

„Die Lieder auf meinem Album waren und sind mein Heilungsweg. Ich brauche sie“, bekennt Kings Elliot auf jene ehrliche Art, die auch ihre Songs so tiefgehend macht. Für die schweizerisch-britische Sängerin steckt gefühlt ihr ganzer Lebensweg im Debütalbum. „‚Born Blue‘ ist die Essenz von allem, was ich bin“, sagt sie im Gespräch mit Apple Music. „Mit all den Facetten, die mich ausmachen.“ Und genauso klingt das emotional tiefgründige Werk auch: Ihre Songs sind rohe Geständnisse, die zugleich wie kleine Rettungsinseln wirken. Mal zerbrechlich am Klavier, mal getragen von epischer Wucht, halten sie Gegensätze aus und formen die zentrale Botschaft, Verletzlichkeit nicht als Schwäche zu sehen. „Ich hoffe, dass ‚Born Blue‘ Menschen erreicht, die sich in ihrer Traurigkeit oder Andersartigkeit wiederfinden und darin Trost oder einen Moment von Freiheit spüren können“, sagt Kings Elliot. Dabei ist ihr auch wichtig, klarzustellen, dass „‚Blue‘ nicht nur für Traurigkeit und Melancholie, sondern auch für endlose Freiheit, grenzenlose Tiefe und Kraft“ steht. „Die Farbe Blau vereint für mich die Schwere und Leichtigkeit, das Dunkle und das Hoffnungsvolle.“ Hier stellt die Sängerin ihre drei persönlichen Song-Highlights aus ihrem Debütwerk vor. „I Can’t Be Hurt By Anything“ „I Can’t Be Hurt By Anything“ ist in einer Phase entstanden, in der ich mich so niedergeschlagen fühlte, dass mich nichts mehr erreichen konnte. Genau darin wuchs dieses paradoxe Gefühl von Unantastbarkeit, fast wie Unbesiegbarkeit. Die ersten Strophen gab es schon länger, ursprünglich sogar mit einem Refrain, der sich aber zunächst nicht richtig angefühlt hat. Irgendwann hat es dann plötzlich Klick gemacht, und daraus wurde der Song, den ihr jetzt hört. Obwohl wir sehr lange daran gearbeitet haben, wurde er am Ende der kürzeste Song auf dem Album. Gerade deshalb bedeutet er mir so viel: Er bringt das Gefühl auf den Punkt, das ich zuvor nicht in Worte fassen konnte, und macht ihn zu einem meiner Lieblingssongs. „Whiskey And Wine“ „Whiskey And Wine“ ist für mich eine Hommage an Frauen – und damit meine ich wirklich alle Frauen. Es ist eine Hymne auf meine erste queere Erfahrung und zugleich der erste Song, den ich je veröffentlicht habe, der nicht aus Schmerz entstanden ist. Stattdessen zeigt er eine Seite von mir, die bisher keinen Platz gefunden hatte: verspielt, frei und offen queer. Ein Teil des Songs begegnete mir tatsächlich im Traum, und direkt nach dem Aufwachen habe ich ihn meinem Co-Writer und Producer halfrhymes ins Telefon gesungen. Uns wurde sofort bewusst, dass da etwas Besonderes war, dem wir nachgehen mussten. Immer wenn ich den Song höre, hebt er meine Stimmung, und ich bin mir sicher, dass er bei meinen Liveshows zu den Höhepunkten gehören wird. Auch das Musikvideo ist eines meiner liebsten, es steckt voller Leichtigkeit und Spaß, und ich kann es kaum erwarten, es mit allen zu teilen. „Made For Me There“ „Made For Me There“ habe ich vor etwa sechs Jahren geschrieben. Es ist der verletzlichste und letzte Song des Albums. Bis heute fällt es mir schwer, ihn anzuhören, ohne dass sich meine Augen mit Tränen füllen. Es ist ein Song, der Traurigkeit wirklich Raum gibt. Ich beschäftige mich darin mit der Vorstellung eines „Jenseits“, weil das Glück, nach dem ich suche, vielleicht in diesem Leben nicht für mich vorgesehen ist. Am prägendsten finde ich die zweite Strophe: Zuerst greife ich die Gerüchte über einen Ort auf, an dem geliebte Menschen auf uns warten und alles leichter wirkt. Doch dann stelle ich dieses Bild direkt infrage mit der Zeile: „but someone said it wouldn’t be worth it/the place is deserted/there’ll be no more roses, no more stings“ („Aber jemand sagte, es lohne sich nicht / Der Ort sei verlassen / Es werde keine Rosen mehr geben, keine Stiche mehr“). Genau darin liegt für mich die wichtigste Botschaft des Songs.