DE1093557B - Verfahren zur Herstellung von weitgehend thermostabilen Acrylnitril-Polymerisaten mit verbesserter Anfaerbbarkeit gegenueber basischen Farbstoffen - Google Patents
Verfahren zur Herstellung von weitgehend thermostabilen Acrylnitril-Polymerisaten mit verbesserter Anfaerbbarkeit gegenueber basischen FarbstoffenInfo
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Description
Acrylnitril-Polymerisate bzw. Mischpolymerisate besitzen technisch hohe Bedeutung, vor allem in Form der
daraus herstellbaren Fäden, Textilien, Filme, Folien usw. Diese Produkte haben aber den Nachteil, nur schwer
anfärbbar zu sein. Man hat daher schon vorgeschlagen, zur Verbesserung der Anfärbbarkeit basische, ungesättigte
Verbindungen einzupolymerisieren, wobei mit sauren Farbstoffen eine verbesserte Anfärbbarkeit erzielt wird.
Jedoch verfärben sich die so erhaltenen Mischpolymerisate in außerordentlich starkem Maße, wenn man sie höheren
Temperaturen aussetzt. Andererseits wurde auch vorgeschlagen, ungesättigte Säuren, wie Acrylsäure oder
Methacrylsäure, einzupolymerisieren, wobei eine gegenüber basischen Farbstoffen verbesserte Anfärbbarkeit
erzielt wird. Jedoch zeigen auch diese Produkte eine stark verminderte Thermostabilität.
Es wurde nun gefunden, daß man thermisch weitgehend stabile, mit basischen Farbstoffen gut anfärbbare
Acrylnitril-Polymerisate erhält, wenn man Acrylnitril mit solchen ungesättigten Carbonsäuren mischpolymerisiert,
deren Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindung aktiviert und deren freie Carboxylgruppe von der
Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindung durch mindestens 4 Kohlenstoff- bzw. Heteroatome getrennt ist. Als
ungesättigte Carbonsäuren eignen sich besonders Säureamide, wie sie beispielsweise durch Umsetzung von
ungesättigten Säuren bzw. Säurederivaten mit Aminocarbonsäuren entstehen.
Infolge der aktivierten Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppel-Verfahren
zur Herstellung
von weitgehend thermostabilen
von weitgehend thermostabilen
Acrylnitril-Polymeris aten
mit verbesserter Anfärbbarkeit
gegenüber basischen Farbstoffen
Anmelder:
Farbenfabriken Bayer Aktiengesellschaft, Leverkusen-Bayerwerk
Dr. Dietrich Glabisch, Leverkusen,
Dr. Wilhelm Becker, Köln-Stammheim,
und Dr. Ingofroh Dennstedt, Köln-Buchforst,
sind als Erfinder genannt worden
Zur Erzielung einer guten Anfärbbarkeit mit basischen Farbstoffen genügen schon geringe Mengen an einpolymerisierten,
carboxylgruppenhaltigen Verbindungen. Sie sollen 10% im Polymerisat nicht überschreiten, damit
die charakteristischen Eigenschaften der reinen Acryl-
bindung lassen sich die genannten Verbindungen mit 30 nitrilpolymerisate nicht zu stark verändert werden.
Acrylnitril besonders leicht mischpolymerisieren. Zu Vorzugsweise werden Mengen von 0,5 bis 5 °/0 angewandt.
Gemeinsam mit den erfindungsgemäßen carboxylgruppenhaltigen Verbindungen können auch noch andere,
mit Acrylnitril mischpolymerisierbare, ungesättigte Verbindungen eingesetzt werden, wie z. B. Acryl- oder
Methacrylsäureester, Styrol, Vinylchlorid oder Vinylidenchlorid.
Die Polymerisation von Acrylnitril mit den ungesättigten Säuren kann in Block, Lösung oder Emulsion
Als geeignete, ungesättigte Carbonsäuren seien z. B. 40 erfolgen, wobei die Polymerisation mit den üblichen
genannt: Ester, hergestellt durch Umsetzung von Acryl-, Radikalbildnern durchgeführt wird. So seien genannt:
Methacryl- und Crotonsäure mit Oxycarbonsäuren, wie sauerstoffabgebende Radikalbildner, wie Wasserstoffz.
B. /?-Oxypropionsäure oder Salicylsäure bzw. p-Oxy- peroxyd, die Persulfate, Peroxyde oder die Azokatalybenzoesäure.
Weiter sind zu nennen Säureamide, her- satoren, welche in Stickstoff- und Kohlenstoffradikale
gestellt durch Umsetzung von Acrylsäure, Methacryl- 45 zerfallen, wie z. B. Azodiisobutyronitril.
säure bzw. Crotonsäure bzw. deren Chloriden mit/?-Amino- Besonders günstig ist die Polymerisation in wäßrigem
propionsäure oder y-Aminobuttersäure oder ε-Amino- Medium bei ρπ-Werten unter 7. Als Aktivierungssystem
capronsäure. Die ungesättigten Amidosäuren haben den kommt in diesem Falle hauptsächlich die Kombination
Vorteil, weitgehend wasserlöslich zu sein und sind daher von Persulfaten und Schwefelverbindungen niederer
besonders geeignet für eine Polymerisation in wäßrigem 50 Oxydationsstufe in Frage.
den aktivierenden Gruppen gehören z. B. Halogenatome oder Mehrfachbindungen, wie sie in der CO- oder CN-Gruppierung
oder in aromatischen Ringsystemen vorliegen.
Die freie Carboxylgruppe muß von der Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindung
mindestens durch 4 Kohlenstoff- bzw. Heteroatome getrennt sein, wobei unter Heteroatomen z. B. O, N und S zu verstehen sind.
Medium. Als weitere ungesättigte Säuren seien genannt: die Umsetzungsprodukte von ungesättigten Isocyanaten,
wie Methacrylsäureäthylesterisocyanat mit den entsprechenden Amino- bzw. Oxycarbonsäuren.
Die nach dem beanspruchten Verfahren hergestellten Acrylnitril-Polymerisate zeigen eine hervorragende Anfärbbarkeit
mit basischen Farbstoffen und sind überraschenderweise in hohem Maße thermostabil. Selbst
009 649/445
Temperaturen von 16O0C werden von ihnen ohne jede
Farbveränderung vertragen.
In ein Gefäß, aus dem die Luft durch Stickstoff verdrängt ist, werden 280 Gewichtsteile Wasser und 20 Gewichtsteile
der jeweiligen unten angeführten Monomerengemische gefüllt, die klare Lösung mit Schwefelsäure auf
Ph 3 eingestellt und bei 300C mit 0,2 Gewichtsteilen
Kaliumpersulfat und 0,8 Gewichtsteilen Natriumpyrosulfit vei setzt. Nach wenigen Minuten beginnt sich ein
weißes Polymerisat abzuscheiden. Nach 3 Stunden ist die Reaktion beendet. Das Polymerisat wird abgenutscht,
gewaschen und bei 500C getrocknet.
Die Thermostabilität und Anfärbbarkeit wird an Filmen geprüft, die aus Dimethylformamidlösungen des
Polymerisates gegossen werden. Zur Prüfung der Thermostabilität wird der Film in Gegenwart von Luft 3 Stunden
lang auf 1600C erhitzt. Die Anfärbung der Filme wird mit
bekannten basischen Aminoanthrachinonen ausgeführt, wie sie z. B. in den Beispielen 1 und 2 der französischen
Patentschrift 1 158 839 beschrieben sind.
Folgende Monomerenmischungen seien als Beispiel genannt:
a) 95 Gewichtsteile Acrylnitril, 5 Gewichtsteile Acrylsäuremethylester.
b) 95 Gewichtsteile Acrylnitril 4,5 Gewichtsteile Acrylsäuremethylester,
0,5 Gewichtsteile Methacryloyl-ε-aminocapronsäure*).
c) 95 Gewichtsteile Acrylnitril, 3 Gewichtsteile Acrylsäuremethylester,
2 Gewichtsteile Methacryloylaminoessigsäure**).
d) 95 Gewichtsteile Acrylnitril, 2,2 Gewichtsteile Acrylsäuremethylester,
2,8 Gewichtsteile Methacryloyl-ε-aminocapronsäure.
e) 95 Gewichtsteile Acrylnitril, 5 Gewichtsteile Methacryloyl-e-aminocapronsäure.
In Tabelle I sind die Ergebnisse zusammengefaßt.
Ansatz | Ausbeute | 95 | J | K-Wert | Thermostabilität des Films (3 Stunden 1600C) |
Anfärbbarkeit mit basischen Amino anthrachinonen gemäß Beispiel 1 und 2 |
% | 1 | Film fast farblos | der französischen Patentschrift 1 158 839 | |||
a) 95 ACN*) 5AM*) |
} « | \ 93 | 89 | ungenügend | ||
b) 95 ACN | 1 | J | Film fast farblos | |||
4,5 AM | } | 86 | ausreichend | |||
0,5 MAC*) | \ 98 | |||||
c) 95 ACN | J | Film schon nach 1 Stunde | ||||
3AM | } * | 84 | stark gelb verfärbt | sehr gut | ||
2 MAE*) | ||||||
d) 95 ACN | Film fast farblos | |||||
2,2AM | 86 | sehr gut | ||||
2,8 MAC | Film fast farblos | |||||
e) 95 ACN 5MAC |
84 | sehr gut |
*) ACN = Acrylnitril.
AM = Acrylsäuremethylester.
MAE = Methacryloylaminoessigsäure.
MAC = Methacryloyl-E-aminocapronsäure.
MAE = Methacryloylaminoessigsäure.
MAC = Methacryloyl-E-aminocapronsäure.
*) Herstellung von Methylacryloyl-s-aminocapronsäure
132 Gewichtsteile ε-Aminocapronsäure werden in 650 Volumteilen 2 n-Na O H gelöst und bei —5° C portionsweise
abwechselnd mit HO Gewichtsteilen Methacrylsäurechlorid und 650 Volumteilen 2 n-Na O H versetzt
und jeweils so lange geschüttelt, bis das Säurechlorid sich gelöst hat. Nach dem Ansäuern auf pn 3 wird das
ausgefallene Reaktionsprodukt mit Essigester extrahiert. Aus der organischen Phase erhält man nach Entfernen
des Lösungsmittels und Umkristallisieren aus Äther reine Methacryloyl-e-aminocapronsäure vom Fp. 51°C.
Analyse:
Berechnet
gefunden
gefunden
C 60,05, H 8,55, N 7,05;
C 60,29, H 8,72, N 7,12.
C 60,29, H 8,72, N 7,12.
65
**) In analoger Weise kann aus Aminoessigsäure die Methacryloylaminoessigsäure vom Fp. 1040C dargestellt
werden.
Analyse:
Berechnet
gefunden
gefunden
C 50,40, H 6,29, N 9,80;
C 50,37, H 6,45, N 9,80.
C 50,37, H 6,45, N 9,80.
Wird bei dem Monomerengemisch gemäß Beispiel 1, d) die Kaliumpersulfatmenge auf 0,3 Teile und die Natriumpyrosulntmenge
auf 1,2 Teile erhöht, so wird ein Polymerisat mit einem niederen K-Wert von 75 erhalten. Die
Anfärbbarkeit ist sehr gut, ohne daß die Thermostabilität sich verringert, wie es meist bei niederviskosen
Typen der Fall ist.
Soll weniger Wasser, als zur Lösung des Monomerengemisches erforderlich ist, verwendet werden, so läßt
man das Monomerengemisch und Aktivatorsystem zu dem vorgelegten Wasser in dem Maße zutropfen, wie das
Polymerisat sich abscheidet.
1 Ub^ 0 07 5
In Tabelle II werden die hierbei erhaltenen Ergebnisse angeführt.
Ansatz | Reaktions- bedingungea |
Ausbeute % |
K-Wert | Thermo stabilität (3 Stunden 1600C) |
Anfärbbarkeit mit den Farbstoffen gemäß Tabelle I |
700 Teile Wasser 0,55 Teile Kaliumpersulfat 0,16 Teile Natriumpyrosulfit 95 Teile ACN 2,2 Teile AM 2,8 Teile MAC |
pH 3 T = 300C 2 = 4 Stunden |
86 | 90 | Film fast farblos | sehr gut |
In ein Druckgefäß, aus dem die Luft durch Stickstoff verdrängt ist, werden 259 Volumteile Wasser, 1,3 Volumteile
1 n-Schwefelsäure, 24 Volumteile Acrylnitril, 0,83 Volumteile Acrylsäuremethylester, 1 Gewichtsteil
p-Styrolcarbonsäure (Fp. 140 bis 143° C, aus 20°/0igem
Äthanol) sowie 14 Volumteile m/5-Natriumpyrosulfitlösung und 7 Volumteile m/5-Kaliumpersulfatlösung gefüllt.
Die Mischung wird 3 Stunden im Rollschrank auf 5O0C erwärmt. Man erhält nach Abnutschen, Waschen
mit Wasser und Methanol und Trocknen bei 500C in 95°/0iger Ausbeute ein rein weißes Polymerisat vom
K-Wert 96,4. Ein aus einer Dimethylformamidlösung des Polymerisates hergestellter Film ist hinsichtlich
Thermostabilität und Anfärbbarkeit mit einem Farbstoff gemäß Beispiel 1 einem ohne Verwendung von Styrolcarbonsäure
hergestellten Polymerisat deutlich überlegen.
Claims (2)
1. Verfahren zur Herstellung von weitgehend thermostabilen Acrylnitril-Polymerisaten mit verbesserter
Anfärbbarkeit gegenüber basischen Farbstoffen, dadurch gekennzeichnet, daß man Acrylnitril
mit solchen ungesättigten Carbonsäuren mischpolymerisiert, deren Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindung
aktiviert und deren freie Carboxylgruppe von dieser Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindung durch
mindestens 4 Kohlenstoff- bzw. Heteroatome getrennt ist, wobei die Menge dieser Verbindungen im
Polymerisat 10 Gewichtsprozent nicht überschreitet.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man die Polymerisation in wäßrigem
Medium bei pn-Werten unter 7, mit Redoxsystemen auf Basis von Persulfaten und Schwefelverbindungen
niederer Oxydationsstufen durchführt.
In Betracht gezogene Druckschriften:
Deutsche Patentschrift Nr. 871 515.
Deutsche Patentschrift Nr. 871 515.
1 009 649/445 11.60
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