aus der zulässigen momentanen Belastung
der Oberfläche der Prallelektrode, die mit dem Targetmaterial (z. B. Tritium in
titangebundener Form zur Neutronenerzeugung) belegt ist. Dabei müssen zu große momentane
Temperaturerhöhungen an der wenige Mikron starken aktiven Oberfläche möglichst vermieden
werden, da diese die stark temperaturabhängige Absorption des Targetgases zerstören
könnten. Es wird daher günstig sein, eine sehr wirksame Kühlung an der aus gut wärmeleitendem
Material hergestellten Prallelektrode vorzusehen. Die höchstmögliche Impulsfolgefrequenz
richtet sich im -übrigen nach der mittleren Leistung, die durch das bzw. die Kühlsysteme
von Prallelektrode und Anode bewältigt werden können. Auch die Temperatur des Gefäßes
muß beachtet werden, es wird daher zweckmäßig durch kräftigen Luftstrom gekühlt.
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Der Hochspannungsimpuls soll möglichst rechteckige Form haben, um
die nutzlose Belastung des Targets zu Zeiten der Impulsflanken kleinzuhalten. Es
empfiehlt sich, den Hochspannungs-Impulstransformator möglichst dicht am Neutronenblitzrohr
anzuordnen und die Isolation der Spannungszuführung organisch an den Hochspannungstransformator
anzupassen, um möglichst wenig schädliche Kapazität aufladen zu müssen.
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Die Röntgen-Bremsstrahlung der Anode läßt sich durch Verwendung eines
Materials geringer Ordnungszahl (z. B. Be oder Graphit) für die von den schnellen
Sekundärelektronen getroffenen Teile herabsetzen.
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Die Vorrichtung hat gegenüber dem Kaskadenbeschleuniger neben dem
relativ sehr kleinen Aufwand noch weitere große Vorteile: Sie läßt Impulsionenströme
von mehreren Ampere zu und benötigt keine lange fokussierende Beschleunigungsstrecke.
Dabei ist die mittlere Belastung des Systems durchaus mit der Belastungsfähigkeit
der Kaskadenbeschleuniger vergleichbar und richtet sich ebenso wie deren Belastbarkeit
im wesentlichen nach der Leistungsfähigkeit der Prallelektrode.
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Allen bekanntgewordenen instationären Anlagen gegenüber wird durch
die impulsgetastete elektrodenlose Hochfrequenzentladung hohen Ionisationsgrades
mit der an die Eigenschaften des ionenemittierenden Plasmas elektrisch stationär
angepaßten raumladungsbeschwerten Ionenbeschleunigungsstrecke der Vorteil erreicht,
daß das Plasma nicht wesentlich von der Prallelektrode zurückweicht, so daß längere
Impulsdauern möglich sind.
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Die Vorrichtung wird vorteilhaft wie folgt betrieben: In der Zeit
nach Beginn des Hochfrequenz-Leistungsimpulses und nach erfolgter Zündung der Entladung
quillt das Plasma aus der Emissionsöffnung hervor, jedoch weicht es beim Einschalten
der Beschleunigungs-Hochspannung (zur Zeit der Anstiegsflanke des Hochspannungsimpulses)
nur bis an den vorgegebenen Ort in der Blendenöffnung zurück. Dort wird die ionenemittierende
Plasmagrenze (Doppelschicht) von der Blendenelektrode berandet. Die Krümmung der
Plasmagrenze läßt sich durch Wahl der Hochfrequenzleistung optimal einstellen und
bleibt dann während der gesamten Dauer konstanter Impuls-Hochspannung stationär.
In dieser Zeit herrschen die vorgegebenen optimalen Bedingungen in der Strahlführung.
Diese Verhältnisse werden als »elektrisch stationär« bezeichnet und sind maßgebend
für den Erfolg des aufgezeigten Verfahrens. Daß man mit der Vorrichtung auch die
Anwendungen umfassen kann, bei denen extrem kurze Zeitskalen Impulse von etwa 10-11
Sekunden voraussetzen, ist ein weiterer allgemeiner Vorteil.
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Als normale Impulsdauern sind Zeiten in der Größenordnung von
10-6 Sekunden anzusetzen.