<Desc/Clms Page number 1>
EMI1.1
EMI1.2
<Desc/Clms Page number 2>
Mit Hilfe des lebhaften violetten bis bläulichen Fluoreszenzlichtes der Mutterkornalkaloidlösungen vor der ultravioletten Lichtquelle kann man ebenfalls Adsorption und Entwicklung der Adsorptionsschichten bequem verfolgen und eine saubere Trennung der Alkaloide durchführen. Bei unscharfer Trennung der Schichten und beim Verarbeiten von Zwischenfraktionen wiederholt man das chromatgraphische Adsorptionsverfahren bis zur Erzielung einheitlicher Stoffe.
Es gelingt mit Hilfe der chromatographischen Adsorptionsanalyse nicht nur die Zerlegung von ballastfreien Ergotamin-Ergotaminin und Ergotoxin-Ergotinin-Gemisehen in ihre Komponenten von höchster Reinheit, sondern auch die Verarbeitung von Rohprodukten, wie sie aus Mutterkornextrakten gewonnen werden unter gleichzeitiger Abtrennung nicht alkaloidischer Begleitstoffe.
Bei der Untersuchung des obenerwähnten Mutterkornalkaloidpräparates Sensibamin, das in Chloroformlösung eine optische Drehung [u. [ = +125 zeigte, wurde die überraschende Beobachtung gemacht, dass sich das Präparat mittels des chromatographischen Adsorptionsverfahrens in eine rechtsund eine in linksdrehende Fraktion zerlegen lässt. Die linksdrehende Fraktion erwies sich als Ergotamin,
EMI2.1
tamins und der Rechtsdrehung des Ergotaminins etwa + 113'beträgt, so ist dieser Wert in annähernder Übereinstimmung mit dem für das Sensibamin angegebenen.
In ähnlicher Weise lässt sich das rechtsdrehende Ergoelavin in links-und rechtsdrehende Komponenten zerlegen.
Das chromatographische Verfahren ermöglicht weiterhin, das verhältnismässig schwer kristallisierbare Ergotoxin, das lange Zeit nur amorph erhalten werden konnte, von Begleitstoffen zu befreien und als freie Base in kristallisierter Form zu erhalten.
Diese erfolgreiche Anwendung der chromatographischen Adsorptionsanalyse für den hier beschriebenen Zweck konnte aber auch keineswegs aus der eingangs zitierten Literatur entnommen werden, da die Trennung der Mutterkornalkaloide oft grosse Schwierigkeiten bietet und je nach dem zur fraktionieten Kristallisation verwendeten Lösungsmittel überhaupt nicht durchgeführt werden kann.
Sämtliche bekannten Methoden zur Trennung und Reindarstellung von Mutterkornalkaloiden unterscheiden sich von dem vorliegenden Verfahren grundsätzlich, da indifferente Adsorptionsmittel im Sinne der Tswettschen Methode bisher nicht verwendet wurden. Am nächsten kommt dem neuen Verfahren die in der deutschen Patentschrift Nr, 357272 beschriebene Arbeitsweise ; als Adsorptionsmittel wird indessen bei diesem Verfahren angesäuerte Pflanzensubstanz verwendet, wodurch eine chemische Bindung mit den Pflanzenbasen erzielt wird. Die Möglichkeit der Trennung und Reindarstellung der empfindlichen Mutterkornalkaloide unter Ausschluss von chemischen Agentien, selbst ausgehend von noch unreinen Gemischen, bedeutet für die Technik einen bedeutenden Fortschritt.
Die Ausführung des Verfahrens geschieht in der Weise, dass man Rohextrakt oder Lösungen von Mutterkornalkaloiden in indifferenten Lösungsmitteln, wie Benzol und Homologe, Chloroform, Dichlorethylen oder in Gemischen dieser Lösungsmittel aufgelöst und diese Lösungen durch eine Säule von Adsorbentien, wie Zucker, Aluminiumoxyd, Caleiumoxyd, Calciumcarbonat, Fasertonerde usw., die in den Lösungsmitteln unlöslich sind, nach der Methode der chromatographischen Adsorption schickt.
Beim Eluieren entwickelt sich das im ultravioletten Lichte sichtbare Chromatogramm.
Die folgenden Beispiele zeigen sowohl die Arbeitsweise unter Verwendung von Reinalkaloidgemischen bekannter Zusammensetzung als auch die Reindarstellung von Alkaloiden aus Rohextrakten.
Selbstverständlich kann das im folgenden durch Beispiele erläuterte Verfahren ohne weiteres in den technischen Massstab mit grösseren Mengen übertragen werden.
Beispiel 1. Trennung eines Gemisches von Ergotamin und Ergotaminin.
Ein aufrecht stehendes, unten mit einem Filter versehenes und zu einem Schlauchansatz verengtes Glasrohr von 40 cm Länge und 22 mminnerem Durchmesser füllt man unter Saugen mit der Wasserstrahlpumpe und leichtem Stopfen in Portionen gleichmässig mit 120g Aluminiumoxyd (nach Brockmann) und erhält so eine 34 cm hohe Säule des Adsorptionsmittels, das nun zunächst mit reinem Chloroform
EMI2.2
taminin aufgegossen. Im Augenblick, wo die Alkaloidlösung vollständig in die Adsorptionssäule versickert, giesst man Chloroform nach und wird vor der ultravioletten Lichtquelle eine Schichtentrennung erkennen.
Eine relativ schmale, stark alkaloidhaltige Schicht wird vorgeschoben und läuft zuerst ab, dann folgt eine alkaloidarme Zone, während der obere Teil der Säule eine breite, zweite Alkaloidschieht durch lebhaft violett-weisse Fluoreszenz aufweist. Man sammelt die ablaufende, alkaloidhaltige Lösung in Frak- tionen getrennt und beobachtet im vorliegenden Falle bei den zuerst anfallenden 50 cm3 in 2 dm-Rohr eine polarimetrische Drehung von + 8'38 . Bei den weiteren 200 cm3 nimmt die Rechtsdrehung ständig ab. Nach sehr alkaloidarmen Zwischenfraktionen folgt die linksdrehende Lösung des Ergotamins, das, obschon es in Chloroform viel leichter löslich ist als Ergotaminin, erst viel später aus der Adsorptionssäule herausgelöst wird.
Wie weiter oben bemerkt, ist dieses Verhalten nicht einer chemischen Bindung des Ergotamins mit Aluminiumoxyd zuzuschreiben.
<Desc/Clms Page number 3>
Die rechtsdrehenden Fraktionen werden im Vakuum bei tiefer Temperatur zur Trockne verdampft (0'52 g). Durch einmaliges Umkristallisieren aus Pyridin wird daraus reines Ergotaminin in hoher Aus- beute gewonnen. Die linksdrehenden Formen geben beim sorgfältigen Einengen zur Trockne 0'33 g reines
Ergotamin, das aus wasserhaltigem Aceton sofort in den typischen Säulen der Ergotamin-Aceton-Wasser-
Kristallisation erhalten wird.
Beispiel 2. Trennung eines Gemisches von Ergotoxin und Ergotinin.
0'5 5 g amorphe Ergotoxinbase und 0'5 g krist. Ergotinin weiden in 100 cm3 Chloroform gelöst und in gleicher Weise wie in Beispiel 1 durch eine Adsorptionssäule geschickt. Beim Entwickeln und Eluieren der Adsorptionssehichten erhält man wiederum zuerst rechtsdrehende Fraktionen, die nach dem sorg- fältigen Eindampfen in der Kälte ohne weiteres schön kristallisiertes Ergotinin liefern. Aus dem Rück- stand der linksdrehenden Fraktionen werden durch Auflösen in möglichst wenig Benzol und Stehen- lassen Prismen erhalten, wie sie für die Ergotoxinbase in der britischen Patentschrift Nr. 286400 be- schieben sind.
Trotzdem von amorphen Ergotoxin ausgegangen wird, erhält man nach dem vorliegenden
Verfahren kristallisierte Ergotoxinbase in guter Ausbeute, während ein ebenso reines, kristallisiertes
Produkt nach der bekannten Methode aus Ergotoxinphosphat nur nach mehrmaligem, verlustreichem
Umkristallisieren des Salzes gewonnen werden konnte. Das Beispiel zeigt daher zugleich die Arbeitsweise, wie man aus amorphem Ergotoxinphosphat leicht zu einem kristallisierten Alkaloid gelangen kann.
Die vorherige Abtrennung von Ergotinin auf chemischem Wege, so dass mehr oder weniger einheitliches
Ergotoxin bereits vorliegt, vereinfacht die Arbeitsweise noch.
Beispiel 3. Aufteilung von Sensibamin in seine Komponenten.
1 g des nach der britischen Patentschrift Nr. 388529 hergestellten Sensibaminpräparates wird in 100 cm3 Chloroform gelöst und durch eine gleiche Adsoiptionssäule wie in Beispiel 1 und 2 geschickt.
Die Trennung in das stark rechtsdrehende Ergotaminin und das linksdrehende Ergotamin erfolgt ganz analog wie bei der Verwendung des Gemisches von Ergotamin und Ergotaminin in Beispiel l. Nach dem Entwickeln der Schichten und beim Eluieren läuft zuerst eine rechtsdrehende Fraktion ab, aus der das Ergotaminin beim Umkristallisieren aus Pyridin in den bekannten, charakteristischen Dreiecken auskristallisiert. Der durch sorgfältiges Eindampfen gewonnene Rückstand der später folgenden linksdrehenden Fraktion liefert aus wasserhaltigen Aceton die typischen, stark lichtbrechenden, rhombischen
Säulen des Ergotamins.
In gleicher Weise liess sich ein nach der deutschen Patentschrift Nr. 606778 dargestelltes Alkaloidpräparat, das in Chloroform [ < x] i ? == +115 aufwies, mit der Adsorptionsanalyse mit Chloroform als Lösungsmittel in eine zuerst ablaufende, rechtsdrehende und eine später folgende linksdrehende Fraktion zerlegen. Bei unscharfer Trennung, wie sie bei Zwischenfraktionen vorkommen kann, muss die Adsorptionsanalyse wiederholt werden.
Beispiel 4. Reindarstellung von Ergotamin aus einem Rohextrakt.
100 cm'eines nach der deutschen Patentschrift Nr. 357272, Beispiel 2, hergestellten ergotaminhaltigen Benzolextraktes aus Mutterkorn, der noch Mutteikornöl und andere Verunreinigungen enthält, wird durch die mit Benzol getränkte Adsorptionssäule, die aus 120 g feinst gepulvertem, trockenem Milchzucker besteht, geschickt. Beim Nachwaschen mit Benzol läuft zuerst eine alkaloidfreie, ölhaltige Lösung ab, dann folgt eine Lösung mit allerdings nur Spuren von rechtsdrehendem Ergotaminin. Die Hauptalkaloidfraktion, die schliesslich folgt, enthält das linksdrehende Ergotamin von hoher Reinheit, so dass es nach sorgfältigem Eindampfen im Vakuum bei tiefer Temperatur und Aufnehmen mit wasserhaltigem Aceton in fast wasserhellen, stark lichtbrechenden, rhombischen Prismen und Tafeln kristallisiert.
Beispiel 5. Gewinnung von kristallisiertem Ergotoxin aus Mutterkornalkaloid-Rohpräparaten.
Aus einer ergotoxinhaltigen Mutterkorndroge wird nach bekannten Methoden das Gemisch der Gesamtalkaloide des Mutterkorns gewonnen. 1 g eines solchen Präparates wird in 50 cm3 Chloroform gelöst und durch eine Adsorptionssäule geschickt, wie es in Beispiel 1 und 2 beschrieben ist. Beim Entwickeln der Schichten und Eluieren gehen zuerst alkaloidfreie Substanzen ab, worauf eine rechtsdrehende Alkaloidlösung folgt, aus der je nach Herkunft der Droge und nach Verarbeitung derselben mehr oder weniger Ergotinin in Kristallen isoliert werden kann. Später durchlaufende Eluate sind linksdrehend
EMI3.1
1. Verfahren zur Trennung, Zerlegung und Reindarstellung von Mutterkornalkaloiden, dadurch gekennzeichnet, dass man Lösungen von Mutterkornalkaloiden in indifferenten Lösungsmitteln dem chromatographischen Adsorptionsverfahren unterwirft.