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Für Druckgefäße und analog benutzte Bauteile brauchbarer, niedriglegierter,
gut schweißbarer Stahl Die Erfindung bezieht sich auf einen für Druckgefäße und
analog benutzte Bauteile brauchbaren niedriglegierten, gut schweißbaren Stahl. Derartige
Stähle hoher Festigkeit, wie sie für hochbeanspruchte Apparate und Maschinenbauteile,
beispielsweise Flanschteile, Feuerbüchsen, Druckgefäße u. dgl., benötigt werden,
erfordern außer einer hohen Streckgrenze eine gute Dehnung und Schweißbarkeit. Die
Erfindung betrifft deshalb im besonderen die Herstellung eines niedriglegierten
Molybdän-Nickel-Vanadium-Titan-Stahles hoher Festigkeit und die Herstellung von
wärmebehandelten Schmiede- und Formstücken für den Apparate- und Maschinenbau.
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Eine diesen Anforderungen entsprechende, insbesondere für Druckgefäße
brauchbare Stahllegierung ist bereits bekanntgeworden, in der neben Eisen etwa 0,1
bis 0,6% Kohlenstoff, 0,4 bis 1,5% Mangan, 0,3 bis 1,5% Kupfer, 0,2 bis 0,6% Silizium,
0,15 bis 0,51/o Molybdän, wirksamen Spuren bis etwa 0,061/o der Elemente Niob, Tantal,
Zirkon, Bor, Titan sowie gegebenenfalls 0,3 bis 1,5% Nickel, gegebenenfalls bis
0,3% Chrom vorhanden ist.
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Um nun der Stahllegierung ein besonderes feinkörniges Gefüge zu verleihen,
werden gemäß der Erfindung einem Teil der obengenannten Legierungskomponenten eine
bestimmte Menge, vorzugsweise 0,03 bis 0,06% Aluminium und eine bestimmte Menge,
vorzugsweise 0,05 bis 0,13% Vanadium zulegiert. Dabei sind die Grenzen der einzelnen
Legierungskomponenten bei dem erfindungsgemäßen Stahl fast durchweg wesentlich enger
gezogen. Doch sei in diesem Zusammenhang erwähnt, daß es bei Stahllegierungen mit
einer Mehrzahl von Legierungskomponenten nicht möglich ist, empirisch den quantitativen
Einfluß einer einzelnen Legierungskomponente auf die Stahleigenschaft zu bestimmen,
da sich die Einflüsse aller Legierungskomponenten zu sehr überdecken und sich je
nach der Zusammensetzung anders auswirken. So ergeben die in dem erfindungsgemäßen
Stahl in einer bisher nicht bekannten Kombination verwendeten Bestandteile eine
Legierung, die den an sie gestellten Forderungen gerecht wird.
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Abgesehen hiervon ist eine Stahllegierung geschaffen, deren Eigenschaften
in Abhängigkeit von den Abmessungen des Werkstückes durch Variierung der Legierungsanteile
konstant bleiben.
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Die erfindungsgemäße Stahllegierung ergibt ein Material der gewünschten
Zugfestigkeit, Zähigkeit, Dehnbarkeit, hohen Nachgiebigkeit verbunden mit großer
Schlagfestigkeit bis zu -40° C.
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Der erfindungsgemäße Molybdän-Nickel-Vanadium-Titan-Stahl kann entweder
im Siemens-Martin-Ofen oder im elektrischen Schmelzofen hergestellt werden, wobei
ein Feinkornverfahren angewandt und ein geeigneter Zusatz eines Desoxydationsmittels,
beispielsweise Aluminium, verwendet wird, um eine Korngröße nach M c Q u a i d-E
h n. von höchstens Nr. 5 zu erreichen.
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Ein erfindungsgemäßer, für eine Vielzahl von Zwecken verwendbarer
Stahl setzt sich wie folgt zusammen:
Anteil in °/o |
Kohlenstoff . . . . . . . . . . . . . 0,08 bis 0,30 |
Mangan . . . . . . . . . . . . . . . . 0,90 bis 1,40 |
Phosphor . . . . . . . . . . . . . . . 0,040 (maximal) |
Schwefel . . . . . . . . . . . . . . . . 0,050 (maximal) |
Silizium . . . . . . . . . . . . . . . . . 0,15 bis 0,35 |
Nickel . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,25 bis 1,75 |
Vanadium . . . . . . . . . . . . . . 0,05 bis 0,13 |
Molybdän ............... 0,10 |
Titan . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 0,005 bis 0,05 |
Kupfer . . . . . . . . . . . . . . . . . 0,35 (maximal) |
Aluminium . . . . . . . . . . . . . . 0;03 bis 0,10 |
Eisen ... . ............... Rest *) |
*) Mit Ausnahme der üblichen Elemente für die Stahl- |
bildung. |
Wären die oben angeführten Legierungen bei der üblichen Gattierung hergestellt,
so wäre ihr Gehalt an Phosphor, Schwefel und Kupfergeringer, da diese Stoffe nicht
zur Festigkeit des Materials beitragen.
Es hat sich erwiesen, daß
legierte Stähle, die die vorgenannte Zusammensetzung aufweisen, eine hohe Zugfestigkeit
verbunden mit einer großen Schlagfestigkeit bis zu -40° C aufweisen. Die Streckgrenzen
der erfindungsgemäßen Stähle sind den zur Zeit auf dem Markt befindlichen Stählen
hoher Festigkeit gleich, in vielen Fällen sogar überlegen.
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Ein Legierungsmaterial zur Herstellung dünner Bleche oder Platten,
Stangen, Stäbe oder sonstiger Formen von weniger als 12,7 mm Stärke oder Querschnitt
hat zweckmäßig eine chemische Analyse mit den folgenden Bereichen:
Anteil in °/o |
Kohlenstoff' . . . . . . . . . . . . . 0,08 bis 0,15 |
Mangan ...... ... ....... 0,90 bis 1,20 |
Silizium . . . . . . . . . . . . . . . . . 0,15 bis 0,35 |
Nickel . . . . . . . ... . . . . . . . . 1,25 bis 1,75 |
Vanadium . . . . . . . . . . . . . . 0,05 bis 0,10 |
Molybdän . . . . . . . . . . . . . . 0,10 bis 0,20 |
Titan . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 0,005 bis 0,02 |
Aluminium . . . . . . . . . . . . . 0,03 bis 0,06 |
Rest Eisen einschließlich der üblichen Verunreinigungen. Bei einem Material für
die Herstellung von Platten, Stangen, Stäben und sonstigen Formen von größerer Stärke
bzw. größerem Querschnitt ist eine chemische Analyse mit folgenden Bereichen vorteilhaft:
Anteil in ",'o |
Kohlenstoff . . . . . . . . . . . . . 0,18 bis 0,30 |
Mangan ................ 1,20 bis 1,40 |
Silizium . . . . . . . . . . ...... 0,20 bis 0,35 |
Nickel . ... . . . . . ........ . 1,50 bis 1,75 |
Vanadium . . . . . . . . . . . . . . 0,08 bis 0,13 |
Molybdän .............. 0,20 bis 0,30 |
Titan . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 0,005 bis 0,05 |
Aluminium . . . . . . . . . . . . . . 0,04 bis 0,10 |
Rest Eisen einschließlich der üblichen Verunreinigungen.
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Mechanische Eigenschaften Die mechanischen Eigenschaften der vorgenannten
Legierungen sind nach dem Normalisieren bei 899 bis 940° C und Glühen zum Erreichen
eines spannungsfreien Zustandes zwischen 593 und 677° C wie folgt:
Platten Platten Platten |
oder Teilstücke oder Teilstücke oder Teilstücke |
von 6,35 mm Stärke von mehr als 6,35 von mehr als 38,1 |
und darunter bis 38,1 mm Stärke bis 76,2 mm Stärke |
Zugfestigkeit, kg/cm2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . 7031 bis 8788,5 7031 bis 8788,5 7031 bis 8788,5 |
Streckgrenze, mindestens kg/cm2 ................. 5624,5 5624,5
5624,5 |
Dehnung bei 51 mm Meßlänge, mindestens 9/o .... 18,0
20,0 20,0 |
Querschnittsreduktion, mindestens % ............ 45,0 55,0
55,0 |
Nach der Wärmebehandlung beträgt die Schlagfestigkeit des Materials, geprüft durch
die sogenannten Charpy-Proben, mindestens 2,073 mkg bei -40° C.
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Bei Kaltbiegeprüfungen erfüllen die hergestellten Teile die unten
aufgeführten Anforderungen, und zwar bei einem Abbiegen um 180° C auf einen Innendurchmesser,
der das folgende Verhältnis zu der Stärke des Prüfstückes hat:
Verhältnis des |
Biegebolzen- |
Stärke durchmessers |
zur Stärke |
des Prüfstückes |
Bis 38,1 mm ................... 2 |
Über 38,1 bis 76,2 mm . . . . . . . . . . 3 |
Die im folgenden angeführten mechanischen Eigenschaften beziehen sich auf über 76,2
mm starke Materialien, die von einer Normalisiertemperatur von 899 bis 954° C rasch
abgekühlt und anschließend zwischen 593 und 677° C spannungsfrei geglüht wurden.
Unter rascher Abkühlung von der Normalisiertemperatur versteht man das Abkühlen
der Stahlstücke in einer kurzen Zeit, normalerweise innerhalb von weniger als 10
Minuten, von der Normalisiertemperatur bis unter 538° C mit Hilfe eines Luftgebläses,
durch Besprühen mit Wasser oder durch Eintauchen in Wasser:
Platten |
oder Teilstücke |
über 76,2 mm Stärke |
Zugfestigkeit, kg/cm2 . . . . . . . . 7031 bis 8788,5 |
Streckgrenze, mindestens kg/cm2 5624,5 |
Dehnung bei 51 mm Meßlänge, |
mindestens °!o ............. 20,0 |
Querschnittsreduktion, |
mindestens % ............. 55,0 |
Nach der Wärmebehandlung beträgt die Schlagfestigkeit dieses Materials, geprüft
durch die Charpy-Proben, mindestens 2,073 mkg bei -40° C.
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Bei einer Kaltbiegeprobe an Stücken mit kleinerem Querschnitt, d.
h. Stangen mit einem quadratischen Querschnitt von 12,7 mm Seitenlänge, kann ein
solches Prüfstück bis auf einen Innendurchmesser zusammengebogen werden, der der
Stärke des Prüfstückes entspricht.
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Die Vorteile der erfindungsgemäßen Stahlmaterialien sind die folgenden:
1. Hohe Streckgrenze und Bruchfestigkeit bei guter Schlagfestigkeit bis auf -40°
C. Dabei werden Luftkühlung von der Normalisierungstemperatur und spannungsfreies
Glühen gegenüber einem
Abschrecken in einer Flüssigkeit und anschließendem
Anlassen bevorzugt.
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2. Durch beschleunigtes Abkühlen von 899° C auf weniger als 538° C
mittels Luftgebläse, durch Besprühen mit Wasser oder durch Eintauchen in Wasser
lassen sich starke Materialien, d. h. Materialien, die stärker als 76,2 mm sind
bzw. deren Querschnitt größer als 76,2 mm ist, erzielen, deren Schlagfestigkeit
bei niedrigen Temperaturen sehr gut ist.
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3. Die Eigenschaften des Materials ergeben sich aus einem Gefüge,
das aus Ferrit und feindispergiertem Perlit besteht und das gegenüber einem geglühten
Martensit bevorzugt wird, wie er bei ganz abgeschrecktem und dann angelassenem Material
entsteht.
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4. Die Verarbeitung und das Schweißen des Materials sind bei diesem
Gefüge einfacher. Verarbeitung Platten von 25,4 mm Stärke und darunter können auf
die gewünschte Größe abgeschert werden. Platten von mehr als 25,4 mm Stärke werden
nach vorherigem Erhitzen auf 93° C durch Gasbrennschneiden zugeschnitten. Das Biegen
der Platten kann heiß oder kalt erfolgen.
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Bei Anwendung eines geeigneten Schweißstabes und eines guten Schweißverfahrens
sind die Schweißergebnisse gut.